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Was ist eine Forschungsgrabung?

Überlegungen zu archäologischem Recht, Theorie und Praxis im Denkmalschutz

 

Raimund Karl

Prifysgol Bangor University

 

Abstract: Der österreichische archäologische Denkmalschutz wird von gravierenden Problemen geplagt, die den Anspruch des österreichischen Gesetzgebers den österreichischen überkommenen Kulturgutbestand schlechthin zu schützen nachgerade lachhaft erscheinen lassen. Es fehlt eine systematische archäologische Landesaufnahme, die von den 15 völlig überlasteten Fachbeamten im Bundesdenkmalamt nicht ausreichend erledigt werden kann, und daher sind die meisten archäologischen Objekte in Österreich noch völlig unbekannt. Dies verschärft gravierend das Problem der „fundzentrierten“ Sichtweise des Denkmalschutzgesetzes. Der dichotomische Schutz für einerseits „Zufallsfunde“ und andererseits „vorsätzlich entdeckte Funde“ führt nämlich dazu, dass die am stärksten gefährdeten archäologischen Objekte – nämlich die, die noch nicht gefunden wurden und daher überhaupt noch nicht bekannt sind – völlig ungeschützt sind. Bedroht werden diese hauptsächlich durch die rapide zunehmende Flächenneuverbauung – zuletzt durchschnittlich 11 ha täglich – bei denen auch Maßnahmen im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen nicht wirklich greifen, weil auch bei diesen, nicht zuletzt neuerlich auf Grund der massiven Arbeitsüberlastung der 15 zuständigen Beamten, der archäologische Denkmalschutz nur jene Fundstellen schützen kann, die bereits bekannt sind. Zusätzlich führen die Definitionen des DMSG, vor allem die der „Forschungsgrabung“ im Sinne des § 11 Abs. 1 DMSG zu skurilen archäologisch-denkmalschützerischen Paradoxa; die „Forschungsgrabung“ des Gesetzes hat noch dazu kaum Überschneidungen mit der Bedeutung des gleichen Begriffs in der archäologischen Fachwissenschaft. In diesem Beitrag werden diese Probleme diskutiert und ein Vorschlag gemacht, wie ein den modernen Notwendigkeiten angemessenerer, besserer und vor allem effektiverer „gefährdungszentrierter“ archäologischer Denkmalschutz erreicht werden könnte.

Einer der wenigen archäologischen Fachbegriffe, der im österreichischen Recht eine konkrete Definition erfährt, ist der Begriff „Forschungsgrabung“. Zusätzlich dazu wurde auch der allgemeinere Begriff „Grabung“ bzw. „Ausgrabung“ durch höchstgerichtliche Judikatur näher bestimmt. Dies ist in Anbetracht der Tatsache, dass nahezu kein anderer archäologischer Begriff eine rechtliche Definition erfahren hat, ja nicht einmal die Berufsbezeichnung „Archäologe“ gesetzlich geschützt ist, sondern jeder Staatsbürger, dem dies gefällt, sich selbst als „Archäologe“ bezeichnen darf, doch einigermaßen überraschend. Noch überraschender ist jedoch, wie die rechtliche Definition des Grabungsbegriffs aussieht und wie weit diese vom innerfachlichen Verständnis des Grabungs- und insbesondere des Forschungsgrabungsbegriffes abweicht. Eine genauere Betrachtung dieser Begriffe und der Entstehung der rechtlichen Begriffsdefinitionen scheint daher höchst angebracht, umso mehr, als diese bisher, wenigstens aus facharchäologischer Sicht, nicht erfolgt zu sein scheint und die rechtliche Begriffsdefinition fachlich bisher überhaupt nicht rezipiert, reflektiert und schon gar nicht diskutiert zu sein worden scheint.


Die Rechtslage

Wie werden nun also im österreichischen Recht diese essentiellen archäologischen Begriffe definiert? Betrachten wir zuerst die gesetzliche Definition des Begriffs Forschungsgrabung, die in § 11 Abs. 1 Denkmalschutzgesetz (DMSG) in derzeit geltender Fassung (BGBl. I 170/1999) zu finden ist:

„§ 11. (1) Die Nachforschung durch Veränderung der Erdoberfläche bzw. des Grundes unter Wasser (Grabung) und sonstige Nachforschungen an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche dürfen nur mit Bewilligung des Bundesdenkmalamtes vorgenommen werden, soweit Abs. 2 und 9 nichts anderes vorsehen (Forschungsgrabung). …“ (DMSG 1999, 1344)

Diese (einigermaßen allgemeine) Definition wird durch zwei weitere wesentliche Dokumente noch näher bestimmt. Hier ist zuerst ein Entscheid des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) zu nennen, der noch unter einer früheren Fassung des DMSG ergangen ist. In der damaligen Fassung des DMSG (BGBl. 167/1978) war der § 11 Abs. 1 DMSG noch weit unschärfer gefasst und lautete wie folgt:

„§ 11. (1) Ausgrabungen zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale dürfen nur mit Bewilligung des Bundesdenkmalamtes vorgenommen werden.“ (DMSG 1978, 1091)

Das genannte Entscheid des VwGH (vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213) betraf einen Fall, in dem die erste und zweite Instanz einen Laien, der im November 1982 archäologische Funde, konkret 8 römische Münzen, mit einem Metallsuchgerät gesucht und aufgesammelt hatte, wegen seines angeblichen Verstoßes gegen die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG in der damals geltenden Fassung mit einer Strafe von damals ATS 5.000,-- belegt hatte. In der Begründung ihres Bescheides berief sich dabei die erste Instanz (die Bezirkshauptmannschaft Mattersburg) auf den damaligen einschlägigen Gesetzeskommentar, in dem vom (laut loser Schutzhülle der Ausgabe) „mit der Materie und insbesondere auch mit der Novellierung des Denkmalschutzes laufend befaßten Autor“ ohne nähere Begründung ausgeführt worden war, dass

„Ausgrabungen zum Zwecke der Entdeckung […] auch dann vorgenommen [werden], wenn diese Ausgrabungen nur ganz wenig unter die Erdoberfläche geführt werden müssen und der Gegenstand zuvor mit Meßgeräten aufgespürt wurde, wie dies etwa bei der Suche nach verborgenen Münzen und anderen Metallgegenständen häufig der Fall ist. […] Auch derartige Ausgrabungen dürfen nicht ohne Bewilligung des Bundesdenkmalamtes durchgeführt werden.“ (Helfgott 1979, 83).

Die Straferkenntnis der ersten Instanz wurde im Berufungsverfahren von der zweiten Instanz (dem burgenländischen Landeshauptmann) vollinhaltlich aufrechterhalten. Auf die Frage, was eine „Ausgrabung“ im Sinne des § 11 Abs. 1 DMSG sei, ging die zweite Instanz dabei genauer ein:

„… Jedes archäologische Kulturgut stelle ein einmaliges historisches Dokument dar, dessen wissenschaftliche Erschließung eine Grundlage zur Erfassung der materiellen und geistigen Kultur des Menschen für alle Zeitepochen darstelle. Bei den aufgefundenen Gegenständen handle es sich jedenfalls um Kulturgüter, die den Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes unterlägen, ungeachtet ihres materiellen Wertes, ihres Erhaltungszustandes und der Häufigkeit ihres Vorkommens. Sinn der gegenständlichen gesetzlichen Bestimmungen könne es nur sein, Ausgrabungen zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale nötigenfalls einer fachmännischen Überwachung zu unterwerfen und einer Zerstörung, Veränderung und Verbringung von Kulturgütern entgegenzuwirken. Nach Auffassung der belangten Behörde schließe die „Ausgrabung zum Zwecke der Entdeckung“ die „Ausgrabung“ mit welchen Gegenständen auch immer (auch Hände) ebenso mit ein wie die „systematische archäologische Ausgrabung“ durch den Archäologen in Form von flächenmäßiger und schichtmäßiger Freilegung von Objekten. Die Verwendung von „Grabinstrumenten (Bagger, Schaufel etc.)“ erscheine bei vermuteten Kleingegenständen für einen Facharchäologen geradezu atypisch, weil diesfalls die Gefahr einer Zerstörung des Gegenstandes gegeben wäre.“ (VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213, 3-4).

Gegen die derart begründete Entscheidung der zweiten Instanz erhob der Metallsucher Beschwerde beim VwGH wegen Rechtswidrigkeit des Inhalts und Rechtswidrigkeit infolge von Verletzung von Verfahrensvorschriften. In seinem Entscheid (VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213, 5) schloss sich der VwGH in Bezug auf die Frage, was eine „Ausgrabung“ im Sinne des § 11 Abs. 1 DMSG in damals geltender Fassung darstelle, der ersten und zweiten Instanz an und führte dazu aus:

„Der belangten Behörde ist […] darin beizupflichten, daß eine Ausgrabung in Sinne der oben bezeichneten Gesetzesstelle [Anm. RK: § 11 Abs. 1 DMSG] auch dann vorliegt, wenn zum Zwecke der Entdeckung von Denkmalen nur in geringer Tiefe ein Eindringen in die Erdoberfläche (sei es auch nur durch Grabung mit den Händen) erfolgt.“ (VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213, 5).

Dadurch wurde die Rechtsauffassung der ersten und zweiten Instanz (auf die sich in weiterer Folge auch die Rechtsauffassung des BDA in Bezug auf die derzeit geltende Fassung des § 11 Abs. 1 DMSG stützt) durch den VwGH bestätigt und „Ausgrabung“ im Sinne des § 11 Abs. 1 DMSG in der Fassung BGBl. 167/1978 als jede, auch noch so geringe Veränderung der Erdoberfläche mit welchen Mitteln auch immer definiert.

Dennoch hob der VwGH die Straferkenntnis der untergeordneten Behörden wegen Verletzung von Verfahrensvorschriften auf. Denn, so führte der VwGH unmittelbar weiter aus:

„Aus dieser zutreffenden Rechtsauffassung der belangten Behörde ergibt sich andererseits aber auch, daß ein Verstoß gegen die Vorschrift des § 11 Abs. 1 des Denkmalschutzgesetzes nicht in Betracht kommt, wenn nur Oberflächenfunde getätigt wurden.“ (VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213, 5).

Denn tatsächlich hatte der erst- und zweitinstanzlich bestrafte Metallsucher durch alle Verfahrensstrufen stets darauf beharrt, keine Ausgrabungen vorgenommen sondern ausschließlich auf der Erdoberfläche liegende Funde aufgesammelt zu haben, die er – weil sich diese oft schlecht von der darunter liegenden Erdoberfläche abheben würden – zum Zwecke ihrer leichteren Entdeckbarkeit mit dem Metallsuchgerät geortet hatte. Dies, so führte er aus, fände auch eine Bestätigung in den Aussagen des ermittelnden Gendarmeriebeamten, denen zu entnehmen sei, dass er ebenso wie die ihn begleitenden Bekannten bei der Suche weder eine Schaufel noch ein sonstiges Grabungsinstrument mit sich geführt hätten (VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213, 2-3, 5). Auf dieses Vorbringen des Metallsuchers seien aber weder die erste noch die zweite Instanz in ihrer Begründung ausreichend eingegangen, da sie in ihren jeweiligen Entscheidungsbegründungen nicht dargestellt hätten, weshalb sie dem konsistenten Vorbringen des Metallsuchers, er habe nicht gegraben, keinen Glauben geschenkt hätten bzw. wie sie zu der ihrem Bescheid zu Grunde gelegten Annahme einer vom belangten Metallsucher durchgeführten Grabung gelangt seien (VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213, 6).

Dennoch, trotzdem im konkreten Fall das Straferkenntnis der unteren Instanzen gegen den Metallsucher aufgehoben worden war, hatte der VwGH dadurch, dass er die Rechtsauffassung der untergeordneten Behörden, dass eine Ausgrabung im Sinne der Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG auch dann vorliege, wenn auch nur sehr seicht und nur unter Zuhilfenahme der Hände die Erdoberfläche verändert worden war (die letztendlich auf einer autoritativ geäußerten, unbegründeten Ansicht des zuständigen Juristen im zuständigen Bundesministerium im von diesem verfassten einschlägigen Gesetzeskommentar beruht, Helfgott 1979, 83) bestätigt und somit eine rechtliche Definition des Begriffs „Ausgrabung“ vorgenommen.

Bereits in der darauf folgenden Fassung des § 11 Abs. 1 DMSG (BGBl. 473/1990; mit „Schwerpunkt Archäologie“, Bazil et al. 2004, 20) wurde daraufhin – wohl als Anlassgesetzgebung in Reaktion auf das Entscheid des VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213 zu verstehen – die Definition des Grabungsbegriffs erweitert und zusätzlich um den Begriff „Forschungsgrabung“ erweitert. Der relevante Wortlaut der Fassung BGBl. 473/1990, der weitgehend auch der derzeit geltenden Fassung entspricht, lautete:

„§ 11. (1) Die Nachforschung durch Veränderung der Erdoberfläche bzw. des Grundes unter Wasser (Grabung) und sonstige Nachforschungen an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche dürfen nur mit Bewilligung des Bundesdenkmalamtes vorgenommen werden, soweit Abs. 2 nichts anderes vorsieht (Forschungsgrabung).“ (DMSG 1990, 3141)

Als „Forschungsgrabung“ im Sinne der Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG in den Fassungen BGBl. 473/1990 und BGBl. I 170/1999 ist also nunmehr jede Nachforschung an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche definiert, gleichgültig ob dabei nun die Erdoberfläche bzw. der Grund unter Wasser in irgendeiner Weise verändert wird. Dass dies, facharchäologisch betrachtet, eher seltsam wirkt und der innerfachlichen Definition einer „Forschungsgrabung“ nicht im Entferntesten entspricht, sei an dieser Stelle bloß erwähnt, es wird jedoch später noch genauer auf diesen Punkt einzugehen sein.

Das zweite hier ebenfalls im Rahmen der rechtlichen Definition der „Forschungsgrabung“ noch zu nennende Dokument sind die erstmals 2010 veröffentlichten, inzwischen in zweiter und dritter, überarbeiteter Fassung vorliegenden Richtlinien für archäologische Maßnahmen der Abteilung für Archäologie des BDA (2012; 2014). In den einleitenden Abschnitten der Richtlinien führt nun das BDA näher aus, welche Maßnahmen seiner Rechtsauffassung zufolge der Bewilligungspflicht des § 11 Abs. 1 DMSG in derzeit geltender Fassung unterliegen, und definiert somit den Begriff „Forschungsgrabung“ im Sinne der derzeitigen Gesetzgebung noch genauer.

Laut den Richtlinien nicht bewilligungspflichtig sind alle archäologischen Maßnahmen (worunter wohl alle Nachforschungen zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche zu verstehen sind), die nicht an Ort und Stelle durchgeführt werden. Dazu gehört, explizit ausgeführt, die Archivrecherche, z.B. in einschlägigen archäologischen Einrichtungen (BDA, Bundes-, Landes- und örtliche Museen, ÖAI, ÖAW, einschlägigen Universitätsinstituten etc.) sowie wohl auch (obgleich nicht explizit erwähnt) die Recherche in archäologischer Fachliteratur; die Luftbildarchäologie; sowie das luftfahrzeuggetragene Laserscanning, z.B. zur Erstellung topografischer Geländemodelle (BDA 2014, 7-8). Als bewilligungspflichtig – und daher im Sinne des § 11 Abs. 1 DMSG als „Forschungsgrabungen“ zu verstehen – werden hingegen alle an Ort und Stelle durchgeführt werdenden Prospektionsmethoden, explizit genannt die geophysikalische Prospektion (z.B. Geomagnetik, Bodenradar, etc.), alle Untersuchungen vor Ort (z.B. Oberflächenbegehungen/surveys, geomorphologische Interpretation durch Augenschein, topografische Vermessung, etc.) und Rammkernsondierungen und Bohrungen (BDA 2014, 8) sowie natürlich archäologische Ausgrabungen im engeren Sinn (d.h. Veränderungen der Erdoberfläche bzw. des Grundes unter Wasser; BDA 2014, 8-13) bezeichnet.

Die in den Richtlinien vorgestellte, nähere Bestimmung, welche „archäologischen Maßnahmen“ nun also als Teil des rechtlichen Begriffs „Forschungsgrabung“ zu verstehen sind, umfassen also – wenigstens grosso modo – nahezu alle archäologischen Nachforschungsmethoden, die im Fach gewöhnlich unter dem Begriff „archäologische Feldforschung“ zusammengefasst werden (Drewett 1999). Einzig luftfahrzeugs- oder satellitengestützte „Feldforschungsmethoden“, deren innerfachliche Zuordnung zum Bereich der „archäologischen Feldforschung“ in erster Linie darauf beruht, dass sie sich in ihrer Funktion und teilweise sogar technologisch von vergleichbaren bzw. sogar identischen bodengestützten Verfahren (so z.B. dem bodengestützten Laserscanning) nicht unterscheiden, sind also rechtlich gesehen nicht als „Forschungsgrabung“ zu betrachten.


Was ist, archäologisch betrachtet, eine „Forschungsgrabung“

Die vom BDA in den Richtlinien (BDA 2012, 7-13) gewählte nähere Definition von „Forschungsgrabung“ mag, aus der Logik der historischen Entwicklung des Denkmalschutzgesetzes betrachtet, durchaus nicht abwegig erscheinen. Aus facharchäologischem Blickwinkel erscheint sie jedoch, ebenso wie die durch den VwGH in seinem Entscheid vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213 und der folgenden Gesetzgebung in BGBl. 473/1990 und BGBl. I 170/1999 gewählte Bestimmung jedweder (auch noch so geringer) Veränderung der Erdoberfläche bzw. des Grundes unter Wasser, einigermaßen ungewöhnlich, seltsam und auch keineswegs dem vorgeblichen Sinn des DMSG (wie z.B. ebenfalls in VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213 erläutert) entsprechend.

Prospektionsmaßnahmen

Aus archäologischer, fachlichwissenschaftlicher Sicht ist jedenfalls einmal deutlich zwischen Prospektionsmaßnahmen, die in der Regel im Vorfeld der Grabung erfolgen, und der Grabung selbst, deutlich zu unterscheiden. Zweck von Prospektionsmaßnahmen ist es jedenfalls vor dem Beginn einer allfälligen archäologischen Ausgrabung oder auch nur im Rahmen einer allgemeineren, nur mittelbar auf später mögliche Grabungen ausgerichteten, mehr oder minder systematischen archäologischen Landesaufnahme Informationen darüber zu gewinnen, ob und, wenn ja, nach Möglichkeit welche Arten von archäologischen Funden und Befunden auf einer bestimmten Bodenfläche auf oder unter der Erdoberfläche bzw. dem Grund unter Wasser zu erwarten sind.

Die Prospektion dient also, im Rahmen einer (mehr oder minder) systematischen archäologischen Landesaufnahme, der Früherkennung möglicherweise archäologisch „verseuchter“ Flächen, denen in weiterer Folge (z.B. wenn diese verbaut werden sollen) größere Aufmerksamkeit, z.B. durch die praktische archäologische Denkmalpflege, geschenkt werden sollte als solchen Flächen, auf denen archäologische Prospektionsmaßnahmen kaum oder keine solchen, archäologisch mutmaßlich relevanten, Störungen des natürlichen Untergrundes gezeigt haben. Soweit dabei genauere Aussagen (im Sinne einer Interpretation von Untersuchungsergebnissen) zur Art der zu erwartenden Bodenstörungen möglich sind (z.B. dass es sich bei den entdeckten Bodenstörungen mutmaßlich um die Reste einer römischen Villa handelt), sind diese selbstverständlich erwünscht, aber nicht unbedingt notwendig: die Information, dass eine Störung präsent ist, ist als Prospektionsergebnis im Rahmen einer Landesaufnahme absolut ausreichend.

Dementgegen dient die Prospektion im Vorfeld einer geplanten archäologischen Ausgrabung der genaueren Abschätzung der zu erwartenden, archäologisch relevanten Bodenstörungen, sowie, soweit möglich, der strategischen Grabungsvorbereitung, d.h. der Planung des Umgangs mit diesen Störungen. Dabei ist eine der wesentlichsten Aufgaben der Prospektion solche Zonen der Fundstelle zu identifizieren, mittels deren Ausgrabung die vom ausgrabenden Forscher gestellten Forschungsfragen möglichst effektiv und mit der geringstmöglichen Zerstörung von sonst noch in situ vorhandenen Überresten möglich ist. Eine zweite ganz wesentliche Aufgabe der Prospektion in der Grabungsvorbereitung ist die dadurch erreichbare Planbarkeit der Ausgrabung selbst, insbesondere wenn die Grabung nicht als im eigentlichen innerfachlichen Sinn definierte „Forschungsgrabung“, d.h. als normalerweise kleinere, nicht unter Zeitdruck durchgeführte, Grabung zur Beantwortung vorab gestellter, konkreter wissenschaftlicher Forschungsfragen, sondern als im fachlichen Sinn definierte „Feststellungs-„ bzw. „Rettungsgrabung“, d.h. als oft größere, unter mehr oder minder intensiven Zeitdruck durchzuführende, Grabung zur Rettung aller oder wenigstens der wichtigsten allfällig noch in situ vorhandenen archäologischen Überreste vor einer durch moderne Umwelteinflüsse (seien diese natürlich, z.B. durch Erosion, oder humangeneriert, z.B. durch geplante Baumaßnahmen) zu erwartenden teilweisen oder vollständigen Zerstörung der Fundstelle durchgeführt werden muss. Gerade im letztgenannten Fall erlaubt die Prospektion oft nicht nur Aussagen zur mutmaßlichen Ausdehnung der Fundstelle zu machen, sondern, insbesondere wenn moderne Prospektionsverfahren wie Bodenradar oder andere Bodenstörungen dreidimensional abzubilden vermögende Methoden eingesetzt werden, auch die zu erwartende, auszugrabende Kubatur und die zu erwartende Komplexität der an Ort und Stelle vorhandenen archäologischen Stratifikation abzuschätzen. Dies wiederum erlaubt entweder eine genauere Abschätzung des für eine Ausgrabung der archäologischen Bodenstörungen in einer gewissen Zeit nötigen Personals oder umgekehrt, bei feststehendem Personal, die mit diesem Personal zur Ausgrabung der archäologischen Bodenstörungen notwendigen Zeit und – gegebenenfalls, wenn die Kombination aus verfügbarem bzw. finanzierbarem Personal und verfügbarer Zeit keine vollständige Ausgrabung aller archäologischen Bodenstörungen wahrscheinlich erscheinen lassen – daraus abgeleitet eventuell die bereits vor der tatsächlichen Ausgrabung im Feld stattfindende Entwicklung einer der zu erwartenden Situation angemessenen Sampling- bzw. Beprobungsstrategie.

Die professionelle archäologische Prospektion ist also, unabhängig davon, welche genaue Prospektionsmethode zum Einsatz kommt (oder noch besser: welche verschiedenen Prospektionsmethoden zur Voruntersuchung einer Fundstelle zum Einsatz kommen), jeweils eine Maßnahme, die dem Zweck dient potentiell zu späterer Zeit zu erwartenden Zerstörungen archäologisch relevanter Informationen im Erdboden bzw. unter dem Grund unter Wasser besser vorbereitet entgegentreten, diese möglichst vermeiden oder, wo selbst das nicht möglich ist, diese wenigstens so weit als möglich reduzieren zu können.

Eingesetzt werden Prospektionsmethoden dafür hauptsächlich deshalb, weil die überwiegende Mehrheit davon weitgehend bis vollständig zerstörungsfrei funktioniert, also nicht – wie etwa die ebenfalls mögliche, aber bereits in den Bereich der zerstörenden Untersuchung durch Ausgrabung fallende, Anlage von Such- oder Probeschnitten – maßgeblich in den Erdboden eingreifen. Die meisten geophysikalischen Prospektionsmethoden zum Beispiel, wie Georadar und Geomagnetik, greifen überhaupt nicht mechanisch in den Boden ein, während andere geophysikalische Prospektionsmethoden wie die elektrische Bodenwiderstandsmessung bloß ein minimales Eindringen in die oberste Bodenschicht mittels kleiner Elektroden erforderlich machen. Die topografische Vermessung und geomorphologische Interpretation (ob nun auf Basis der Vermessung oder durch reinen Augenschein) greift ebenfalls bestenfalls minimal in den Boden ein (durch das Abstellen eines Reflektors, der normalerweise auf einem Stab montiert ist, dessen Spitze wenige Zentimeter in den Erdboden eindringen kann), wenn überhaupt (z.B. dann nicht, wenn man ein modernes reflektorloses Vermessungsgerät benutzt), und die meisten Surveys bzw. Oberflächenbegehungen führen normalerweise höchstens zur Aufsammlung von Streufunden (Gersbach 1998, 46), die ohnehin akut durch moderne Umwelteinflüsse gefährdet sind und daher wenn sie nicht aufgesammelt würden aller Wahrscheinlichkeit nach bald gänzlich verloren gehen würden und die in der fachlichen Wertschätzung in der Regel als (außer für Prospektionszwecke) weitgehend wertlos betrachtet werden (Karl i.V.; siehe dazu auch weiter unten). Einzig Rammkernsondierungen und die Entnahme sonstiger Bodenproben (z.B. Drewett 1999, 55-57; Roskams 2001, 57-8) greifen tatsächlich tiefer in den anstehenden Erdboden ein, aber auch hier ist durch die vergleichsweise geringen Dimensionen der Bohr- oder Rammkerne im Vergleich zu den wahrscheinlichen Gesamtdimensionen der archäologischen Bodenstörungen und die gewöhnlich recht lockere Streuung von Probenentnahmen in einem vorgeplanten Raster dafür gesorgt, dass deutlich weniger als 1% der Archäologie auf der untersuchten Gesamtfläche akut durch Zerstörung gefährdet wird.

Nicht zuletzt auf Grund der weitgehenden bis vollständigen Zerstörungsfreiheit von Prospektionsmethoden sind diese von (ob systematischen oder unsystematischen) Grabungen deutlich zu unterscheiden, auch und gerade denkmalschützerisch in der Interpretation der gesetzlichen Bestimmungen. Wenn es denn der Sinn der Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG sein soll, „…Ausgrabungen zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale nötigenfalls einer fachmännischen Überwachung zu unterwerfen und einer Zerstörung, Veränderung und Verbringung von Kulturgütern entgegenzuwirken…“ (VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213, 3), dann ist nicht einsichtig, warum die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG auch auf archäologische Prospektionsmaßnahmen anwendbar sein sollten, denn Prospektionsmaßnahmen dienen eben genau dazu der befürchteten Zerstörung oder Veränderung von Kulturgütern entgegenzuwirken, gefährden jedoch auf Grund ihrer weitgehend zerstörungsfreien Natur diese Kulturgüter nicht oder höchstens unmaßgeblich. Die Tatsache, dass manche Messungen bzw. Untersuchungen an Ort und Stelle durchgeführt werden, ändert daran nicht das Mindeste und bedingt unabhängig vom Durchführungsort keine Gefährdung archäologischer Kulturgüter (es sei denn, man geht davon aus, dass die reine Kenntnis der mutmaßlichen Existenz eines archäologischen Kulturguts bereits gleichbedeutend mit seiner Gefährdung durch Zerstörung, Veränderung oder Verbringung ist; wofür es jedoch – wenigstens was professionelle archäologische Prospektionsmaßnahmen betrifft – nicht den mindesten Anlass gibt).

Grabungen

Von den archäologischen Prospektionsmaßnahmen unterscheiden sich nun alle Arten von Grabungen maßgeblich dadurch, dass sie (normalerweise) in bedeutenderem Umfang in den Erdboden eingreifen und deshalb potentiell archäologische Ablagerungen (sowohl bewegliche Kleinfunde als auch die fachintern als normalerweise wesentlich bedeutender eingeschätzten Bodenstratifikationen) in stärkerem Maß zerstören oder verändern als Prospektionsmaßnahmen. Dabei ist jedoch gleich festzuhalten, dass nicht jede Grabung auch automatisch eine archäologische (Aus-) Grabung ist: auch das Ausheben einer Grube um darin einen Baum oder eine sonstige Pflanze einzusetzen oder das Ausheben eines Fundaments oder Kellers für ein geplantes Gebäude stellt eine Grabung dar, die archäologische Ablagerungen gefährden, verändern oder gar zerstören kann.

