Türkei: Ilisu-Staudammprojekt (2005 ff.)

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11 Jan 2013 19:53 #1 von Jahelle
Türkei: Ilisu-Staudammprojekt (2005 ff.) wurde erstellt von Jahelle
Gerichtshof gab Klage der Ingenieurskammer statt: Pläne widersprechen geltenden Gesetzen

Der Oberste Gerichtshof der Türkei hat einen sofortigen Baustopp des umstrittenen Ilisu-Wasserkraftwerks im Osten des Landes angeordnet. Das Höchstgericht gab damit einer Klage der türkischen Architekten- und Ingenieurskammer (TMMOB) recht, wie am Donnerstag bekannt wurde. Laut der Nachrichtenseite haberler.com widerspricht das Großprojekt am Fluss Tigris den geltenden Landesgesetzen zum Schutz von Kulturgütern.

Eine 1.820 Meter breite und 135 Meter hohe Kraftwerksmauer sollte den Tigris kurz vor der türkisch-irakischen Grenze zu einem 313 Quadratkilometer großen künstlichen See aufstauen. Internationale Proteste legten die Pläne für das Prestigeprojekt der türkischen Regierung erstmals im Jahr 2002 auf Eis, 2007 wagte Ankara einen neuen Anlauf.

Die Kritik richtete sich vor allem gegen die befürchtete Zerstörung der antiken Stadtfestung Hasankeyf in der Provinz Batman. Neben der Flutung der archäologisch bedeutenden Stätte, die kurz vor der Aufnahme in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht, hätte der Dammbau auch die Umsiedlung von 60.000 bis 70.000 vor allem kurdischen Bewohnern der Region notwendig gemacht.

"Das ist ein Erfolg des Widerstandes und gibt neue Hoffnung für Hasankeyf, tausende Menschen in der Region und für die NGOs, die seit Jahren den Bau bekämpfen", erklärte Ulrich Eichelmann von der österreichischen Umweltschutzorganisation RiverWatch in einer Aussendung.

Ob das Urteil des Obersten Gerichtshofs auf Dauer halten wird, ist aber laut Eichelmann nicht gesagt: "Es ist damit zu rechnen, dass die Regierung den Beschluss des Gerichts ignoriert und stattdessen im Eilverfahren neue Gesetze beschließt."

Proteste gegen das 1,2 Milliarden Euro teure Projekt richteten sich in der Vergangenheit auch gegen österreichische Akteure. Bank Austria und Oesterreichische Kontrollbank zogen 2009 ihre Investitionspläne wegen der mangelnden Umweltverträglichkeit zurück, der steirische Technologiekonzern Andritz ist weiterhin mit einem 300-Millionen-Euro-Auftrag involviert.

"Noch wird am Tigris gebaut. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Regierung in Ankara die Vorgaben des Gerichtshofes befolgt oder ignoriert", dämpft Eichelmann die Erwartungen. Ankara hat nach der Stattgabe der Klage am 7. Jänner nun eine Woche Zeit, um gegen den Richterspruch zu berufen. (Michael Matzenberger, derStandard.at, 11.1.2013)

quelle: derstandard.at/1356427398112/Tuerkisches...toppt-Ilisu-Staudamm

Where is the horse and the rider? Where is the horn that was blowing?
They have passed like rain on the mountain, like wind in the meadow.
The days have gone down in the West behind the hills into shadow.
How did it come to this?
Es bedanken sich: Carolus, trendinger
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12 Jan 2013 22:39 #2 von archaeologieforum.at
archaeologieforum.at antwortete auf Türkei: Ilisu-Staudammprojekt (2005 ff.)
Es besteht Anlass, diesen, bereits über bald acht (!) Jahre sich hinziehenden Thread zu reaktivieren ;)



ArchäologieForum > Kulturgüterschutz > TR/Hasankeyf: Ilisu-Staudammprojekt am Tigris


Geschrieben von: Ariadne Friday, 13.05.2005, 20:05
Renewed dam project threatens historic site
The government has gone back on promises to save Hasankeyf

By Lucian Harris
LONDON. Plans for the construction of a massive dam on the Tigris River in South Eastern Turkey, which threatens to submerge Hasankeyf, a site of great historic importance, are again underway, despite the apparent success of an international campaign to halt the project in 2002 and numerous promises by the Turkish government to save the town. The renewal of the project appears to flaunt many of the recommendations attached to Turkey’s proposed accession to the European Union.

The Ilisu Dam, part of the Greater Anatolia Project, a series of hydroelectric plants and dams, is all the more controversial because of its location in the predominantly Kurdish south-east of Turkey. Evidence has recently emerged that a new consortium has been formed for the construction of the dam. It includes the Austrian firm VA Tech, currently the subject of a takeover bid by Siemens.

Hasankeyf was an important crossroads between East and West, occupied by nine major civilisations from the Assyrians to the Ottomans.

If the dam goes ahead the whole town will be submerged with the exception of the citadel, perched on top of the cliffs. Among the losses will be the Sultan Suleiman Mosque, the minaret of which is one of the most outstanding examples of early 15th-century Ayyubid architecture; the cylindrical tomb of Zeynel Bey, a rare example of Central Asian style architecture in Anatolia; and the tomb of the holy Imam Abdullah, grandson of Cafer-i Tayyar, uncle of the prophet Mohammed, a shrine visited by about 30,000 Shia pilgrims each year.

The archaeological salvage work, often limited to one month each year, was started in 1998 under the direction of the Centre for Research and Assessment of the Historic Environment (TAÇDAM), supported by various university archaeological teams and international research institutes.

Recent statements by the Turkish authorities on the subject of Hasankeyf and the Ilisu Dam have been contradictory. In 2003, Turkish Prime Minister Tayyip Erdogan declared that Hasankeyf would not be submerged, but developed as a tourist destination. More recently, Culture and Tourism Minister Atilla Koç named Hasankeyf as one of a number of sites worthy of restoration and new tourism initiatives.

However, a 2005 report by Maggie Ronayne of the National University of Ireland, Galway and the Kurdish Human Rights Project found that government bodies such as the State Hydraulic Works now freely admit that the dam project is again underway. This was confirmed to The Art Newspaper by a TAÇDAM research assistant who said that official salvage operations had yet to recommence because of “bureaucratic disputes” with the Turkish Government, but that there were plans to dismantle and relocate some of the town’s more important buildings and to restore them as an open-air museum on an island in the reservoir.

www.theartnewspaper.com/news/article.asp?idart=11790

Geschrieben von: Florian Tuesday, 26.07.2005, 11:15
Staudämme bedrohen antike Stätten in Türkei - Zeugma kein Einzelfall

Von Ingo Bierschwale, dpa

Die mittelalterliche Stadt Hasankeyf (Türkei) am Tigris. Wuchtige Pfeiler einer Anfang des 12. Jahrhunderts errichteten Steinbrücke zeugen von der einstigen strategischen Bedeutung der Stadt. Dahinter steht die moderne Brücke, über die heute der Verkehr fließt. Ängstliche Blicke richten sich auf das 30 Kilometer entfernte Ilisu-Staudammprojekt, in dessen Wasser die Unterstadt von Hasankeyf zu versinken droht. Vor fünf Jahren versanken die Überreste der vor 2300 Jahren gegründeten Stadt Zeugma am Euphrat in den Fluten des Birecik-Staudamms.

In den Bau des Esmekaya-Staudamms in der zentralanatolischen Steppe bei Aksaray steckte die türkische Regierung innerhalb von zehn Jahren 12 Millionen Lira (rund 7 Millionen Euro). Jetzt verkündete das Energieministerium in Ankara
den endgültigen Baustopp. Der ebenso banale wie tragikomische Grund:
Die Quellen, aus denen der Stausee gespeist werden sollte, waren
zwischenzeitlich versiegt. Von solchem «Glück» können Archäologen in
der mit antiken Stätten reich gesegneten Türkei oft nur träumen.

Vor fünf Jahren versanken die Überreste der vor 2300 Jahren von
einem General Alexanders des Großen am Oberlauf des Euphrats
gegründeten Stadt Zeugma in den Fluten des Birecik-Staudamms. Erst in
letzter Minute, als das Wasser schon stieg, ging ein Aufschrei durch
die Welt. Dank internationaler Sponsoren machten sich die Archäologen
daran, von diesem «zweiten Pompeji» zu retten, was es noch zu retten
gab. Freigelegt wurden einzigartige Bodenmosaike, die einst die
Villen der in römischer Kaiserzeit zu Reichtum gelangten Handels- und
Garnisonsstadt schmückten.

