Interpretation archäologischer Befunde und Medien [aAF, 07/2004]

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05 Dez 2018 17:19 #1 von archaeologieforum.at
Aus dem "Alten" AF

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Interpretation archäologischer Befunde und Medien

Geschrieben von: RAY Thursday, 22.07.2004, 10:04
Hi,

weil es mir anhand von zwei aktuellen Beispielen, die ich interessehalber genauer durchgelesen habe, wieder einmal aufgefallen ist, möchte ich hier einen Punkt anschneiden, der mir - aufgrund dieser beiden und vieler anderer vergleichbarer Fälle, die mir in den letzten Jahren zuzunehmen statt abzunehmen scheinen - zunehmend wichtiger erscheint, nämlich die Frage der Weitergabe von Interpretationen archäologischer Befunde an die Medien und die ethischen Implikationen solcher Aussagen.

Die beiden Beispiele, die mir ins Auge gestochen sind, seien hier auch kurz zitiert - aus den Berichten zur Gracarca stammen Aussagen wie:
"Vor wenigen Tagen war wie berichtet ein keltisches Kriegergrab gefunden worden. Jedoch keine menschlichen Überreste. Es handelte sich um ein Leergrab, der Krieger war anderenorts verstorben. Das Grab diente der Heldenverehrung." und "Seit 5. Juli wird in St. Kanzian gegraben. Alles deutet auf eine Brandbestattung des keltischen Kriegers hin. Wichtigste Utensilien: Die Waffen des historischen Streiters. Der Sensationsfund ist in sehr gutem Zustand und wird vom Archäologen als ein sehr schönes Kriegergrab mit Schwert und anderen Waffen beschrieben. "Seine Stellung muss sehr dominant gewesen sein. Man hat ihn auf einer Kuppe weit über den anderen Gräbern bestattet. Das deutet alles auf eine heldenhafte Verehrung hin", so Gleirscher. Skelettreste wurden nicht gefunden, es dürfte sich um ein Kenotaph (Leergrab) für einen Krieger handeln, der woanders gestorben ist." und "Ziel der diesjährigen Grabungskampagne war das Friedhofsareal bei Grabelsdorf. Dort wurde bereits 1966 von F.X. Kohla auf einem exponierten Felssporn ein Grabhügel aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. (Hallstattkultur) angeschnitten. Die Spornlage über dem Gräberfeld der Siedlungsgemeinschaft betont den monumentalen Charakter des Grabbaus. Über der Grabkammer mit der Urne wurde eine Steinpackung aufgebracht, darüber eine Erdschüttung. Grabbauten in Form von Grabhügeln sollten die Erinnerung an einzelne Personen hohen Ranges, die oft geradezu heldenhafte Verehrung genossen, oder besondere Taten über den Tod hinaus wach halten. Um deren betroffenen Witwen eine entsprechende soziale Stellung auch im Jenseits zu sichern, gab es die " Witwentotenfolge" - wie sie auch in diesem Grab zu finden war - neben anderen Grabbeigabe wie Waffen und Resten kostbaren Trinkgeschirrs.", alle siehe archaeologieforum.at/forum/index.php?sho...308&st=0&#entry18206 ; und zur Grabung am Sandberg "Besondere Aufmerksamkeit bei den Archäologen weckt das "Heiligtum". Dort haben einst Druiden (Gelehrte und Priester) ihre Opfergaben dargebracht. Auffällig viele Knochen,- Keramik-, und metallische Funde sind an die Oberfläche befördert worden. "Hier scheinen die Götter mit äußerst wertvollen Gaben beschenkt worden zu sein. Schwerter hatten einen großen Wert", erklärt Elisabeth Holzer. Und bevor sie geopfert werden konnten, mussten sie erst unbrauchbar gemacht werden." siehe archaeologieforum.at/forum/index.php?sho...350&st=0&#entry18241 .