Archäologische Ausgrabungen

Von beliebigen sonstigen Grabungen, zu welchem Zweck sie auch immer durchgeführt werden, auf die noch weiter unten genauer einzugehen sein wird, unterscheiden sich wiederum archäologische Ausgrabungen im Sinn der fachlichen Definition des Begriffs maßgeblich. Aber nicht etwa dadurch, dass sie, wie in § 11 Abs. 1 DMSG insinuiert, „zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- oder Wasseroberfläche“ durchgeführt werden – denn dies kann auch bei anderen Grabungen zutreffen, z.B. jenen, die Metallsucher durchführen, wenn ihr Metallsuchgerät einen unter der Erdoberfläche verborgenen Metallgegenstand anzeigt, die definitiv in einem fachlichen Sinn nicht als archäologische Ausgrabungen zu betrachten sind – sondern vielmehr dadurch, dass sie normalerweise mittels facharchäologisch anerkannter Methoden durchgeführt und vor allem sachgemäß dokumentiert werden (siehe dazu z.B. Gersbach 1998; Drewett 1999, 58-144; Roskams 2001).

Wenigstens grob entspricht dies der Beschreibung der „systematischen archäologischen Ausgrabung“ als „flächenmäßiger und schichtmäßiger Freilegung von Objekten“ im oben diskutierten Entscheid des VwGH (vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213, 3-4), wobei jedoch zu beachten ist, dass die Freilegung allein eben nicht genügt um aus einer beliebigen sonstigen Grabung eine archäologische Ausgrabung im fachlichen Sinn zu machen; sondern es die sachgemäße wissenschaftliche Dokumentation der durch Ausgrabung freigelegten archäologischen Ablagerungen (d.h. sowohl beweglicher Kleinfunde als auch durch menschliche Handlungen erzeugter Erdschichten und Bodenstörungen) ist, die aus einem – wie auch immer systematisch ausgegrabenen – Loch eine archäologische Ausgrabung macht. Denn erst diese Dokumentation – gewöhnlich sowohl schriftlich in Form einer die getätigten Beobachtungen darstellenden Beschreibung, graphisch durch maßstabsgetreue Plan-, Profil- und sonstige technische Zeichnungen, fotografisch durch mit Maßstab skalierte technische Fotografien, stratigraphisch durch Niederschrift einer Schichtablagerungssequenz, sowie topografisch durch eine entsprechende Vermessung (Gersbach 1998; Drewett 1999; Roskams 2001) – stellt sicher, dass die den bei der Ausgrabung in situ zerstörten archäologischen Ablagerungen innewohnenden archäologischen Informationen, um deren Erhaltung als historische Quelle es letztendlich geht, auch tatsächlich der Nachwelt erhalten bleiben und damit der archäologischen Forschung weiterhin zur Verfügung stehen.

Wird keine solche sachgemäße Dokumentation angefertigt und entsprechend archiviert, kann aus fachlicher Sicht eine Grabung nicht als archäologische Ausgrabung bezeichnet werden, selbst wenn dabei Objekte flächenmäßig und schichtmäßig oder sonstwie systematisch freigelegt und auch entsprechend vorsichtig geborgen wurden. Denn letztendlich geht es bei der wissenschaftlich sachgemäßen archäologischen Ausgrabung eben nicht in erster Linie um die Bergung beweglicher Kleinfunde (auch wenn diese selbstverständlich, als wichtiger, beweglicher Teil der archäologischen Ablagerungen bei archäologischen Ausgrabungen ebenfalls geborgen werden), sondern in erster Linie um die Beobachtung der Stratifikation des Bodens selbst und die dadurch bestimmten Beziehungen von verschiedenen Bodenschichten zueinander, zu in ihnen enthaltenen unbeweglichen (z.B. Mauerresten) und beweglichen Objekten (Kleinfunden) und der Beziehungen zwischen den unbeweglichen und beweglichen Objekten selbst. Nur wenn diese Beobachtungen der verschiedenen Beziehungen durch Dokumentation erhalten werden, wird die archäologische Ausgrabung und alle dabei geborgenen beweglichen Objekte zu einer historischen Quelle; ohne die Erhaltung dieser verschiedenen Beziehungen sind die freigelegten und anschließend geborgenen Objekte kaum mehr als alter Müll bzw. Schrott, dem bestenfalls in Einzelfällen – wenn ein konkretes Objekt künstlerisch gestaltet worden ist – noch kunstgeschichtliche Bedeutung zuzukommen vermag, aber dessen archäologisches Aussagepotential auf nahezu Null reduziert wurde.

Bei archäologischen Ausgrabungen, d.h. um es ein wenig dramatischer auszudrücken bei systematisch sachgemäß dokumentierten Zerstörungen bzw. Veränderungen von archäologischen Kulturgütern durch mechanischen Abtrag archäologischer Ablagerungen unter der Erdoberfläche oder dem Grund unter Wasser, lassen sich nunmehr wieder zwei hauptsächliche Arten unterscheiden, die zwar auch viele Gemeinsamkeiten miteinander aufweisen, aber sich dennoch in einigen grundlegenden Aspekten fundamental und maßgeblich voneinander unterscheiden. Dies sind einerseits als Feststellungs- bzw. Rettungsgrabungen bezeichnete archäologische Ausgrabungen, andererseits die als Forschungsgrabungen im fachlichen Sinn zu bezeichnenden archäologischen Ausgrabungen.

Die wesentlichsten Unterschiede zwischen Feststellungs- bzw. Rettungsgrabungen einerseits und Forschungsgrabungen andererseits betreffen die Auswahl der Grabungsflächen, die für Ausgrabungen zur Verfügung stehende Zeit, die Bedrohungslage der zu untersuchenden Fundstelle, die Bedeutung konkreter wissenschaftlicher Forschungsfragen vor und bei der Ausgrabung und das primäre Ziel der Ausgrabungen und damit verbunden potentiell die Detailliertheit der angefertigten Grabungsdokumentation.

Rettungsgrabungen

Bei Feststellungs- bzw. Rettungsgrabungen wird normalerweise die Auswahl der zu untersuchenden Flächen und die für die Ausgrabungen zur Verfügung stehende Zeit mehr oder minder unmittelbar durch äußere, „nicht archäologische“ Umstände bestimmt, die meistens in direktem Bezug zur Bedrohungslage der Fundstelle stehen. In den meisten Fällen sind diese äußeren Umstände, die Flächenauswahl und zur Verfügung stehende Zeit mehr oder minder direkt bestimmen, geplante Baumaßnahmen auf der Fundstelle, deren geplante Ausführung wiederum die Bedrohung der Fundstelle darstellt. Weit seltener können aber auch andere äußere Umstände sein, so z.B. klimawandelbedingt verstärkte Erosion von archäologischen Fundstellen direkt an der Meeresküste, die sowohl die zu untersuchenden Flächen als auch die für diese Untersuchung zur Verfügung stehende Zeit bestimmen. Gerade bei geplanten oder bereits in Durchführung befindlichen Baumaßnahmen ist normalerweise die Fläche unmittelbar durch die  Bedrohung bestimmt, die von den Baumaßnahmen ausgeht: zu untersuchen sind bei einer Rettungsgrabung in einem derartigen Kontext all jene Flächen, auf denen mit der unmittelbar bevorstehenden Zerstörung aller sich auf diesen Flächen befindlichen archäologischen Ablagerungen zu rechnen ist, also das Baugelände selbst sowie potentiell zu seiner Erschließung mit notwendigen Infrastrukturelementen anzulegende Zu- und Ableitungen (sei es von Wasser, Gas und Strom oder von Fahrzeug- oder Personenverkehr). Gleichermaßen wird die für Grabungsarbeiten verfügbare Zeit durch diese äußeren Einflüsse bestimmt: muss die Baufirma das Bauvorhaben bis zu einem gewissen, vorab vereinbarten Termin fertiggestellt haben, muss sie spätestens zu einem bestimmten, einige Zeit vor diesem Termin liegenden, Zeitpunkt mit den Bauarbeiten beginnen und daraus ergibt sich ein normalerweise nur wenig flexibel verschiebbares Zeitfenster für allfällig auf der betroffenen Fläche durchzuführende Grabungsmaßnahmen.

Primäres Ziel von Rettungsgrabungen ist auch nicht etwa die Beantwortung konkreter wissenschaftlicher Forschungsfragen, zu deren Beantwortung Grabungen auf der zu untersuchenden Fundstelle herangezogen werden sollen, sondern die möglichst vollständige und möglichst genaue Dokumentation aller vor Ort beobachtbaren archäologischen Ablagerungen. Nachdem sich die untersuchenden Archäologen die Grabungsfläche nicht ausgesucht und in der Regel auch nicht dazu gekommen sind sich vorab im Sinne einer wissenschaftlichen Projektplanung zu überlegen, welche wissenschaftlichen Fragen (außer ganz grundlegende aber wissenschaftlich simple und wenig neue Erkenntnis bringende Fragen wie „wann wurde die Fundstelle von Menschen benutzt“) sie eventuell durch eine Ausgrabung auf den direkt gefährdeten Flächen der konkreten Fundstelle zu beantworten versuchen könnten, ist die primäre Aufgabe bei der Rettungsgrabung möglichst alle relevant erscheinenden Beobachtungen über die archäologischen Verhältnisse auf der Fundstelle aufzuzeichnen. Mithilfe dieser Aufzeichnungen, so die Hoffnung, wird dann später ein anderer Archäologe (vermutlich ein archäologischer „Schreibtischtäter“), der die Zeit und Möglichkeit zur Formulierung konkreter Forschungsfragen hatte, die Möglichkeit erhalten wenigstens einige seiner wissenschaftlichen Forschungsfragen anhand der dokumentierten Grabungsergebnisse zu beantworten; idealerweise sogar ganz ohne dafür auf zusätzliche Forschungsgrabungen im eigentlichen archäologischen Sinn dieses Begriffs angewiesen zu sein, rein auf Basis der bereits im Rahmen von Rettungsgrabungen getätigten und dokumentierten Beobachtungen. Das bedeutet natürlich keineswegs, dass bei Rettungsgrabungen auf weitergehende Forschungsfragen völlig verzichtet wird, sondern wo diese schon im Vorfeld der Grabung bestehen, z.B. weil sie generelle Forschungslücken betreffen, die durch die spezifische Rettungsgrabung wenigstens teilweise gefüllt werden könnten, oder sich im Laufe der Grabung ergeben, werden sie natürlich den Verlauf der Rettungsgrabung mit prägen; aber ihre Beantwortung steht eben nicht im Vordergrund der Grabungstätigkeit.

Schließlich ist bei Rettungsgrabungen, auf Grund der normalerweise durch externe Umstände bestimmten Untersuchungsfläche und für die Grabung zur Verfügung stehenden Zeit, kombiniert mit dem normalerweise nur in beschränkter Menge vorhandenen und sinnvoll auf einer Grabungsfläche einsetzbaren Personal, oft ein starker aber kaum vermeidbarer Zeitdruck gegeben. Und nachdem das primäre Ziel der Rettungsgrabung die möglichst völlständige und detaillierte Dokumentation aller vor Ort beobachteten archäologischen Ablagerungen ist; ist nötigenfalls bei Zeitdruck auf Rettungsgrabungen eine Auswahl zu treffen, welche Beobachtungen in welcher Detailliertheit dokumentiert werden können und welche Beobachtungen nur gröber oder sogar gar nicht dokumentiert werden können. Gleichermaßen sind bei gegebenen Zeitdruck Entscheidungen darüber zu treffen, welche archäologischen Ablagerungen fein, welche grob und welche eventuell sogar gar nicht ausgegraben werden. Es kann also bei Rettungsgrabungen durchaus vorkommen, und kommt tatsächlich weltweit sogar häufig vor, dass nur bestimmte Prozentsätze einer Fundstelle überhaupt ausgegraben werden, z.B. 10-25%, während der Rest der auf der Fundstelle vorkommenden archäologischen Ablagerungen ungegraben und undokumentiert zur Zerstörung freigegeben wird. Ebenso ist es international bei Rettungsgrabungen gang und gäbe, dass zahlreiche, oft über 50%, der archäologischen Ablagerungen nicht manuell, sondern mit Baggern und anderen schweren Baumaschinen ausgegraben und bestenfalls kursorisch auf Kleinfunde durchsucht werden (Barker 1993, 140-158; Drewett 1999, 98-103). Brutal ausgedrückt rettet man bei der Rettungsgrabung eben was mit den vorhandenen Mitteln in der vorhandenen Zeit gerettet werden kann, selbst wenn dabei häufig bei Ausgrabung und Dokumentation von der besten fachlichen Grabungs- und Dokumentationspraxis abgewichen werden muss.

Forschungsgrabungen im fachlichen Sinn

Davon unterscheidet sich nun wieder maßgeblich die Forschungsgrabung im fachlichen Sinn. Diese kennzeichnet sich dadurch, dass sie primär zum Zweck der Beantwortung einer oder mehrerer konkreter wissenschaftlicher Forschungsfragen geplant und durchgeführt wird, d.h. in erster Linie durch archäologische Gründe veranlasst und nicht etwa durch fachexterne Notwendigkeiten erzwungen wird. Und wenngleich eine Forschungsgrabung natürlich auch auf einer Fundstelle durchgeführt werden kann, die mittelbar oder unmittelbar mit einer Zerstörung durch moderne Umwelteinflüsse bedroht wird (und somit gleichzeitig auch die Funktion einer präventiven Rettungsgrabung erfüllen kann), ist es doch normalerweise so, dass die Fundstelle, die ja primär mit dem Grund ausgewählt wurde konkrete wissenschaftliche Forschungsfragen zu beantworten, nicht oder wenigstens nicht besonders akut durch moderne Umwelteinflüsse mit Zerstörung bedroht wird, also im engeren Sinn nicht gefährdet ist und es daher den ausgrabenden Archäologen normalerweise relativ uneingeschränkt möglich ist Grabungsflächen und die für die Grabungen zur Verfügung stehende Zeit frei zu bestimmen; d.h. so zu wählen, dass sowohl die Grabungsflächen aller Voraussicht nach optimal geeignet sind die gestellten Forschungsfragen beantworten zu können als auch dass die zur Verfügung stehende Zeit mit den vorhandenen Ressourcen eine weitgehend optimale Grabung ermöglicht. Gegebenenfalls ist es bei einer Forschungsgrabung normalerweise auch möglich archäologische Ablagerungen in einer Grabungskampagne nur teilweise auszugraben und dann zu späterer Zeit, z.B. im nächsten Jahr, in einer weiteren Grabungskampagne, die Ausgrabungen vor Ort fortzusetzen.

Nachdem bei Forschungsgrabungen eben normalerweise kein wie auch immer gearteter Zeitdruck die Archäologen zur raschen Durchführung der Grabung zwingt, ist es bei der Forschungsgrabung daher normalerweise auch möglich so fein zu graben, wie sinnvoll erscheint, und so genau zu dokumentieren, als dem Grabungsteam möglich ist; also sich an die beste wissenschaftliche Ausgrabungs- und Dokumentationspraxis so nahe als möglich anzunähern. Das bedeutet, dass auf einer Forschungsgrabung Bagger und anderes schweres Gerät idealerweise nur zum Wiederverfüllen der Grabungsflächen nach Abschluss der Grabungen zum Einsatz kommen müssen, obgleich es auch auf Forschungsgrabungen immer noch Teil der absolut normalen fachlichen besten Praxis ist den durch moderne Umwelteinflüsse bereits stark gestörten Oberboden (die „Pflugschicht“ bzw. „Humusschicht“) mit dem Bagger abschieben zu lassen (Barker 1993, 100; Gersbach 1998, 17-20; Drewett 1999, 98; Roskams 2001, 93-95) um rascher zu den im engeren Sinn befundführenden Schichten zu gelangen.

Gersbach schreibt dazu in seinem im deutschen Sprachraum allgemein als das Standardwerk zur archäologischen Ausgrabungstechnik angesehenen Buch Ausgrabung heute zur Anlage von Suchschnitten

„Im allgemeinen wird man den Maschineneinsatz bevorzugen und den (die) Suchschitt(e) mit einem Bagger in der abgesteckten bzw. vorgezeichneten Flucht bis in den gewachsenen Boden ausheben lassen.“ (Gersbach 1998, 17)

und zur Anlage von Grabungsflächen

„Der Humusabtrag erfolgt zumeist mit Frontlader oder Laderaupe mit Humusschaufel, je nach Untergrundbeschaffenheit und Geländeverhältnissen mit dem einen oder anderen Räumgerät. Auf durchfeuchtetem Untergrund ist ein Kettenfahrzeug einem luftbereiften vorzuziehen, weil es im allgemeinen weniger Schäden auf der Fläche verursacht. Allerdings muss eine Laderaupe im Gegensatz zum kostengünstigeren bereiften Selbstfahrer auf einen Tieflader an- und abtransportiert werden.“ (Gersbach 1998, 20).

Nach dem Humusabtrag ist aber auf archäologischen Forschungsgrabungen der Bagger normalerweise nicht mehr im Grabungseinsatz, sondern der Abtrag archäologischer Ablagerungen erfolgt rein manuell, gewöhnlich mittels Krampen / Spitzhacke, Stichspaten und / oder Schaufel in stärkeren archäologischen Bodenschichten bzw., wenn dünnere Schichten vorliegen oder schwerer zu definierende Schichtgrenzen freigelegt werden sollen, mit der Kelle oder anderem feineren Putzgerät. Die Entscheidung, welches Grabungswerkzeug für eine konkrete Aufgabe zum Einsatz kommt, ebenso wie die Entscheidung, wie vorsichtig das gewählte Werkzeug eingesetzt wird, hängt stark von den jeweils konkret gegebenen Umständen ab und wird entsprechend variiert, normalerweise von den Grabungsmitarbeitern selbst auf Basis ihrer einschlägigen Grabungserfahrungen oder, wenn sie sich selbst nicht sicher sind, wie am besten vorzugehen ist, in Rücksprache mit Kollegen und allfällig vorhandenen Schnittleitern bzw. der Grabungsleitung direkt.

Vergleichbares gilt in Bezug auf die Dokumentation der Forschungsgrabung: es werden angemessen feine Dokumentationsmethoden gewählt, für jede Beobachtung gewöhnlich wenigstens ein vollständiger Dokumentationssatz (verbale Beschreibung, graphische und fotografische Abbildung, stratigraphische Dokumentation und topografische Vermessung) angelegt und, falls zusätzliche Dokumentationsmethoden verfügbar sind, auch weitere Dokumentationsaufzeichnungen angefertigt, ja eventuell sogar mit neuen Methoden experimentiert (z.B. 3D-Laserscans oder photogrammetrische 3D-Modellerstellungen). Abhängig von den gestellten Forschungsfragen werden potentiell auch vermehrt Beprobungen der archäologischen Ablagerungen selbst vorgenommen werden, z.B. für sedimentologische, paläobotanische, palynologische oder chemische Analysen sowie gegebenenfalls auch für naturwissenschaftliche Datierungsmethoden (Barker 1993; Gersbach 1998; Drewett 1999; Roskams 2001).

Sehr vereinfacht gesagt, kann man also aus fachlicher Sicht zusammenfassen, dass eine Forschungsgrabung im fachlichen Sinn eine archäologische Ausgrabung unter besonders guten oder sogar idealen Bedingungen ist, bei der grabungstechnische und grabungsmethodische Entscheidungen nahezu ausschließlich aus fachwissenschaftlichen Erwägungen getroffen werden und eine den Standards bester wissenschaftlicher Praxis im Fach entsprechende oder diese gar übersteigende Dokumentation aller bei der Grabung getätigten Beobachtungen angefertigt wird; mit dem primären Ziel eine oder mehrere konkrete wissenschaftliche Forschungsfragen zu beantworten.

Die gesetzliche Definition des Begriffs „Forschungsgrabung“ im österreichischen Recht in § 11 Abs. 1 DMSG – jede Nachforschung an Ort und Stelle um bewegliche und unbewegliche Denkmale unter der Erd- oder Wasseroberfläche zu entdecken – stimmt mit dem Fachbegriff „Forschungsgrabung“ bestenfalls insofern überein, als natürlich auch die „Forschungsgrabung“ im fachlichen Sinn eine solche Nachforschung mit eben diesem Zweck ist. Dennoch scheint es – auf Grund der maßgeblichen fachlichen und sachlichen Unterschiede zwischen Prospektionsmaßnahmen, beliebigen Grabungen, Rettungs- und Forschungsgrabungen – nachgerade pervers gesetzlich eine Definition des Begriffs „Forschungsgrabung“ zu bestimmen, die von der fachlichen Praxis und vor allem auch von der in der Fachwelt vorherrschenden Einschätzung des Zwecks und der Bedeutung der Forschungsgrabung (und ebenso der Rettungsgrabung und von Prospektionsmaßnahmen) so dramatisch abweicht.

Dies gilt umso mehr, als die gesetzliche Definition zwei fachlich weitgehend irrelevante Elemente – die Frage, ob die Nachforschung mit dem Zweck der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale erfolgt, und ob sie an Ort und Stelle oder anderswo erfolgt – zum entscheidenden Faktor erhebt. Um dies in aller Deutlichkeit zu demonstrieren muss nun auf zwei weitere Punkte eingegangen werden, nämlich erstens auf die in der Fachwelt vorherrschende Wertschätzung der geschichtlichen, künstlerischen oder sonstigen kulturellen Bedeutung verschiedener archäologischer Objekte und archäologischer Beobachtungen und zweitens darauf, inwieweit der Zweck einer Grabung oder sonstigen Nachforschung für die Erhaltung archäologischer Ablagerungen im Erdboden wesentlich oder unwesentlich ist.


Fachliche Wertschätzung archäologischer Objekte und Beobachtungen

In § 1 DMSG werden wichtige Begriffsbestimmungen im Bereich des Denkmalschutzes vorgenommen und der Geltungsbereich des Denkmalschutzgesetzes insgesamt bestimmt. Von besonderer Bedeutung ist hier § 1 Abs. 1 DMSG, in dem die Grundlagen für das Verständnis des Rests des DMSG gelegt werden. Er lautet:

„§ 1. (1) Die in diesem Bundesgesetz enthaltenen Bestimmungen finden auf von Menschen geschaffene unbewegliche und bewegliche Gegenstände (einschließlich Überresten und Spuren gestaltender menschlicher Bearbeitung sowie künstlich errichteter oder gestalteter Bodenformationen) von geschichtlicher, künstlerischer oder sonstiger kultureller Bedeutung („Denkmale“) Anwendung, wenn ihre Erhaltung dieser Bedeutung wegen im öffentlichen Interesse gelegen ist. Diese Bedeutung kann den Gegenständen für sich allein zukommen, aber auch aus der Beziehung oder Lage zu anderen Gegenständen entstehen. „Erhaltung“ bedeutet Bewahrung vor Zerstörung, Veränderung oder Verbringung ins Ausland.“ (DMSG 1999, 1336)

Ein „Denkmal“ im Sinne des DMSG ist also prinzipiell einmal jeder von Menschen geschaffene oder gestaltend überarbeitete Gegenstand, unabhängig davon, ob er beweglich oder unbeweglich ist. Deshalb sind im Denkmalbegriff auch künstlich geschaffene oder gestaltete Bodenformationen – z.B. Grabhügel, Wallanlagen, aber auch Hangterrassierungen – enthalten. Grundsätzlich betrachtet, bedeutet das natürlich, dass auch die Euro-Münze, die Sie in Ihrer Geldbörse haben, ebenso wie Ihre Hose oder Ihr Mobiltelefon ein Denkmal im Sinne des DMSG sind und natürlich auch das Haus, in dem Sie wohnen, die Strasse davor und die unterirdisch verlegten Wasser-, Gas-, Strom-, Telefon- und sonstigen Leitungen, die als Infrastruktur für das moderne Leben notwendig sind. Denn alle diese Sachen haben natürlich wenigstens irgendeine (wie auch immer geringe) geschichtliche, potentiell auch eine künstlerische, und in jedem Fall natürlich eine sonstige kulturelle Bedeutung. Im Mindestfall kommt allen von Menschen geschaffenen oder gestaltend überarbeiteten Gegenständen eine geschichtliche Bedeutung als materielle historische Quelle für ihre Erschaffung und Existenz zu. Und natürlich kommt jedem Produkt menschlichen Kulturschaffens irgendeine kulturelle Bedeutung zu, sonst wäre es wohl überhaupt nicht geschaffen worden. Der gerade als Beispiel genannten Euro-Münze kommt zum Beispiel die (sonstige) kulturelle Bedeutung zu, ein kulturell normierter Wert im Sinne eines Zahlungsmittels zu sein, das Sie als Gegenwertleistung für Leistungen der anderen Partei in Tauschgeschäften verwenden können.

Nun ist es jedoch klarerweise nicht mit den Notwendigkeiten des modernen Lebens vereinbar, und schon gar nicht mit dem staatsbürgerlichen Grundrecht auf Unverletzlichkeit des Eigentums (Art. 5 StGG 1867), einfach alle von Menschen geschaffenen Gegenstände den Bestimmungen des DMSG zu unterwerfen, nicht zuletzt schon allein deshalb, weil das Ziel des DMSG, die Bewahrung dieser Gegenstände vor Zerstörung, Veränderung oder Verbringung ins Ausland, den grundlegenden Eigentumsrechten diametral entgegengesetzt ist. Denn zu diesen grundlegenden Rechten des Eigentümers (siehe § 362 ABGB) gehört nicht zuletzt das Recht seine Sache frei zu veräußern, sie nach seinem Belieben zu verändern oder sie sogar zu vernichten. Die Notwendigkeiten des modernen Lebens machen es auch unumgänglich notwendig viele von Menschen geschaffene Sachen zu benutzen und dabei entweder zu zerstören oder maßgeblich zu verändern. Dies im Sinne eines „allumfassenden“ Denkmalschutzes zu verbieten ist nicht nur sinnlos und natürlich auch politisch nicht durchzusetzen, es ist auch praktisch unmöglich, weil es das gegenwärtige Leben vollständig zum Erliegen bringen würde.

Daher schränkt § 1 Abs. 1 DMSG auch den Geltungsbereich des DMSG insgesamt auf ausschließlich solche „Denkmale“ ein, deren Erhaltung ihrer – in irgendeiner Weise besonderen – Bedeutung wegen im öffentlichen Interesse gelegen ist. Besonders bedeutet hier nicht, dass dem Gegenstand absolut gesehen eine (die anderer vergleichbarer Objekte) „überragende“ Bedeutung zukommen muss (VwGH vom 30.10.1991 zu GZ 91/09/0047)[1], bedeutet jedoch sehr wohl, dass der Gegenstand durch seine – eben besondere – Bedeutung über gleichartige Gegenstände hinausragt (VwGH vom 19.3.1968, 155/67)[2], sich also eben in seiner Bedeutung wnigstens von anderen gleichartigen, sozusagen „alltäglichen“, Gegenständen unterscheiden muss. Maßstab dafür, ob einem Gegenstand eine derartige Bedeutung zukommt, dass seine Erhaltung auch tatsächlich im öffentlichen Interesse gelegen ist, ist die in der Fachwelt vorherrschende Meinung über seine Bedeutung (VwGH vom 30.10.1991 zu GZ 91/09/0047). Ein von Menschen geschaffener Gegenstand, dessen Bedeutung nicht derart beschaffen ist, dass seine Erhaltung im öffentlichen Interesse ist, der also nach der im Fach vorherrschenden Meinung – wenigstens vergleichsweise – unwichtig ist, mag daher zwar durchaus im Sinne der gesetzlichen Begriffsbestimmung ein „Denkmal“ sein, bleibt aber rechtlich dennoch eine ganz gewöhnliche Sache, die nicht in den Geltungsbereich der Bestimmungen des DMSG fällt.