Die den Fluten entrissenen Mosaike, Wandfresken und Statuen sind
seit Juni im Museum der nahe gelegenen Stadt Gaziantep zu sehen. Am
geschichtsträchtigen Ort selbst ist es still geworden. Von einer
Aussichtsplattform bietet sich dem Besucher nur noch der Blick auf
eine blaue, buchtenreiche Wasserfläche und die sie einrahmenden Berge
mit ausgedehnten Pistazienbaum-Feldern.

Rund 1500 Kilometer nordwestlich liegt unweit des berühmten
Pergamon die antike Stadt Allianoi - unglücklicherweise mitten im
Becken eines geplanten Staudamms, dessen Grundstein vor 13 Jahren
gelegt wurde. Im November soll mit der Flutung begonnen werden. In
den Thermen, die eine Fläche von fast 10 000 Quadratmetern bedecken,
entdeckten die Archäologen vor wenigen Tagen bislang verborgene
Bodenmosaike mit geometrischen Mustern und verschiedenen Farben. «Ich
hoffe, dass diese Prunkstücke nicht unter Wasser gesetzt werden»,
sagt der Grabungsleiter Ahmet Yaras. In Allianoi seien antike
Kunstschätze zu Tage getreten, für die es sich lohnen würde, ein
neues Museum zu schaffen, sagt Yaras, der zugleich Direktor des
Bergama-Museums ist.

Paradoxerweise trug gerade das Staudammprojekt dazu bei, dass der
antike «Kurort» wiederentdeckt wurde. Forscher gehen davon aus, dass
Allianoi einer von weltweit fünf Orten mit einem Asklepieion ist. Das
sind antike Heilbäder, die nach dem griechischen Gott der Heilkunst,
Asklepios, benannt wurden. Dass die Thermalgebäude so gut erhalten
sind, liegt daran, dass sie über Jahrhunderte unter Schwemmland
verborgen lagen. Sollte der Damm im November geflutet werden, würden
sie allerdings erneut verschwinden, diesmal unter einer 17 Meter
hohen Wasserschicht.

Schon seit Jahren in der Schwebe ist das Schicksal von Hasankeyf,
einer östlich von Diyarbakir am Tigris gelegenen mittelalterlichen
Stadt. Wuchtige Pfeiler einer Anfang des 12. Jahrhunderts von den
Aturkiden, einem Turkvolk, errichteten Steinbrücke, zeugen von der
einstigen strategischen Bedeutung der Stadt. Überragt werden der Ort
und das markante Minarett der Rizk-Moschee von einer in den Felsen
gebauten Festung. Archäologische Funde in den weitläufigen Höhlen,
von denen einige noch heute bewohnt werden, haben gezeigt, dass der
Ort auf eine Jahrtausende alte Siedlungsgeschichte zurückblicken
kann.

Ängstliche Blicke richten sich nicht erst seit heute auf das 30
Kilometer entfernte Ilisu-Staudammprojekt, in dessen Wasser die
Unterstadt von Hasankeyf zu versinken droht. Rettung erhoffen sich
die Bewohner von den immer zahlreicher werdenden Touristen.
Verkaufsstände säumen die Straßen, entlang des Tigris warten
strohgedeckte Fischlokale auf Besucher, der steile Aufstieg zur
Felsenburg wurde mit Stahlgerüsten abgesichert. Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdogan verkündete unlängst, Hasankeyf müsse dem
Tourismus erhalten bleiben, doch die anderen, beunruhigenden Signale
sind deshalb nicht weniger geworden.

Quelle: www.glaubeaktuell.net/portal/nachrichten...tra=&IDB=1&Aktuell=0

Geschrieben von: lector Tuesday, 26.07.2005, 15:48
Vgl. archaeologieforum.at/forum/index.php?showtopic=4544

Antike Badeanlagen von Staudammprojekt gefährdet

Ausgrabungsstätte in Allianoi soll geflutet werden. In den von einem Staudammprojekt bedrohten antiken Badeanlagen von Allianoi nahe der westtürkischen Stadt Bergama sind türkische Archäologen auf bislang verborgene Bodenmosaike gestoßen.

Geschrieben von: Aristoteles Saturday, 27.05.2006, 16:56
Antike Stadt soll im Tigris versinken

TÜRKEI. In Ostanatolien wächst der Widerstand gegen ein Staudammprojekt der VA Tech.

DIYARBAKIR/WIEN. Wie kleine Festungen thronen die Steinhäuser auf den alten Mauern. In ihrer Mitte erhebt sich ein hoher, schlanker Turm, das Minarett der El-Rizk Moschee, die 1409 unter Sultan Suleyman errichtet wurde. Am Fuße der Mauern ragen wuchtige Steinpfeiler aus dem Wasser des Tigris - Überreste einer mittelalterlichen Brücke. Am Ufer des Flusses tummeln sich Menschen vor kleinen Yerkaufsständen und Fischlokalen.

Mehrere tausend Jahre ist die ostanatolische Stadt Hasankeyfalt - eine touristische Sehenswürdigkeit voll von Bauwerken und Funden aus Antike und Mittelalter. Geht es nach dem Willen Ankaras soll ein Teil der alten Stadt aber bald vom Tigris verschluckt werden. Sie muss einem der ehrgeizigsten Bauvorhaben des türkischen Staates weichen, dem Ilisu-Projekt - einem gigantischen Staukraftwerk, das künftig 1200 Megawatt Strom liefern soll. Das ausländische Konsortium, das mit dem Bau des Damms beauftragt wurde, wird von einer österreichischen Firma angeführt, der VA Tech Hydro.

Ilisu ist nur Teil eines ganzen Netzes von Staumauern und Kraftwerken, das die türkische Regierung über den Südosten des Landes legen will - um Strom zu erzeugen und dem unterentwickelten Ostanatolien wirtschaftlichen Aufschwung zu bringen, wie es in Ankara heißt. Der Preis dafür ist nicht nur Hasankeyf. Auch zahlreiche Dörfer in der Region müssen geräumt und mehrere 10.000 Menschen umgesiedelte werden, um das Ilisu-Staukraftwerk zu verwirklichen.

Je näher der Baubeginn rückt, desto stärker wächst der Widerstand gegen das Projekt. Die Bürgermeister von Diyarbakir und Batman, den größten Städten in der Region, laufen Sturm gegen die Pläne aus Ankara. Zudem macht eine Reihe von NGOs mobil: „Durch den geplanten Stausee werden kulturelle und historische Werte vernichtet", kritisiert Ercan Ayboga, Sprecher der „Initiative zur Rettung von Hasankeyf". Statt Hasankeyf unter Wasser zu setzen, sollte Ankara lieber in Kultur-Tourismus investieren.

Kritik übt Ayboga auch an den ausländischen Firmen, die in das Projekt involviert sind: „Sie denken, sie können außerhalb Europas an Projekten verdienen, für die es in ihren eigenen Ländern niemals eine Erlaubnis geben würde. Wir verlangen, dass dieselben Kriterien wie bei Großprojekten in Österreich angewandt werden."

Um Druck auf die VA Tech auszuüben, ist nun eine Delegation der Staudammgegner aus der Türkei eigens nach Wien gereist. Sie wollen erwirken, dass Österreichs Finanzministerium keine Haftung für die VA Tech übernimmt. Alexander Schwab, Sprecher der VA Tech Hydro, weist jede Kritik zurück: „Das Projekt bringt 1,2 Milliarden Euro an Direktinvestitionen in die Region." Während der neun Jahre Bauzeit würden bis zu 20.000 Menschen Arbeit finden. Zudem habe die türkische Regierung einen umfassenden Entschädigungsplan für die von der Umsiedlung betroffenen Dorfbewohner ausgearbeitet.

In Diyarbakir zeigt man sich hingegen über den zu erwartenden Schub neuer Migranten besorgt. „In den neunziger Jahren wurden bereits 4000 Kurden-Siedlungen geräumt", sagt Firat Anli, Bürgermeister des Stadtteils Yenisehir. „Im Diyarbakir gibt es jetzt zehntausende Kinder der Vertriebenen ohne Bildung und Jobs."

Für die alte Stadt Hasankeyf hat sich die türkische Regierung eine besondere Lösung ausgedacht: Ein Teil der historischen Stätten soll abgetragen und in einem Archäologiepark aufgestellt werden - eine Art History-Disney im Tigristal.

(Die Presse 17. Mai 2006, 8.)

Geschrieben von: Ariadne Sunday, 28.05.2006, 21:07
Das Ilisu-Staudammprojekt am oberen Tigris gefährdet ein 12.000 Jahre altes Weltkulturerbe und bedroht tausende Bauernfamilien mit Zwangsumsiedlung und Existenzvernichtung.