Diese Aussagen, die - zumindest laut den Medienberichten - auf die Interpretationen der jeweils vor Ort tätigen ArchäologInnen zurückgehen, kennzeichnen sich primär durch zwei Eigenschaften: sie sind sensationell, und sie sind wissenschaftlich höchst bedenklich, weil sie entweder den Eindruck erwecken, wir würden Dinge wissen, die wir einfach nicht oder zumindest nicht in dieser Sicherheit wissen, oder einen Foschungsstand des frühen 20. Jahrhunderts, nicht des frühen 21. Jahrhunderts, wiedergeben (der noch dazu auch generell ethisch bedenklich ist).
Nun ist es natürlich nicht gesichert, daß die beiden in den Artikeln als Urheber solcher Interpretationen genannten KollegInnen diese Aussagen tatsächlich in der zitierten Weise getätigt haben, es wäre ja nicht das erste Mal, daß Journalisten einfach aus einem halbstündigen Sermon mit 1000 verschiedenen Interpretationen, die die Fachfrau/der Fachmann anbietet, willkürlich die unwahrscheinlichste aber sensationellste Interpretation herausnimmt und in seinem Bericht noch einmal ums doppelte übertreibt. Andererseits habe ich aber in einem Fall den/die betroffene KollegIn letzthin auch vor einem Fachpublikum ähnliche Aussagen tätigen gehört, und bei dem/der anderen KollegIn beginnen sich Interpretationen wie die hier inkriminierte mit zunehmender Frequenz in den Medien zu finden, was zumindest den Verdacht nahelegt, daß der/die KollegIn die Medien tatsächlich mit entsprechend "sensationellen" Interpretationen gezielt füttert.

Nun kann natürlich nicht von der Hand gewiesen werden, daß wir die Medien mit Informationen versorgen müssen, nicht nur, weil dies eine der wenigen Möglichkeiten ist, wie wir überhaupt die finanzielle Absicherung unserer Fächer durch Steuergelder begründen können ("es interessiert die Leute"), sondern auch, weil wir auf diese Weise zusätzliche Mittel für notwendige, aber schwer finanzierbare Projekte aufstellen können. Doch umgekehrt stellt sich auch die Frage, ob wir mit dieser Art von sensationellen, aber höchst fragwürdigen Interpretationen nicht sowohl eine berufliche Ethik verletzen, indem wir den Leuten falsche Tatsachen vorspiegeln, und unseren Fächern im Endeffekt schaden, weil wir die "normalen" archäologischen Ergebnisse zunehmend als langweiliger, unbedeutender und berichtensunwerter erscheinen lassen. Daß die Medien nämlich unbedingt diese "sensationellen" Berichte wollen und sonst nix berichten, ist in dieser Form zumindest unrichtig, wie Diane Scherzler in einem neu auf www.archaeologie-online.de/magazin/fundp...medientraining_1.php erschienenen Beitrag zum Medientraining für ArchäologInnen erläutert.

Die britische archäologische Standesvertretung, das www.archaeologists.net/ , fordert beispielsweise in seinem Codex des professionellen Verhaltens von seinen Mitgliedern, daß sie die Archäologie und ihre Forschungsergebnisse in einer verantwortlichen Weise präsentieren und übertriebene, irreführende oder zweifelhafte Aussagen zu archäologischen Themen vermeiden und bekämpfen sollen.

Sind nun solche Interpretationen wie die oben genannten noch innerhalb des Spektrums der vertretbaren Aussagen, oder sind sie bereits außerhalb? Wenn sie bereits außerhalb sind, wie kann man darauf reagieren? Eine Presseaussendung, die darauf hinweist, daß die betreffenden Aussagen in dieser Form nicht vertretbar sind? Oder provozieren wir damit bloß einen österreichischen Troja-Streit? Und wenn eine Presseaussendung, wer soll diese machen? Es gibt ja keine österreichische "ArchäologInnenkammer" als berufliche Standesvertretung.

Alles problematische, aber meiner Meinung nach interessante und nicht unwichtige Punkte. Ich würde mich also über andere Meinungen zur Thematik freuen.

Liebe Grüße,

RAY

Geschrieben von: lector Thursday, 22.07.2004, 12:26
Damit sprichst du in der Tat ein wichtiges Thema an. Mit derartigen Medienbeiträgen haben wir es in unseren Foren immer wieder zu tun. Ich stelle ja solche Texte oft absichtlich unkommentiert herein, in der Erwartung, dass darauf kritisch reagiert würde, was leider nicht immer der Fall ist.