Nun ist es in Bezug auf archäologische Objekte und Beobachtungen so, dass die im Fach vorherrschende Meinung über die Bedeutung (die „fachliche Wertschätzung“) von Objekten und Beobachtungen nicht zuletzt ganz maßgeblich davon abhängt, unter welchen Umständen die Objekte aufgefunden oder Beobachtungen gemacht wurden, wo im (oder am) Erdboden sie sich zum Zeitpunkt ihrer Auffindung befanden und inwieweit bei ihrer Entdeckung eine detaillierte, sachgemäße Dokumentation angefertigt wurde. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist hier nicht zuletzt, ob Fundobjekte bei systematischen archäologischen Ausgrabungen entdeckt wurden und gemeinsam mit allen relevanten archäologischen Beobachtungen zu ihren Kontexten sachgemäß dokumentiert wurden oder nicht. Der historische Quellenwert archäologischer Objekte und Beobachtungen, und damit ihre Bedeutung im Sinne des Denkmalschutzgesetzes, ist umso höher, je besser sie bei ihrer Auffindung dokumentiert wurden und desto ungestörter die Stratifikation des Erdboden ist, aus dem sie entnommen bzw. in dem Beobachtungen gemacht wurden. Tatsächlich geht die im Fach vorherrschende Meinung – insbesondere im Zusammenhang mit undokumentierten, unsystematischen Fundbergungen durch Laien – soweit zu behaupten, dass der historische Quellenwert und damit die historische Bedeutung geborgener Objekte durch ihre undokumentierte, unsystematische Bergung weitgehend zerstört oder wenigstens im Vergleich zu besser dokumentierten, systematischer geborgenen Objekten dramatisch reduziert wurde (z.B. Brunecker 2008, 15-16; Leskovar & Traxler 2010, 59).

Dabei ist es jedoch in erster Linie das unsystematische, undokumentierte Eingreifen in die sogenannten „ungestörten“ befundführenden Schichten, das professionelle ArchäologInnen stört. Dies findet sich in der schriftlichen Fachdiskussion, wo davon die Rede ist, dass eben unsystematische, undokumentierte Fundbergungen durch Laien sich oftmals nicht auf die „Ackerkrume“ beschränken sondern – ob beabsichtigt oder unwissentlich – in „Kulturschichten“ eindringen würden, wodurch wesentliche Befunde zerstört würden (Leskovar & Traxler 2010, 59), sowie in graphischen Erklärungen des durch solche unsystematischen, undokumentierten Fundbergungen angerichteten Schadens, die sich stets dadurch kennzeichnen, dass die illustrierte Grabungsmaßnahme die oberste Bodenschicht durchstößt und in tiefer liegende, als befundführend dargestellte, Schichten vordringt (Leskovar & Traxler 2010, 60; Abb. 1). Etwa in diesem Sinn drückt auch der derzeitige Leiter der Abteilung Archäologie im BDA das Problem aus, wenn er in einem jüngst erschienenen Beitrag schreibt „…dass unautorisierte Fundbergungen beziehungsweise Raubgrabungen keineswegs nur in gestörten Ackerschichten erfolgen…“ (Hebert 2011, 140). Zwar wird gelegentlich auch darauf hingewiesen, dass auch Funde in der „gestörten“ Ackerkrume und sogar Oberflächenfunde kontextuelle Informationen beinhalten und daher nicht etwa völlig wertlos sind (Brunecker 2008, 18; Karl 2012, 17-8), dennoch ist klar, dass in der fachlichen Wertschätzung Objekte und Beobachtungen aus „ungestörten“, d.h. normalerweise tiefer liegenden, Bodenschichten weit höhere Bedeutung zugemessen wird als solchen aus der „gestörten“ Ackerkrume oder gar oberflächlichen Funden.

Nicht zuletzt zeigt sich diese unterschiedliche fachliche Wertschätzung von Beobachtungen und Objekten in unterschiedlichen Bodenschichten auch an der besten fachlichen Grabungspraxis, bei der, wie bereits oben zitiert, selbst bei Forschungsgrabungen im fachlichen Sinn regelmäßig der Bagger zum Abschub eben dieser „gestörten“ Humusschicht verwendet wird (Barker 1993, 100, 141-146; Gersbach 1998, 8, 17-20; Drewett 1999, 98; Roskams 2001, 93-95). Mit anderen Worten, selbst unter „idealen“ Bedingungen, wie sie bei Forschungsgrabungen normalerweise gegeben sind, bei denen man – wenigstens meistens – alle Zeit der Welt hat und daher auch die „gestörte“ Ackerkrume manuell abtragen und vor und während des manuellen Abtrags auf Objekte durchsuchen und in ihr mögliche archäologische Beobachtungen tätigen könnte, halten es professionelle Archäologen ebenso wie die facheinschlägigen führenden Lehr- und Handbücher zur Durchführung systematischer archäologischer Ausgrabungen nicht für nötig, dass Objekten in der obersten Bodenschicht auch nur irgendwelche, noch so geringe Aufmerksamkeit geschenkt wird und diese Objekte erhalten werden, sondern diese Objekte werden völlig ohne Bedenken der Zerstörung durch schweres Gerät überlassen (siehe dazu auch Karl i.V.).

 

Abb. 1: Vergleichende Darstellung zwischen systematischer archäologischer Ausgrabung und „Zerstörung durch Raubgräber“. Zu beachten ist, dass die Raubgräber ebenso wie die archäologische Ausgrabung bis zum gewachsenen Unterboden durchgestoßen sind. (Leskovar & Traxler 2010, 60 Abb. 2)

Noch deutlicher wird Gersbach, wenn er (Grabungs-) Funde wie folgt in absteigender Wichtigkeit klassifiziert: 1) Kleinfunde von besonderer Qualität, die seiner Empfehlung nach dreidimensional einzumessen und auf den zugehörigen Planzeichnungen einzutragen sind, 2) stratigraphisch bedeutsame Kleinfunde, die ebenso zu behandeln sind, 3) Kleinfunde von geringer stratigraphischer Qualität, die nicht eingemessen und auf Plänen eingetragen, sondern in der Dokumentation nur Schichten und/oder Flächenabschnitten zuzuordnen sind, 4) Kleinfunde aus Pfostengruben und sonstigen Störungen, bei denen nicht einmal mehr die Zuordnung zu Flächenabschnitten notwendig erscheint, wenn die Störungen nicht größere Ausmaße haben, und schließlich 5) Streufunde, deren örtliche Zuordnung nicht mehr möglich ist und die daher als eine (weitgehend belanglose) Gruppe zusammengefasst werden können (Gersbach 1998, 43-46). Folgt man dieser Einteilung – und die überwiegende Mehrheit der deutschsprachigen Archäologen tut dies wenigstens grundsätzlich, soweit die Bewertung von Bedeutung und historischem Quellenwert der genannten Kategorien betroffen sind – sind alle nicht stratifizierten Objekte in der fachlichen Bewertung praktisch vollkommen bedeutungslos und ragen sicherlich nicht in dieser über andere ähnliche oder gleichartige Objekte hinaus: die römische Münze aus einem gut stratifizierten, gesicherten, solide dokumentierten Kontext ragt gemäß dieses fachlichen Bewertungsschemas jedenfalls immer über alle gleichartigen Münzen hinaus, die keinen derartigen gesicherten Kontext aufweisen, wie z.B. gleichartige Münzen, die in der „gestörten“ Ackerkrume entdeckt wurden.

Schon das macht es problematisch, dass die gesetzliche Definition des Begriffs „Forschungsgrabung“ in § 11 Abs. 1 DMSG so dramatisch von der fachlichen Bedeutung dieses Fachbegriffs abweicht und nicht nur systematische archäologische Ausgrabungen bezeichnet, bei denen stratigraphische Beobachtungen gemacht und die Verbindungen zwischen Fundgegenständen und ihren Kontexten sachgemäß dokumentiert werden, sondern jede Nachforschung an Ort und Stelle umfasst. Denn zweifellos ist gemäß der in der Fachwelt vorherrschenden Meinung eine nicht stratifizierte römische Münze, die nicht das erste und einzige Exemplar ihrer Art ist, wohl kaum als Denkmal im Sinne des § 1 Abs. 1 DMSG zu betrachten, an dessen Erhaltung auch tatsächlich ein öffentliches Interesse besteht. Tatsächlich zeigt sich an der fachlichen Praxis, sogar bei Forschungsgrabungen im fachlichen Sinn auf erwartungsgemäß historisch bedeutenden (weil zur Beantwortung konkreter wissenschaftlicher Forschungsfragen geeignet betrachteten) Fundstellen, den „gestörten“ Humusboden, in dem auf solchen „aussagekräftigen“ Fundstellen mit Sicherheit auch mit zahlreichen archäologischen Objekten zu rechnen ist, mit dem Bagger abschieben zu lassen, dass nach vorherrschender fachlicher Meinung kein archäologisches Objekt, das sich in oder auf der „gestörten“ Humusschicht befindet, ein Denkmal sein kann, dessen Erhaltung im öffentlichen Interesse gelegen ist (siehe dazu auch Karl i.V.).


Sonstige Grabungen, ihr Zweck, und archäologischer Denkmalschutz

Ziel des Denkmalschutzgesetzes ist es von Menschen geschaffene Gegenstände von solcher geschichtlicher, künstlerischer und kultureller Bedeutung, dass ihre Erhaltung im öffentlichen Interesse gelegen ist, vor Zerstörung, Veränderung und Verbringung ins Ausland zu schützen.

Bei Denkmalen, die sich über der Erdoberfläche befinden, wird das öffentliche Interesse an ihrer Erhaltung gemäß § 1 Abs. 4 DMSG erst dann wirksam, wenn das Objekt nach den Bestimmungen der §§ 2, 2a oder 3 DMSG unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der Gesetzgeber geht bei sich über dem Erdboden befindlichen Gegenständen davon aus, dass ihre Existenz bekannt ist und daher die Fachwelt, wenn sie einem bestimmten, bekannten Gegenstand eine besondere historische, künstlerische oder kulturelle Bedeutung zumisst, das BDA über dessen Existenz und Bedeutung informieren und dieses wiederum diesen unter Denkmalschutz stellen würde. Daraus, dass ein an sich bekannter Gegenstand noch nicht durch das BDA unter Denkmalschutz gestellt wurde, lässt sich daher sinngemäß ableiten, dass bislang kein öffentliches Interesse an seiner Erhaltung besteht und er daher rechtlich gesehen als ganz gewöhnliche Sache angesehen werden kann, die vollständig der Eigentümerwillkür unterliegt.

Bei archäologischen Objekten – d.h. im wesentlichen Bodendenkmalen im Sinne der Definition des § 8 Abs. 1 DMSG – also solchen Objekten die sich vor ihrer Entdeckung unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche befunden haben oder erst kürzlich durch zufällige Ereignisse wie Regen, Pflügen oder dergleichen an die Erdoberfläche gelangt sind, ist das hingegen nicht der Fall. Denn diese sind bis zu ihrer Entdeckung durch zufälligen Fund oder durch eine „Forschungsgrabung“ im Sinne der Definition des § 11 Abs. 1 DMSG im Verborgenen gelegen; woraus zwingend folgt, dass sich zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung die Fachwelt noch keine Meinung zu ihrer Bedeutung gebildet haben kann, weil sie ja noch nicht einmal von der Existenz des betreffenden Gegenstandes weiß. Daher bestimmt § 8 Abs. 1 DMSG, dass Zufallsfunde von Bodendenkmalen – d.h. Gegenständen die auf Grund ihrer Lage, Form oder Beschaffenheit offenkundig den Bestimmungen des DMSG unterliegen könnten – dem BDA gemeldet werden müssen, damit dieses bestimmen kann, ob die Erhaltung des zufällig aufgefundenen Gegenstandes im öffentlichen Interesse gelegen ist oder nicht; und § 9 Abs. 3 DMSG, dass die zufällig aufgefundenen Bodendenkmale auf längstens 6 Wochen ab erfolgter Fundmeldung unter Denkmalschutz stehen. In dieser Frist hat das BDA zu ermitteln und entscheiden, ob die aufgefundenen Gegenstände – dann gemäß der Bestimmungen des § 3 Abs. 1 DMSG – unter Denkmalschutz gestellt werden oder nicht. Zusätzlich bestimmt § 9 Abs. 1 DMSG, dass die Fundstelle, an der das Bodendenkmal gefunden wurde, bis zum Ablauf von 5 Werktagen ab der erfolgten Fundmeldung unverändert zu belassen ist um dem BDA die Möglichkeit einzuräumen den unmittelbaren und mittelbaren Kontext des aufgefundenen Gegenstandes zu dokumentieren um die wissenschaftliche Auswertbarkeit des Fundes möglichst zu gewährleisten.

„Forschungsgrabungen“ im Sinne des § 11 Abs. 1 DMSG – also Grabungen und „sonstige Nachforschungen zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung von beweglichen und unbeweglichen Denkmalen unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche“ – werden hingegen der Bewilligungspflicht durch das BDA und in anderen Absätzen des § 11 DMSG (Abs. 3, 4, 5 und 6) weiteren Beschränkungen unterworfen, so z.B. diversen Meldepflichten. Inwieweit der Gesetzgeber hier davon ausgeht, dass die Meinung der Fachwelt zur Bedeutung der gesuchten Gegenstände bereits bekannt ist, ist eine Frage, die hier nicht näher diskutiert werden soll, wobei eine solche Diskussion zu anderer Zeit eventuell ebenfalls durchaus sinnvoll wäre. Die derzeitige Rechtsansicht des BDA zur Interpretation der Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG geht jedenfalls davon aus (aber siehe Karl 2014), dass dies nicht der Fall ist und die beweglichen und unbeweglichen Denkmale, die bei solchen gezielten Nachsuchen an Ort und Stelle gesucht werden (und mutmaßlich in den meisten Fällen auch entdeckt werden), als Bodendenkmale im Sinne des § 8 Abs. 1 DMSG zu betrachten sind. Dies zeigt sich deutlich an der im Wortlaut nicht ganz korrekten Wiedergabe der Definition „sonstiger Nachforschungen“ in § 11 Abs. 1 DMSG in den Richtlinien (BDA 2014, 6), in denen der tatsächlich im Wortlaut des Gesetzes zu findende Begriff „Denkmale“ durch den Begriff „Bodendenkmale“ ersetzt wurde. Wenigstens nach derzeitiger Rechtsauffassung des BDA ist also auch bei „Forschungsgrabungen“ im Sinne des § 11 Abs. 1 DMSG davon auszugehen, dass die Bedeutung der bei der Nachforschung an Ort und Stelle gesuchten und gegebenenfalls entdeckten Gegenstände noch unbekannt ist. Um also auch bei gezielten Nachforschungen an Ort und Stelle nach Bodendenkmalen sicherzustellen, dass das BDA die Bedeutung der entdeckten Gegenstände ermitteln und diese – falls ihre Bedeutung hoch genug ist um ihre Erhaltung im öffentlichen Interesse gelegen zu machen – gegebenenfalls auch unter Denkmalschutz stellen kann, sind auch die auf solchen „Forschungsgrabungen“ dokumentierten Beobachtungen dem BDA zu melden.

Dies scheint auf den ersten Blick wohl juristisch, aber auch archäologisch betrachtet, durchaus sinnvoll: archäologische Gegenstände, die bis zu ihrer Entdeckung der Fachwelt unbekannt sind und zu deren Bedeutung sich daher noch keine vorherrschende fachliche Meinung gebildet haben kann, werden durch das Zusammenspiel der Bestimmungen der §§ 8 Abs. 1, 9 und 11 Abs. 1 und 3-6 DMSG, wenn auch auf etwas unterschiedliche Weise, vorläufig geschützt um ihre Bedeutung nach ihrer Entdeckung bestimmen zu können und sie dann entsprechend dieser Bedeutung entweder dauerhaft unter Denkmalschutz stellen oder – durch Unterlassung der Unterschutzstellung – zu einer ganz gewöhnlichen, vollständig der Eigentümerwillkür unterliegenden, Sache erklären zu können. Zu Grunde liegt diesem vorläufigen Schutz eine einfache Dichotomie in Hinblick auf die Fundgeschichte: Gegenstände können entweder zufällig entdeckt oder vorsätzlich gesucht und gefunden werden. Dadurch, dass es Regelungen für sowohl den ersten Fall (§§ 8 und 9 DMSG) als auch für den zweiten Fall (§ 11 DMSG) gibt, sind alle Möglichkeiten bis zu ihrer Auffindung im Verborgenen gelegen habende Objekte zu finden abgedeckt. Wenigstens juristisch gesehen ist das sicherlich sehr bequem und wohl auch effizient, vor allem da in den Bestimmungen des zweiten Falls teilweise auf die Bestimmungen zur Regelung des ersten Falles zurückgegriffen werden kann.

Aus facharchäologischer Sicht möchte ich diese dichotomische, auf die Fundgeschichte abstellende, Sichtweise daher als „fundzentriert“ bezeichnen. In ihrem Kern geht diese Sichtweise nämlich davon aus, dass ein Gegenstand – gleichgültig ob es sich dabei jetzt um einen beweglichen Kleinfund oder einen unbeweglichen Befund handelt – erst dadurch für den archäologischen Denkmalschutz relevant wird, dass er gefunden wird. Er kann zufällig entdeckt oder absichtlich gesucht und gefunden werden, aber bis er nicht gefunden wurde, fällt der Gegenstand denkmalpflegerisch in den Bereich des „ausgeschlossenen Dritten“ der zweiwertigen Logik. Im Prinzip gilt: man kennt den Gegenstand nicht, daher gibt es ihn (wenigstens im rechtlichen Sinn) auch nicht.

Historisch gesehen geht diese fundzentrierte Sichtweise auf die Erstfassung des DMSG in BGBl. 533/1923 zurück, in der genau diese dichotomische Einteilung bereits durch die Bestimmungen der damaligen §§ 9, 10 und 11 DMSG vorgenommen wurde: Zufallsfunde unterlagen der Meldepflicht an, Ausgrabungen zur Entdeckung von Denkmalen der Bewilligungspflicht durch das BDA. 1923 war diese Einteilung wohl auch archäologisch gesehen nicht völlig sinnlos: in den 1920ern erfolgte – auch wenn bereits manchmal dampfgetriebene Bagger zum Einsatz kamen – selbst bei größeren Bauvorhaben der Erdaushub noch meist von Hand. Damit war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass, wenn bei Bauarbeiten eine archäologische Fundstelle durchschnitten wurde, allfällig vorhandene Funde als „Zufallsfunde“ entdeckt werden würden, die dann der Meldepflicht des damaligen § 9 DMSG unterlagen. In der Landwirtschaft war der traktorgezogene Pflug, mit dem auf Grund der erhöhten Zugkraft tieferes Pflügen als zuvor möglich wurde, auch noch nicht im Einsatz. Generell war der Verbauungsgrad – und vor allem auch der Fortschritt der Verbauung – noch recht gering, und auch große Infrastrukturprojekte noch vergleichsweise eine Seltenheit. Die Idee einer österreichischen Autobahn war zum Beispiel noch nicht einmal ins Entwurfsstadium vorgeschritten (Kreuzer 2012, 11). Und mit „Funden“ waren in den 1920ern tatsächlich noch hauptsächlich bewegliche Kleinfunde gemeint und eventuell auch noch Mauerzüge, aber in nur sehr viel geringerem Ausmaß archäologisch aussagekräftige Bodenschichten. Zwar war sowohl das „Pfostenloch“ als auch die „stratigraphische Methode“ bereits „erfunden“ und auch in Österreich zu dieser Zeit bereits bekannt, aber dennoch wurde dem (beweglichen) Kleinfund noch weit höhere Bedeutung zugemessen als dem (unbeweglichen) Befund, den man meist noch nicht einmal mit einer maßstabsgetreuen Planzeichnung, sondern, wenn überhaupt, noch mit Feldskizzen und groben Beschreibungen dokumentierte – wenn man auf dem neuesten Stand archäologischer Feldforschungspraxis war. Unter diesen Bedingungen waren tatsächlich die meisten archäologischen Objekte, die noch unter der Erdoberfläche lagen, einigermaßen gut vor Zerstörung und Veränderung geschützt und der archäologische Denkmalschutz musste sich tatsächlich nur, oder wenigstens hauptsächlich, um solche (Klein-) Funde Sorgen machen, die tatsächlich dem Boden entrissen worden waren, sei es durch Zufall oder bei einer gezielten Ausgrabung zum Zwecke ihrer Entdeckung und Untersuchung. Dass tatsächlich bedeutende archäologische Funde gemacht werden würden, war daher in erster Linie bei solchen Grabungen zu erwarten, die gezielt nach diesen Funden suchten, der Zweck einer Grabung daher tatsächlich (noch) relevant.

Seitdem haben sich jedoch die Bedingungen in Bau- und Landwirtschaft dramatisch verändert. Einerseits schreitet die flächige Verbauung Österreichs heute mit dramatischer Geschwindigkeit voran: einer Untersuchung des Umweltbundesamts zufolge betrug der Zuwachs des Flächenverbrauchs für Bauflächen in Österreich in der Zeit zwischen ca. 1971 und 1999 etwa 15 bis 25 Hektar pro Tag (Umweltbundesamt 2001, 23), geschätzt wurden also in diesen 29 Jahren um die 2.000 Quadratkilometer oder etwa 2.5% des österreichischen Bundesgebiets neu verbaut. 1999 waren ca. 3.816 km2 des österreichischen Bundesgebiets verbaut (Umweltbundesamt 2001, 35), die verbaute Fläche hat sich also allein seit 1970 vermutlich etwa verdoppelt. Seitdem ist der Flächenverbrauch durch Verbauung zwar etwas – im Zeitraum 2007-2010 auf etwa 11 Hektar täglich (Umweltbundesamt 2010, 188) – zurückgegangen, aber 2010 waren insgesamt schon 4.448 km2 verbaut. Dies stellt einen weiteren Zuwachs des verbauten Landes um etwa 630 km2 oder weitere 0,75% des österreichischen Bundesgebiets dar. Dabei werden für den Erdabschub inzwischen durchgehend schwere Baumaschinen, d.h. Bagger, verwendet, was die Wahrscheinlichkeit, dass bei der Erdabtragung archäologische Objekte „zufällig“ gefunden werden – vor allem bevor schwerer Schaden an ihnen angerichtet wurde – gegenüber dem großteils noch händisch erfolgenden Erdabtrag in den 1920ern massiv verringert hat. Gleichzeitig führt die durchgehende Verwendung von landwirtschaftlichen Maschinen, insbesondere zugkräftigen Traktoren, die weitverbreitete Verwendung von chemischen Düngemitteln und die Verwendung von Maschinen bei der Waldarbeit, heute dazu, dass auch archäologische Objekte unter der Erdoberfläche, die in den 1920ern in Feld und Wald wenigstens noch einigermaßen gut „geschützt“ waren, deutlich stärker durch Zerstörung, Veränderung oder Verbringung aus ihrer ursprünglichen Lage (wenn auch nicht ins Ausland) gefährdet sind. Es sind heute also keineswegs nur solche archäologischen Objekte, die zufällig oder durch absichtliche Nachforschung gefunden werden, als gefährdet zu betrachten, sondern auch – und in vielerlei Hinsicht noch viel mehr – all jene archäologischen Objekte, von deren Existenz wir überhaupt noch nichts wissen, weil sie derzeit noch in der Erde und damit im Verborgenen liegen.

Der Zweck einer Grabung – also ob diese etwa zur Entdeckung archäologischer Funde und Befunde oder doch als Vorbereitung der Verbauung der betroffenen Fläche erfolgt – ist daher heutzutage aus archäologisch-denkmalschützerischen Sicht weitgehend egal. Will man darauf dennoch abstellen, dann ist es heute viel eher so, dass bei einer Grabung oder „sonstigen Nachforschung an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale“ im Sinne des § 11 Abs. 1 DMSG die Wahrscheinlichkeit, dass Denkmale, deren in der Meinung der Fachwelt vorherrschende Bedeutung als so hoch zu bewerten ist, dass im Sinne des § 1 Abs. 1 DMSG „ihre Erhaltung dieser Bedeutung wegen im öffentlichen Interesse gelegen ist“, zerstört oder maßgeblich verändert werden als viel geringer zu bewerten ist als bei einer Grabung zum Zwecke des Aushubs einer Baugrube.

Dies gilt nicht etwa nur in Bezug auf systematische archäologische Ausgrabungen, also Rettungs- oder Forschungsgrabungen im fachlichen Sinn, bei denen eine sachgemäße und mehr oder minder bester wissenschaftlicher Praxis entsprechende Dokumentation angefertigt wird, durch die allfällig an Ort und Stelle in der Substanz des durch seine Ausgrabung zerstörten Denkmals gespeicherte historische Informationen in andere Informationsspeichermedien übertragen und das an Ort und Stelle zerstörte Denkmal dennoch in seiner historischen Quellenfunktion – eben durch Dokumentation – erhalten wird (Karl 2011a). Es gilt vielmehr auch – wenn auch zweifellos in weit geringerem Maß als bei systematischen archäologischen Ausgrabungen – in Bezug auf unsystematisch und undokumentiert durchgeführte Grabungen und sonstige Nachforschungen an Ort und Stelle zur Entdeckung archäologischer Kleinfunde durch Laien: denn selbst wenn ein derart unsystematisch und undokumentiert nach archäologischen Kleinfunden suchender Laie aus reinem Profitinteresse sucht, also als „Schatzsucher“ im engeren Sinn, so birgt er dennoch wenigstens einige Denkmale – jene, die er gewinnbringend verkaufen zu können glaubt – und erhält damit wenigstens einen gewissen Prozentsatz der Denkmale, die er entdeckt hat. Der Bagger hingegen zerstört alle Denkmale – ob nun finanziell wertvoll oder als historische Quellen bedeutend oder nicht – gleichermaßen und vollständig.

Ein fundzentrierter Schutz archäologischer Objekte ist also nicht mehr zeitgemäß, er erfüllt nicht den Zweck, den das DMSG erfüllen sollte: wenn es darum geht das überkommene Kulturgut schlechthin zu erhalten (VwGH vom 22.4.1993 zu GZ 92/09/0356; siehe dazu auch VwGH vom 9.9.1976 zu GZ 839/76, VwSlg 9112 A/1976) und sich der Denkmalbegriff auch auf unbewegliche Gegenstände wie Reste eines Römerlagers oder Gräberfelder sowie die beweglichen Gegenstände wie Keramik, Waffen, Münzen und sonstige Funde bezieht, auch wenn diese unter der Erdoberfläche liegen und noch nicht sichtbar sind (VwGH vom 22.4.1994 zu GZ 92/09/0356), dann muss sich dieses Erhaltungsinteresse wohl auch auf alle jene Kulturgüter beziehen, die noch nicht gefunden wurden aber durch Grabungsarbeiten – zu welchem Zweck auch immer diese erfolgen – durch Zerstörung oder Veränderung bedroht werden. Die stärkste Bedrohung für die Erhaltung dieser noch im Verborgenen liegenden archäologischen Kulturgüter geht heute nicht etwa von Grabungen und sonstigen Nachforschungen zum Zwecke ihrer Entdeckung und Erforschung aus, sondern von Baumaßnahmen und Land- und Forstwirtschaft. Gerade davor schützt das DMSG diese Kulturgüter praktisch überhaupt nicht, wenn nicht die Flächen, auf denen sie sich mutmaßlich befinden, bereits gem. §§ 2, 2a oder 3 DMSG unter Denkmalschutz gestellt wurden.


Ein Zwischenresümee: wie effektiv schützt das DMSG archäologische Objekte?