Noch vor der Flut nach Hasankeyf

von Thomas Schmidinger

Schaut euch Hasankeyf an. Vielleicht habt ihr die letzte Gelegenheit diese wunderschöne Stadt noch zu sehen!“ Der Besitzer des kleinen Hotels in Midyat macht mit einer etwas eigenwilligen Tourismuswerbung auf die eine halbe Fahrstunde nördlich gelegene Stadt aufmerksam. Tatsächlich scheint sich in Hasankeyf ein touristischer Anachronismus zu etablieren: ein Tourismus in letzter Minute. Obwohl die türkische Regierung fix beschlossen hat, die Stadt unter einem 312 Quadratkilometer großen Stausee verschwinden zu lassen, wurden in den letzten Monaten neue Informationstafeln des Tourismusministeriums aufgestellt.

Tourismus der letzten Minute

Verglichen mit meinem letzten Besuch in der Stadt sind deutlich mehr Touristen zu sehen. In letzter Minute wollen viele noch die historische Stadt am Oberlauf des Tigris sehen. In der Stadt selbst bleibt dabei jedoch wenig Geld liegen. Die meisten Gäste sind türkische Tagesausflügler. Seit Jahren hat hier niemand mehr in den Tourismus investiert. Niemand baut ein Hotel, wenn er befürchten muss, dass dieses schon in wenigen Jahren unter einem Stausee des türkischen gap-Projektes verschwindet.
Bis 2010 sollen im Rahmen des gap mehr als ein Dutzend Staudämme an Euphrat und Tigris errichtet werden. Durch den Ilisu-Damm würden dem „Kurdish Human Rights Project“ zufolge 12.000 Anwohner vertrieben werden, weitere 60.000 Bauern würden ihr Land und damit ihre Lebensgrundlagen verlieren. Da die meisten dieser Bauern keine Landtitel besitzen und viele von ihnen selbst erst während des Kriegs zwischen Regierung und der kurdischen Guerilla pkk in den 1980er- und 90er-Jahren aus ihren Dörfern vertrieben wurden, werden nur wenige von ihnen entschädigt werden. Realistische Umsiedlungspläne fehlen völlig (s. S. 3).

weiterlesen unter:
www.furche.at/archivneu/archiv2003/fu2504/03.shtml

Geschrieben von: Ariadne Wednesday, 2.08.2006, 21:23
Nur Minarett soll von Hasankeyf zeugen
Die wichtigsten Monumente sollen wieder aufgebaut werden.Mit dem bevorstehenden Spatenstich des umstrittenen Ilsiu-Staudamms in Südostanatolien steht die antike Stadt Hasankeyf vor ihrem Untergang.

Noch zeugen wuchtige Pfeiler einer Anfang des 12. Jahrhunderts von den Aturkiden, einem Turkvolk, errichteten Steinbrücke von der einstigen strategischen Bedeutung der Stadt. Schon bald könnte nur noch die Spitze des markanten Minaretts der Rizk-Moschee aus den Fluten des Ilisu-Sees ragen.

Archäologische Funde in den weitläufigen Höhlen, von denen einige noch heute bewohnt werden, haben gezeigt, dass der Ort auf eine Jahrtausend alte Siedlungsgeschichte zurückblicken kann.

Wiederaufbau geplant
Die Vertreter der VA Tech Hydro versicherten, dass nur etwa 20 Prozent der historischen Stadt Hasankeyf überflutet werden würde.

Zum Schutz der Kulturgüter sollen zudem an die hundert Millionen Euro verwendet werden. 25 Millionen Euro davon stammen aus einem Sonderbudgetposten des Baukonsortiums. Damit solle etwa die historische Infrastruktur soweit wie möglich in einem neu zu errichtenden archäologischen Park wieder aufgebaut werden.

Britisches Konsortium zog sich zurück
Nichtsdestotrotz würden mehrere Tausend Höhlen und die Gräber der Bewohner für immer in den Fluten versinken, kritisierten NGOs. Zudem verweisen die Kraftwerksgegner auch auf jenes britische Konsortium, das bereits Ende der 90er Jahre mit der Umsetzung des Damms beauftragt wurde.

Die angesichts der bevorstehenden Zerstörung Hasankeyfs ausgelösten Proteste hatten vor fünf Jahren dafür gesorgt, dass sich das Unternehmen wieder aus dem Projekt zurückzog.

Bodenmosaike gerettet
Bereits vor sechs Jahren versanken die Überreste der vor 2300 Jahren von einem General Alexanders des Großen am Oberlauf des Euphrats gegründeten Stadt Zeugma in den Fluten des Birecik-Staudamms.

Erst in letzter Minute, als das Wasser schon stieg, ging ein Aufschrei durch die Welt. Dank internationaler Sponsoren machten sich die Archäologen daran, von diesem "zweiten Pompeji" zu retten, was es noch zu retten gab. Freigelegt wurden einzigartige Bodenmosaike, die einst die Villen der in römischer Kaiserzeit zu Reichtum gelangten Handels- und Garnisonsstadt schmückten.

Die den Fluten entrissenen Mosaike, Wandfresken und Statuen sind seit letztem Jahr im Museum der nahe gelegenen Stadt Gaziantep zu sehen. Am geschichtsträchtigen Ort selbst ist es still geworden. Von einer Aussichtsplattform bietet sich dem Besucher nur noch der Blick auf eine blaue, buchtenreiche Wasserfläche und auf die sie einrahmenden Berge mit ausgedehnten Pistazienbaumfeldern.

www.orf.at/060802-2383/2385txt_story.html

Geschrieben von: Ariadne Wednesday, 16.08.2006, 20:25
Experts challenge govt plans to relocate Hasankeyf

Despite government assurances that the ancient city of Hasankeyf will be saved from inundation, opposition parties, civil groups and academics argue that a significant part of the ancient city will be lost with the completion of the Ilisu Dam.

Motherland Party (ANAVATAN) Mardin Deputy Muharrem Dogan submitted a question motion in Parliament yesterday in which he said Hasankeyf could be saved by constructing the dam on a smaller scale.

Dogan said that if the dam is constructed to a 479-meter water level plan instead of 510 meters there would be a $40 million loss in energy production but Hasankeyf would be saved from inundation.

In the motion Dogan asked Energy Minister Hilmi Guler whether the sake of $40 million would see the loss of a 12,000-year-old culture.

While underlining his support for the dam project, Dogan said that the Hasankeyf issue shouldn't be disregarded.

"If the plan for the Ilisu Dam is reduced from 510 meters to 479 meters, Hasankeyf will be completely saved, but revenues will be reduced from $300 million to $260 million," asserted Dogan. "It's possible to make up that difference with revenues from tourism and agricultural products from the 35 villages that are to be inundated."

Saying that the dam project was based on a 1958 plan, Dogan asked Prime Minister Recep Tayyip Erdogan whether he will fulfill his promise of not allowing the inundation of Hasankeyf while going ahead with construction. "Can't today's technology save Hasankeyf from being flooded?" asked Dogan, who also questioned the government's insistence on using a half-century-old plan.

Experts say Hasankeyf can't be moved

Construction of the dam began recently amid fierce opposition from civil groups and government assurances that 80 percent of Hasankeyf won't be affected and that historical artifacts from the remaining 20 percent will be relocated during the building process, which is expected to last seven years.

Professor Olus Arik, who has served as head of excavations for many years at Hasankeyf, said that it's impossible to relocate Hasankeyf. According to Arik, the first problem is the nature of the artifacts that are planned to be transported. Daily Radikal quoted Arik as saying, "In Hasankeyf a broken stone and soil mixture was used. When you try to move the artifacts the stone-soil mixture crumbles. There are only five or six artifacts made of stone and only those can be transported. But they will have no meaning when they are taken out of the environment. The promise that Hasankeyf will be relocated is a false one. They already have sacrificed Hasankeyf."

Arik also lambasted a plan to lift the artifacts with ropes. "This is crazy," he said. "How can one carry an artifact if you don't know its size? This isn't cheese that can be carried in pieces. Hasankeyf can only be saved through blocking the inundation."

In related news, Radikal reported that current archeological excavation work is being carried out by a university team. Excavation team head Professor Abdulselam Ulucam said that the project is run with 18 students and four academics. Underlining that the government promised that the artifacts will be relocated within seven years, Ulucam said, "We can't foresee the size of the artifacts and the depth we need to dig. This isn't a beet field. We can't say that it will be finished in seven years. We are just trying to find the artifacts. The Advisory Council will decide which ones are to be moved next month."

One of the most important pillars of the Southeastern Anatolia Project (GAP) and one of the world's biggest water projects, the Ilisu Dam will be constructed 45 kilometers from the Syrian border, on a key position along the Tigris River. On completion, the dam is expected have a 1,200-megawatt capacity, generating an average of 3,833 gigawatt-hours annually. The project will also make possible the construction of the Cizre Dam, which will provide irrigation for 120,000 square meters of land.