Ich meine, es wäre die Aufgabe sachkompetenter Leute, zumindest an der Stelle, wo solche inkriminierten Beiträge publiziert sind, eine in vorsichtiger, aber dennoch klarer Ausdrucksweise erfolgende Darstellung beizubringen, die als Korrektiv das unsachlich Dargestellte zu relativieren geeignet wäre.

So dies am gegebenen Ort nicht möglich ist, etwa, weil weder Kommentare noch Leserbriefe vorgesehen sind, sollte die Sachdiskussion zumindest hier bei uns oder in anderen Foren oder Newsgrous bzw. Listen stattfinden (was zum Teil ja geschieht), oder man könnte sich direkt an das publizierende Medium richten und darum ersuchen, eine klar stellende Ergänzung zu bringen.

Geschrieben von: Majestix Thursday, 22.07.2004, 12:49
Sehr spannende Frage, die RAY aufwirft!

Also mein Leseverhalten dieser beiden Presseberichte vor einigen Tagen war das, mit dem ich Wissenschaftsbeiträge in allen nicht-wissenschaftlichen Medien lese: EinE ArchäologIn erzählt einer/m Journalistin/en etwas, und die/der macht irgendwas daraus, und darunter steht der Name der/des verantwortlichen Journalistin/en. That's it! Aus archäologischer Erfahrung mit JournalistInnen weiß ich, daß auch wörtliche Zitate oft verdreht werden ("heldenhafte Verehrung" - lustig!), aber es gibt auch positive Beispiele, genauso wie ich natürlich eine Reihe negativer Beispiele von WissenschafterInnen im Umgang mit JournalistInnen kenne, und da könnte ich jetzt sehr prominente Namen nennen.

Natürlich sind wir WissenschafterInnen alle Getriebene von der öffentlichen Meinung, ja eigentlich in noch viel zu geringem Ausmaß, verglichen mit dem Geld, das vom Staat in unsere Richtung fließt. Und in den Sommerloch-Monaten steigen unsere Chancen, auch tatsächlich irgendwo in den Lokalteil reinzurutschen. Ich bin kein Spezialist für das prähistorische Österreich, aber m.E. handelt es sich bei diesen Befunden doch eher um Peanuts der Archäologie - und das wissen Archäologe und Journalist doch auch irgendwie und machen dennoch einen recht netten Kurzbeitrag daraus.

Welche sind die Spielregeln? Na, immerhin ist in Verbindung mit den "wertvollen Gaben" auf dem Sandberg von Knochen und nicht von Menschenopfern oder Massensterben die Rede. Also ich möchte die beiden Ausgräberinnen (von denen ich ein Hälfte kenne) nicht unbedingt verteidigen, aber solange die sprichwörtliche Kirche im Dorf bleibt, finde ich ein wenig aufgeblasene Ergebnisse, eine gewisse vereinfachende Einseitigkeit und - pardon! - auch Plumpheit in der Argumentation (bitte keinen Fundkatalog!) zumindest legitim, auch wenn das sicher nicht MEIN persönlicher Stil ist. Aber das wird gelesen, verstanden, bestaunt - und rasch weitergeblättert, und irgendwas Archäologisches (das sollte es eben schon noch sein) war wieder präsent. Qualitätszeitschriften nehmen SOwas ohnedies nicht so leicht an - ist zumindest zu hoffen, obwohl ...!

Nein, RAY, Du hast schon recht. Es ginge auch (VIEL!) besser, gerade bei Grabungsergebnissen!

Majestix



Geschrieben von: RAY Friday, 23.07.2004, 14:11
Hi,

ich stimme euch beiden ja im Grunde genommen durchaus zu. Ein wenig Übertreibung ist sicherlich kein Problem - man muß seine Geschichte schließlich verkaufen, und wir sind ja auch bis zu einem gewissen Grad dazu da, Geschichten zu erzählen. Und natürlich kann man stets und jederzeit an die Zeitung oder das sonstige Medium schreiben, entweder einen Leserbrief oder eine Bitte um Gegendarstellung. Aber in den meisten Fällen bleibt letzteres halt ungehört, und es auf Foren oder Listen zu diskutieren ist zwar schön, erreicht aber dann doch nicht das Publikum, das durch den ursprünglichen Bericht potentiell irregeführt wurde.

Die Frage ist für mich eher, wo sind die Grenzen?