Nach diesen Erwägungen ist es an der Zeit ein Zwischenresümee zu ziehen und zu beurteilen zu versuchen, wie effektiv die derzeitige Lösung des DMSG zum Schutz archäologisch relevanter Objekte, der Primärquellen der Archäologie, durch die – in prähistorischen Zeitabschnitten durch ausschließlich diese – im Sinne des § 1 Abs. 2 DMSG eine „geschichtliche Dokumentation erreicht werden kann“, in der gegenwärtigen Realität ist. Zur Erinnerung, der Schutz archäologischer Objekte unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche erfolgt derzeit in erster Linie durch die Bestimmungen zur Bewilligungspflicht von sogenannten „Forschungsgrabungen“ im Sinne der Definition des § 11 Abs. 1 DMSG. Dabei handelt es sich um die „Nachforschung durch Veränderung der Erdoberfläche bzw. des Grundes unter Wasser (Grabung) und sonstige Nachforschungen an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche“.

Diese Definition von „Forschungsgrabung“ in § 11 Abs. 1 DMSG, die zur facharchäologischen Definition des Begriffs „Forschungsgrabung“ bestenfalls einen sehr entfernten Bezug hat, führt dazu, dass das BDA derzeit gezwungen ist archäologische Prospektionsmaßnahmen (die im fachlichen Sinn überhaupt nicht in den Bereich des Begriffs „Grabung“ fallen) wie geomagnetische oder Bodenradarmessungen, die zwar an Ort und Stelle durchgeführt werden und dem Zweck dienen bewegliche und unbewegliche Denkmale unter der Erdoberfläche zu entdecken und untersuchen, die diese Kulturgüter aber nicht im Mindesten gefährden, weil sie völlig zerstörungsfreie Untersuchungsmethoden sind, der Bewilligungspflicht des § 11 Abs. 1 DMSG zu unterwerfen.

Aus dem gleichen Grund – dass es sich dabei um eine Nachforschung an Ort und Stelle zum Zweck der Entdeckung von beweglichen Denkmalen unter der Erdoberfläche handelt – wird interessierten Laien, die als Hobby archäologische Gegenstände suchen und bergen wollen und die dafür meist seichte, unsystematische und undokumentierte Grabungen durchführen, dieses Hobby vom BDA untersagt, weil diese Tätigkeit angeblich (aber siehe Karl 2014) unter die Bewilligungspflicht des § 11 Abs. 1 DMSG fällt, die gemäß der Bestimmungen dieses Paragrafen nur an Personen erteilt werden darf, die ein einschlägiges archäologisches Universitätsstudium abgeschlossen haben, obgleich sie in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle keinen oder bestenfalls geringen Schaden an Denkmalen anrichten, die gemäß der in der Fachwelt vorherrschenden Meinung von solcher Bedeutung sind, dass ihre Erhaltung im öffentlichen Interesse gelegen ist.

Gleichzeitig ist es jedoch so – der vorherrschenden fachlichen Meinung zur Bedeutung von Funden im Oberboden entsprechend, nämlich dass diese als archäologische Quellen weitgehend unwesentlich sind – dass auf eigentlichen Forschungsgrabungen im facharchäologischen Sinn, also systematisch durchgeführten und umfassend dokumentierten archäologischen Ausgrabungen, die nicht unter externem Zeitdruck aber unter Verwendung der fachlich anerkannten besten wissenschaftlichen Grabungs- und Dokumentationspraxis durchgeführt werden, das BDA trotz zu erwartendem Vorkommen von bedeutenden Kleinfunden in dieser Schicht den bewilligungsantragstellenden Absolventen einschläger Universitätsstudien regelhaft den Abtrag des Oberbodens mit dem Bagger ohne dessen vorherige Durchsuchung auf bewegliche oder unbewegliche Denkmale bewilligt[3].

Schließlich ist es auf Grund dieser Bestimmungen auch noch so, dass Grabungen, die nicht zum Zwecke der Entdeckung und Erforschung archäologischer Kulturgüter, sondern zum Beispiel zur Errichtung eines Gebäudes durchgeführt werden und bei denen eventuell nicht nur der undurchsuchte Oberboden, sondern überhaupt gleich die gesamte auf einer archäologisch „verseuchten“ Fläche erhaltene archäologische Stratifikation samt aller in dieser enthaltenen Kleinfunde mit dem Bagger undurchsucht und undokumentiert großflächig abgeschoben und damit vollständig vernichtet wird, überhaupt gar nicht erst unter die Bewilligungspflicht des § 11 Abs. 1 DMSG fallen. Schließlich geht es bei diesen Grabungen ja nicht darum archäologische Objekte zu finden und deshalb braucht sich die Denkmalpflege scheinbar nicht um sie zu sorgen.

Abbildung 2 ist eine Visualisierung dieser Situation, die, wie ich hoffe, deutlich zeigt, dass derzeit kein Verhältnis zwischen tatsächlichem archäologischen Zerstörungspotential einer Prospektions- oder Grabungsmaßnahme und der Bewilligungspflicht des § 11 Abs. 1 DMSG besteht bzw. das Verhältnis eher invers ist: je zerstörerischer eine Maßnahme durchschnittlich ist, desto geringer ist der gesetzliche Schutz von Denkmalen gegen durch diese Maßnahme wahrscheinlich verursachte Schäden.

Jene Maßnahmen (mit Ausnahme völlig zerstörungsfreier Prospektionsmaßnahmen), die gewöhnlich am wenigsten in den Erdboden eingreifen und die auch die kleinsten Gesamtflächen betreffen – die an Ort und Stelle überwiegend von Laien durchgeführten, großteils auf den Humusboden beschränkten Grabungen und sonstigen Nachforschungen zur Bergung von beweglichen Kleinfunden – sind gesetzlich durch die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG gänzlich verboten.

 

Abb. 2: Gegenüberstellung von gesetzlichem Schutz durch das DMSG gegen und tatsächlichem Zerstörungspotential von archäologischen und anderen in den Erdboden eingreifenden Maßnahmen. Grabungsmaßnahmen sind als punktierte Linien hervorgehoben; grün bedeutet, dass die Maßnahmen nach derzeit bester wissenschaftlicher Praxis dokumentiert werden, gelb, dass sie halbwegs akzeptabel dokumentiert werden, rot, dass bei ihnen unbeobachtet und undokumentiert archäologische Informationen zerstört werden.

Archäologische Forschungsgrabungen, die primär zu Forschungszwecken und damit praktisch nie im Auftrag des BDA durchgeführt werden, bei denen kein Zeitdruck besteht und bei denen normalerweise vollständig gemäß bester wissenschaftlicher Praxis dokumentiert wird, aber bei denen normalerweise wenigstens der Humusboden ohne diesen auf Kleinfunde zu durchsuchen abgeschoben wird, sind nach § 11 Abs. 1 DMSG bewilligungspflichtig, auch wenn diese Bewilligung – nachdem es hier normalerweise einen antragstellenden professionellen Archäologen gibt – normalerweise immer erteilt wird.

Diese Forschungsgrabungen im engeren fachlichen Sinn stellen allerdings nur einen kleinen Prozentsatz der systematischen archäologischen Ausgrabungen dar. Die flächenmäßig deutlich überwiegenden archäologischen Ausgrabungen sind Rettungsgrabungen. Diese Grabungen, bei denen sich die sie durchführenden Archäologen auf Grund externer Faktoren nicht immer an die beste Grabungs- und Dokumentationspraxis halten können, sind nur dann gemäß § 11 Abs. 1 DMSG bewilligungspflichtig, wenn sie nicht im Auftrag des bzw. durch das BDA durchgeführt werden; „amtswegige Grabungen“ des BDA hingegen sind gem. § 11 Abs. 2 DMSG von der Bewilligungspflicht des § 11 Abs. 1 DMSG ausgenommen. Je schlechter also aller Wahrscheinlichkeit nach die äußeren Umstände sind, unter denen systematische archäologische Ausgrabungen durchgeführt und dokumentiert werden müssen, desto geringer ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Schutz, den das Gesetz den betroffenen Denkmalen zukommen lässt.

Noch viel schlechter ist der Schutz durch das DMSG schließlich für all jene archäologischen Denkmale, die auf jenen – im Vergleich mit den von „archäologischen Maßnahmen“ betroffenen um ein  großes Vielfaches größeren – Flächen[4] vorkommen, die durch Erdarbeiten betroffen sind, die überhaupt nicht den Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG unterliegen, d.h. bei Bauarbeiten. Hier beginnt der Schutz archäologischer Kulturgüter durch §§ 8 und 9 DMSG überhaupt erst dann zu wirken, wenn irgendjemand zufällig ihre Präsenz bemerkt, was gewöhnlich erst dann der Fall ist, wenn bereits ein bedeutender Prozentsatz davon vollständig vernichtet ist – und dann ist der Zustand der Fundstelle gerade einmal für 5 Tage unverändert zu belassen, was dem für ein ganzes Bundesland zuständigen Gebietsbetreuer des BDA nicht gerade enorm viel Zeit lässt, sich neben seiner anderen Pflichten (auf die noch unten genauer eingegangen wird) um die Organisation und Durchführung einer Rettungsgrabung zu kümmern, für die er kein Personal und keine Mittel hat.

Dies zeigt in aller Deutlichkeit, dass die derzeitigen Bestimmungen des DMSG, insbesondere die des § 11 Abs. 1 DMSG, unter den heute gegebenen Verhältnissen absolut ungeeignet sind den Zweck, den das DMSG laut VwGH (vom 22.4.1993 zu GZ 92/09/0356) erfüllen soll, nämlich das überkommene Kulturgut  – inklusive seiner archäologischen Bestandteile – schlechthin zu erhalten, zu erfüllen. Worin das DMSG jedoch sehr effektiv ist, ist eine weit besser den modernen Anforderungen an den archäologischen Denkmalschutz genügende Lösung für die Erhaltung des archäologischen Kulturerbes Österreichs zu verhindern und dabei gleich im Vorbeigehen auch noch die Freiheit der Wissenschaft (Art. 17 StGG 1867) unnötig einzuschränken, was wiederum die bestehenden Probleme noch zusätzlich verschärft.


Archäologischer Denkmalschutz und nichtarchäologische Grabungen

Worum sich ein effektiver archäologischer Denkmalschutz unter den heutigen Verhältnissen daher in erster Linie kümmern muss, wovor archäologische Denkmale in allererster Linie geschützt werden müssen, sind weder unsystematische Bergungen von beweglichen Kleinfunden durch Laien, noch systematische archäologische Ausgrabungen, seien es nun Forschungs- oder Rettungsgrabungen, und schon gar nicht zerstörungsfreie archäologische Prospektionsmaßnahmen, sondern in erster Linie Grabungen bei Baumaßnahmen. Dies geschieht am besten dadurch, dass man den archäologischen Denkmalschutz zu einem integralen Bestandteil des Baugenehmigungsverfahrens macht, wie das z.B. in Großbritannien bereits seit Anfang der 1990er der Fall ist (PPG 16) und ihn dafür regional (lokal) verankert um sicherzustellen, dass lokale archäologische Expertise und Kapazität vorhanden ist. Zusätzlich dazu bedarf es einer systematischen archäologischen Landesaufnahme auf lokaler und nationaler Ebene, durch die sichergestellt werden kann, dass nicht nur die eine oder andere archäologische Fundstelle „zufällig“ bekannt wird, sondern wenigstens alle wichtigeren, fund- und mutmaßlich auch befundreicheren Fundstellen halbwegs bekannt sind.

In Österreich sind derzeit alle diese Aufgaben – die Erstellung „archäologischer Gutachten“ im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) in Bauverfahren, für Flächenwidmungs- und  Bebauungspläne ebenso wie die archäologische Landesaufnahme (und zusätzlich dazu auch noch die Durchführung von Unterschutzstellungsverfahren für archäologische Fundstellen sowie zahlreiche weitere Pflichten) – Teil des Aufgabenbereichs der mit insgesamt 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon 15 akademischen Fachkräften, besetzten Abteilung für Archäologie des BDA. Man könnte also argumentieren, dass Österreich – neben dem „herkömmlichen“ Denkmalschutz, wie er im DMSG seinen Ausdruck findet, das das Problem des umfassenden Schutzes des überkommenen Kulturguts mit Unterschutzstellungen besonders „bedeutender“ Denkmale zu erreichen versucht – ohnehin auch einen „modernen“, den derzeitigen Umständen angepassten archäologischen Denkmalschutz hat. Aber ehe man dieses Argument akzeptiert, muss man sich die Frage stellen, ob diese 15 akademischen Angestellten die ihnen damit aufgetragenen Aufgaben überhaupt in ausreichender Weise erfüllen können? Betrachten wir dazu jeweils die beiden zentralen Aspekte – die Rolle des BDA in Umweltverträglichkeitsprüfungen und in der archäologischen Landesaufnahme – etwas genauer.

BDA-Gutachten in UVP-Verfahren, Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen

Gemäß den Bestimmungen des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000 (UVP-G) sind Umweltverträglichkeitsprüfungen für (praktisch) alle größeren Bauvorhaben durchzuführen. Aufgabe von UVPs ist es die Auswirkungen von geplanten Vorhaben auf Menschen, belebte Umwelt und diverse andere Dinge, darunter auch Kulturgüter, zu ermitteln und gegebenenfalls Möglichkeiten zu ermitteln, wie „...schädliche, belästigende oder belastende Auswirkungen des Vorhabens auf die Umwelt verhindert oder verringert oder günstige Auswirkungen des Vorhabens vergrößert werden…“ (§ 1 Abs. 1 Z 1 UVP-G) können. Als mit dem Kulturgüterschutz betraute Behörde hat das BDA nötigenfalls an UVP-Verfahren mitzuwirken und kann nötigenfalls archäologische Maßnahmen vorschreiben um einer allfälligen schädlichen Beeinträchtigung des archäologischen Kulturgüterbestands entgegenzuwirken. Darüberhinaus sind auch Gutachten über das Vorhandensein von archäologischen Fundstellen bei der Flächenwidmungs- und Bebauungsplanerstellung vom BDA zu erstellen.

Tatsächlich haben laut dem Tätigkeitsbericht der Abteilung Archäologie des BDA für das Jahr 2011 die Mitarbeiter dieser Abteilung im Jahr 2011 insgesamt 2284 amtliche Gutachten für Flächenwidmungs- und Bebauungspläne sowie in UVP-Verfahren erstellt. Zusätzlich dazu hat die Abteilung insgesamt 152 „amtswegige“ Grabungen (gem. § 11 Abs. 2 DMSG) durchgeführt, 382 „bewilligungspflichtige“ Maßnahmen gem. § 11 Abs. 1 bewilligt und (wenigstens teilweise auch) kontrolliert, 25 Unterschutzstellungsverfahren durchgeführt, 82 Förderanträge behandelt und 5 Publikationen, darunter einen Band der FÖ, veröffentlicht (Hebert & Hofer 2011, 19-20).

 

Abb. 3: Tätigkeitsdiagramm der Abteilung Archäologie des BDA für das Jahr 2011 (Hebert & Hofer 2011, 20).

Nachdem man davon ausgehen kann, dass auch für Mitarbeiter der Abteilung Archäologie des BDA[5] der Tag nur 8 Arbeitsstunden und das Jahr nur etwa 220 Arbeitstage hat, kann man also grob überschlagsmäßig berechnen, dass jeder Akademiker in dieser Abteilung durchschnittlich ungefähr ein solches Amtsgutachten pro Arbeitstag verfasst hat. Das ist, bedenkt man, dass UVPs in erster Linie bei großen Infrastruktur- und anderen Großbaumaßnahmen durchgeführt werden, und dabei Alternativen erwogen werden sollten, wie allfällige schädigende Auswirkungen dieser Bauvorhaben möglichst vermieden werden können, d.h. eigentlich diverse alternative Pläne vorgelegt, die alle geprüft und in ihren Auswirkungen gegeneinander abgewogen werden sollten, und dass bei der Erstellung von Flächenwidmungsplänen normalerweise zahlreiche Parzellen in einem Gemeindegebiet betroffen sind, doch einigermaßen überraschend. Bedenkt man nun, dass der Platz, an dem das Bauvorhaben stattfinden soll, oder die Gemeinde, die einen Flächenwidmungsplan ändern will, irgendwo im österreichischen Bundesgebiet liegen kann und daher für eine Begutachtung vor Ort eine gewisse An- und Rückreisezeit des Amtssachverständigen einkalkuliert werden müsste, ist klar, dass diese Gutachten unmöglich auf Basis einer sorgfältigen archäologischen Untersuchung an Ort und Stelle erstellt sein, ja nicht einmal auf eigenem Augenschein der begutachtenden Beamtinnen und Beamten beruhen, können, sondern auf anderem Wege zu Stande kommen müssen. Auch kann man davon ausgehen, dass eine ausgiebigere Konsultation einschlägiger Fachliteratur für die Erstellung dieser Amtsgutachten nicht in Frage kommt, denn eine Literaturrecherche, selbst wenn sie nur extremst kursorisch sein soll, braucht ebenfalls nicht unbeachtliche Zeit, selbst wenn man dafür nur die einschlägige österreichische Fachliteratur heranzieht und diese vielleicht sogar im eigenen Haus vollständig verfügbar wäre. Auch solide Literaturrecherche als Grundlage für derartige Amtsgutachten scheidet also aus.

Damit bleibt eigentlich nur eine mögliche Informationsquelle, auf deren Basis solche Amtsgutachten erstellt werden können: die interne Fundstellendatenbank des BDA. Diese enthält, nachdem laut Tätigkeitsbericht der Abteilung 2008 mit 48.493 Fundplätzen ein Erfassungsgrad von 96% erreicht worden war (Farka 2008, 10), etwas über 50.000 Einträge. Dies mag auf den ersten Blick einigermaßen vollständig erscheinen, als eine gute Grundlage um alle, oder wenigstens alle wichtigen, archäologischen Denkmale in Österreich vor dem Bagger schützen zu können. Vergleicht man diese Zahl in Österreich dem BDA im gesamten Bundesgebiet bekannter Fundstellen jedoch zum Beispiel mit den über 100.000 bekannten archäologischen Fundstellen aus Wales (http://www.archwilio.org.uk/, abgerufen 2/3/2013), dann bemerkt man, dass das österreichische Fundstellenverzeichnis katastrophal lückenhaft ist. Denn Wales entspricht mit einer Fläche von ca. 20.780 km2 eher der Größe des Bundeslandes Niederösterreich (mit ca. 19.190 km2) bzw. etwa einem Viertel des österreichischen Bundesgebiets. Und man kann nicht einmal behaupten, dass Wales eine viel günstigere Siedlungslandschaft wäre als Österreich und daher mehr archäologische Fundstellen pro Quadratkilometer aufweisen würde: sind in Österreich 60% des Bundesgebiets als gebirgig zu bezeichnen, wird als walisische „Hochlandzone“ – je nach Definition – zwischen 40-80% der Gesamtfläche von Wales bezeichnet, siedlungsfeindlich sind jedenfalls auch etwa 60% der walisischen Gesamtfläche. Will man also nicht – und das gänzlich unbegründet – davon ausgehen, dass Wales durch seine (Vor-) Geschichte eine acht Mal höhere Besiedlungsdichte hatte als Österreich, sondern, was weit wahrscheinlicher ist, dass die historische Besiedlungsdichte in Wales ungefähr der Österreichs entsprach (wenn diese nicht sogar auf Grund der günstigeren klimatischen Bedingungen in Österreich hier höher war als in Wales), dann muss man damit rechnen, dass die archäologische Fundstellendatenbank des BDA gerade einmal etwa ein Achtel aller tatsächlich in Österreich existenten Fundstellen verzeichnet, wenn nicht sogar (nachdem auch in Wales keineswegs alle archäologischen Fundstellen bereits bekannt sind) noch deutlich weniger als das.

Wenn die Abteilung für Archäologie für die Erstellung von Gutachten, ob auf einer bestimmten Fläche des österreichischen Bundesgebiets mit archäologischen Funden zu rechnen ist, also auf dieses archäologische Fundstellenregister zurückgreift, statt eine ordentliche Nachforschung an Ort und Stelle, ob auf der von geplanten Baumaßnahmen betroffenen Fläche tatsächlich archäologische Denkmale vorkommen, durchzuführen bzw. durchführen zu lassen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass 7 von 8, wenn nicht gar 9 von 10 oder noch mehr archäologische Fundstellen unbeobachtet und undokumentiert der (bewilligten) Zerstörung durch den Bagger anheimfallen. Das ist natürlich nicht die Schuld der Mitarbeiter der Abteilung: bei durchschnittlich einem pro Tag zu verfassenden derartigen Gutachten bleibt den Mitarbeitern der Abteilung Archäologie, die zusätzlich noch unzählige andere, ebenfalls nicht zu vernachlässigende Aufgaben im archäologischen Denkmalschutz zu erfüllen haben, gar nichts anderes übrig als auf den eigenen Augenschein, geschweige denn eine ordentliche archäologische Voruntersuchung – z.B. durch eine archäologische Prospektion – der betroffenen Fläche zu verzichten und stattdessen für die Erstellung des täglichen Gutachtens auf die einzige rasch und leicht verfügbare Quelle zurückzugreifen, die zur Verfügung steht, nämlich eben die höchst unvollständige Fundstellendatenbank der eigenen Abteilung.

Das BDA und die archäologische Landesaufnahme

Aber weshalb ist diese archäologische Fundstellendatenbank des BDA derart lückenhaft? Hat die Abteilung für Archäologie hier etwa einfach geschlafen, nicht ordentlich gearbeitet, und deshalb bestehen diese Lücken? Nun, ich denke angesichts der oben geschilderten, aus dem Tätigkeitsbericht der Abteilung für Archäologie leicht deduzierbaren totalen Überlastung der 15 akademischen Mitarbeiter der Abteilung mit viel zu vielen verschiedenen Aufgaben, die mit 15 Personen – so motiviert diese auch sein und so effizient diese auch arbeiten mögen – auch beim besten Willen einfach nicht bewältigt werden können, kann man den archäologischen Beamten im BDA hier keinen Vorwurf machen: tatsächlich ist es ganz im Gegenteil äußerst beeindruckend und besonders lobenswert, dass die archäologische Fundstellendatenbank des BDA überhaupt so viele Fundstellen enthält. Dennoch, als Datengrundlage zur Erhaltung des überkommenen archäologischen Kulturguts schlechthin (VwGH vom 22.4.1993 zu GZ 92/09/0356) reicht diese Datenbank sicherlich nicht aus; dazu ist sie viel zu lückenhaft.

Dass diese Datenbank lückenhaft ist, ist auch überhaupt nicht überraschend, wenn man betrachtet, wie viel Personal anderswo dafür eingesetzt wird solche Datenbanken zu erstellen und zu erweitern. In Gwynedd[6] allein, einer Region, die etwa einem Viertel Niederösterreichs entspricht, sind derzeit dafür mehr akademische Mitarbeiter beschäftigt, den lokalen Historic Environment Record zu betreuen, als das BDA insgesamt an archäologischen Akademikern für alle archäologischen Denkmalschutzaufgaben im gesamten österreichischen Bundesgebiet beschäftigt. Und da zähle ich noch gar nicht die Mitarbeiter der walesweit tätigen Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales (RCAHMW), die mit der Aufnahme archäologischer (und anderer Denkmale) von nationaler Bedeutung befasst sind, noch irgendwelche in der walisischen nationalen Denkmalbehörde Cadw, die mit der Aufnahme und Betreuung geschützter Denkmale befasst sind. Rechnet man alle mit archäologischer Landesaufnahme in Wales beschäftigten Akademiker zusammen, dann kommt man auf eine dreistellige Zahl.

Tatsache ist, dass eine ordentliche, vernünftig durchgeführte, archäologische Landesaufnahme nur dann möglich ist, wenn dafür ausreichend Personal eingesetzt wird; und zwar Personal das – neben der Durchführung von Vorerkundungen auf Basis von Luft-, Satellitenbildern und ALS-Geländeaufnahmen – auch tatsächlich ins Gelände gehen und dort systematische archäologische Landesaufnahmemaßnahmen durchführen kann, d.h. an Ort und Stelle durchzuführende Prospektionsmaßnahmen wie Oberflächenbegehungen zur Aufsammlung von Oberflächenfunden, topografische Vermessungen archäologischer Bodenformationen (sofern diese nicht schon besser durch ALS-Aufnahmen erfasst sind), und natürlich – wo angebracht – auch geophysikalische Prospektionen auch tatsächlich durchführen oder wenigstens (von archäologischen Konsulenten) durchführen lassen kann. Selbst wenn solches speziell und mehr oder minder ausschließlich für eine systematische archäologische Landesaufnahme vorgesehene Personal zur Verfügung steht, wofür deutlich mehr Ressourcen zur Verfügung stehen müssen, als das BDA derzeit insgesamt für den archäologischen Denkmalschutz einsetzt, braucht eine dann mögliche systematische archäologische Landesaufnahme eines Gebiets von der Größe Österreichs – selbst wenn man die hochalpinen Bereiche fürs Erste beiseite lassen möchte – immer noch erhebliche Zeit. Denn Mindestvoraussetzung dafür, dass man wenigstens eine Aussicht darauf hat die Mehrheit archäologischer Fundstellen, die es in diesem Gebiet gibt, auch tatsächlich zu erfassen, ist die mehrfach wiederholte flächige Begehung des gesamten österreichischen Bundesgebiets durch Personen, die alle archäologisch relevanten Beobachtungen aufzeichnen und (direkt oder indirekt) in die Fundstellendatenbank des BDA einspeisen. Hier ist mit flächiger Begehung nicht etwa gemeint, an jedem Feld, jeder Wiese und jedem Waldstück, das es in Österreich gibt, in mehr oder minder geringer Distanz vorbeizugehen und aus der Ferne zu bestimmen zu versuchen, ob es auf der betreffenden Fläche archäologische Überreste geben könnte, sondern flächige Begehung bedeutet in diesem Fall die systematische Begehung jeder dieser Flächen in einem streifigen Suchraster mit einem durchschnittlichen Suchlinienabstand von nicht mehr als 2 Metern. Das bedeutet, dass jeder abgesuchte Quadratkilometer – und Österreich hat ungefähr 84.000 davon – bei einmaliger Durchsuchung eine Gehstrecke von etwa 500 Kilometern bedeutet; aber einmalige Durchsuchung genügt, wie bereits erwähnt, eigentlich nicht.

Daraus ergibt sich nun also die Frage, wie man das Personal für eine solche (mehr oder minder systematische) archäologische Landesaufnahme bekommt. Dafür gibt es zwei grundsätzliche (und natürlich miteinander durchaus kombinierbare) Möglichkeiten: man stellt dafür professionelle Archäologen ein (sei es im Bundes-, im Landes- oder im Gemeindedienst, wenn diese direkt durch den Staat bzw. die Gebietskörperschaften beschäftigt werden sollen; oder in privaten Archäologieunternehmen, die aber für archäologische Landesaufnahmetätigkeiten von Gemeinden, Ländern und/oder Bund voll finanziert werden[7]), oder man baut ein Netzwerk freiwilliger, am archäologischen Denkmalschutz und der Erhaltung archäologischer Objekte interessierter Laien auf, die man nur (unter Einsatz vergleichsweise geringer Mittel) zu koordinieren versucht.