Officials say that around 80 percent of Hasankeyf won't be affected by the dam project. Graveyards, tombs, tumuli, historical artifacts and 4,200 cave houses will be turned into an archeological park and open-air museum. They say the area will be turned into a significant culture and tourism site for the country and the world, together with the Hasankeyf New Cultural Park Area.

16 August 2006, The New Anatolian

www.turkishweekly.net/news.php?id=36786

Geschrieben von: Orphea Monday, 25.09.2006, 09:25
Hier noch ein dringender Aufruf von der "Erklärung von Bern", allerdings schon vom 31. 08. 2006:


Helfen Sie uns, das umstrittende Ilisu-Staudammprojekt in Südost-Anatolien zu verhindern. Schreiben Sie ein Protest-E-Mail an Frau Bundesrätin Doris Leuthard: www.evb.ch/ilisu-Protest . Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!



Worum es geht:

Der Bundesrat wird in Kürze über eine Exportrisikogarantie für Lieferungen Schweizer Baufirmen an das Ilisu-Staudammprojekt am Tigris in der Ost-Türkei entscheiden. 55'000 Menschen würden durch den Bau des 130 km langen Stausees ihre Lebensgrundlage verlieren. 11'000 Betroffene werden ohne ausreichende Entschädigung vertrieben. Mehrere tausend Jahre alte Kulturgüter sowie wichtige Landschaftsschutzgebiete am Tigris würden überflutet. Die Türkei könnte mit dem Damm den Nachbarstaaten Syrien und Irak ein paar Monate lang das Wasser des Tigris zurückhalten. Das 2002 schon einmal gescheiterte Projekt enthält wieder so viele gravierende Mängel, dass das Kraftwerk, läge es in der Schweiz, nicht genehmigt würde. Auch internationale Experten kritisieren, dass das Projekt in keinster Weise umwelt- und sozialverträglich ist und nicht die Richtlinien von Weltbank, OECD und Weltstaudammkommission einhält, an die sich auch die Schweiz halten sollte. Ausführliche Informationen über das Staudammprojekt finden Sie hier: www.evb.ch/p48.html



Mit freundlichen Grüssen
Christine Eberlein
*************************************************************************************
Erklärung von Bern - Berne Declaration
Postfach, Quellenstrasse 25, 8031 Zürich, Tel. direkt: +41 (0)44 277 70 00,
Fax +41 (0)44 277 70 01, e-mail: christine.eberlein[AT]evb.ch, www.evb.ch
Spendenkonto: 80-8885-4
**************************************************************************************

Geschrieben von: Muse Wednesday, 28.03.2007, 22:03
Istanbul - Der Plan zur Verlegung der antiken Stadt Hasankeyf in der Türkei hat im Parlament von Ankara die erste Hürde genommen. Damit werden die Voraussetzungen für den Neubau der vom geplanten Tigris-Staudamm bedrohten Stadt an anderer Stelle geschaffen, wie türkische Medien am Mittwoch berichteten.

Geschrieben von: Muse Wednesday, 28.03.2007, 22:05
Am Bau des von Umweltschützern und Archäologen kritisierten Staudamms sind Firmen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland beteiligt. Erst dieser Tage hatten die Regierungen dieser Länder Exportkreditbürgschaften für das auf zwei Mrd. Euro veranschlagte Projekt genehmigt.

Im Bild: Die Reste einer Brücke aus dem zehnten Jahrhundert.

Geschrieben von: Muse Wednesday, 28.03.2007, 22:06
Die türkische Regierung plant, einige der von der Überflutung bedrohten historischen Bauten in einem "Kulturpark" wieder aufzubauen. Archäologen halten dagegen, dass auf diese Weise nur ein Bruchteil der archäologisch bedeutenden Stätten gerettet werden könne.

Im Bild: Das Minarett einer Moschee aus dem 14. Jahrhundert.

Geschrieben von: Muse Wednesday, 28.03.2007, 22:07
Die Fertigstellung der 1820 Meter langen und 135 Meter hohen Staumauer und des dazugehörigen 1.200-Megawatt-Kraftwerks ist für 2013 geplant. Der Stausee wäre mit mehr als 300 Quadratkilometern Fläche der zweitgrößte der Türkei. (APA/dpa)
derstandard.at/?id=2823403

Geschrieben von: archaeodingsda Sunday, 6.05.2007, 09:12
orf.at/ticker/252404.html

Glawischnig will Staudammprojekt Ilisu verhindern

Die Dritte Nationalratspräsidentin und Umweltsprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, reist am 28. Mai für vier Tage in die Türkei mit dem Ziel, das umstrittene Staudammprojekt Ilisu in Ostanatolien zu verhindern.

"Das Staudammprojekt ist eine ökologische Katastrophe, die in Europa niemals genehmigt werden würde", erklärte Glawischnig in einem Interview mit der "Kronen Zeitung" (Sonntags-Ausgabe).

Kredithaftung steht
Die Kredithaftung für 285 Millionen Euro der Baukosten wurde von der österreichischen Kontrollbank übernommen. Deutschland und die Schweiz hätten ihre Unterstützung von Österreich abhängig gemacht, so die grüne Parlamentarierin. Sie forderte, massiven Druck auf Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) auszuüben, um nach Ausstiegsmöglichkeiten zu suchen.

Weltkulturerbe wird zerstört
Der Tigris, "der in der Bibel als Teil des Paradieses beschrieben wird", soll laut Glawischnig auf einer Länge von 130 Kilometern aufgestaut werden. Unter anderem sei die 11.000 Jahre alte Stadt Hasankeyf betroffen. "Es kann nicht sein, dass Österreich verantwortlich dafür ist, dass in einem anderen Land Weltkulturerbe zerstört wird", so Glawischnig.

Der Grund, warum sich Österreich an dem umstrittenen Projekt beteilige sei, dass "es ein gutes Geschäft ist". Die Grazer Maschinenbaufirma Andritz liefere um 230 Millionen Euro Turbinen für den Stausee, betonte Glawischnigg.

Auflagen nicht zu erfüllen?
Die Kreditgarantie sei zwar "mit 150 Auflagen" versehen. Dabei gehe es auch um ökologische Kriterien, etwa den Schutz gewisser Tierarten. "Ich bin überzeugt, dass diese Auflagen nicht erfüllt werden und auch nicht werden können. Hier muss Wilhelm Molterer einhaken", zeigte sich die grüne Umweltsprecherin skeptisch.

Bis heute habe kein österreichischer Politiker das Gebiet besucht. 80 Prozent der Betroffenen seien gegen die Flutung. Die Lebensgrundlage von 54.000 Menschen würde zerstört. Die Folge wäre ein Flüchtlingsstrom, der bis nach Europa reichen könnte. "Ich will zeigen, dass es in Österreich auch eine andere Haltung als die der Regierung gibt. Ich muss da hin", sagte Glawischnigg.

Geschrieben von: lector Friday, 14.09.2007, 11:21
news.bbc.co.uk/2/hi/europe/6990438.stm



/gc, Listen/

Geschrieben von: lector Sunday, 4.11.2007, 19:25
www.ilisu-wasserkraftwerk.com/page.php

mit einem www.ilisu-wasserkraftwerk.com/page.php?modul=HTMLPages&pid=11




[Hinweis G.H.]

Geschrieben von: Spider Sunday, 30.03.2008, 18:24
"Vernichtendes Urteil" für Ilisu - derstandard.at/?url=/?id=3264985

Geschrieben von: Spider Monday, 31.03.2008, 15:40
Im Standard vom 29.3.2003 (Album S. 3) ein aktueller Beitrag:

Planung eines Weltuntergangs

Die historische türkische Stadt Hasankeyf soll für einen Staudamm geflutet werden - die österreichische Regierung hilft trotz massiver Kritik an dem Projekt mit. Von Kai Strittmatter

Und wenn seine Welt auch untergeht, er hält die Wacht. Jetzt steht er da, der Bürgermeister, lässt seinen Blick schweifen über die Klippe und die Höhlen, über Brücke und Minarett, schließlich mustert er uns. "Warum tut ihr uns das an?", fragt Abdülvahap Kusen: "Warum bringt ihr uns um? Warum erstickt ihr uns? Warum nehmt ihr nicht eure Hände von uns?" Er fragt das die Österreicher, die Deutschen und die Schweizer. Weil diese drei Nationen drauf und daran sind, sich im Verein mit der türkischen Regierung zu Totengräbern von Abdülvahap Kusens Welt zu machen.

Und was für einer Welt. Eine Siedlung in der Vertikalen. 200 Meter steigen die Felswände hier senkrecht hoch. "Weich wie Käse ist der Stein", sagt der Fischer Ahmet, der sich einen ganzen Morgen auf einem alten Lkw-Schlauch über die Wasser hat treiben lassen. Und so haben sie ihn durchlöchert, den Fels. Seit mehr als zehntausend Jahren haben die Menschen hier Höhlen gegraben und am Fels geklebt wie die Schwalben in ihren Nestern. Die einzige erhaltene Stadt aus der Antike in diesem Land. Ein ayyubidisches Minarett ragt in den Himmel, darauf reckt sich ein Storch in seinem Nest. Käme der 313 Quadratkilometer große Stausee, dann würde der Storchenkopf gerade noch aus dem Wasser lugen.

