Wann die antiken Griechen lernten, ihre Städte durch Mauern zu schützen

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14 Nov 2020 07:34 #1 von Jupiterl
ARCHÄOLOGIEBLOG
Wann die antiken Griechen lernten, ihre Städte durch Mauern zu schützen
Oliver Hülden 13. November 2020, 09:00

Erst existenzielle Bedrohungen führten zu einem flächendeckenden Schutz griechischer Siedlungen

"Nachdem Europa und Amerika das friedlichste halbe Jahrhundert ihrer Geschichte erlebt und kriegerische Konflikte fast nur aus sicherer Distanz in 'Zweiten' und 'Dritten' Welten wahrgenommen haben, rücken Kriege wieder in den Bereich der Möglichkeit – und wir haben weniger als je eine Vorstellung davon, welche Formen sie bei uns annehmen könnten: Grund genug, in der Geschichte nach Erfahrungen des Krieges zu fragen." So schreibt einer der bekanntesten deutschen Archäologen, Tonio Hölscher, in der Einleitung zu seinem jüngsten Buch "Krieg und Kunst im antiken Griechenland und Rom". Die Intention des folgenden Blogbeitrags ist dieselbe. Aber nicht die antiken Darstellungen von Krieg und Gewalt sollen wie bei Hölscher betrachtet werden, sondern die Reaktion der frühen Griechen auf kriegerische Bedrohungen mit dem Bau von Verteidigungsanlagen.

Eine unklare Forschungslage
Der Nachweis früher griechischer Befestigungen aus der Zeit von circa 900 bis 480 v. Chr. ist bisher nur selten gelungen, und es ist umstritten, ob dieser weitgehende Negativbefund nur auf deren Zerstörung, Überlagerung oder einen mangelhaften Forschungsstand zurückzuführen ist. Einige Wehrmauern des 8. oder 7. Jahrhunderts v. Chr. hat man jedenfalls auf den Inseln der Ägäis festgestellt. Sie wirken eher bescheiden und dürften vorrangig zum Schutz vor gelegentlichen Raub- beziehungsweise Piratenüberfällen als vor großen organisierten Heeren gebaut worden sein. In Kleinasien, wo griechische Städte Kolonien auf fremdem Terrain gegründet hatten, sah die Situation hingegen schon etwas anders aus. Hier trafen die Griechen auf einheimische Völkerschaften wie Karer, Phryger und Lyder, zu denen das Verhältnis von kriegerischen Auseinandersetzungen bis hin zu friedlicher Koexistenz reichte – um nicht zu vergessen, dass man sich bisweilen auch selbst untereinander bekämpfte.

Weiteres:
www.derstandard.at/story/2000121655051/w...edte-durch-mauern-zu

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