Dabei ist klar, dass insbesondere die erstgenannte Variante mit erheblichen Kosten vorbunden ist: will man eine systematische Begehung des österreichischen Bundesgebiets durch professionelle Archäologen durchführen, bei der in halbwegs akzeptabler Zeit wenigstens einmal die etwa 40% des österreichischen Bundesgebiets systematisch durchsucht werden (sagen wir innerhalb von etwa 25 Jahren), die nicht als alpines Gelände zu bewerten sind, dann muss man etwa 550 Fachkräfte dafür anstellen[8]. Dass diese Schätzung nicht unrealistisch ist, zeigt der Vergleich mit Wales, wo tatsächlich für etwa ein Viertel der Fläche Österreichs mehr als 100 Fachkräfte mehr oder minder unmittelbar mit der systematischen Landesaufnahme beschäftigt sind (und die RCAHMW seit 1908 mit dieser Aufgabe befasst ist, also bereits seit mehr als 100 Jahren die Landesaufnahme systematisch betrieben wird). Selbst wenn man den Begehungsprozess dadurch zu beschleunigen versucht, dass man zuerst systematische Luftbild- und ALS-Aufnahmenauswertung betreibt und damit weitere Flächen aus der systematischen Begehung ausscheidet, ist eine Reduktion des dafür nötigen Fachpersonals unter 400 Angestellte unrealistisch, wenn man nicht die Erstellung eines halbwegs vollständigen Fundstellenkatasters deutlich verzögern will[9]. Ich überlasse es dem geneigten Leser abzuschätzen wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Republik Österreich die Abteilung Archäologie des BDA in absehbarer Zeit von den derzeitigen 15 auf über 400 akademische archäologische Mitarbeiter aufstocken wird (können/wollen).

Scheidet die erste Variante – wie es wenigstens unter den derzeitigen politischen Verhältnissen in Österreich der Fall ist – aus, hätte man noch immer die Chance, unter Einsatz weit geringerer Mittel als für die systematische, durch Fachleute durchgeführte, archäologische Landesaufnahme nötig sind, auf eine auf freiwillige Laientätigkeit gestützte archäologische Landesaufnahme zurückzugreifen. Dafür wären zwei Voraussetzungen nötig:

Erstens ist natürlich auch eine auf freiwillige Laientätigkeit gestützte archäologische Landesaufnahme nicht völlig gratis: soll die Landesaufnahme wenigstens halbwegs systematisch sein, bedarf es wenigstens einer gewissen Koordination durch das BDA als zuständige Behörde. Schließlich muss den freiwillig mitarbeitenden Laien wenigstens kommuniziert werden, wo bereits hundertfach gesucht wurde und daher eine weitere Suche an diesem Ort nicht mehr wirklich zielführend ist, und sie nach Möglichkeit auf solche Flächen umgeleitet werden, auf denen noch nie gesucht wurde und daher eine „Nachforschung an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung von beweglichen und unbeweglichen Denkmalen unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche“ besonders dringend notwendig wäre. Ebenso müssen die Daten, die diese Laien dann bei ihren Nachforschungen an Ort und Stelle generieren, anschließend in die relevante Datenbank des BDA eingearbeitet werden, zu der man den sich freiwillig beteiligenden Bürgern wohl nicht unbedingt direkten Schreibzugriff einräumen wollen würde. Und schließlich müssen diese Laien auch noch überhaupt erst einmal gefunden, zur freiwilligen Mitarbeit motiviert und – wenigstens anfänglich – in ausreichend hochqualitativer Dokumentation solcher Nachforschungen im Feld geschult werden um dafür zu sorgen, dass die von diesen aufgezeichneten Daten auch tatsächlich soweit „korrekt“ und einheitlich sind, dass man sich in der Zukunft bei der Erstellung von Amtsgutachten für UVPs, Flächenwidmungs- und Bebauungspläne auf die derart gewonnenen Daten auch halbwegs ausreichend verlassen kann. Das erfordert die Anstellung von etwas zusätzlichem Personal, denn den derzeitigen 15 akademischen Mitarbeitern der Abteilung Archäologie, die mit der Verfassung wenigstens eines Gutachtens täglich und zahllosen anderen bürokratischen Aufgaben bereits mehr als überlastet sind, kann man diese Aufgaben nicht auch noch zumuten. Dennoch sollte, wenigstens anfänglich, eine Handvoll zusätzlicher Mitarbeiter durchaus genügen: man braucht ein paar zusätzliche Gebietsbetreuer, die regional verfügare Freiwillige identifizieren, ausbilden und koordinieren und gleichzeitig dafür sorgen können, dass die von diesen Freiwilligen aufgezeichneten Informationen in die Fundstellendatenbank des BDA Eingang finden. Vermutlich würden dafür, wenigstens anfänglich, um die 10 zusätzliche Mitarbeiter genügen.

Zweitens braucht eine auf freiwillige Laienbeteiligung gestützte archäologische Landesaufnahme – und zwar gleichgültig ob sie systematisch oder unsystematisch (d.h. auf dem „Zufallsprinzip“ für Fundmeldungen des § 8 Abs. 1 DMSG basierend) erfolgt – einen rechtlichen Rahmen, der eine solche freiwillige Laienbeteiligung nicht nur ermöglicht, sondern günstigerweise auch fördert. Doch auch das ist in Österreich derzeit gerade nicht der Fall, sondern ganz im Gegenteil: die geltenden gesetzlichen Bestimmungen sind ein Paradebeispiel dafür, wie man freiwillige Laienbeteiligung möglichst unterbindet und generell Laien möglichst aus dem archäologischen Feldforschungsprozess ausschließt. Denn natürlich beruht die archäologische Landesaufnahme, egal durch wen sie durchgeführt wird, letztendlich darauf, dass an Ort und Stelle Nachforschungen nach Denkmalen durchgeführt werden; denn die Entdeckung solcher Denkmale ist die hauptsächliche Aufgabe der archäologischen Landesaufnahme. Nachdem jedoch die derzeitigen Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG genau diese „sonstigen Nachforschungen an Ort und Stelle zur Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche“ als „Forschungsgrabungen“ definieren, für deren Durchführung eine Bewilligung des BDA notwendig ist, die wiederum nur für konkrete Projekte an natürliche Personen erteilt werden kann, die ein einschlägiges archäologisches Universitätsstudium absolviert haben[10], ist jede von diesen selbst organisierte freiwillige Laienbeteiligung in der archäologischen Landesaufnahme von vornherein ausgeschlossen – und archäologische Fachleute, die solche Landesaufnahmeprojekte organisieren, hat es bis für kurzem (siehe für einige wenige Ausnahmen und ein Fallbeispiel einer jüngst ins Leben gerufenen, besonderen Maßnahme Hebert 2011, 155-163) weder inner- noch außerhalb des BDA gegeben, weil dafür den meisten professionellen Archäologen die Zeit und vor allem die zur Finanzierung solcher „archäologisch überwachten“ Landesaufnahmeprojekte notwendigen Mittel fehlen. Und es wird – wenn nicht eine finanziell verträgliche Lösung dafür gefunden wird – auch in Zukunft solche Projekte keinesfalls in ausreichendem Maß geben, weil ohne entsprechend finanzierte Archäologenstellen, deren Inhaber den dienstlichen Auftrag haben solche Landesaufnahmeprojekte mit und für Laien zu organisieren, fehlt für andere Arbeiten bezahlten Archäologen die Zeit und unbezahlten Archäologen das Geld um diese Projekte organisieren können (und nicht selbst dabei wirtschaftlich vor die Hunde zu gehen). Weiters kann man von den an freiwilliger Mitarbeit in der archäologischen Landesaufnahme interessierten Laien wohl doch nicht erwarten, dass sie nicht nur ihre Arbeitskraft freiwillig für diese Landesaufnahme zur Verfügung stellen sondern noch dazu dann auch noch dafür bezahlen, dass ein professioneller Archäologe sie bei der Mitarbeit in der archäologischen Landesaufnahme betreut und für sie Anträge für konkrete Projekte stellt, die sie im Dienst des systematischen archäologischen Denkmalschutzes – der laut Art. 10 Abs. 1 Z 13 B-VG in Gesetzgebung und Vollziehung Aufgabe des Bundes ist – unternehmen wollen bzw. sollen.

Nachdem es in Österreich derzeit praktisch keine durch professionelle Archäologen betreute, zentral organisierte, systematische archäologische Landesaufnahme unter freiwilliger Beteiligung von Laien gibt (mit Ausnahme einiger weniger, inklusive der oben genannten, Beispielsfälle) und Laien selbst die Durchführung sonstiger Nachforschungen an Ort und Stelle zur Entdeckung archäologischer Fundstätten durch die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG verboten ist, ist es kein Wunder, dass jene Laien, die eventuell zur freiwilligen Mitarbeit in einer solchen archäologischen Landesaufnahme motiviert werden könnten, nämlich jene, die derartige Nachforschungen auch derzeit schon – meist in vollem Wissen der Illegalität ihres Tuns – durchführen, von sich aus kein besonderes Interesse haben die Zusammenarbeit mit der „professionellen Archäologie“ zu suchen oder uns auch nur von den Funden zu erzählen, die sie derzeit – großteils ohne unser Wissen – zwar machen aber dem BDA nicht verraten dürfen, weil dies jeweils einer Selbstanzeige für Verstöße gegen die Bestimmungen des DMSG gleichkäme, die immerhin gem. § 37 Abs. 2 Z 2 mit einer Maximalstrafe von bis zu € 25.400 zu bestrafen ist. Wie das BDA selbst wiederholt festgehalten hat (zuletzt wieder Hebert 2011, 140) ist es verpflichtet eingehende Anzeigen oder eigene Wahrnehmungen zu Verstößen gegen die Bestimmungen des DMSG zu verfolgen, indem es die zuständigen Ermittlungsbehörden von diesen Verstößen verständigt und gegebenenfalls Beweismaterialien an diese weitergibt.

Diese Kombination von Faktoren führt letztendlich dazu, dass auch die auf „Zufallsfunden“ beruhende, unsystematische archäologische Landesaufnahme, die wenigstens durch die Fundmeldepflichten des § 8 DMSG mehr oder minder automatisch „im Vorübergehen“ bewirkt werden könnte, durch die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG zusätzlich untergraben wird: dadurch, dass der vorsätzlich suchende Laie, der sich nicht an einem systematischen, von professionellen Archäologen geleiteten, archäologischen Landesaufnahmeprojekt beteiligen kann, weil es diese Projekte praktisch nicht gibt, der auch nicht durch einen Mitarbeiter des BDA betreut als freiwilliger Mitarbeiter in der archäologischen Landesaufnahme tätig werden kann, weil die viel zu wenigen Mitarbeiter der zuständigen Fachabteilung des BDA dafür niemals genug Zeit haben, bei selbstständig organisierter Nachforschung an Ort und Stelle durch die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG kriminalisiert wird, wird ihm jede Motivation zur Fundmeldung gem. § 8 Abs. 1 DMSG genommen und das BDA erfährt daher von durch solche Laien „zufällig“ entdeckte, bislang unbekannte Fundstellen auch nichts mehr. Dass die Anzahl der Fundmeldungen durch Mitglieder der Öffentlichkeit seit der Verschärfung der Bestimmungen zu „Forschungsgrabungen“ des § 11 Abs. 1 DMSG deutlich zurückgegangen sind, habe ich ja bereits andernorts deutlich gezeigt (Karl 2011b).

Bei der derzeitigen Rechtslage ist – wenigstens bis man nicht bedeutend mehr Mitarbeiter im BDA anstellt, deren Hauptaufgabe es ist eine systematische Landesaufnahme durch Laien zu betreuen – also eine systematische archäologische Landesaufnahme auf Basis von freiwilliger Bürgerbeteiligung – deren Förderung durch die soeben (5.6.2014) von Österreich unterzeichnete Faro-Konvention verlangt wird (CoE 2005) – ebenso unmöglich wie eine unsystematische, aber wenigstens durch Fundmeldungen halbwegs zum Nutzen der Öffentlichkeit und der Erhaltung von Denkmalen funktionierende archäologische Landesaufnahme, weil das Gesetz es verbietet, das interessierte Bürger diese denkmalschützerische Aufgabe erfüllen, die der Staat, der diese Aufgabe eigentlich laut Bundesverfassung zu erfüllen hätte, selbst zu erfüllen verweigert. Mutmaßliches Resultat ist, dass für jede Fundstelle, die das BDA durch Gutachten in UVP-Verfahren, Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen, im Rahmen des Baugenehmigungsprozesses schützt, 9 andere archäologische Fundstellen, von deren Existenz das BDA überhaupt noch nichts weiß, verloren gehen.

Archäologische Landesaufnahme und moderne Land- und Forstwirtschaft

Ebenfalls weitgehend außerhalb des Wahrnehmungsbereichs des BDA, und vollkommen unbetroffen von den Bestimmungen des DMSG für archäologische Objekte, ist ein weiterer bedeutender Bereich des Wirtschaftsaufkommens in Österreich, der bislang in dieser Betrachtung noch nicht näher unter die Lupe genommen wurde: die moderne Land- und Forstwirtschaft. Auch diese sind jedoch im Kontext einer Betrachtung des archäologischen Denkmalschutzes und innerhalb dieser der Betrachtung der archäologischen Landesaufnahme von eminenter Bedeutung, denn auch in diesem Bereich hat es in den 90 Jahren seit der Erstfassung des DMSG maßgebliche Veränderungen gegeben.

In den 1920ern, als das DMSG mit seiner fundzentrierten Sichtweise des archäologischen Denkmalschutzes erlassen wurde, waren Land- und Forstwirtschaft etwas ganz anderes, als sie es heute sind. Zwar wurde die erste landwirtschaftliche Zugmaschine – vulgo „Traktor“ – bereits in den späten 1870ern erfunden und der erste funktionstüchtige Prototyp eines dampfgetriebenen Raupentraktors Ende der 1880er erzeugt, aber zum weitreichenden Einsatz von Traktoren in der Landwirtschaft kam es erst über ein halbes Jahrhundert später. Der erste im deutschen Sprachraum stark zum Einsatz kommende Traktor, der Lanz Bulldog, kam erstmals 1921 zum Einsatz und ging erst 1923, dem Jahr in dem das DMSG erlassen wurde, in Serie (Gebhart 2006). Erst nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einer wirklich durchgehenden Mechanisierung der Landwirtschaft und das Gleiche gilt im Wesentlichen auch für die Forstwirtschaft. Darüber hinaus waren die ersten zu breitem Einsatz kommenden Traktoren und vergleichbaren land- und forstwirtschaftlichen Geräte noch – im Vergleich zu den heute im Einsatz stehenden – vergleichsweise leicht und hatten eine geringe Zugkraft. In einer einschlägigen Broschüre verweist z.B. English Heritage auf das Faktum, dass heutige Traktoren ungefähr die zehnfache Zugkraft und das achtfache Gewicht des typischen Traktors der 1940er haben (English Heritage 2003, 2).

Hinzu kommt insbesondere in der modernen Landwirtschaft der weitreichende Einsatz künstlicher Düngemittel. Auch diese kommen in erster Linie erst seit Ende des dem zweiten Weltkriegs verstärkt zum Einsatz, greifen jedoch – nachdem sie häufig aus recht aggressiven Stickstoffverbindungen und anderen aggressiven Chemikalien (z.B. Phosphaten) bestehen – archäologische Funde stark an. Neben den ohnehin bekannten umweltschädigenden Effekten (wie Nitrat- und Phosphatbelastung von Grundwasser und Anreicherung von Schwermetallen im Erdboden) haben chemische Düngemittel auch Auswirkungen auf archäologische Bodenfunde. Stickstoffdünger zum Beispiel führen oft zu einer Absenkung des pH-Wertes des Bodens, d.h. zu einer Versäuerung, was insbesondere auf Metall und Knochenfunde in der Humusschicht maßgebliche negative Auswirkungen haben kann, die auf Bodensäuren stark anfällig reagieren.

In der Forstwirtschaft sind zwar Düngemittel kein besonderes Problem, doch kommen ebenfalls inzwischen oft recht schwere Forstmaschinen zum Einsatz, die gerade im Wald mit seinen dünnen Kulturböden ebenso archäologische Objekte im Boden stärker beeinträchtigen oder sogar zerstören können (so z.B. wenn sie mit ihrer Bereifung oder Stützen zur Lagestabilisierung den Boden umwühlen oder zur Schlägerung Bäume samt ihrer Stümpfe komplett ausreißen). Davon abgesehen, führen die in der Forstwirtschaft immer noch häufigen Monokulturen zu verstärktem Windbruch und damit verbunden zu Bodenschäden, durch die ebenfalls archäologische Objekte gefährdet und zerstört werden können (siehe dazu z.B. Hebert 2011, 159).

Das bedeutet, dass selbst auf bloß „ganz normal“ land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen – ca. 85% der österreichischen Bundesfläche – archäologische Objekte (ob bewegliche Kleinfunde oder unbewegliche Befunde) keineswegs unbedingt vor Zerstörung oder Veränderung bestmöglich geschützt, sondern ebenfalls – wenn auch in variablem Ausmaß, je nach auf der konkreten Fläche gerade zum Einsatz kommender land- bzw. forstwirtschaftlicher Praxis – mehr oder minder stark gefährdet sind. Der Schutz dieser Objekte – und hier kommen wir wieder zum Problem der archäologischen Landesaufnahme – ist derzeit ausschließlich dadurch möglich, dass besonders bedeutende derartige Objekte, vor allem wenn sie akut durch Zerstörung bedroht werden, gem. §§ 2a oder 3 DMSG unter Denkmalschutz gestellt werden. Und dazu ist, wie bereits im Kontext des Schutzes archäologischer Objekte vor modernen Baumaßnahmen ausgeführt, zuerst einmal notwendig, dass man weiß, wo sich solche besonders bedeutenden Objekte befinden. Dazu wiederum müssen sie zuerst einmal durch eine archäologische Landesaufnahme erfasst worden sein, denn sonst weiß das BDA, das sie nötigenfalls unter Denkmalschutz stellen kann, ja nicht einmal von ihrer Existenz.

Nun ist es so, dass die Archäologie in den letzten Jahrzehnten durch die verbreitetere Verwendung von Luftbildanalysen und – neuerdings – im Wald durch den Einsatz von topografischen last return-Vermessungen mittels luftfahrzeuggestützter LIDAR-Systeme zweifellos große Fortschritte gemacht hat, wo die Fähigkeit archäologische Objekte (in dem Fall Befunde) fernzuerkennen betroffen ist. Bewuchsmerkmale auf Feldern, wenn diese zur richtigen Zeit aus der Luft oder gar mittels Satelliten fotografiert werden, gestatten es mutmaßlich archäologische Bodenstörungen einigermaßen effektiv fernzuerkennen und topografische ALS-Vermessungen erlauben die Identifikation von noch oberirdisch unterscheidbaren, durch archäologische Denkmale verursachten, Bodenunebenheiten (z.B. Grabhügel, Ruinen und Altwege) im Wald. Dennoch, um Luft- bzw. Satellitenbilder auszuwerten bedarf es neuerlich Personal; zur Auswertung von LIDAR-Vermessungen muss erst einmal eine solche Vermessung gemacht und diese dann ebenfalls durch archäologisch geschultes Personal ausgewertet werden. Dies geschieht derzeit nicht durch das BDA und in Anbetracht der extrem dünnen Personaldecke der Abteilung für Archäologie kann man das den dortigen Beamten auch gar nicht vorwerfen; sie haben dazu schlicht und einfach keine Zeit und auch keine Mittel um z.B. systematische ALS-Befliegungen zu veranlassen.

Die zweite Methode solche archäologischen Denkmale auf land- und forstwirtschaftlichem Gebiet zu identifizieren, die in Abwesenheit der Möglichkeit die soeben genannten Fernerkundungsmethoden systematisch zur Anwendung zu bringen zur Erstellung einer halbwegs vollständigen Datenbank (mutmaßlicher) archäologischer Fundstellen in Österreich zur Verfügung steht, ist daher neuerlich die archäologische Landesaufnahme an Ort und Stelle mit dem Zweck der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche, also jene Forschungsmaßnahme, die durch § 11 Abs. 1 DMSG Laien komplett verboten und Fachleuten nur mit vorher eingeholter, expliziter und auf eine konkrete Maßnahme bezogener, Bewilligung des BDA möglich ist. Dass entsprechend ausgebildete Fachleute dazu nicht in ausreichendem Maß, ja eigentlich überhaupt nicht (sofern dies nicht Teil ihres wissenschaftlichen Forschungsinteresses in einem wissenschaftlichen Forschungsposten oder –projekt ist), zur Verfügung stehen, versteht sich von selbst. Der Rückgriff auf die Laien hingegen ist wiederum – außer in Einzelfällen (z.B. Hebert 2011, 155-161) – deshalb nicht möglich, weil sich selbstständig organisierenden und nachforschenden Laien für solche Maßnahmen gemäß der derzeitigen Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG überhaupt gar keine Bewilligung erteilt werden kann.

Resultat ist also auch hier nicht etwa ein guter oder auch nur adäquater Schutz archäologischer Denkmale vor Zerstörung oder Veränderung: gerade im „Freiland“, das nur selten von Baumaßnahmen betroffen ist und nur selten tatsächlich durch Personen begangen wird, die nicht mit seiner Bewirtschaftung befasst sind (die sich großteils auf befestigten Wegen bewegen), und im Wald, wo man archäologische Denkmale oft nicht einmal mit dem freien Auge entdecken kann, selbst wenn sie noch oberirdische Spuren hinterlassen haben, weil der Baumbestand das Ausmachen signifikanter Bodenerhebungen oder –senkungen verhindert oder wenigstens erheblich erschwert, ist der Kenntnisstand archäologischer Fundstellen besonders schlecht. Das systematische Verbot der archäologischen Nachforschung auf all diesen Flächen durch eine wohl gut gemeinte, aber furchtbar schlecht gemachte, gesetzliche Bestimmung hat auch hier wohl eher für die Denkmalerhaltung schädliche als nützliche Effekte.

Das Ablenkungsmanöver „Raubgräber“ und die Freiheit der Wissenschaft

Statt tatsächlich die Mehrheit der durch Erdarbeiten gefährdeten archäologischen Denkmale wenigstens vor ihrer Zerstörung durch große Baumaschinen halbwegs archäologisch dokumentieren zu können oder wenigstens daran zu arbeiten, dass Baumaßnahmen stärker kulturgutschützerisch überwacht und kontrolliert werden und auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen die (noch) vorhandenen archäologischen Fundstellen halbwegs bekannt werden, lenkt das DMSG durch seine dichotomische, fundzentrierte Sichtweise hingegen den Blick der Öffentlichkeit und der Fachwelt auf ein – wenigstens im Vergleich mit den durch die fortschreitende Flächenverbauung und land- und forstwirtschaftlichen Flächennutzungen angerichteten Zerstörungen – marginales Problem, das Problem der Zerstörung archäologischer Funde und Befunde durch „Raubgräber“, die tatsächlich hin und wieder ungeniert Löcher graben, in denen man „notfalls einen Kleinwagen versenken könnte“ (Hebert 2011, 140). Ich möchte diese Raubgräber hier auch gar nicht verteidigen, sie richten tatsächlich viel zu häufig gravierenden archäologischen Schaden an, wenn sie ohne Hemmungen auf der Suche nach goldenen (oder sonstigen metallischen) Schätzen durch archäologische Befundschichten graben. Dennoch, nicht jeder Laie, der archäologische Objekte zu finden versucht, wenn er sich durch die Landschaft bewegt, gräbt ununterbrochen Raubgrabungslöcher, in denen man wirklich einen Kleinwagen versenken könnte, sondern meistens, wenn überhaupt, eher weit kleinere, weniger schädliche und potentiell sogar nützliche Löcher. Und das durchaus gelegentlich vorkommende, kleinwagengroße Raubgrabungsloch steht zusätzlich immer noch in keinem Verhältnis zu den täglich gegrabenen, mehrere Parkhäuser für eine ganze Kleinwagenflotte aufnehmen könnenden Löchern, die im Rahmen von Bauarbeiten erzeugt werden.

Als Ablenkungsmanöver – das nicht zuletzt auch uns Archäologen davon abhält den Blick auf die eigentlich wichtigen archäologisch-denkmalschützerischen Probleme zu werfen und uns deren Lösung zuzuwenden – und ausschließlich als solches ist die sich in den Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG in seiner derzeit geltenden Fassung und Auslegung (aber siehe dazu Karl 2014) spiegelnde Besessenheit mit der Kontrolle von „vorsätzlichen“ archäologischen Grabungen und die daraus abgeleitete Möglichkeit die Aktivitäten der „Raubgräber“ kriminalisieren zu können geeignet und zu verstehen. Der Erhaltung des Kulturgüterbestands schlechthin ist sie hingegen äußerst abträglich. Das Erschreckende ist, dass es dafür sogar offenkundig recht und billig war das in Art. 17 StGG 1867 verfassungsgesetzlich garantierte Recht der Staatsbürger auf Freiheit der Wissenschaft massiv einzuschränken.

Denn geben wir uns keinen Illusionen hin: es ist in erster Linie das Recht auf Forschung, und nicht andere Rechte, die durch die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG massiv eingeschränkt werden. Weil selbst wenn man davon ausgehen will, dass die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG und die damit verbundene Einschränkung der Freiheit der wissenschaftlichen Forschung wenigstens deshalb (teilweise) gerechtfertigt sind, dass dadurch verhindert wird – oder richtiger, verhindert werden soll, denn die gesetzliche Bestimmung an sich verhindert nur sehr bedingt tatsächlichen Schaden, sondern macht bloß angerichteten Schaden strafbar, nachdem er eingetreten ist, was in Anbetracht der Verurteilungsrate von nahezu 0% für Vergehen gegen die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG nicht einmal einen nennenswerten abschreckenden Effekt haben dürfte – dass Laien mit dem Metallsuchgerät archäologische Funde zu entdecken versuchen und dabei (unabsichtlich oder vorsätzlich) archäologische Befunde zerstören (könnten), wird auch dieses Ziel bestenfalls sehr bedingt erreicht.

Denn die „Nachforschung an Ort und Stelle“, auch mit dem Metallsuchgerät, ist auf Flächen, die nicht gemäß der Bestimmungen der §§ 2a oder 3 DMSG bereits unter Denkmalschutz stehen, jedenfalls so lange durchaus erlaubt, als der Metallsucher nicht die Absicht hat archäologische Funde unter der Erdoberfläche zu entdecken und erforschen.  Sucht der Metallsucher also mit der Absicht „Gold, Gold und noch mehr Gold“ zu finden und ist ihm dabei gleichgültig, dass dieses Gold in Form archäologischer Funde zu Tage treten kann, dann sind diese archäologischen Goldfunde (und alle anderen Metallfunde, die er im Rahmen dieser profitorientierten Metallsuche macht) „Zufallsfunde“ im Sinne des § 8 Abs. 1 DMSG und als solche zwar zu melden, aber nicht den Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG unterworfen. Das ist selbst dann der Fall, wenn der Metallsucher „nachträglich“ erkennt, dass auch Teile des nicht aus Edelmetall bestehenden alten Schrotts, den er zu Tage gefördert hat, wie auch die menschlich gestalteten Edelmetallfunde, einen höheren Wert in ihrer Eigenschaft als archäologische Fundgegenstände haben als als reiner Rohstoff; was zählt, ist der Zweck zum Zeitpunkt der Nachforschung zur Entdeckung dieser Objekte, nicht die spätere Erkenntnis, dass der Finder mehr Profit aus ihnen ziehen kann, wenn er sie als Kulturgüter am Antikenmarkt verkauft und nicht an die Österreichische Gold- und Silber-Scheideanstalt Ges.m.b.H. verscherbelt. Exakt das Gleiche gilt auch, wenn der Metallsucher ein Feld, auf dem er (oder jemand anderer) biologische Landwirtschaft betreiben will, von allfälligen makroskopischen metallischen Verunreinigungen reinigen will und daher alle Metallfunde in diesem Feld lokalisiert, ausgräbt und dem Recycling zuzuführen beabsichtigt: allfällig zu Tage tretende archäologische Metallfunde sind in diesem Fall „Zufallsfunde“ nach § 8 Abs. 1 DMSG und die Tätigkeiten – inklusive Grabungen – des Metallsuchers unterliegen nicht den Bestimmungen des § 11 DMSG.