Babylonier, Assyrer, Römer, Byzantiner, Araber, die kurdischen Ayyubiden, sie alle haben hier gelebt und ihren Teil in das archäologische Schatzkästlein hineingelegt. Hier, in den Ländern von Tigris und Euphrat, lag die Wiege der Zivilisation. Und nun sollen Türken, Österreicher, Deutsche und Schweizer vollbringen, was selbst dem Ansturm der Mongolen nicht gelang - die Vernichtung Hasankeyfs? Der Ort soll ersäuft werden. 10.000 Jahre geopfert für einen Damm, der für vielleicht 50 oder 60 Jahre nutzbar sein wird.

Kind der 50er-Jahre

Das Ilisu-Projekt am Tigris ist ein Kind der 50er-Jahre. Ähnliche Dämme am Euphrat sind längst gebaut. Unzählige Male ist das Projekt geplatzt, unzählige Male wurde es wiederbelebt - zuletzt vom amtierenden Premier Tayyip Erdogan. Die Türkei allein aber kann den Damm nicht bauen, sie braucht die Hilfe des Auslands: Ein Konsortium angeführt von der österreichischen VA Tech Hydro wartet ungeduldig auf den Baubeginn. Das grüne Licht sollen die Regierungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz geben. Warum? Weil die Regierungen dieser Länder für die Finanzierung des Dammbaus bürgen. Das heißt: Das Risiko der österreichischen Baufirma soll der österreichische Steuerzahler übernehmen. "Dabei verstößt das Projekt gegen sämtliche internationale Standards", meint Ulrich Eichelmann von der Organisation ECA-Watch: "Niemals dürfte der Damm in der EU gebaut werden." Für die Weltbank wie für die britische Regierung war genau das der Grund, eine Finanzierung abzulehnen.

Da ist die Sorge, die Türkei könne die Dämme eines Tages benutzen, um den Wasserfluss in die Anrainerstaaten Syrien und Irak zu kontrollieren. Da sind die ökologischen Verheerungen. Und da sind die Zwangsumsiedelungen: 55.000 Menschen verlieren ihre Heimat. Ankara verspricht Aufschwung und Arbeitsplätze. "Aber wenn wir bei den Euphrat-Dämmen eines gelernt haben, dann dies: Dämme bringen nie Wohlstand - immer nur Emigration", sagt Arif Arslan von dem "Verein der Freiwilligen für Hasankeyf". Die meisten würden wohl in die nahen Städte Batman und Diyarbakir ziehen - wo schon heute jeder Zweite ohne Arbeit ist und in Elendsquartieren haust. Dass das Gebiet mehrheitlich von Kurden besiedelt ist, macht das Projekt nicht weniger heikel. Türkische Beamte preisen intern unverhohlen den militärischen Nutzen des Dammes im Kampf gegen die Rebellen von der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Der Stausee, so frohlocken Beamte des Staatlichen Wasseramtes, schneide "die Wege der PKK ab". Unter den Menschen vor Ort verstärkt das den Eindruck, man nehme ihnen ihr Land auch deshalb, weil sie Kurden sind. "Hier glaubt keiner den Versprechungen der Regierung", sagt Ercan Ayboga, ein Wasserbauingenieur aus der kurdischen Metropole Diyarbakir.

Die türkische Regierung macht einem das aber auch nicht leicht. Für was für ein Projekt er da mit seinen Steuergeldern haftet, kann der österreichische Bürger nun in einem brisanten neuen Gutachten nachlesen. Eine internationale Expertenkomission hat sich im Auftrag auch Wiens umgeschaut bei Ilisu und Hasankeyf - und gelangt zu einem vernichtenden Urteil. "Der Bericht ist Sprengstoff", sagt Ulrich Eichelmann von der Organisation ECA-Watch. "Wenn sie ihre eigenen Experten ernstnehmen, dann müssten die Österreicher sofort aus dem Projekt aussteigen."

Als die Regierungen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz sich im März 2007 entschlossen, den Dammbau in Südostanatolien durch Exportgarantien abzusichern, da meldeten sie stolz, man habe das Projekt "entscheidend verbessert": Die Türken garantierten den Umzusiedelnden ein gutes Leben, der Umwelt moderne Kläranlagen und den altertümlichen Steinmonumenten einen "Kulturpark". Die drei Regierungen hatten ihre Zusagen an 153 Auflagen gebunden. Experten sollten die Einhaltung kontrollieren. Jetzt kommt raus: Praktisch nichts ist geschehen. Nicht nur ignoriert die Türkei fast alle Auflagen, die sie vertraglich schon 2007 hätte erfüllen sollte - sie verstößt mit Massenenteignungen bewusst gegen Abmachungen. Von der Einhaltung internationaler Standards, so das Fazit der Berichts, könne keine Rede sein. Die 256 Seiten sind eine bei aller Trockenheit manchmal fast tragikomische Lektüre. Wenn die Archäologiefachleute etwa beschreiben, wie sie hilflos durch Hasankeyf stapften, weil die Projektherren "nicht eine einzige" der angeforderten Karten oder Pläne beibringen konnte.

Kritischer Punkt

Am schärfsten geht der Bericht im Kapitel Umsiedelung mit dem Projekt - und den Exportkreditagenturen in Wien, Berlin und Bern - ins Gericht. Information und Konsultation der Bevölkerung? "Hat nicht wie gewünscht stattgefunden." Die Suche nach neuem Land für die Bauern? "Hat nicht begonnen." Die geplanten Kanäle für Beschwerden? "Wurden nicht geschaffen." Unverzichtbare Infrastruktur? "Existiert nicht." Fazit: Von 35 Umsiedelungsauflagen hat die Türkei nur neun "teilweise erfüllt". Frühere Berichte der Türkei an die Vertragspartner, stellten die Experten fest, seien "lediglich auf theoretischer Basis" entstanden, ohne jede "Umsetzung vor Ort" - eine diplomatische Umschreibung für: Man hat euch an der Nase herumgeführt. Die Regierungen versuchen abzuwiegeln, in der Osterwoche reisten die Vertragspartner nochmals nach Ankara, um von den Türken Nachbesserungen zu verlangen. Man sei "an einem kritischen Punkt" angekommen, sagte Rudolf Scholten von der Österreichischen Kontrollbank. Während die Kritiker ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt sehen, wollen die Regierungen sich bis April Zeit lassen mit einer neuerlichen Entscheidung.

Und Hasankeyf, die Einmalige? Das Bau-Konsortium preist in einem originellen Schwenker gerade die Flutung der Stadt als ihre Rettung. "Heute sind die archäologisch wertvollen Monumente großteils in desolatem Zustand", heißt es auf der Konsortiums-Webseite. Die Lösung? Ein "Archäologie-Park" und "Tourismus-Magnet": Die 900 Jahre alte Brückenruine, das Minarett - das alles soll nach oben auf den Berg verpflanzt werden. Besonders schön: die "Lage am See". Zu diesem Kulturpark merkt der Expertenbericht fassungslos an, es gebe bislang nicht einmal eine Studie, ob eine Versetzung nicht die Zerstörung der fragilen Bauwerke bedeute. Die Baufirmen stört das nicht. Sie waren schon im Ort und brachten Bürgermeister Abdülvahap Kusen Prospekte mit: Darauf waren in Fotomontagen Jetski und Windsurfer zu sehen, auch von Tauch-Tourismus zu den untergegangenen Höhlen schwärmten die Vertreter. "Was sollen wir mit Surfbrettern?", sagt Bürgermeister Kusen. "Wir haben nicht einmal genug Brot."

Im Februar zogen die Menschen von Hasankeyf und Ilisu vor die österreichische Botschaft in Ankara und verlangten symbolisch Asyl. "Wenn ihr unsere Heimat zerstört, dann kommen wir zu euch", sagt der Bürgermeister. Von Konsortiumsseite ist immer wieder zu hören, die Betroffenen sollten froh sein, dass die Europäer mitbauten "mit ihren sehr hohen Standards beim Schutz der Menschenrechte, der Umwelt und dem Kulturerbe" (so der Handelsdelegierte Richard Bandera von der öster. Botschaft in Ankara). Sonst, so das Argument, "machen es die Chinesen". Bürgermeister Kusens Erwiderung: "Wenn du einen tötest, der wird so oder so begraben. Was Ihr Österreicher und Deutschen sagt, das heißt nichts anderes als: 'Wir schminken eure Leiche noch recht schön, bevor wir euch beisetzen.'"