Ist es noch vertretbar, wie die Kollegin Holzer von den druidischen Opfergaben zu sprechen, wo wir nicht einen Funken einer Ahnung haben, ob es im östlichen Österreich jemals irgendwelche Druiden gab? Nennungen von Druiden haben wir für den französischen und britischen Raum, von mir aus auch das westlichste Deutschland und die Benelux-Staaten, aber in Österreich? Und sind wir uns bei dem Befund, den die Kollegin Holzer da hat, tatsächlich noch so sicher wie vor 15 Jahren, daß es sich dabei fraglos um ein "Heiligtum" handeln muß, in dem irgendjemand "den Göttern opferte", oder sind wir nicht heutzutage eher bereits geneigt dazu, solche Befunde wie den ihren als mittel- und spätlatènezeitlichen, für uns ungewöhnlichen Bestattungsbrauch anzusehen?
Interpretationen, wie die von Kollegin Holzer in diesem Zusammenhang getätigten sind meiner Meinung nach - auch wenn ich nicht übermäßig glücklich mit ihnen bin -noch so halbwegs innerhalb des Rahmens des Vertretbaren. Es ist vielleicht nicht mehr der letzte Schrei der wissenschaftlichen Ansichten, aber es ist innerhalb dessen, was man als wissenschaftlich akzeptabel bezeichnen kann.

Vieles von dem, was dem Kollegen Gleirscher zugeschrieben wird, wie Kenotaph (wir haben bisher nicht den mindesten Hinweis darauf, daß ein solches Konzept im eisenzeitlichen Mitteleuropa vorstellbar war, und es gibt bei weitem bessere Erklärungen für ein im Grab fehlendes Skelett), das Kriegergrab (weil Waffen drinnen sind), die Witwentotenfolge (warum diese? Wenn weibliche Skelettreste im Grab sind, warum nicht von Kriegerinnengrab sprechen? Wenn Schmuck drinnen ist, warum daraus auf nachgefolgte Witwe und nicht geschmückten Menschen ohne näher bestimmbares biologisches Geschlecht aufgrund des Fehlens des Skeletts schließen? etc.), und natürlich die soziale Interpretation des Grabfundes, ist hingegen kaum bis gar nicht vertretbar, teilweise sogar weit außerhalb jedes modernen wissenschaftlichen Konsenses.
Sollte Kollege Gleirscher solche Sachen, die teilweise direkt dem Forschungsstand der Zwischenkriegszeit und des dritten Reiches entnommen zu sein scheinen, wirklich von sich gegeben haben, sollte man ihn nicht zu einer Stellungnahme auffordern, wie er zu diesen Ergebnissen kommt? Spielt er diese Musik für das Kärtner Publikum, oder glaubt er das wirklich? Und wenn sie nicht von ihm stammen, sondern auf dem Mist der diesen Schrott schreibenden Journalisten gewachsen sein sollten, sollte Kollege Gleirscher nicht von sich aus eine öffentliche Richtigstellung von den diesen Bericht veröffentlicht habenden Stellen verlangen?
Hier ist meiner Meinung nach durchaus der Kollege Gleirscher selbst gefordert. Genau hier setzt die ethische Selbstkontrolle der Wissenschaft ein, hier ist eine Klarstellung, und die Einforderung einer Klarstellung gefragt. So gesehen würde ich mich freuen, wenn der Kollege Gleirscher sich hier vielleicht melden und seine Ansichten zu dem Thema kundtun würde.

Liebe Grüße,

RAY

Geschrieben von: jovenat Friday, 30.07.2004, 20:15
Hi liebe Diskutanten,
erstmals hallo zu meinem Einstand in diesem Forum, das Thema ruft nach weiteren Wortmeldungen aus dem Zentrum Noricums laugh.gif
Auch ich habe die Pressemeldungen der letzten Jahre zur Gracarca mit Interesse verfolgt, bin ich als Anrainer durchaus näher mit dem Ort vertraut. Umso schauderlicher erscheinen mir verschiedenste Artikel in diversen Zeitungen, die letzendlich auch thema dieses threads sind.
Wobei ich hier nicht entscheiden kann, was auf wessen Mist gewachsen ist - den Weg mancher "Artikel" mit Übernahme und Verstärkung der Fehler kann man recht gut nachvollziehen - und auch für unseren Kollegen hier keine Lanze brechen/verbiegen/entweihen will. Das sollte er schon selber machen (wobei ich den Vorwurf der Rezeption des "Forschungsstand des dritten Reiches" nicht für notwendig erachte)
Aber-
Zu den Fakten (weil da scheinbar keiner mehr durchblickt, was ja nicht leicht ist)
Auf der Gracarca befand sich eine eisenzeitliche Siedlung mit dazugehörigem Gräberfeld in Grabelsdorf. Das Gräberfeld ist ab der älteren Eisenzeit belegt:

9. Jh. v Chr. einfache Brandgräber mit Deckstein und (bisher) ein Grabhügel auf einer exponierten Kuppe; in diesem Grabhügel auch mehrere Bestattungen, darunter die bisher einzigen ältereisenzeitlichen Waffen des Gräberfeldes;

danach im 4. Jh. v Chr erfolgten einige "Deponierungen" von jüngereisenzeitlichen Waffen (~ LT B2) im direkten Umfeld des Grabhügels - jedoch ohne andere Spuren die auf eine Bestattung hinweisen würden; allerdings fanden sich LT Waffen auch in anderen Bereichen des Gräberfeldes;

danach einige Körperbestattungen im Gelände um den Grabhügel und eine Nachbestattung im Grabhügel, die in das 7/8 Jh. nach Chr. zu stellen ist; nur die Bestattung im Grabhügel weist Beigaben auf (Gürtelgarnitur, Sax, Sporen...).

Vielleicht hilft das zum besseren Verständnis.

Aus den oben genannten Daten wurden jetzt folgende Schlüsse gezogen und in den Medien wiedergegeben:

1. In dem HaZ Grabhügel liegt ein Krieger, der seine Frau als "Beigabe" erhielt.
Problematisch, aber leider durchaus weit verbereitet. Ich verweise etwa nur an verschiedene Arbeite von Terzan oder Tomedi oder andere durchaus anerkannte Kollegen die zuletzt auch am IUFG Vorträge zu diesem Thema halten, und erstaunlich wenig Widerspruch ernten.
siehe etwa
science.orf.at/science/urban/112737

2. Das Gräberfeld und besonders der Grabhügel waren nicht nur in der HaZ sondern auch nach der "Keltisierung" des Landes bedeutend und wurden weiter belegt.
Heroenkult in der Eisenzeit ist ein Thema das durchaus einige Ansatzpunkte für interessante wissenschaftliche Untersuchungen birgt. Das sich Kollege Gleirscher damit auseinandergesetzt hat, weiss ich. Ich weiss allerdings nicht was seine Quellen und Schlussfolgerungen sind. Am besten selber fragen, auf zur Diskussion.
Auch was es mit Kenotaphen in diesem zusammenhang auf sich hat, ist mir leider verborgen.

3. Der Ort um den Grabhügel und besonders der Grabhügel selber waren nach der "Romanisierung" des Landes noch immer so bedeutend, dass sich eine Person aus der Nobilitas des frühmittelalterlichen Karantanien in ihm bestatten ließ.
Eine These die in wissenschaftlichen Kreisen auch diskutierenswert erscheint.


Was bei den Artikeln zu diesem Thema auffällt ist klarerweise die reisserische Betonung von einzelnen Details zuungunsten einer klaren Darstellung der Sachlage. Allerdings habe ich in diesem Zusammenhang weit bessere Artikel in den lokalen (slowenischen) Wochen-Zeitungen gelesen, wo man sich durchaus Zeit genommen hat für ein längeres Gespräch und weitere Recherche, wo tatsächlich mehrere Interpretationsmöglichkeiten aufgeführt werden!
Ganz klar zeigt sich aber wieder einmal wie vorsichtig man Auskünfte an Medien erteilen muss.
Ich kann bei Wunsch mit Kollegen Gleirscher Kontakt aufnehmen, vielleicht möchte er ja wirklich auch was zu dem Thema sagen.
Sonst bitte ich die Länge des Beitrages zu entschuldigen und hoffe etwas Licht in die Sache gebracht zu haben
lg
martin

Geschrieben von: RAY Friday, 30.07.2004, 22:21
Hi Martin,

erst Mal herzlich willkommen im Forum! Und ad den Punkten, die Du zur "Klarstellung" bringst, zuerst einmal allgemein Danke dafür.