Dies ist in exakter Parallelität zum Baggerfahrer zu sehen, der ein normalerweise weit größer dimensioniertes Loch gräbt um eine Fläche für die Bebauung vorzubereiten und dessen Grabungsarbeiten eben auch nicht den Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG unterliegen. Das geht sogar soweit, dass der Baumeister, der bereits vermutet, dass auf seiner Baustelle archäologische Funde entdeckt werden könnten und daher seinen Baggerfahrer den Bodenabschub mit dem Bulldozer statt mit dem Löffelbagger durchführen lässt, der also sein „Grabungswerkzeug“ mit dem Zweck wählt archäologische Funde – deren Existenz er ja bloß vermutet, d.h. noch nicht mit Sicherheit weiß, dass es sie gibt – möglichst zu vernichten, völlig rechtmäßig handelt, weil der Zweck seiner Gerätewahl eben die unentdeckte Vernichtung und nicht die Entdeckung archäologischer Funde ist. Die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG schützen also nicht in erster Linie potentiell existierende archäologische Kulturgüter vor der Zerstörung, ja nicht einmal vor ihrer vorsätzlichen Zerstörung durch Grabungsarbeiten, so lange ihre Existenz nicht bereits gesichert und durch Unterschutzstellung gem. §§ 2a oder 3 DMSG gewährleistet wird.

Eingeschränkt wird durch die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG – wenn die derzeitige Auslegung dieses Paragrafen richtig sein sollte (aber siehe Karl 2014) – nur das Recht auf nicht gem. §§ 2, 2a oder 3 DMSG unter Denkmalschutz gestellten Flächen frei der archäologischen Primärquellenforschung nachzugehen und zwar sowohl (wenn auch nur bedingt) für archäologische Fachwissenschafter als auch (und zwar unbedingt) für Laien, obwohl beide Gruppen eigentlich verfassungsgesetzlich dieses Recht garantiert bekommen haben. Das zeigt sich in aller Deutlichkeit daran, dass eben nicht nur Laien, bei denen sich das eventuell noch diskutieren ließe, sondern auch Fachleuten durch die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG alle Nachforschungen an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung und Erforschung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche ohne dafür eine explizite Bewilligung des BDA zu haben verboten wird, selbst wenn diese Nachforschungen völlig zerstörungsfrei sind und daher die Erhaltung der dadurch entdeckten Denkmale gar nicht gefährdet sondern ganz im Gegenteil begünstigt, ja in manchen Fällen sogar überhaupt erst ermöglicht wird. Eine geomagnetische Prospektion oder Untersuchung mit Bodenradar (Systeme dafür sind jeweils mit Preisen ab einigen tausend Euro verfügbar) kann – wenigstens theoretisch – jedermann durchführen, der sich ein paar grundlegende technische Fertigkeiten erworben hat, und die Untersuchung ist für archäologische Objekte unter der Erd- oder Wasseroberfläche völlig zerstörungsfrei. Dennoch sind gemäß der Richtlinien des BDA (2014, 8) alle damit durchgeführten Nachforschungen zum Zwecke der Entdeckung archäologischer Objekte amtlich bewilligungspflichtig.

Es geht also dabei überhaupt nur sehr bedingt um die Kontrolle von Maßnahmen, die archäologische Objekte unter der Erdoberfläche zerstören oder verändern könnten. Um archäologische Objekte vor Zerstörung oder Veränderung zu bewahren müsste der Wortlaut des § 11 Abs. 1 DMSG etwa wie folgt lauten: „Veränderungen der Erdoberfläche bzw. des Grundes unter Wasser sowie sonstige Handlungen, die bewegliche oder unbewegliche Denkmale auf bzw. unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche zerstören oder verändern könnten (Grabungen), bedürfen der Bewilligung durch das Bundesdenkmalamt“, bzw. wenn man die Nachforschung nach solchen Denkmalen im Rahmen systematischer, fachlich adäquat dokumentierter archäologischer Ausgrabungen von dieser Bewilligungspflicht ausnehmen wollen würde, etwa so: „Veränderungen der Erdoberfläche bzw. des Grundes unter Wasser sowie sonstige Handlungen, die bewegliche oder unbewegliche Denkmale auf bzw. unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche zerstören oder verändern könnten (Grabungen), sofern diese nicht entsprechend der Standards archäologischer Ausgrabungs- und Dokumentationspraxis unter der Leitung von bzw. durch archäologische Fachkräfte durchgeführt werden sollen, bedürfen der Bewilligung durch das Bundesdenkmalamt“, gefolgt von Bestimmungen wie Standards archäologischer Ausgrabungs- und Dokumentationspraxis bestimmt werden (z.B. durch vom BDA durch Verordnung zu erlassende Richtlinien wie die bereits publizierten; BDA 2014) und wer im Sinne des Gesetzes als archäologische Fachkraft zu betrachten ist (z.B. Personen, die ein einschlägiges Universitätsstudium bzw. eine sonstige einschlägige facharchäologische Ausbildung absolviert haben).

Bei einem derartigen Wortlaut des § 11 Abs. 1 DMSG wären zerstörungsfreie archäologische Prospektionsmaßnahmen, egal wer diese durchführt, bewilligungsfrei erlaubt und damit die Freiheit der Wissenschaft soweit gewährleistet, als durch eine Handlung potentielle Denkmale nicht mit Zerstörung oder Veränderung bedroht würden. Alle Handlungen hingegen, die tatsächlich die Erhaltung des Kulturgutbestands Österreichs schlechthin gefähren könnten, weil sie potentielle Denkmale auf bzw. unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche tatsächlich durch Zerstörung oder Veränderung bedrohen – darunter auch unsystematische Grabungen und Fundaufsammlungen durch enthusiastisch aber aus fehlgeleitetem historischen Interesse und vorsätzlich aus Profitinteresse „archäologische Schätze“ von ihrem Fundort entfernen wollende Laien – würden einer Bewilligungspflicht durch das BDA unterworfen, in deren Rahmen dieses den potentiell durch ihre Handlungen archäologische Objekte gefährdenden Personen Auflagen (wie z.B. eine facharchäologische Aufsicht) erteilen könnte, durch die eine allfällige Gefährdung der archäologischen Objekte verhindert oder wenigstens verringert werden könnte.

Aber darum geht es eben beim derzeitigen Wortlaut des § 11 Abs. 1 DMSG überhaupt nicht, sondern es geht darum die gezielte Nachforschung (durch Veränderung der Erdoberfläche oder sonstige Maßnahmen an Ort und Stelle) zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung archäologischer Primärquellen zu kontrollieren. Es geht darum, dass das BDA weiß, wer solche wissenschaftlichen Nachforschungen anstellt; und es geht darum, dass das BDA solche wissenschaftlichen Nachforschungen verbieten und, wenn sie denn doch stattfinden dürfen, seiner mehr oder minder vollständigen Herrschaft unterwerfen kann. Soweit „gewöhnliche Staatsbürger“ betroffen sind, ist diese Einschränkung der Freiheit der Wissenschaft vollständig, da diesen praktisch jedwede archäologische Feldforschung – außer sie findet im Rahmen einer durch archäologische Fachkräfte geleiteten Maßnahme, die durch das BDA bewilligt wurde und kontrolliert oder sogar von seinen Mitarbeitern selbst gem. der Bestimmungen des § 11 Abs. 2 DMSG „amtswegig“ durchgeführt wird – zur Gänze gesetzlich verboten wird. Aber selbst bei archäologischen Fachkräften ist die Unterwerfung der archäologischen Feldforschung unter die Herrschaft des BDA nahezu vollständig, da diesen ebenfalls alle an Ort und Stelle stattfindenden archäologischen Feldforschungsmaßnahmen, gleichgültig ob diese zerstörungsfrei oder zerstörerisch sind, ohne eine Bewilligung durch das BDA, in der es dem Antragsteller mehr oder minder beliebige Auflagen erteilen kann, gesetzlich verboten wird. Mit dem Schutz archäologischer Denkmale hat das alles also sehr wenig zu tun, viel mehr dagegen mit der Einschränkung der Freiheit archäologische Feldforschungen durchzuführen: § 11 Abs. 1 DMSG beschränkt diese Freiheit darauf archäologische Feldforschungen so durchzuführen, wie es dem BDA gefällt.

Die Gefährdung archäologischer Objekte unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche durch Raubgräber – auch wenn es diese zweifellos tatsächlich gibt – ist dabei nur der Vorwand, den man braucht um die Einschränkung der verfassungsgesetzlich garantierten Freiheit der Wissenschaft im Bereich der Feldforschung irgendwie begründen zu können. Aber damit ist man eben – vor allem, wenn man sich nicht auf eine professionelle, durch hunderte im BDA beschäftigte archäologische Mitarbeiter durchgeführte, systematische archäologische Landesaufnahme und einen tatsächlich den modernen Anforderungen auch in Hinblick auf den dafür notwendigen Ressourceneinsatz entsprechenden staatlichen archäologischen Denkmalschutz stützen kann – weit über das eigentliche Ziel, das durch das DMSG erreicht werden sollte, hinausgeschossen und hat eine Situation erzeugt, in der der vorgebliche Schutz vor „wilden Raubgrabungen“ dem tatsächlichen Schutz (großteils noch völlig unbekannter) archäologischer Denkmale mehr schadet als nützt.

Landesaufnahme, Grabungen und sonstige Nachforschungen

Das Problem des archäologischen Denkmalschutzes in Österreich sind also nicht so sehr die gezielt auf die Entdeckung und Untersuchung archäologischer Denkmale ausgerichteten Grabungen und sonstige Nachforschungen an Ort und Stelle des § 11 Abs. 1 DMSG, sondern vielmehr jene anderen Erdarbeiten und Störungen im Erdboden verursachenden wirtschaftlichen Tätigkeiten, die überhaupt nicht – oder wenn doch, dann nur, wenn dabei zufällig archäologische Objekte zu Tage kommen und von den diese anderen Tätigkeiten durchführenden Laien auch als solche erkannt werden – den auf die Erhaltung des archäologischen Kulturguts schlechthin abzielenden Schutzbestimmungen des DMSG unterliegen. Es sind jedoch gerade diese nicht Ziel „vorsätzlicher“ archäologischer (selbst wenn sie nur Laienhaft durchgeführt werden) Tätigkeiten an Ort und Stelle seienden archäologischen Objekte unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche, die nicht zuletzt auf Grund des unvergleichbar größeren Flächenverbrauchs anderer archäologische Objekte gefährdender, bau-, land- und forstwirtschaftlicher Tätigkeiten weit mehr mit Zerstörung und Veränderung bedroht sind als jene, die bei „archäologischen Maßnahmen“ im Sinne der Richtlinien des BDA (2014), ob nun von Fachleuten oder Laien, zu Tage gebracht werden.

Die durch nicht unter die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG fallende Bodenstörungen im Rahmen von wirtschaftlichen Tätigkeiten besonders bedrohten archäologischen Funde und Befunde können derzeit nur dadurch geschützt werden, dass das BDA sie gemäß §§ 2a oder 3 DMSG unter Denkmalschutz stellt oder in Gutachten in UVP-Verfahren, für Flächenwidmungs- und Bebauungspläne entsprechend Vorkehrungen trifft, dass die möglicherweise durch bau-, land- oder forstwirtschaftlich Tätigkeiten betroffenen archäologischen Denkmale wenigstens bekannt sind und – soweit möglich – entsprechend dem Schutzinteresse der Öffentlichkeit behandelt werden. Dafür ist allerdings eine systematische archäologische Landesaufnahme erste und wichtigste Voraussetzung: diese dient dem Zweck bislang unbekannte, aber noch unter der Erdoberfläche vorhandene, archäologische Objekte bzw. deren Fundstellen zu entdecken und – soweit möglich – im Voraus soweit zu untersuchen, dass nötigenfalls durch das BDA eine Unterschutzstellung der mutmaßlich archäologisch „verseuchten“ Flächen gem. §§ 2a oder 3 DMSG vorgenommen oder Ersatzmaßnahmen gemäß dem UVP-G als Auflagen erteilt werden können oder diese Denkmale wenigstens – zur Eintragung in Flächenwidmungs- und Bebauungspläne – dem BDA soweit bekannt sind und ihre Bedeutung abschätzbar ist, dass vom BDA oder anderen Einrichtungen oder Personen gegebenenfalls andere, weniger in Eigentumsrechte eingreifende Schutzmaßnahmen gesetzt werden können. Denn weiß man nicht, wo Fundstellen sind, dann kann man sie logischerweise überhaupt nicht schützen.

Eine solche (mehr oder minder) systematische Landesaufnahme ist auf drei Arten möglich: sie kann erstens durch dafür vom Staat in Ausübung seiner verfassungsgesetzlichen Denkmalschutzpflichten angestellten und bezahlten archäologischen Fachkräften, zweitens von Fachkräften gemeinsam mit dafür freiwillig ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellenden „gewöhnlichen“ (d.h. wenigstens anfänglich nicht archäologisch ausgebildeten) Mitgliedern der Öffentlichkeit oder drittens von sich selbst dafür organisierenden oder auch nicht organisierenden, mehr oder minder systematisch vorgehenden, möglicherweise auch nicht ausschließlich denkmalschützerische Interessen verfolgenden Mitgliedern der Öffentlichkeit, die in ihrer Freizeit archäologische Funde machen und ihre damit mehr oder minder „zufällig“ getätigten Beobachtungen gemäß der Bestimmungen des § 8 DMSG dem BDA melden ohne größere oder gar gänzlich ohne Beteiligung archäologischer Fachleute, die für diese Tätigkeit bezahlt werden, durchgeführt werden. Alle drei Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile, aber wenigstens eine dieser drei Möglichkeiten muss es geben um mehr oder minder sichergehen zu können, dass das BDA auch weiß, wo es zum Schutz des archäologischen Kulturguts schlechthin in Eigentumsverhältnisse oder andere staatsbürgerliche Rechte eingreifen muss.

Ich möchte an dieser Stelle kein Hehl daraus machen, dass ich – wie, so denke ich, die überwiegende Mehrheit der österreichischen ArchäologInnen – die erste Möglichkeit, die der professionell und systematisch durchgeführten Landesaufnahme durch archäologische Fachkräfte, die dafür auch tatsächlich vom Staat, den Gebietskörperschaften oder deren Institutionen angestellt und bezahlt werden, bevorzugen würde, auch wenn ich auch in diesem Fall im Sinne der Faro-Konvention (CoE 2005) eine starke Laienbeteiligung, wo dies möglich und sinnvoll ist, nützlich finden würde. Der Vorteil dieser Art archäologische Landesaufnahme durchzuführen liegt an sich auf der Hand, aber sei trotzdem ausgesprochen: durch die Konzentration der Landesaufnahmemaßnahmen in den Händen von dafür wissenschaftlich ausgebildeten, spezialisierten Fachkräften – auch wenn diese, wo möglich, mit Laienbeteiligung arbeiten – garantiert die bestmöglichste und vollständigste wissenschaftliche Dokumentation der getätigten Beobachtungen und gewährleistet damit die beste wissenschaftliche Vollständigkeit und Korrektheit als auch die maximale wissenschaftliche Nutzbarkeit der erzielten Ergebnisse. Es wird bei einer solchen Lösung möglich auch andere Spezialisten, die über besondere Kenntnisse und Expertise in konkreten Teilgebieten der Archäologie oder z.B. Archivwisenschaft verfügen, wie z.B. in geophysikalischer Prospektion, Luftbildarchäologie, GIS-Analytik, Datenbanklogistik etc. direkt in der Landesaufnahme zu beschäftigen und damit sowohl die Qualität der Ergebnisse als auch die Effizienz ihrer Erzeugung, Erhaltung und Nutzung zu optimieren. Ebenfalls von Vorteil wäre, dass diese Art der Landesaufnahme nicht nur extrem rasch umsetzbar wäre sondern auch sehr rasch – durch systematische Verwendung archäologischer Fernerkundungsmethoden – bedeutende Verbesserungen der Datenbasis für den archäologischen Denkmalschutz erzielen könnte. Der Nachteil dieser Art die archäologische Landesaufnahme zu organisieren ist allerdings der damit verbundene hohe Kostenfaktor, denn, wie der obige Vergleich mit der Situation in Wales zeigt, wäre bei Wahl dieser Lösung damit zu rechnen, dass wenigstens um die 400 archäologische Fachkräfte angestellt werden müssten, die natürlich auch Büroräumlichkeiten, Ausrüstung und dergleichen mehr sowie auch ein gewisses Maß flexibel einsetzbarer Mittel zur Verfügung gestellt bekommen müssen um die ihnen gestellten Aufgaben auch tatsächlich erfolgreich (und auch in einem sinnvollen Zeitrahmen) durchführen zu können.

Die zweite Möglichkeit die archäologische Landesaufnahme zu organisieren ist die eines vergleichweise viel kleineren „Stammpersonals“ aus archäologischen Fachkräften, die in erster Linie für Koordinationsaufgaben sowie die Datenqualitätssicherung und wenigstens Teile der Datenauswertung verantwortlich sind, die sich jedoch für die Durchführung des Großteils der eigentlichen archäologischen Feldforschung auf – gegebenenfalls vom Stammpersonal dafür auszubildende – Laienforscher stützen, die in ihrer Freizeit freiwillig ihre Arbeitskraft für die archäologische Landesaufnahme zur Verfügung stellen. Auch diese Art der Organisation der archäologischen Landesaufnahme hat viele Vorteile, die für sie sprechen: zuerst ist hier der Vorteil zu nennen, dass durch die für dieses Modell notwendige enge Zusammenarbeit zwischen archäologischen Fachwissenschaftern und interessierten Laien die Wertschätzung für archäologische Denkmale und die generelle Akzeptanz des Denkmalschutzes in der Öffentlichkeit deutlich gestärkt und gefördert würde. Denn die Laien, die in diesem Modell angeleitet von, aber gemeinsam mit, Fachleuten an der Erhaltung des österreichischen archäologischen Erbes arbeiten würden, wären ein bedeutender Multiplikator, durch den Ziele, Aufgaben und Werte des archäologischen Denkmalschutzes viel breiter und stärker in der Öffentlichkeit verankert würden als das bisher der Fall ist. Durch die Zusammenarbeit zwischen und Anleitung von Laien durch archäologische Fachkräfte würde aber auch das Ziel einer sowohl systematischen als auch wissenschaftlich weitgehend abgesicherten und entsprechend qualitätsvollen archäologischen Landesaufnahme erreicht, weil die beteiligten Fachleute eben dafür Sorge tragen könnten, dass Landesaufnahmemaßnahmen koordiniert und nicht völlig nach dem Wunsch und Willen der beteiligten Laien stattfinden würden (obwohl auch die Interessen der Laien bei der Planung der Landesaufnahme wenigstens in einem gewissen Ausmaß Berücksichtigung finden müssten). Daraus ergäbe sich des Weiteren der zusätzliche Vorteil, dass nicht nur archäologische-wissenschaftliche Interessen, die oft auf chronologische Spezialisierungen, weiträumige Vergleiche und/oder sonstige fachliche Spezialprobleme ausgerichtet sind, sondern die oft weit stärker auf die Erforschung der lokalen Verhältnisse, der Geschichte der eigenen „Heimat“, ausgerichteten Interessen vieler denkmalschützerisch und historisch motivierter Laien befriedigt werden könnten. Und schließlich ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, dass diese Lösung zwar ebenfalls mit gewissen, aber doch deutlich geringeren Kosten als der erstgenannte Lösungsvorschlag möglich wäre: wenigstens anfänglich wären hier nur einige wenige, z.B. 10, zusätzliche Posten notwendig, auch wenn – bei erwartungsgemäß durch diese Lösung steigendem öffentlichen Interesse sowohl am archäologischen Denkmalschutz als auch an der eigenen aktiven Beteiligung in diesem (und dieses Interesse ist jetzt schon hoch, siehe Karl et al. 2014) – mittelfristig wohl eine Aufstockung des Personalstands der dafür zuständigen Abteilung um mehrere zusätzliche Posten notwendig werden würde (obwohl hier eine teilweise Selbstfinanzierung zusätzlicher Posten, z.B. durch das Angebot kostenpflichtiger Ausbildungsprogramme für interessierte Laien, durchaus vorstellbar wäre).

Diesen bedeutenden Vorteilen steht allerdings auch eine Reihe von bedeutenden Nachteilen gegenüber: zuerst einmal verursacht auch diese Art der archäologischen Landesaufnahme nicht unbedeutende Kosten, schon kurz- und vermutlich noch mehr mittelfristig. Auch wenn diese viel geringer sind als für die erstgenannte Variante, ist dennoch davon auszugehen, dass schon anfänglich wohl mindestens 10, später sogar noch mehr archäologische Fachkräfte angestellt werden müssen. Ein weiterer, gegenüber der ersten Variante bedeutender, Nachteil dieser Lösung ist auch, dass man für diese Variante eher Generalisten mit Erfahrung in Öffentlichkeitsarbeit anstellen muss, aber – wenigstens anfänglich und vermutlich auch mittelfristig – nur wenige Möglichkeiten haben wird tatsächliche archäologische Spezialisten zu beschäftigen, die z.B. Expertise in Prospektionsmaßnahmen oder GIS-Auswertungen haben, was den wissenschaftlichen Nutzen einer solchen Variante der archäologischen Landesaufnahme bedeutend reduziert. Auch die Datenqualität wird bei dieser Variante vermutlich geringer ausfallen, weil eben der Großteil der Primärdatensammlung im Feld durch Laien erfolgt, deren archäologischer Ausbildungsgrad vermutlich im Durchschnitt nie den professioneller Archäologen erreichen wird, wie bemüht diese Laien auch immer sein mögen. Ebenso wird bei dem geringeren Fachpersonalstand, der in dieser Variante notwendig ist, auch nicht so leicht garantiert werden können, dass die notwendige archäologische Expertise zur Auswertung der Beobachtungen – die ohnehin schon auf Grund der geringeren Mitarbeiterzahl quantitativ beschränkt bleiben muss – innerhalb des für die Koordination beschäftigten Fachpersonals gleichmäßig vorhanden ist, d.h. z.B. alle chronologischen Perioden der österreichischen Archäologie gleichermaßen gut abgedeckt und Experten dafür auch überall im Bundesgebiet gleichermaßen leicht zugänglich sind. Dies hat vermutlich auch einen gewissen nachteiligen Effekt auf Seite der Laienbeteiligung, denn Laien ziehen bei einem solchen System der archäologischen Landesaufnahme wenigstens einen Teil ihrer Motivation daraus, dass sie direkten Zugang zu Fachleuten und deren spezifischer fachlicher Expertise haben, und diese ist eventuell – wenn gerade Expertise zur Eisenzeit gefragt ist aber der Fachexperte dafür am anderen Ende des Bundesgebiets – ob des geringeren Personalstands dieses Modells schwerer zugänglich als bei der personalintensiveren ersten Lösung. Schließlich kommt noch der ebenfalls sehr bedeutende Nachteil dazu, dass ein solches stark auf Laienbeteiligung beruhendes Modell der archäologischen Landesaufnahme eine weit längere Vorlaufzeit als das erste Modell benötigt um bedeutende Fortschritte in der Qualität der Fundstellendatenbank des BDA zu erzielen. Denn es wird dabei nicht nur anfänglich viel Zeit dafür aufgewendet werden müssen die interessierten Laien, die sich an einer solchen archäologischen Landesaufnahme beteiligen wollen – obwohl es diese in ausreichender Menge zweifellos gibt, z.B. in der Metallsucherszene – zuerst einmal zu finden und soweit einzuschulen, dass sie auch tatsächlich die notwendigen Daten in ausreichender Qualität liefern, sondern es entfällt auch die Möglichkeit zuerst durch eine großangelegte und koordinierte systematische archäologische Fernerkundung die auf diesem Wege entdeckbaren Fundstellen zu lokalisieren und anschließend die eigentliche Feldforschung nur zur Auffüllung von Lücken, in denen die Fernerkundung erfolglos war, und zur Untersuchung von bereits lokalisierten Denkmalen durch Oberflächenfundaufsammlungen und gezielte Prospektionsmaßnahmen einzusetzen. Der Wegfall dieser koordinierten Fernschnellerkundungsmöglichkeit als erster Schritt bedeutet, dass die gesamte Landesaufnahme durch Feldbegehungen an Ort und Stelle erfolgen müsste, was die Entdeckungsrate zweifellos verlangsamen würde.

Auch die dritte Variante, die den interessierten Laien selbst mehr oder minder völlig überlassene archäologische Landesaufnahme, hat Vor- und Nachteile, wobei bei dieser Variante meiner Meinung nach die Nachteile deutlich überwiegen. Doch zuerst zu den Vorteilen: die Laien selbst überlassene archäologische Landesaufnahme hat den Vorteil, dass Laien sich darauf konzentrieren können die Archäologie zu suchen, die sie selbst interessiert, ohne durch Fachleute ans „Gängelband“ genommen zu werden. Und natürlich – ein nicht zu unterschätzender Vorteil – kostet eine selbstverantwortlich und unangeleitet von Laien freiwillig in ihrer Freizeit durchgeführte archäologische Landesaufnahme nichts, weil man dafür weder Personal anstellen noch irgendwelche Ressourcen bereitstellen muss. Die interessierten Laien finanzieren sich ihr „Hobby“, die archäologische Heimatforschung, vollständig selbst und der Staat braucht daher kein Geld in diese zu investieren. In gewissem Sinn ist diese Art der archäologischen Landesaufnahme sogar durch die Bestimmungen des § 8 DMSG vorgesehen, wenn man beiseite lässt, dass dessen Bestimmungen zur Meldepflicht von Zufallsfunden inzwischen durch die seit 1990 zunehmend verschärften Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG konterkariert werden (wie ich andernorts bereits ausgeführt habe; Karl 2011b; ähnlich dazu auch Dembski in Hebert 2011, 140-141).

Dem stehen allerdings bedeutende Nachteile gegenüber: zuallererst ist hier zu nennen, dass eine durch nicht durch Fachleute koordinierte interessierte Laien selbst durchgeführte Suche nach archäologischen Objekten nur sehr bedingt den Charakter einer mehr oder minder systematischen archäologischen Landesaufnahme hat, weil sich diese Laien vermutlich weder besonders organisieren noch koordinieren werden und daher die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass „fundträchtige“ Fundstellen oftmalig, die eigentlich für eine archäologische Landesaufnahme viel interessanteren Flächen zwischen diesen hingegen nur sehr selten abgesucht werden würden und daher das sich durch Fundmeldungen gem. § 8 DMSG äußernde Ergebnis mehrheitlich nur das bereits bekannte Fundstellenbild bestätigen würde, aber nur wenige bislang unbekannte, neue Fundstellen dem bereits bekannten Bild hinzufügt würden. Noch dazu ist durch die Laien zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmittel das Suchergebnis verfälscht: entdeckt werden hauptsächlich Metallfunde mittels des Metallsuchgeräts, Keramik oder andere Fundgegenstände sind hingegen deutlich unterrepräsentiert. Folge davon ist, dass vormetallzeitliche oder aus anderen Gründen metallärmere Fundstellen mutmaßlich deutlich unterrepräsentiert wären. Das reduziert den wissenschaftlichen Wert der Landesaufnahme und auch der archäologische Denkmalschutz, der von den Meldungen, die eingehen, abhängt, wird potentiell unausgewogen. Nachdem die archäologische Fachwelt – die ja an dieser Art der Landesaufnahme kaum bis gar nicht beteiligt ist und daher auch nicht wirklich abschätzen kann, welche Selektionsprozesse hier wie stark wirken – hier auch nicht sinnvoll gegensteuern kann, bleibt nichts anderes übrig als die mögliche Fehlerquelle darzustellen, aber dennoch auf Basis der vorhandenen – mutmaßlich unvollständigen – Daten denkmalschützerische Entscheidungen zu treffen. Hinzu kommt, dass es durch die mutmaßlich stärkere Konzentration der selbstständig tätigen Laien auf „metallfundträchtige“ Fundstellen auch zu einer speziellen Auslese archäologischen Fundmaterials auf metallfundreichen Fundstellen kommt; nämlich eben die Metallfunde ausgegraben und entfernt werden, die meisten anderen Funde hingegen zurückbleiben und so aus einer an sich metallfundreichen Fundstelle über kurz oder lang eine metallfundarme Fundstelle wird. Und auch wenn diese sich hauptsächlich im Oberboden konzentrierenden Metallfunde vermutlich bei einer heute stattfindenden systematischen archäologischen Ausgrabung einfach mit dem Bagger weggeschoben und vernichtet würden, ist eine solche Auslese schlecht, weil man kann ja wenigstens hoffen, dass zukünftige Archäologen mit den Metallfunden im Oberboden (und sonstigen Funden in diesem) weniger brutal umgehen könnten als ihre derzeitigen Kollegen. Darüber hinaus gibt es keine Garantie, dass die Laien, die Funde machen, diese auch tatsächlich melden: nicht nur haben wir uns über die letzten ca. 25 Jahre die heimatforschenden Laien gravierend vergrault, indem wir sie durch die Bank als „Raubgräber“ verdammt und entsprechend (schlecht) behandelt und ihnen durch die Verschärfungen des § 11 Abs. 1 DMSG jedwede Motivation genommen haben Funde zu melden (Karl 2011b), sondern sie haben auch, wenn es keine professionellen Archäologen gibt, die dafür beschäftigt werden diese Laien entsprechend zu betreuen und ihnen im Gegenzug für ihre Fundmeldungen auch irgendeine Form von positivem Feedback zu geben (wie z.B. die gemeldeten Funde zu bestimmen), keinen besonderen Anreiz dies in Zukunft zu tun, selbst wenn wir sie von jetzt an besser behandeln würden. Ganz im Gegenteil zeigt das Fehlen von mit archäologischer Landesaufnahme beschäftigten Fachkräften diesen Laien, dass die Öffentlichkeit offenbar nicht wirklich an der Erhaltung der und Informationen über diese Funde interessiert ist und sich daher auch nicht den „Luxus“ leistet ein paar Archäologen zu beschäftigen, die die Funde meldenden Laien betreuen und eine halbwegs sinnvolle systematische archäologische Landesaufnahme durchführen könnten.