Hinweis: Der Film von Christoph Walder über Ilisu "Und macht Euch die Erde untertan" wird am Do, 3. 4., um 20 Uhr im Votivkino präsentiert.


Geschrieben von: Spider Monday, 31.03.2008, 15:41
Der letzte Beitrag ist natürlich aus 2008! rolleyes.gif

Geschrieben von: Spider Monday, 31.03.2008, 15:44
Unter der Adresse www.ilisu-wasserkraftwerk.com/page.php?modul=HTMLPages&pid=67
findet sich ein Bericht vom 4. Februar 2008, auf den die letzten Meldungen offenbar zurückgehen.

Geschrieben von: Muse Thursday, 1.05.2008, 17:41
Ilisu-Staudamm-Projekt möglicherweise vor Aus

Frist Ende April abgelaufen - Exportkreditversicherer Österreichs, der Schweiz, Deutschlands prüfen Einhaltung der Auflagen durch türkische Behörden

Bern/Wien - Der Ilisu-Staudamm, eines der umstrittenen Energie-Projekte der Türkei, ist in einer kritischen Phase. Derzeit prüfen Österreich, die Schweiz und Deutschland, ob die Türkei Auflagen wie eine sozialverträgliche Umsiedlung tausender Menschen einhält. Insgesamt geht es um rund 150 Auflagen an die Behörden.

Die Türkei musste bis Ende April nachweisen, dass sie bei den Auflagen mehr Dampf macht. Anfang März hatte ein Expertenbericht festgestellt, dass das Staudammprojekt am Tigris nahe der Grenze zu Syrien und dem Irak die internationalen Standards für Umwelt, Umsiedlungen und Kulturgüter nicht einhält.

In den kommenden Wochen werden die Exportkreditversicherer der drei Länder, darunter die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) und die Schweizerische Exportrisikoversicherung (SERV), mit Experten prüfen, ob die türkischen Behörden die Auflagen nun einhalten, sagte Eric Scheidegger, Leiter der Direktion Standortförderung beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) der Nachrichtenagentur SDA am Donnerstag.

weiter:
derstandard.at/?id=3322412

Geschrieben von: KARL Saturday, 26.07.2008, 11:28
www.archaeologie-online.de/index.php?id=...C=ba7f7e7e&jumpurl=7


www.archaeologie-online.de/links/detail/16453.php

->>> www.stopilisu.com/front_content.php

Geschrieben von: KARL Wednesday, 8.10.2008, 16:15
www.orf.at/ticker/304473.html

QUOTE
Ilisu-Staudamm: Kontrollbanken drohen mit Ausstieg

Die Türkei hat beim umstrittenen geplanten Riesenstaudamm Ilisu noch 60 Tage Zeit, um die an das Projekt geknüpften Auflagen zu erfüllen.

Ansonsten drohen die Exportkreditagenturen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz mit dem Ausstieg aus der Finanzierung. Als ersten Schritt in diese Richtung schickten sie eine "Umweltverzugsanzeige" nach Ankara.

Eine Sprecherin des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sagte heute zur Nachrichtenagentur AFP, dass die Türkei nun zwei Monate Zeit habe, um nachzubessern. Sollte bis dahin nichts geschehen sein, "kann der Ausstieg vollzogen werden", so die Sprecherin.

"Einiges an Verbesserungsbedarf"
Der nun stattfindende Prozess solle dem Projekt den nötigen Druck machen, sagte hingegen Peter Gumpinger, Sprecher der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB), zur APA. "Es ist noch einiges an Verbesserungsbedarf da."

Die Maßnahme sei kein "Einstieg in den Ausstieg", denn "wenn die Türkei zeigt, dass sie die Maßnahmen erfüllen kann, kann die Umweltverzugsanzeige wieder rückgängig gemacht werden".

ECA-Watch: Internationale Standards ignoriert
Die Nichtregierungsorganisation ECA-Watch, die das Projekt von Anfang an stark kritisierte, sieht die Umweltverzugsanzeige als Aktivierung der Ausstiegsklausel. Der Ausstieg könnte nun am 6. Dezember vollzogen werden, hieß es in einer Aussendung von ECA-Watch.

Die Ausstiegsandrohung sei deshalb notwendig geworden, weil unabhängige Experten nachgewiesen hatten, dass die Türkei sich nicht an Auflagen halte und internationale Standards ignoriere, so die NGO.


Geschrieben von: KARL Friday, 12.12.2008, 20:20
Der geplante Ilisu-Staudamm war dieser Tage wieder Thema in den Medien. Filmaufnahmen zeigten, dass offenbar bereits Bauvorbereitungen laufen.

Heute auf www.orf.at/ticker/311331.html :
QUOTE

Ilisu-Staudamm: Entscheidung über Finanzierung verschoben

Die Exportkreditagenturen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz nehmen sich noch Zeit für ihre Entscheidung über die Finanzierung des in der Türkei geplanten Ilisu-Staudammes.

Die türkischen Behörden hätten bis inklusive heute Zeit gehabt, Informationen über die Erfüllung der Bedingungen zu liefern, heißt es [in] einer gemeinsamen Aussendung von Oesterreichischer Kontrollbank (OeKB), Euler-Hermes und Serv von heute Abend.

Die von der Türkei gelieferten Daten sollen nun von den drei Agenturen "in Zusammenarbeit mit unabhängigen Expertinnen und Experten gesichtet und bewertet" werden. "Sobald eine gemeinsame Einschätzung der Lage vorliegt", sollen das Ergebnis und die weitere Vorgangsweise bekanntgegeben werden. Der in den Verträgen fixierte mehrstufige Mechanismus "sieht zum jetzigen Zeitpunkt keinen sofortigen Ausstieg vor", so die Aussendung.

Die drei Exportkreditagenturen machen ihre Garantien für Kredite davon abhängig, ob gut hundert Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und Kulturgütern sowie der Menschen bei einer Umsiedlung eingehalten werden.


Geschrieben von: Muse Monday, 22.12.2008, 17:47
Ilisu-Staudamm: Deutschland kappt Kreditverträge

Deutschland hat die Kreditbürgschaften für den geplanten Ilisu-Staudamm in der Türkei vorerst gestoppt. Die Verträge seien suspendiert worden, teilte ein Sprecher des deutschen Entwicklungsministeriums heute in Berlin mit.

Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der "Frankfurter Rundschau". Die türkische Regierung bekomme nun eine letzte Frist von 180 Tagen, um die Umweltauflagen für das umstrittene Bauprojekt im Südosten des Landes zu erfüllen.

Das Vorgehen der Deutschen wurde vom Sprecher der Oesterreichischen Kontrollbank, Peter Gumpinger, nicht kommentiert. Der nächste Schritt müsse von allen drei Exportkreditagenturen gemeinsam getroffen werden, betonte der Sprecher am Montag auf APA-Anfrage.

orf.at/ticker/312327.html

Geschrieben von: KARL Tuesday, 23.12.2008, 12:00
www.orf.at/ticker/312414.html
und
orf.at/081222-33117/index.html

Türkei verärgert Partner
"Todesstoß" für den Staudamm?

...

Geschrieben von: Jupiterl Tuesday, 23.12.2008, 14:47
Da muß sogar ich als alter Wasserkraftwerks-Bauer sagen: So geht's nicht: Zuerst schönes Papier produzieren (Siehe Ilisu-Homepage, da ist auch ein Kapitel "archäologie drin) und dann nichts davon einhalten. Schade !

Geschrieben von: KARL Wednesday, 18.03.2009, 09:48
www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/im-euphrat-verschwunden/




[js, arch-de-Liste]

Geschrieben von: Ariadne Sunday, 24.05.2009, 20:52
Folgende Mail mit Hinweis auf eine Petition zur Unterschutzstellung von Hasankeyf und des Tigristals habe ich heute bekommen:

Subject: UNESCO Weltkulturerbe

Gute Sache - bitte unterschreiben!
Liebe Grüße,
Peter


Dear friends!