So, aber jetzt zu den Details. Du schreibst:

QUOTE
Wobei ich hier nicht entscheiden kann, was auf wessen Mist gewachsen ist - den Weg mancher "Artikel" mit Übernahme und Verstärkung der Fehler kann man recht gut nachvollziehen - und auch für unseren Kollegen hier keine Lanze brechen/verbiegen/entweihen will. Das sollte er schon selber machen (wobei ich den Vorwurf der Rezeption des "Forschungsstand des dritten Reiches" nicht für notwendig erachte)


Ich kann das natürlich auch nicht entscheiden, auf wessen Mist das gewachsen ist. Und ich will dem Kollegen Gleirscher auch gar nix vorwerfen - schon gar nicht "Forschungsstand des dritten Reiches". Aber vieles von der Ideologie, die durch diese Berichte durchschimmert, scheint zumindest einen gewissen Nahebezug dazu zu haben. Nun ist es meine Erfahrung, daß diese durchschimmernde Ideologie normalerweise vom Journalisten stammt - aber ich kann es halt nicht sicher sagen. Und meiner Meinung nach geht es eben in diesen Berichten so weit, dass eine Stellungnahme - und gegebenenfalls eine Berichtigung - wünschenwert wäre.

QUOTE
1. In dem HaZ Grabhügel liegt ein Krieger, der seine Frau als "Beigabe" erhielt.
Problematisch, aber leider durchaus weit verbereitet. Ich verweise etwa nur an verschiedene Arbeite von Terzan oder Tomedi oder andere durchaus anerkannte Kollegen die zuletzt auch am IUFG Vorträge zu diesem Thema halten, und erstaunlich wenig Widerspruch ernten.
siehe etwa Urban ORF Science Tomedi


Ja, leider weit verbreitet. Und ja, ich weiß auch, das solche Thesen immer wieder zu lesen und vor allem zu hören sind. Nichtsdestotrotz sind sie - in den meisten Fällen, zumindest wo sie als einzige Erklärung und nicht bloß eine von vielen Möglichkeiten angeboten werden - in dieser Form nicht mehr seriös vertretbar. Leider wird das, besonders wo renommierte KollegInnen betroffen sind, und ganz besonders in Wien auf der UFG, wo es keine Kritik-Kultur gibt (meine entsprechende Kritik dieser Kultur der Kritiklosigkeit und Theorie-Abstinenz ist eh auch in diesem Forum zu finden), viel zu wenig kritisiert. Aber gerade deshalb gehört es ja auch hier angesprochen.

QUOTE
Heroenkult in der Eisenzeit ist ein Thema das durchaus einige Ansatzpunkte für interessante wissenschaftliche Untersuchungen birgt. Das sich Kollege Gleirscher damit auseinandergesetzt hat, weiss ich. Ich weiss allerdings nicht was seine Quellen und Schlussfolgerungen sind. Am besten selber fragen, auf zur Diskussion.


Über den Heroenkult an sich hab ich mich auch nicht aufgeregt - den halte ich für durchaus diskutabel. Wäre durchaus auch hier interessant. Im Kontext mit den anderen Aussagen jedoch wird natürlich dann auch der Heroenkult problematisch, mit den im Ausland gefallenen Kriegerkenotaphen und ihren Totenfolgenden Witwen, die sterben müssen, damit sie auch im Tod noch den Schutz ihres Helden geniessen, und deren Status sich allein von ihrem Mann ableitet.

QUOTE
Ich kann bei Wunsch mit Kollegen Gleirscher Kontakt aufnehmen, vielleicht möchte er ja wirklich auch was zu dem Thema sagen.


Wie eh schon gesagt, ich würde mich über eine Stellungnahme des Kollegen Gleirscher dazu durchaus freuen. Aber kontaktieren brauchst Du ihn nicht extra deswegen, ich könnt ihm ja auch selber mailen. Und kein Grund, Dich für die Beitragslänge zu entschuldigen, so lang war er eh nicht...

Liebe Grüße,

RAY

archaeologieforum.at war super, aber archäologieforum.org gräbt tiefer!
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