Egal welche dieser Varianten man bevorzugt, wenigstens eine dieser drei Arten der archäologischen Landesaufnahme ist notwendig, damit die tatsächlich gefährdeten archäologischen Denkmale geschützt werden können, d.h. in erster Linie jene die durch bau-, land- und forstwirtschaftliche Arbeiten gefährdet werden, die nicht mit dem Zweck archäologische Objekte zu entdecken und untersuchen durchgeführt werden. Doch derzeit gibt es in Österreich keine davon: der Bund beschäftigt nicht Hunderte von archäologischen Fachleuten für die archäologische Landesaufnahme, auch nicht einmal nur zehn, sondern überhaupt keine archäologische Fachkraft, die sich ausschließlich auf diese wesentliche Aufgabe konzentrieren kann. Damit scheiden die ersten beiden Arten der archäologischen Landesaufnahme aus. Und die dritte Möglichkeit, die durch Laien selbstständig organisierte archäologische Landesaufnahme wird durch die Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG verboten, weil wenn wir die österreichische Archäologie schon nicht vor den wesentlich größeren und vielfältigen sonstigen Gefahren schützen können, dann doch wenigstens vor den wenigen „gefährlichen“ Laien. Auch wenn das archäologisch und denkmalschützerisch schädlicher ist, als diesen Laien ihre unsystematischen Forschungen zu gestatten und darauf zu hoffen, dass uns wenigstens ein gewisser Teil davon verrät, was er wo findet, damit wir wenigstens diese Fundstellen halbwegs schützen können.


Gefährdungszentrierter archäologischer Denkmalschutz

Werfen wir nun auch noch einen Blick auf eine Alternative, die den modernen Anforderungen an einen archäologischen Denkmalschutz und den modernen Gefahren für Denkmale weit mehr gerecht wird als der fundzentrierte Denkmalschutz des DMSG in seiner derzeitigen Fassung, die ich als „gefährdungszentrierte“ Sichtweise des archäologischen Denkmalschutzes bezeichnen möchte. Wie deutlich dargestellt, sind es nämlich in erster Linie die durch die fundzentrierte Sichtweise des DMSG in den Bereich des „ausgeschlossenen Dritten“ der klassischen zweiwertigen Logik verschobenen, generell noch nicht gefundenen und daher noch unbekannten archäologischen Denkmale, die insbesondere durch Baumaßnahmen, aber auch durch land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten, besonders gefährdet sind. Es sind daher diese Objekte, die besonders zu schützen sind, auch wenn ein Denkmalschutz natürlich auch für getätigte oder vorsätzlich gesuchte Funde – allerdings nur sekundär – von gewisser Bedeutung ist.

Wie im vorigen Abschnitt ausgeführt wurde, ist der erste und vermutlich wichtigste Schritt bei einem Versuch diese archäologischen Denkmale zu schützen, die Durchführung einer systematischen archäologischen Landesaufnahme, wie auch immer diese organisiert wird. Diese ist insbesondere dafür notwendig, dass durch land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten gefährdete archäologische Denkmale bekannt werden und diese, wo notwendig, durch Unterschutzstellung gem. §§ 2a oder 3 DMSG geschützt werden können. Nachdem es weder möglich noch sinnvoll ist alle land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeiten, die archäologische Denkmale gefährden könnten, in irgendeiner Form bewilligungspflichtig zu machen, ist diese Unterschutzstellung die einzige sinnvolle Möglichkeit archäologische Denkmale, die durch solche Tätigkeiten gefährdet sind, auch tatsächlich zu schützen, ohne dadurch gleichzeitig die moderne Land- und Forstwirtschaft übermäßig zu behindern.

Ebenfalls notwendig ist die systematische archäologische Landesaufnahme, gekoppelt mit Unterschutzstellungen gem. §§ 2a oder 3 DMSG für den Schutz noch unbekannter archäologischer Denkmale, die durch Bautätigkeiten gefährdet werden könnten. Für diese reicht aber die bloße Kombination von Landesaufnahme und Unterschutzstellung allein nicht aus, sondern stellt nur einen ersten Schritt in einem gefährdungszentrierten archäologischen Denkmalschutz für noch unbekannte archäologische Objekte dar. Denn im Gegensatz zu land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeiten, die in erster Linie archäologische Objekte in den oberen Bodenbereichen gefährden die – wie oben bereits ausgeführt – gemäß der in der archäologischen Fachwelt vorherrschenden Meinung ohnehin von vergleichsweise geringerer Bedeutung sind, greifen Bautätigkeiten regelhaft und häufig zerstörerisch oder verändernd in tiefer gelegene, durch moderne Umwelteinflüsse noch weitgehend ungestörte, facharchäologisch als besonders bedeutend bewertete Bodenschichten ein und haben daher ein besonders hohes Gefährdungspotential für archäologische Denkmale.

Glücklicherweise gibt es in Bezug auf Bautätigkeiten auch derzeit schon einen ohnehin bestehenden Bewilligungsprozess, dem sich jede geplante Bautätigkeit unterwerfen muss, ehe sie in Angriff genommen werden kann, in dessen Rahmen der zweite Schritt des gefährdungszentrierten archäologischen Denkmalschutzes ebenfalls ansetzen kann. Dies ist – bei Großbauvorhaben – teilweise sogar ohnehin bereits im Rahmen der Bestimmungen des UVP-G vorgesehen, in dem Teil der Umweltverträglichkeitsprüfung auch die Prüfung negativer Auswirkungen auf den Kulturgüterbestand ist und gegebenenfalls Schaden an Kulturgütern mitigierende Maßnahmen dem Bauträger in Form von sachgemäßen Auflagen erteilt werden können. Eine vergleichbare Prüfung der archäologisch-denkmalschützerischen Verträglichkeit geplanter, nicht den Bestimmungen des UVP-G unterliegender, sonstiger (kleinerer) Baumaßnahmen würde es gestatten auch hier die Existenz oder Inexistenz möglicherweise durch die Baumaßnahmen gefährdeter archäologischer Denkmale zu bestimmen und gegebenenfalls im Rahmen der Baubewilligung mitigierende Maßnahmen in Form von sachdienlichen Auflagen zu erteilen.

Wie und dass dies erfolgreich funktionieren kann, zeigt die derzeit in Großbritannien zu Anwendung kommende Variante des gefährdungszentrierten archäologischen Denkmalschutzes, die zuerst durch Planning Policy Guidance 16: Archaeology and Planning (PPG 16) 1990 für England, kurz darauf gefolgt von ähnlichen Dokumenten für die anderen Teile des Vereinigten Königreichs etabliert und seither in England durch Planning Policy Statement 5: planning for the Historic Environment (PPS 5) und das National Planning Policy Framework (NPPF) konsolidiert wurde. Grundlage für die Einbindung des archäologischen Denkmalschutzes in den Bauplanungsprozess ist auch hier die systematische Landesaufnahme, die im Rahmen der Erstellung eines National Monuments Record (NMR) seit 1907/1908 durch die Royal Commissions, in dem alle Denkmale von nationaler Bedeutung und die Erstellung der regionalen (lokalen) Historic Environment Records (HER, früher Sites and Monuments Records, SMR), großteils durch dafür staatlich finanzierte, regional tätige archäologische Unternehmen, in denen alle Denkmale von regionaler bzw. lokaler Bedeutung (= alle bekannten historischen Überreste menschlichen gestaltenden Handelns in der modernen Landschaft) verzeichnet werden (siehe diverse Beiträge in Hunter & Ralston 1997; Schofield et al. 2011).

Die Einbindung des archäologischen Denkmalschutzes in den Baugenehmigungsprozess erfolgt dabei dadurch, dass der Antragsteller, der eine Baugenehmigung beantragt, diesem Antrag ausreichende Unterlagen beifügen muss, dass die Baubehörde – gewöhnlich die Bezirksverwaltung (County Council) – bestimmen kann, ob durch das geplante Bauprojekt archäologische Denkmale zerstört oder verändert werden könnten. Dies bedeutet, dass der Antragsteller im Voraus in eigener Verantwortung zu bestimmen hat, ob auf der zu verbauenden Fläche archäologische Denkmale existieren und, falls ja, welcher Art und welchen Ausmaßes diese mutmaßlich sind. Dies geschieht normalerweise dadurch, dass der Antragsteller im Vorfeld des Antrags zuerst den regionalen HER kontaktiert um – im Rahmen einer Archivuntersuchung – festzustellen, ob bereits im Rahmen der systematischen archäologischen Landesaufnahme archäologische Denkmale auf der betroffenen Fläche entdeckt wurden, oder alternativ einen archäologischen Konsulenten mit dieser archivalischen Voruntersuchung betraut. Normalerweise – d.h. wenn nicht sehr große Flächen betroffen sind – ist diese archivalische Untersuchung mit sehr geringen Kosten, normalerweise unter € 1.000, verbunden.

Werden bei der archivalischen Voruntersuchung Hinweise auf die Präsenz archäologischer Denkmale entdeckt oder ist auf Grund hoher Dichte bekannter archäologischer Denkmale in der unmittelbaren Umgebung der betroffenen Fläche auch bei Fehlen direkter Hinweise auf die Präsenz archäologischer Denkmale auf diesen die Wahrscheinlichkeit hoch, dass welche auch auf der betroffenen Fläche vorkommen, lässt der Antragsteller gewöhnlich einen archäologischen Konsulenten eine etwas intensivere archäologische Voruntersuchung, d.h. normalerweise eine zerstörungsfreie Prospektion oder Stichprobenuntersuchung durch Suchschnitte durchführen um sicherzustellen, ob oder ob nicht archäologische Denkmale auf der betroffenen Fläche zu erwarten sind. Auch eine solche Voruntersuchung ist normalerweise – wenn nicht größere Flächen (von mehr als 1 ha) betroffen sind – einigermaßen günstig möglich, es fallen dafür gewöhnlich Kosten von einigen tausend Euro an, wenn die betroffene Fläche deutlich unter 1 ha liegt (wie z.B. beim Bau eines Einfamilienhauses) sogar nur einige hundert Euro.

Die Berichte über die archäologischen Voruntersuchungen werden vom Antragsteller dem Baubewilligungsantrag als Anlagen beigefügt. Zusätzlich hat der Antragsteller, falls dabei festgestellt wurde, dass die geplanten Baumaßnahmen mutmaßlich archäologische Denkmale gefährden werden, eine Mitigationsstrategie beizulegen, in der erläutert wird, wie allfällig negative Auswirkungen der geplanten Baumaßnahmen auf archäologische Denkmale vermieden oder wenigstens vermindert werden können. Gewöhnlich wird im Rahmen einer derartigen Mitigationsstrategie versucht die Verbauung archäologische Denkmale enthaltender Flächen möglichst zu vermeiden. Ist das jedoch nicht möglich, ohne das Bauvorhaben gänzlich aufzugeben oder soweit abändern zu müssen, dass es nicht mehr ausreichend seinen geplanten Zweck zu erfüllen vermag, wird stattdessen normalerweise die systematische archäologische Ausgrabung der betroffenen archäologischen Denkmale und deren dadurch gewährleistete Erhaltung durch Dokumentation (inklusive Klärung des geplanten Fundverbleibs) eingeplant.

Die Baubehörde prüft anschließend den Antrag, wobei zur Bewertung der archäologische Denkmale betreffenden Unterlagen und der – falls solche vorhanden sind – vorgeschlagenen Mitigationsstrategie normalerweise entweder auf von der Baubehörde selbst beschäftigte Archäologen oder auf Gutachten von im HER beschäftigten Archäologen zurückgegriffen wird. Dem Bauträger werden dann – soweit diese in den eingeholten Gutachten als notwendig erachtet werden – im Rahmen des Baubewilligungsbescheids sachdienliche Auflagen gemacht. Selbstverständlich kann der Antrag auch abgelehnt werden, z.B. wenn die beiliegenden Unterlagen über archäologische Voruntersuchungsergebnisse nicht entsprechend aussagekräftig sind um eine Entscheidung über das geplante Projekt treffen zu können oder die vorgeschlagene Mitigationsstrategie völlig inadequat erscheint. Normalerweise wird aber der Bauherr im Vorfeld mit der zuständigen Behörde Kontakt aufnehmen und entsprechend planen, um eine positive Bearbeitung seines Antrags zu fördern und nicht umsonst Arbeit und Geld in Planungen zu stecken.

Die erteilten Auflagen variieren selbstverständlich je nach voraussichtlichem Gefährdungspotential der geplanten Baumaßnahme. Wurden im Rahmen ausreichender Voruntersuchungen keinerlei Hinweise auf die Präsenz archäologischer Denkmale festgestellt, kann auf Auflagen auch völlig verzichtet und die Baugenehmigung ohne Notwendigkeit weiterer archäologischer Untersuchungen an Ort und Stelle erteilt werden. Wurden nur sehr schwache Hinweise auf archäologische Denkmale entdeckt, wird gewöhnlich eine archäologische Überwachung des Aushubs vorgeschrieben, gegebenenfalls – wenn Hinweise auf vereinzelte Denkmale vorliegen, so z.B. einzelne kleinere Gruben oder Pfostenlöcher, aber die Fläche nicht durch zahlreiche archäologische Denkmale dicht „verseucht“ ist – mit einer gewissen Notfallplanung für kleinere, rasche Notbergungen, falls unerwarteter Weise ein archäologisches Objekt bei Erdarbeiten freigelegt wird. Die Kosten dafür, neuerlich auf kleineren Fläche im Bereich von mehreren hundert bis zu wenigen tausend Euro angesiedelt, hat der Bauträger zu tragen, wobei – z.B. beim Bau von Einfamilienhäusern – aus den Mitteln der Denkmalämter Förderungen an den Bauträger ausgeschüttet werden können (wie das ja auch in Österreich gemäß der Bestimmungen des § 32 DMSG möglich ist). Wurden hingegen starke Hinweise auf eine dichte Präsenz archäologischer Denkmale auf der betroffenen Fläche festgestellt und das Bauprojekt ist nur auf dieser Fläche durchführbar, wird gewöhnlich eine systematische archäologische Ausgrabung der Fläche angeordnet. Dabei kann – je nach den Gegebenheiten des Falles und der präsumptiven Bewertung der Bedeutung der archäologischen Denkmale auf der betroffenen Fläche – eine solche Ausgrabung stichprobenartig, d.h. z.B. nur 25% der Gesamtfläche betreffend, nötigenfalls mit einer Notfallplanung für den Fall, dass bei der stichprobenartigen Ausgrabung die archäologische Notwendigkeit von strategischen Erweiterungen festgestellt wird, oder auch komplett durchgeführt werden. Neuerlich trägt die Kosten der archäologischen Ersatzmaßnahmen der Bauträger, wobei bei kleinen, privaten Bauprojekten neuerlich eine Förderung durch die Denkmalämter möglich ist. Selbstverständlich können die Kosten der archäologischen Ausgrabung, vor allem wenn diese komplett flächig erfolgen muss, bedeutend sein, vor allem auf größeren, dicht archäologisch „verseuchten“ Flächen mit komplexer Horizontalstratifikation, wie sie vor allem in Innenstadtbereichen häufiger auftreten. Alle diese archäologischen Mitigations- bzw. Ersatzmaßnahmen wurden natürlich idealerweise bereits vom Antragsteller in der dem Antrag beigefügten Mitigationsstrategie vorgeschlagen und daher bereits in die Projektkosten einkalkuliert, d.h. der archäologische Kostenfaktor ist von Anfang an für den Antragsteller einigermaßen gut abschätzbar. Die archäologischen Mitigationsmaßnahmen sind jedenfalls unter Aufsicht bzw. Leitung archäologischer Fachkräfte durchzuführen, neuerlich werden dazu gewöhnlich archäologische Konsulenten als Subunternehmer herangezogen. Die Resultate der archäologischen Mitigationsmaßnahmen sind anschließend der Öffentlichkeit durch Deponierung eines entsprechend aussagekräftigen Berichts in einem öffentlichen Archiv (gewöhnlich den HERs) zur Verfügung zu stellen (PPG 16, 9-11; PPS5; NPPF; Schofield et al. 2011).

Durch diese Einbindung des archäologischen Denkmalschutzes in den Baugenehmigungsprozess wird ein tatsächlich gefährdungszentrierter archäologischer Denkmalschutz sichergestellt: Baumaßnahmen, die mit Abstand die größte Bedrohung archäologischer Objekte unter der Erdoberfläche mit Zerstörung oder Veränderung darstellen, werden systematisch und regelhaft im Rahmen eines Bewilligungsverfahren, dem sie sich ohnehin bereits unterwerfen müssen, geprüft und durch das Verfahren sichergestellt, dass eine entsprechende Mitigation von Gefahren für den Kulturgutbestand schlechthin auch tatsächlich stattfindet.

Eine solche Einbindung des archäologischen Denkmalschutzes in alle Baubewilligungsverfahren wäre auch in Österreich einigermaßen leicht möglich, auch wenn dazu die gesetzlichen Instrumente entsprechend angepasst werden müssten. Darüberhinaus ist es natürlich dafür aber auch notwendig sicherzustellen, dass ausreichende archäologische Expertise vorhanden ist um diesen Prozess zu ermöglichen, denn die 15 Beamten im BDA in der dafür zuständigen archäologischen Abteilung reichen dafür sicherlich nicht aus, wenigstens nicht, wenn der archäologische Denkmalschutz ernstgenommen und nicht nur vorgespiegelt werden soll, indem man sich ein 15 Personen starkes Feigenblatt zur Bedeckung seiner Scham leistet. Und im Gegensatz zur archäologischen Landesaufnahme, bei der ich stark wenigstens eine gewisse Aufstockung des zentral dafür beschäftigten archäologischen Fachpersonals anraten würde, ist dafür nicht einmal eine Aufstockung des archäologischen Personalstandes in den Gebietskörperschaften notwendig. Vielmehr lässt sich ein solcher gefährdungszentrierter archäologischer Denkmalschutz auch ebensogut, wenn nicht sogar besser, weitgehend privatwirtschaftlich lösen; die archäologische Expertise dafür ist auch bereits in der Privatwirtschaft vorhanden. Sowohl die archäologischen Voruntersuchungen als auch die Erstellung von Fachgutachten in Baugenehmigungsverfahren können nämlich ebenso wie die tatsächlichen Mitigationsmaßnahmen – wie das auch im Vereinigten Königreich gang und gäbe ist – durchaus privaten Archäologieunternehmen überlassen werden, die dafür großteils (außer für die Gutachten für die Planungsbehörde) von den Bauträgern statt den Gebietskörperschaften bezahlt werden müssten und würden. Nur für die archäologische Fachgutachtenerstellung für die Behörde durch archäologische Konsulenten würden zusätzliche Kosten für die Gebietskörperschaften entstehen, diese sollten sich allerdings in einem erträglichen Rahmen bewegen. Und sofern dies nötig erscheint, könnten zusätzlich notwendige Grabungsgenehmigungen durch das BDA ebenfalls im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens eingeholt werden, damit alle für die Durchführung des Bauprojekts notwendigen Bewilligungen in einem Verfahren erledigt werden.

Als subsidiärer, zusätzlicher gefährdungszentrierter archäologischer Denkmalschutz kann und sollte natürlich dennoch die Bewilligungspflicht solcher archäologischer Grabungsmaßnahmen, die die Erhaltung bedeutender archäologischer Denkmale tatsächlich gefährden, weiter aufrechterhalten werden, auch wenn die derzeitigen Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG oder wenigstens ihre derzeitige Auslegung dafür deutlich zu modifizieren wären. Denn bei einer gefährdungszentrierten Sichtweise – wie sie grundsätzlich von der Valetta-Konvention (CoE 1992), die Österreich ja nun am 5.6.2014 auf endlich unterzeichnet hat, zugrunde liegt – gibt es natürlich keinerlei Grund völlig zerstörungsfreie archäologische Nachforschungen an Ort und Stelle, wie die meisten geophysikalischen Prospektionsverfahren, die topografische Vermessung, die geomorphologische Ansprache oder auch die Aufsammlung von Oberflächenfunden, die derzeit in den Richtlinien des BDA (2014, 8) als bewilligungspflichtige Maßnahmen gem. § 11 Abs. 1 DMSG dargestellt werden, weiterhin den Bestimmungen dieses Paragrafen zu unterwerfen. Eine entsprechende Modifikation des Gesetzestextes würde auch der entsprechenden Forderung in Art. 3 der Valetta-Konvention exakt entsprechen (CoE 1992). Denn diese Maßnahmen stellen nicht nur keinerlei Gefährdung archäologischer Denkmale dar, sie dienen ganz im Gegenteil dazu bislang unbekannte archäologische Denkmale überhaupt erst zu entdecken und damit effektiver vor diese tatsächlich bedrohenden Zerstörungen oder Veränderungen schützen zu können.

Gleichermaßen erscheint es – wenn eine systematische archäologische Landesaufnahme mit dafür von der öffentlichen Hand beschäftigten archäologischen Fachkräften, die wenigstens im Sinn des zweiten oben vorgestellten Modells der Landesaufnahme im Geiste der Faro-Konvention (CoE 2005) durch Freiwillige im Feld durchgeführte Maßnahmen koordinieren und überwachen, nicht gewollt oder nicht finanzierbar sein sollte – im Sinne einer Verbesserung des Kenntnisstandes über das Vorkommen archäologischer Denkmale in der österreichischen Landschaft sinnvoll kleine, seichte Grabungen, wie sie gewöhnlich durch Metallsucher durchgeführt werden, selbst wenn diese unsystematisch durchgeführt werden, von den Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG auszunehmen um jene wieder verstärkt zur Meldung ihrer Funde gem. § 8 DMSG zu motivieren bzw. wenigstens den derzeitigen totalen Fundmeldemotivationskiller der angedrohten Bestrafung bei der Meldung von Metallfunden für die durch solche Miniaturgrabungen bedingte Verletzung der Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG zu entfernen. Denn Miniaturgrabungen, die nur in die oberste Bodenschicht eindringen und nur kleinste und kleine Flächen betreffen, erzeugen höchstens marginalen Schaden an Denkmalen, die der in der Fachwelt vorherrschenden Meinung nach ohnehin weitgehend unbedeutend sind, ihre Meldung ist hingegen in Absenz einer staatlich organisierten archäologischen Landesaufnahme unumgänglich, damit die staatliche Denkmalpflege wenigstens, wenn auch eher schlecht als recht, erfährt, wo archäologische Denkmale zu erwarten sind.

Um dennoch den kleinwagengroßen Raubgrabungen (Hebert 2011, 140), die tatsächlich maßgeblichen Schaden an archäologischen Denkmalen anrichten, weiterhin einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben, wäre der Wortlaut des § 11 Abs. 1 DMSG in diesem Sinn etwa wie folgt abzuändern:

„§ 11. (1) Der Eingriff in den Boden durch Veränderung der Erdoberfläche bzw. des Grundes unter Wasser (Grabung) zum Zwecke der Entdeckung beweglicher oder unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche, sofern dieser tiefer als bis zur Unterkante des durch moderne Ereignisse des gestörten Oberbodens reicht oder eine Fläche von einem Quadratmeter übersteigt, darf nur mit Bewilligung des Bundesdenkmalamtes vorgenommen werden, sofern die Bestimmungen des Abs. 2 und 9 nichts anderes vorsehen. Eine solche Bewilligung kann an den Eigentümer des Grundes, auf dem die Grabung vorgenommen werden soll, oder gegebenenfalls auch an andere Nutzungsberechtigte, die über eine Zustimmung zu den geplanten Arbeiten durch den Grundeigentümer verfügen, erteilt werden. Bewilligungen können nur für konkrete Grabungsvorhaben erteilt werden, die im Bewilligungsbescheid klar (unter Anschluss von Plänen, die der Antragsteller beizubringen hat) zu umschreiben sind. Bewilligungen gemäß diesem Absatz können mit Einschränkungen, Auflagen und Sonderregelungen verbunden sein (hinsichtlich Fläche und Tiefe, Art der Durchführung, Qualifikation der durchführenden Mitarbeiter, Meldepflichten, Kontrollen usw.). Ein Rechtsanspruch auf Erteilung einer Grabungsgenehmigungen auf Grund der Bestimmungen dieses Bundesgesetzes besteht nicht.“

Dadurch blieben größere und tiefere Eingriffe in den Boden, ob sie nun als systematische archäologische Forschungsgrabungen im fachlichen Sinn, als Rettungsgrabungen im Rahmen von Bauprojekten (bei denen die § 11 Abs. 1-Bewilligung allfällig als Mitigationsmaßnahmen notwendig werdenden Grabungen, wie bereits gesagt, im Rahmen des Baugenehmigungsprozesses eingeholt werden könnten), oder als unsystematisch durch Laien vorgenommene „Raubgrabungen“ durchgeführt werden – neuerlich gefährdungszentriert – weiterhin den Bestimmungen des DMSG unterworfen und damit unter denkmalschützerischer Kontrolle durch das BDA. Damit wäre – in Kombination mit dem Rest des oben Gesagten – ein tatsächlich den modernen Anforderungen und den tatsächlichen Gefährdungen archäologischer Denkmale entsprechender archäologischer Denkmalschutz erreicht, bei dem nicht jedes beliebig unsystematisch in den Boden gerissene Loch, jede zerstörungsfreie, gar nicht in den Boden eingreifende archäologische Prospektion an Ort und Stelle und systematische archäologische Rettungs- und Forschungsgrabungen entgegen archäologischer Fachmeinung und bar jeden Sinns als „Forschungsgrabung“ in einen Topf ge- und den Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG unterworfen werden, sondern bei dem archäologische denkmalschützerische Maßnahmen tatsächlich dort greifen, wo eine maßgebliche Gefährdung von archäologischem Kulturgut auch wirklich besteht.