There is a petition online for declaring to agree with Hasankeyf becoming an UNESCO World Heritage Site. I can totally agree since it fullfills 9 out of 10 world heritage criteria. For comparison the pyramids in Egypt fullfill 4, Salzburg city centre 3 and Venezia wth its lagoons 6.
You can sign here if you agree:
hasankeyfesadakat.kesfetmekicinbak.com/

One more thing, I´ve seen Greg Craven live in Vienna a few days ago, he explains climate destabilization with easy understandable risk management.
You can find his part on my blog: www.ecobiketrip.net/Roadblog/ or on YouTube. Very good solutions offers www.350.org

Regards in Action
Johannes

Geschrieben von: KARL Thursday, 28.05.2009, 10:49
QUOTE
Protest eines kämpferischen Popstars
Am 6. Juli müssen sich die Regierungen in Wien, Berlin und Bern entscheiden, ob sie das umstrittene Ilisu-Staudammprojekt in der Türkei unterstützen wollen. Im Dezember wurden die Kreditbürgschaften ausgesetzt, weil die Auflagen nicht ausreichend erfüllt waren. Betreiber und Gegner mobilisieren nun vor dem entscheidenden Tag. Die Kritiker werden von dem türkischen Popstar Tarkan prominent unterstützt. Er sieht sich als "Kämpfer für die Natur" und will sich bei Bedarf auch "Präsidenten und Regierungen entgegenstellen".


www.orf.at/090527-38735/index.html
und
www.orf.at/090527-38735/38736txt_story.html

Geschrieben von: KARL Thursday, 4.06.2009, 13:16
Aussendung DArV, I. Hitzl, Di, 26.05.2009, 19:36


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Interessierte,

wie viele von Ihnen sicher wissen, steht der umstrittene Ilisu-Staudamm
in der Südosttürkei, durch dessen Bau wertvolle Ökosysteme, älteste
Kulturlandschaften sowie archäologische Fundstätten vernichtet und viele
Tausend Menschen vertrieben werden würden, auf der Kippe: Bis zum 6.
Juli werden die beteiligten Europäischen Staaten (D, AT, CH) endgültig
über einen Ausstieg aus dem Projekt entscheiden.
In dem Zusammenhang möchten wir Sie auch auf den Dokumentarfilm "Und
macht euch die Erde untertan" hinweisen, der den Staudammbau
thematisiert. Eine DVD ist erhältlich bei

www.m-h-s.org


Wir haben noch knappe zwei Monate Zeit, um diese Entscheidung zu
beeinflussen! Bis jetzt waren unsere Proteste erfolgreich! Jeder kann
etwas tun, um Hasankeyf und das Tigristal, die Wiege unserer morgen- und
abendländischen Kultur zu retten und den Menschen dort eine bessere
Zukunft in ihrer Heimat zu sichern!

Bitte unterschreiben Sie unsere Petition: UNESCO Weltkultur- und
Naturerbe für Hasankeyf und das Tigristal! Hier:

www.stopilisu.com


Eine Überprüfung durch Wissenschaftler hat ergeben, dass Hasankeyf und
das Tigristal eine der wertvollsten Kultur- und Naturlandschaften der
Welt sind. Danach erfüllt das Gebiet neun von zehn möglichen Kriterien
der Vereinten Nationen. Zum Vergleich: Venedig mit seinen Lagunen
erfüllt sechs, die Pyramiden in Ägypten vier, die Salzburger Innenstadt
drei, das Dresdner Elbetal vier Kriterien und die Altstadt von Bern ein
Kriterium.

Die Petition wurde kürzlich auf der Web-Seite des türkischen Magazins Atlas
veröffentlicht. Seitdem haben dort mehr als 7000 Menschen unterschrieben,
darunter auch zahlreiche Prominente wie etwa Tarkan, Fatih Akin, Prof. Dr.
Michael Succow, Monika Griefahn und Prof Dr. Bernd Lötsch.

Sollten die Europäer im Juli tatsächlich ihre Beteiligungen am
Ilisu-Staudamm widerrufen, so wird unsere Stiftung auch weiterhin die
türkische Kampagne stärken, bis das Projekt "Ilisu" hoffentlich für immer
begraben ist. Die Vision eines Welterbes kann Wirklichkeit werden und würde
der Region eine echte Chance auf Entwicklung geben.

Vielen Dank für Ihr Mitwirken! Bitte verbreiten Sie diese Mail!

Anbei eine Einladung zu unserem "Ilisu-Gipfel" am 28. Mai in Berlin.
Weitere Informationen unter www.stopilisu.com .

Herzliche Grüße / With best regards

i.A. Beate Wiemers

Manfred-Hermsen-Stiftung
für Natur und Umwelt
Goebenstr. 1
28209 Bremen
Tel. +49 (0)421-346622-9
Fax: +49 (0)421-346622-8
Mail: stefanie.hermsen|AT|m-h-s.org
Homepage: www.m-h-s.org < www.m-h-s.org/ >



Nachträglich auch die Einladung zum "Ilisu-Gipfel".
Hoffentlich sind viele nicht nur wegen Tarkan dort hin gegangen. smile.gif

Geschrieben von: Jupiterl Thursday, 4.06.2009, 15:22
Siehe auch:

steiermark.orf.at/stories/366418/

Geschrieben von: KARL Saturday, 20.06.2009, 09:30
Auf derstandard.at/1244461032611/Tuerkei-Ili...nziell-ausgetrocknet liest man (19. Juni 2009, 17:42):

QUOTE
Ilisu-Staudamm finanziell ausgetrocknet

In Deutschland dürfte die Entscheidung gefallen sein: Exportkreditversicherer Euler-Hermes will für die Finanzierung nicht garantieren. Die OeKB müsste mitziehen


...


Türkei will trotzdem bauen



[...]

Geschrieben von: KARL Monday, 6.07.2009, 09:10
www.orf.at/ticker/333518.html

QUOTE
Ilisu-Staudamm: Lostag für Finanzierung

Heute ist Lostag für die Finanzierung des umstrittenen Ilisu-Staudammes in Südostanatolien. Bis Mitternacht hat die Türkei Zeit, die mehr als 150 Auflagen der Exportkreditversicherer Österreichs (Kontrollbank), Deutschlands (Euler-Hermes) und der Schweiz (Serv) zu erfüllen.

Die Staudammgegner von ECA-Watch rechnen damit, dass die Europäer aus dem Projekt aussteigen werden. Sie berufen sich dabei auf deutsche und österreichische Quellen. Bei der Kontrollbank heißt es dazu, dass es derzeit keine Entscheidung gebe und diese frühestens morgen kommuniziert werde. Die Türkei rechnet weiter mit den Bürgschaften.

Türkei will auf jeden Fall bauen
Die Auflagen seien zum Großteil erfüllt, berichtete die türkische Tageszeitung "Milliyet" vor kurzem. Sollte es zu einem Ausstieg der Europäer kommen, möchte die Türkei dennoch mit dem Bau fortfahren.

Die Arbeit an dem Milliardenprojekt könnte bereits nächste Woche wieder aufgenommen werden, sagte der türkische Umweltminister Veysel Eroglu kürzlich. Für den österreichischen Turbinenhersteller Andritz geht es bei dem Projekt um einen 235-Mio.-Euro-Auftrag.

Geschrieben von: KARL Tuesday, 7.07.2009, 11:46
www.orf.at/090707-40177/index.html

QUOTE
Zukunft des Projekts unklar
Das monatelange Gezerre um die Kreditsicherungen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz für das umstrittene Staudammprojekt Ilisu in der Türkei hat ein Ende: Die Finanzierung wird zurückgezogen. Die mehr als 150 Auflagen im Bereich Umwelt, Kulturgüter und Umsiedlung konnten "trotz Verbesserungen" nicht erfüllt werden, teilten die Exportkreditversicherer mit. Wie es mit dem Projekt jetzt weitergeht, ist unklar. Die türkische Regierung will den Damm jedenfalls auch ohne europäische Unterstützung bauen.


-> www.orf.at/090707-40177/40178txt_story.html

Geschrieben von: KARL Tuesday, 7.07.2009, 16:38
derstandard.at/r1229974958983/Ilisu

Geschrieben von: Jahelle Tuesday, 16.02.2010, 15:12
Zeitung: Baubeginn für umstrittenen Ilisu-Damm in Türkei

Die Türkei will laut einem Pressebericht im April mit den Bauarbeiten für das umstrittene Staudammprojekt Ilisu im Südosten des Landes beginnen. Eine vor kurzem gefällte Gerichtsentscheidung zum Stopp der Vorbereitungen für die Umsiedlung der Stadt Hasankeyf stelle kein Hindernis für den Beginn der Arbeiten dar, zitierte die Zeitung "Sabah" heute Vertreter des türkischen Wasserbauamtes DSI.

Deutschland, Österreich und die Schweiz hatten sich im vergangenen Jahr aus dem Milliardenprojekt zurückgezogen.

Streit über Auflagen: Partner sprangen ab
Mit dem Damm am Tigris will Ankara zum wirtschaftlichen Aufschwung im armen Südostanatolien beitragen. Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollten den Damm im Auftrag des DSI errichten.

Die Kreditversicherer aus den drei Ländern hatten ihre Unterstützung für das Projekt jedoch an strenge Auflagen für den Schutz von Umwelt und Kulturgütern sowie zur Umsiedlung von mehr als 50.000 Menschen geknüpft. Im Juli 2009 stoppten die Regierungen der drei Länder ihre Kreditbürgschaften, weil die Türkei die Auflagen nicht erfüllt hatte.