Zusammenfassung

Der derzeitige Wortlaut des § 11 Abs. 1 DMSG und die den archäologischen Teilen des DMSG generell zu Grunde liegende, fundzentrierte Sichtweise des archäologischen Denkmalschutzes in Österreich führen derzeit zu einer Reihe archäologisch-fachwissenschaftlicher und -denkmalschützerischer Paradoxa, die für die Erhaltung tatsächlich durch Zerstörung oder Veränderung bedrohter archäologischer Denkmale äußerst schädlich sind. Die Konzentration der archäologischen Bestimmungen des DMSG auf archäologische Funde (worunter im Sinne des Gesetzes sowohl bewegliche Kleinfunde als auch unbewegliche archäologische Befunde und Kontexte zu verstehen sind), die entweder als „Zufallsfunde“ durch die Bestimmungen der §§ 8 und 9 DMSG oder als bei durch das Gesetz allgemein als „Forschungsgrabungen“ bezeichneten, mit beliebigen Mitteln an Ort und Stelle durchgeführten, Nachforschungen an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung (und Untersuchung) von beweglichen und unbeweglichen Denkmalen unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche, gefundene archäologische Objekte durch die Bestimmungen des § 11 DMSG in Verbindung mit jenen der §§ 8 und 9 DMSG wenigstens zeitweilig geschützt sind, bedingt, dass vollkommen darauf vergessen wurde, dass nicht nur archäologische Objekte, die bereits gefunden wurden oder die zu finden beabsichtigt ist, Denkmale im Sinne der Bestimmungen des § 1 Abs. 1 DMSG darstellen, sondern auch jene archäologischen Objekte, die noch nicht gefunden wurden und die zu finden auch niemand beabsichtigt, solche Denkmale sind (bzw. wenigstens sein könnten). Folge davon ist, dass gerade die letztgenannten archäologischen Denkmale derzeit durch gar keine gesetzlichen Bestimmungen geschützt werden. Denn selbst der Schutz, der durch die Bestimmungen des UVP-G auch archäologischen Kulturgütern zukommt, setzt voraus, dass die Existenz dieser archäologischen Kulturgüter bereits bekannt ist.

Resultat dieser Situation sind, wie gesagt, einige archäologische Paradoxa, die teilweise an Skurrilität kaum zu überbieten sind. So ist es z.B. derzeit in Österreich ganz legal möglich bei Bauarbeiten durch meterdick erhaltene archäologische Stratifikationen zu baggern ohne dadurch irgendwie mit dem DMSG oder sonstigen denkmalschützerischen gesetzlichen Bestimmungen in Konflikt zu kommen, so lange man die Zerstörung der an Ort und Stelle erhaltenen Archäologie nicht als solche erkennt. Hier schützt also, ganz im Gegensatz zur sonstigen rechtlichen Praxis, Unwissenheit vollständig vor Strafe. Es stellt allerdings eine – wenigstens theoretisch mit bis zu € 25.400 zu bestrafende – Verletzung der Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG dar, als zufällig vorbeikommender Passant mit dem Zweck bewegliche und unbewegliche Denkmale unter der Erdoberfläche zu entdecken (und vor der weiteren Zerstörung durch den Bagger zu schützen, indem man das BDA gem. § 8 Abs 1 DMSG von den dabei entdeckten Funden informiert) in eben diese Baugrube zu blicken, ohne nicht zuvor ein Archäologiestudium absolviert und sich eine Grabungsgenehmigung von BDA für die spontan durch den Blick in die Baugrube geplante „Forschungsgrabung“ ausgestellt haben zu lassen, weil ja nicht etwa nur die selbst durchgeführte Grabung, sondern auch alle „sonstige Nachforschungen an Ort und Stelle zum Zwecke der Entdeckung und Untersuchung beweglicher und unbeweglicher Denkmale unter der Erd- bzw. Wasseroberfläche“ bereits gem. § 11 Abs. 1 DMSG der Bewilligungspflicht durch das BDA unterliegt. Es gilt hier also das Prinzip das keine gute Tat ungestraft bleiben darf.

Gleichermaßen ist es so, dass Denkmale überhaupt nicht gefährden könnende, weil völlig zerstörungsfrei funktionierende, an Ort und Stelle auf nicht gem. §§ 2a oder 3 DMSG geschützten Flächen durchgeführte archäologische Prospektionsmaßnahmen, die ganz im Gegenteil in erster Linie dazu dienen bislang unbekannte archäologische Objekte unter der Erdoberfläche zu entdecken, damit sie – als nach ihrer Auffindung bekannte Objekte – überhaupt erst durch das fundzentriert operierende DMSG geschützt werden können, der Bewilligungspflicht des § 11 Abs. 1 DMSG unterliegen. Dagegen unterliegen auch metertiefe Grabungen auf nicht gem. §§ 2a oder 3 DMSG denkmalgeschützten Flächen, solange die Grabungen mit dem Zweck einen Haufen Edelmetall zu finden durchgeführt wurden, mit Ausnahme der Bestimmungen für Zufallsfunde der §§ 8 und 9 DMSG keiner der sonstigen Bestimmungen des DMSG, obwohl sie selbstverständlich archäologische Objekte höchstgradig gefährden, weil nicht zuletzt der Haufen Edelmetall, wenn er schließlich am Boden des metertiefen Lochs gefunden wird, sich aller Wahrscheinlichkeit nach als Münzschatzfund erweist.

Durch seine fundzentrierte Sichtweise schützt also das DMSG nicht etwa archäologische Objekte entsprechend dem tatsächlichen Gefährdungspotential von Maßnahmen, durch die sie mit Zerstörung oder Veränderung bedroht werden, sondern in erster Linie danach, ob die Person, die sie möglicherweise zerstören oder verändern könnte, weiß, was sie tut. Und zwar umso stärker, je besser diese Person weiß, was sie tut, statt umgekehrt, was vielleicht noch irgendwie – wenn auch nur sehr bedingt – sinnvoll sein könnte.

Zusätzlich krankt der archäologische Denkmalschutz in Österreich auch noch am weitestgehenden Fehlen einer systematischen archäologischen Landesaufnahme, d.h. einer systematischen, unter Zuhilfenahme archäologischer Prospektionsmaßnahmen – ob diese nun durch Fernerkundung oder an Ort und Stelle durchgeführt werden – durchgeführten Ermittlung, an welchen Stellen des Bundesgebiets sich überhaupt archäologische Denkmale befinden und wo hingegen keine solchen vorkommen. Dies zeigt sich deutlich am Vergleich zwischen der Anzahl der bekannten archäologischen Fundstellen in Wales, wo bei einigermaßen gleichartigen Verhältnissen wie in Österreich (auch in Bezug auf die Geomorphologie) über 100.000 Fundplätze bekannt sind, mit den bei etwa viermal größerer Fläche gerade einmal ca. 50.000 auf österreichischem Bundesgebiet bekannten archäologischen Fundstellen. Daraus lässt sich ableiten, dass in Österreich gerade einmal eine bekannte auf zehn mutmaßlich vorhandene Fundstellen kommt, wenn das Verhältnis zwischen bekannten und noch unbekannten Fundstellen nicht noch weit schlechter ist.

Noch zusätzlich verschärft wird das Fehlen einer systematischen archäologischen Landesaufnahme in Österreich dadurch, dass durch die zunehmende Verschärfung der Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG in der Novelle BGBl. 473/1990 die Möglichkeit zur „vorsätzlichen“ Suche nach archäologischen Objekten auf und unter der Erdoberfläche zuerst de facto und dann in der Novelle BGBl. I 170/1999 auch de jure auf AbsolventInnen einschlägiger Universitätsstudien beschränkt wurde, wenigstens wenn die derzeitige Auslegung diese Bestimmungen durch die Behörden korrekt sein sollte (aber siehe dazu Karl 2014). Dadurch wurde zuvor (und natürlich auch seitdem) heimatforschenden Laien, insbesondere aber Metallsuchern, die das österreichische Bundesgebiet nach (sich überwiegend auf oder nur wenig unter der Erdoberfläche befindlichen) beweglichen archäologischen Kleinfunden und damit natürlich mittelbar auch nach archäologischen Fundstellen durchsuchen, jede selbstständige Durchführung archäologischer Landesaufnahmemaßnahmen verboten und damit gleichzeitig jedwede möglicherweise existierende Motivation diese auch gemäß der Bestimmungen des § 8 DMSG dem BDA zu melden genommen. Vielmehr wurde die zuvor durch die bei ordentlicher Fundmeldung geltende hadrianische Fundteilungsregel des § 399 ABGB  geförderte Motivation zur Fundmeldung dadurch, dass nun bereits die Suche gem. § 11 Abs. 1 DMSG eine unerlaubte Handlung darstellt und dadurch der Anteil des Finders gem. § 400 ABGB dem, der den Fund stattdessen meldet, oder in Absenz eines solchen dem Staat verfällt, in ihr Gegenteil verkehrt und für Laien, die vorsätzlich archäologische Funde suchen, eine starke Motivation erzeugt ihre Funde – und damit mittelbar auch deren Fundstellen – vor den Behörden zu verheimlichen. Dass dies auch tatsächlich genau diesen – durchaus vorhersehbaren – Effekt hatte, zeigt sich deutlich am drastischen Rückgang von Fundmeldungen durch Laien seit der Verschärfung der Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG um etwa drei Viertel des zuvor erreichten Niveaus (Karl 2011b, 115-119). Die Rate des Anwachsens des durch diese Meldungen weitgehend „zufällig“ entstehenden Kenntnisstandes zur Lage archäologischer Fundstellen in Österreich hat sich also durch die Verschärfung der Bestimmungen des § 11 Abs. 1 DMSG dramatisch verschlechtert.

Die Kombination dieser Faktoren – fundzentrierte Sichtweise des Denkmalschutzes im DMSG, Fehlen einer systematischen archäologischen Landesaufnahme und Demotivation der „zufällig“ Informationen liefern könnenden Laien – hat besonders dramatische Auswirkungen auf den Schutz der am stärksten durch Zerstörung und Veränderung bedrohten archäologischer Denkmale – eben derer, deren Existenz noch gar nicht bekannt ist, die noch gar nicht „gefunden“ wurden – gerade bei jenen Grabungsmaßnahmen, die sowohl in Bezug auf die davon betroffenen Flächen am größten sind als auch das höchste archäologische Zerstörungspotential und die geringste Wahrscheinlichkeit für die Entdeckung von „Zufallsfunden“ haben, nämlich bei Baumaßnahmen, bei denen archäologische Objekte gar nicht gefunden werden sollen, sondern höchstens eine Ursache für unerwünschte und kostspielige Bauverzögerungen sein können; bei denen also die Verantwortlichen eine starke Motivation haben archäologische „Störungen“ möglichst zu vermeiden. Und gerade die Flächenneuverbauung (um die Wiederverbauung bereits früher verbauter, aber dennoch möglicherweise noch teilweise erhaltene archäologische Denkmale enthaltenden Flächen überhaupt erst gar nicht zu erwähnen) hat in Österreich in den letzten Jahrzehnten wahrhaft dramatische Ausmaße erreicht – die vom Umweltbundesamt (2001, 35; 2010, 188) veröffentlichten Zahlen sprechen von täglich durchschnittlich 20 ha Neuverbauung im Zeitraum zwischen 1971 und 1999 und immer noch täglich 11 ha im Zeitraum zwischen 2007 und 2010. Selbst der geringere Wert der jüngsten Zahlen bedeutet immer noch eine jährliche Flächenneuverbauung von 40 km2, also einer gewaltigen Fläche; deren Großteil archäologisch unbeobachtet und ununtersucht weggebaggert wird. Und nachdem selbst die etwas weiter greifenden Bestimmungen des UVP-G zum Schutz von Kulturgütern auf Grund der Arbeitsüberlastung der 15 für den archäologischen Denkmalschutz in BDA zuständigen Beamten auch nur auf Fundstellen greifen können, die dem BDA bereits bekannt sind, ist davon auszugehen, dass auf diesen Baustellen zahllose archäologische Denkmale unbemerkt zerstört werden.

Von einem umfassenden archäologischen Denkmalschutz, der die Erhaltung des überkommenen Kulturguts schlechthin (VwGH vom 22.4.1993 zu GZ 92/09/0356) zum Ziel hat, kann also wenigstens in der Realität der österreichischen archäologischen Denkmalpflege keine Rede sein. Ganz im Gegenteil sieht es eher so aus, als ob wir ganz gezielt den Kopf in den Sand stecken bzw. wie kleine Kätzchen die Augen zumachen und so darauf hoffen, dass das, was wir nicht sehen können, auch nicht existiert, während rund um uns archäologische Denkmale industriell zerstört werden.

Es wurde daher in diesem Beitrag argumentiert, dass eine fundamentale Neuorientierung des archäologischen Denkmalschutzes in Österreich, weg vom derzeitigen fundzentrierten Modell hin zu einem modernen archäologisch-denkmalschützerischen Anforderungen entsprechenden gefährdungszentrierten Modell des archäologischen Denkmalschutzes notwendig ist. Wie ein solches Modell aussehen und funktionieren könnte, wurde in der Folge diskutiert und konkrete Vorschläge gemacht.

Erstens wurde darauf hingewiesen, dass es dringlichst notwendig wäre eine systematische archäologische Landesaufnahme für Österreich durchzuführen oder wenigstens den vorsätzlich archäologische Funde suchenden Laien wieder eine Motivation zu geben diese auch tatsächlich zu melden statt sie wie derzeit vor der zuständigen Behörde zu verheimlichen. Zu bevorzugen wäre meiner Ansicht nach hier eine von dafür anzustellenden archäologischen Fachkräften professionell, wenngleich mit möglichst starker Laienbeteiligungsmöglichkeit, tatsächlich systematisch durchgeführte archäologische Landesaufnahme in großem Stil, die auch tatsächlich rasch bedeutende Erfolge erzielen könnte und würde. Der Nachteil dieser Lösung ist allerdings, dass dafür jedenfalls mehrere hundert Fachkräfte angestellt werden müssten, was bei der derzeitigen politischen (und in geringerem Ausmaß auch wirtschaftlichen) Lage allerdings leider komplett unumsetzbar zu sein scheint. Eine etwas schlechtere, aber dafür eventuell umsetzbarere Lösung wäre eine durch eine weit geringere Anzahl von Fachkräften organisierte, koordinierte und überwachte Durchführung einer ebenfalls mehr oder minder systematischen archäologischen Landesaufnahme, bei der die eigentliche Feldarbeit hauptsächlich oder gar ausschließlich von historisch-archäologisch interessierten Freiwilligen durchgeführt wird. Den hauptsächlichen Nachteilen dieses Modells, einer gegenüber dem erstgenannten Modell deutlich reduzierten Datenqualität und einer wesentlich längeren Vorlaufzeit bis zum Vorliegen eines signifikant verbesserten Kenntnisstandes zur Lage archäologischer Fundstellen in Österreich, stehen hier die ebenfalls bedeutenden hauptsächlichen Vorteile einer wesentlich stärkeren Einbindung der Bürger in den archäologischen Denkmalschutz und durch den dadurch zu erzielenden Mulitplikatoreffekt ein deutlich gesteigertes Verständnis der Öffentlichkeit für die Notwendigkeit und Bedürfnisse des archäologischen Denkmalschutzes sowie die weit geringeren Kosten für dieses Modell – wenigstens anfänglich könnte man vermutlich mit nur 10 zusätzlich dafür anzustellenden Fachkräften auskommen – gegenüber, die dieses Modell vermutlich nicht nur politisch sondern vor allem auch wirtschaftlich weit attraktiver machen als das Erstgenannte. Sind allerdings beide diese Modelle nicht gewollt, dann muss wenigstens – als schlechteste mögliche Lösung des Problems – selbstständig und ohne Bewilligung des BDA suchenden Laien wieder das Recht eingeräumt werden archäologische Funde, wenigstens in der obersten Bodenschicht, zu suchen und damit verbunden eine Motivation gegeben werden ihre Funde auch wieder der dafür zuständigen Behörde, dem BDA, zu melden, um wenigstens durch eine wieder gesteigerte Fundmelderate durch Laien dem Ziel einer deutlich verbesserten Kenntnis der Existenz, Lage und Art archäologischer Fundstellen in Österreich näher zu kommen.

Zweitens wurde argumentiert, dass eine Einbindung des archäologischen Denkmalschutzes in Baubewilligungsverfahren absolut notwendig ist um die Instrumente des Denkmalschutzes auch tatsächlich dort greifen lassen zu können, wo die größte Gefährdung archäologischer Denkmale besteht. Es wurde vorgeschlagen diesen gefährdungszentrierten archäologischen Denkmalschutz analog zum derzeit im Vereinigten Königreich gewählten Modell zu gestalten, in dem Antragsteller ihrem Antrag um Baubewilligung die Ergebnisse ausreichend hochqualitativ durchgeführter archäologischer Voruntersuchungen und, wenn zu befürchten ist, dass archäologische Denkmale von den Baumaßnahmen gefährdet oder zerstört werden könnten, eine archäologische Mitigationsstrategie beilegen müssen, damit die Baubehörde, gegebenenfalls unter Beiziehung des BDA oder auf Basis von Gutachten durch archäologische Experten, entscheiden kann, wie allfällig vorhandene oder zu erwartende archäologische Denkmale angemessen geschützt bzw. Schäden an solchen Denkmalen vermieden oder wenigstens reduziert werden können. Gegebenenfalls wären dann im Baubewilligungsbescheid dem Bauträger entsprechende Auflagen zu machen, die eine Erhaltung archäologischer Denkmale – sei es durch ihre Erhaltung in situ oder, falls dies unmöglich ist, durch systematische archäologische Ausgrabung und Dokumentation – gewährleisten können. Eine solche Lösung hat den Vorteil weitestgehend privatwirtschaftlich geregelt werden zu können und daher für die öffentliche Hand weitgehend kostenneutral zu sein.

Schließlich wurde argumentiert, dass für tatsächlich archäologische Denkmale maßgeblich gefährdende Grabungsmaßnahmen, für die keine Baubewilligung nötig ist, also sowohl für unsystematische, tiefer als die oberste Bodenschicht und großflächiger in den Erdboden eingreifende, von Laien durchgeführte „Raubgrabungen“ als auch für systematische archäologische „Forschungsgrabungen“ im facharchäologischen Sinn dieses Begriffs, d.h. nicht durch äußere Umstände (wie Baumaßnahmen) erzwungene, systematische Ausgrabungen zur Beantwortung wissenschaftlicher Forschungsfragen, die Bewilligungspflicht des § 11 Abs. 1 DMSG durch das BDA aufrechterhalten werden sollte, wenngleich dazu der Wortlaut dieses Paragrafen deutlich abzuändern ist. Dadurch würde gewährleistet, dass auch archäologische Ausgrabungen, durch die tatsächlich ernstzunehmender Schaden an archäologischen Denkmalen verursacht werden kann, weiterhin nicht völlig „frei“ für jedermann erlaubt sind, sondern einer entsprechenden Aufsicht und Kontrolle durch die staatliche Denkmalschutzbehörde unterworfen bleiben.

Durch eine derartige Lösung würden die derzeitigen Paradoxa im archäologischen Denkmalschutz in Österreich nicht nur komplett beseitigt, sondern auch ein den gegenwärtigen Bedingungen und vor allem den gegenwärtigen Gefährdungen für archäologische Denkmale angemessenerer Denkmalschutz erreicht, was eine deutliche Verbesserung der derzeitigen, vollkommen lächerlichen, lachhaften und teilweise skurilen Situation darstellen würde. Je nachdem für welche Variante der archäologischen Landesaufnahme man sich entscheidet, wären damit potentiell nicht einmal besonders bedeutende, ja möglicherweise sogar überhaupt keine, Kosten verbunden. Einzig die durchdachte Änderung einiger gesetzlicher Bestimmungen, vor allem der Bestimmungen der „archäologischen“ Paragrafen des DMSG wäre dafür notwendig; eine Gelegenheit dazu sollte sich durch die jüngsthin erfolgte Unterzeichnung der Koventionen von Valetta (CoE 1992) und Faro (CoE 2005) ohnehin ergeben. Denn die derzeitigen Bestimmungen des DMSG sind, wie ich in diesem und auch bereits in früheren Beiträgen zur Thematik, wie ich denke, in aller notwendigen und wünschenswerten Deutlichkeit gezeigt habe, vielleicht der Situation in den 1920ern angemessen, aber heutzutage nicht mehr zeitgemäß, nicht mehr sinnvoll und dem archäologischen Denkmalschutz inzwischen weit schädlicher als nützlich. Sie gehören daher ohnehin geändert, und zwar am besten sofort.


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Anschrift des Autors:

Prof. PD Mag.Dr. Raimund KARL FSA FSAscot MIfA

School of History, Welsh History and Archaeology

Prifysgol Bangor University

College Road

Bangor, Gwynedd LL57 2DG

United Kingdom

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Empfohlene Zitierweise für diesen Artikel:

Karl, R. 2014. Was ist eine Forschungsgrabung? Überlegungen zu archäologischem Recht, Theorie und Praxis im Denkmalschutz. Wien: http://archaeologieforum.at.

Paginierte PDF dieses Artikels:

http://archaeologieforum.at/index.php/bibliothek/viewdownload/6-denkmalschutz/57-was-ist-eine-forschungsgrabung



[1] Das bedeutet, dass der betreffende Gegenstand nicht der absolut bedeutendste aller vergleichbaren Gegenstände sein muss.

[2] Das bedeutet, dass der betreffende Gegenstand in irgendeiner Weise im Vergleich mit gleichartigen Gegenständen überdurchschnittlich bedeutend sein muss.

[3]  Zu beachten ist hier insbesondere der drastische Gegensatz zwischen der Realität der archäologischen Praxis und der höchstgradige archäologische Unkenntnis verratenden höchstgerichtlichen Vorstellung davon, wie diese Praxis aussieht, dass nämlich „Die Verwendung von „Grabinstrumenten (Bagger, Schaufel etc.)“ […] bei vermuteten Kleingegenständen für einen Facharchäologen geradezu atypisch [erscheine], weil diesfalls die Gefahr einer Zerstörung des Gegenstandes gegeben wäre.“, wie sie im Entscheid des VwGH vom 24.6.1985 zu GZ 84/12/0213, 3-4 zum Ausdruck kommt. Tatsächlich ist es in diametralem Gegensatz zur höchstgerichtlichen Vorstellung von „systematischer“ archäologischer Ausgrabungspraxis so, dass die Verwendung von „Grabinstrumenten“ wie Spitzhacke, Stichspaten und Schaufel und sogar „schwerem Gerät“ wie Bagger trotz vermutetem Vorkommen von archäologischen Kleinfunden gerade und hauptsächlich für die Vorgegensweise des Facharchäologen typisch ist, während der durchschnittliche Metallsucher gewöhnlich höchstens mit einem kleinen Klappspaten „bewaffnet“ ist, wenn er sich auf die Suche nach vermutlich vorkommenden Kleingegenständen macht und oft tatsächlich höchstens die Hände als „Grabinstrumente“ benutzt.

[4] Ausgenommen davon sind natürlich Flächen, die bereits gem. §§ 2a oder 3 DMSG unter Denkmalschutz gestellt wurden. Man sollte sich allerdings nicht der Illusion hingeben, dass das die meisten oder auch nur viele der Flächen sind, auf denen tatsächlich archäologische Denkmale vorkommen. Um das ebenfalls kurz durch einen Vergleich zu belegen, in Österreich stehen derzeit etwa 1000 archäologische Denkmale unter Denkmalschutz; in England hingegen sind derzeit 19772 „scheduled monuments“ verzeichnet (http://www.english-heritage.org.uk/professional/protection/process/national-heritage-list-for-england/; Advanced Heritage Category Search mit Suchbegriff „Scheduling“, Suchdatum 2/3/2013). Dabei ist zu berücksichtigen, dass England etwa die 1,56-fache Fläche Österreichs hat, dafür allerdings nur Denkmale von „nationaler“ Bedeutung in die archäologische Denkmalliste (das „Schedule of Ancient Monuments“) aufgenommen werden können, während nach DMSG auch Denkmale von nur regionaler (lokaler) Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt werden können. In Österreich steht also mit Sicherheit nur ein minimaler Prozentsatz aller archäologisch relevanten Flächen unter Denkmalschutz.

[5] 2011 waren das noch bloß 12 akademisch ausgebildete archäologische Mitarbeiter.

[6] Wo ich die Verhältnisse recht gut kenne, da ich mit den zuständigen Personen im lokalen Archaeological Trust seit längerem eng zusammenarbeite und derzeit im Rahmen dreier extern finanzierter wissenschaftlicher Forschungsprojekte auch ganz konkret mit diesen an einer verbesserten Verwertbarkeit der im lokalen Historic Environment Record – dem regionalen Denkmalverzeichnis – gespeicherten Informationen arbeite.

[7] Wie dies z.B., in einer Kombination mehrerer der hier genannten Möglichkeiten zur Anstellung von professionellen Archäologen für die archäologische Landesaufnahme, neuerlich in Wales der Fall ist: hier wird das Personal für die nationale archäologische Landesaufnahme in Cadw und RCAHMW direkt vom walisischen Staat bezahlt, zusätzlich dazu aber neuerlich durch den Staat (im Wege von Cadw) und zusätzlich dazu durch die Gemeinden auch die regionale archäologische Landesaufnahme, die Historic Environment Records, die durch die 4 privaten walisischen Archaeological Trusts (CPAT, DAT, GAT, GGAT) betrieben werden, durch direkte Zahlungen an diese archäologischen Privatunternehmen finanziert.

[8] Grundlage für diese Berechnung ist ein linearer Suchraster mit  einem Abstand von 2 Metern, d.h. die genannten 500 Kilometer Wegstrecke pro Quadratkilometer. Bei einer durchschnittlichen täglichen Suchdistanz von ca. 6 Kilometern (schließlich müssen Beobachtungen nicht nur gemacht, sondern auch dokumentiert und in der Fundstellendatenbank des BDA verzeichnet werden, 6 Kilometer Suchstrecke pro Tag sind also bereits einigermaßen optimistisch) bedeutet das etwa 2,5 km2 untersuchter Fläche pro Mitarbeiter pro Jahr, bzw. 62,5 km2 pro Mitarbeiter bei angenommenen 25 Jahren Suchzeit. Das österreichische Bundesgebiet hat eine Fläche von 83.855 km2, wovon ca. 60% gebirgig sind, es bleiben also wenigstens ca. 33,542 km2 zu durchsuchen. Dividiert man dies durch die ca. 62,5 km2, die ein Mitarbeiter in 25 Jahren systematisch absuchen kann, so kommt man auf 536,67 Personen, die dafür nötig wären. Addiert man dazu noch Krankenstandstage und die Tatsache, dass nicht bei jedem Wetter gleichermaßen erfolgreich gesucht werden kann, kommt man auf einen Schätzwert von 550 Mitarbeitern.

[9] Und bedenkt man die derzeitige Neuverbauungsrate von etwa 11 ha täglich (Umweltbundesamt 2010, 188), bzw. ca. 40 km2 jährlich, dann bedeutet jede zusätzliche Verzögerung der Erstellung eines solches einigermaßen vollständigen Fundstellenkatasters pro Jahrzehnt einen Verlust von weiteren etwa 0,5% des österreichischen Bundesgebietes, bzw. ca. 1,35% des noch nicht verbauten, nicht als gebirgig klassifizierten Teils davon.

[10] Wobei gemäß der “Selbstdefinition” der Curricula der Universitäten laut Rat für archäologische Forschung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung derzeit Bachelor-Abschlüsse von österreichsichen Universitäten nicht als „einschlägige Studienabschlüsse“, die zur Leitung derartiger Maßnahmen befähigen, zu betrachten sind, sondern bloß einige (und da nicht einmal alle) Master-Abschlüsse einschlägiger Studienrichtungen dazu qualifizieren; siehe dazu das Protokoll „Runder Tisch Archäologie“ vom 17.1.2013 (BDA GZ 841/113/2012).