Die türkische Regierung will das Projekt deshalb nun alleine vorantreiben; ein neues Finanzierungskonzept für den 1,1 Mrd. Euro teuren Damm soll laut Presseberichten in diesen Tagen vorgestellt werden. Der Stausee wird den Plänen zufolge unter anderem die uralte Stadt Hasankeyf überschwemmen.

quelle: www.orf.at/ticker/358434.html

Geschrieben von: lector Friday, 2.04.2010, 09:27
www.orf.at/ticker/363693.html

QUOTE
Türkische Wissenschaftler gegen Ilisu-Staudamm

Wissenschaftler der Istanbuler Bosporus-Universität haben die türkische Regierung aufgefordert, auf den Bau des umstrittenen Großstaudamms Ilisu zu verzichten. Die wertvolle Natur im Tigristal und historische Stätten von Weltrang entlang dem Ufer dürften nicht von einem Stausee überflutet werden, mahnten insgesamt 111 Wissenschaftler in einem Brief, über den die Tageszeitung "Radikal" heute berichtete.

Die türkische Regierung hält am Bau des Damms fest, obwohl Deutschland, Österreich und die Schweiz Bürgschaften für das Projekt gekündigt haben. Ankara hat erklärt, neue Geldgeber gefunden zu haben. Deutschland, Österreich und die Schweiz hatten Kreditbürgschaften im Juli 2009 gestoppt, weil Umweltauflagen verletzt und Kulturgüter am Ufer des Tigris in Gefahr seien.

Gegen das Bauprojekt, das auch die archäologisch bedeutende Stadt Hasankeyf bedroht, hatte es im In- und Ausland Proteste gegeben. Die türkische Regierung möchte mit dem Staudamm nicht nur Energie gewinnen, sondern verspricht auch bessere Bewässerungsmöglichkeiten für die Landwirtschaft.




Geschrieben von: Jupiterl Saturday, 24.04.2010, 11:41
Das Ilisu-Projekt soll, nachdem die Kontrollbanken von D-A-CH "ausgestiegen" sind, Türkei-intern finanziert werden. Dabei spielt die Familie Sabanci eine wesentliche Rolle. Bitte sich dazu folgende Verbund-Meldung langsam auf der Zunge zergehen lassen:

www.verbund.at/cps/rde/xchg/internet/hs.xsl/354_10693.htm

Geschrieben von: Jupiterl Monday, 17.05.2010, 11:48
Weitere Unternehmen aus Ilisu-Projekt ausgestiegen


Der steirische Anlagenbauer Andritz hält laut einem Zeitungsbericht als einziges europäisches Unternehmen am Bau des stark umstrittenen Ilisu-Staudamms in der Türkei fest.

Nachdem im Sommer 2009 die Exportkreditversicherer Österreichs, Deutschlands und der Schweiz aus dem Projekt ausgestiegen sind, bekommen nun auch die Bauriesen kalte Füße. Wie der "Standard" (Montag-Ausgabe) und die Staudammgegner von ECA Watch unter Berufung auf einen aktuellen Bericht des tschechischen Generalkonsuls der Türkei berichten, springen sowohl Alstom als auch die STRABAG-Tochter Züblin ab.

Nach dem Bericht über Projekte in der Türkei übernimmt Andritz die Aufträge des französischen Industriekonzerns Alstom, der Teile der elektromechanischen Ausrüstung inklusive der Schaltanlagen liefern hätte sollen. Es sei dabei um eine stattliche Auftragssumme gegangen, und die Entscheidung gegen Ilisu sei schwergefallen, so Gabriele Eder, Konzernsprecherin in Österreich, gegenüber dem "Standard".

Andritz wollte die Übernahme der Alstom-Aufträge auf APA-Anfrage nicht bestätigen. Für den Grazer Anlagenbauer geht es bei dem Projekt um einen 235-Millionen-Euro-Auftrag. Man wolle Ilisu und bleibe dran, auch wenn es sich zeitlich nicht mehr einschätzen lasse, hieß es von den Steirern gegenüber dem "Standard" .

www.orf.at/ticker/368699.html

Geschrieben von: lector Tuesday, 15.06.2010, 08:17
Text: www.apa.at/site/Startseite_Toechter/Fina...asserkraftwerk_Ilisu

Andritz liefert Ausrüstung für türkisches Wasserkraftwerk Ilisu

Wien (APA) - Der börsenotierte österreichische Anlagenbauer Andritz wird für das umstrittene Wasserkraftwerk Ilisu in der Osttürkei elektromechanische Ausrüstung im Wert von rund 340 Mio. Euro liefern. Andritz Hydro wird im Laufe von sieben Jahren sechs Francis-Turbinen mit je 200 MW Leistung, sechs Generatoren, Zusatzausrüstungen sowie technische Leistungen liefern.

Das gesamte Projekt beim Bau von Ilisu habe ein Volumen von 1,1 Mrd. Euro wobei die türkische Firma Nurol federführend tätig sei. Zum Lieferkonsortium gehören "weitere europäische und türkische Firmen", heißt es in der Aussendung.

Das Projekt ist seit seiner Ankündigung im Jahr 1997 umstritten. Umweltgruppen und NGOs kritisieren einerseits den Eingriff in das Ökosystem der Region, andererseits, dass tausende Menschen umgesiedelt werden müssen und dass die historische Stadt Hasankeyf untergehen wird.


Wunderbar.

Geschrieben von: Jahelle Tuesday, 15.06.2010, 12:41
und leider auch schon im orf:

steiermark.orf.at/stories/449816/

Andritz liefert Ausrüstung in die Türkei
Die Andritz AG wird für das umstrittene Wasserkraftwerk Ilisu in der Osttürkei elektromechanische Ausrüstung im Wert von rund 340 Mio. Euro liefern. Sechs Turbinen, Generatoren und Zusatzausrüstung kommen vom steirischen Unternehmen.

Es seien nun "nach der zwischenzeitlichen Suspendierung der Lieferverträge sämtliche Voraussetzungen für die Wiederaufnahme geschaffen", teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Der Auftrag könne voraussichtlich noch vor Ende Juni verbucht werden.

Andritz Hydro wird im Laufe von sieben Jahren sechs Turbinen, sechs Generatoren, Zusatzausrüstungen und Engineering-Leistungen liefern. Das gesamte Projekt beim Bau von Ilisu habe ein Volumen von 1,1 Mrd. Euro, wobei eine türkische Firma federführend tätig sei. Zum Lieferkonsortium gehören "weitere europäische und türkische Firmen".

Das Projekt ist seit seiner Ankündigung im Jahr 1997 umstritten. Umweltgruppen kritisieren einerseits den Eingriff in das Ökosystem der Region, andererseits, dass Tausende Menschen umgesiedelt werden müssen und dass die historische Stadt Hasankeyf untergehen wird.

Durch die Verwirklichung des Projekts soll ab 2015 Strom für zwei Millionen Haushalte erzeugt werden. Die türkische Regierung habe zugesagt, dass sie Umweltschutz sowie soziale und kulturelle Aspekte berücksichtigen werde, betont Andritz.

Andritz verweist auch darauf, dass durch das Kraftwerk die Infrastruktur für die lokale Bevölkerung verbessert werde. Für drei Städte sollen moderne Kläranlagen gebaut werden, die Trinkwasserversorgung werde verbessert, Brücken und Straßen gebaut. Insgesamt sollen rund 4.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Geschrieben von: Jupiterl Thursday, 24.06.2010, 19:49
Als Nachtrag noch die Andritz-Homepage:

15.06.2010

ANDRITZ to supply electromechanical equipment for Ilisu hydropower station, Turkey


International technology Group ANDRITZ will supply electromechanical equipment with a total value of approximately 340 MEUR as part of the construction of the Ilisu hydropower station in Turkey.

Following the temporary suspension of the supply contracts, all contractual requirements for their resumption have now been met; thus, ANDRITZ will book the order presumably in the second quarter of 2010.


ANDRITZ HYDRO’s scope of supply includes six Francis turbines each with an output of 200 MW, six generators, additional equipment, as well as engineering services. The delivery time is seven years in total. ANDRITZ HYDRO is part of the delivery consortium led by the Turkish construction company Nurol and which includes also other European and Turkish companies. Total costs of the project amount to approximately 1.1 billion Euros.


As a result of its rapid economic growth and the accompanying sharp rise in electricity demand, the expansion of hydropower is important for Turkey. Ilisu will supply eco-friendly electricity for two million households as from 2015. The Turkish government will not only comply with the extensive legal requirements, but has also officially stated that it will abide unchanged by the planned accompanying measures relating to environmental protection and to social and cultural aspects. The infrastructure for the local population will also see considerable improvement. Together with erection of the hydropower plant, modern wastewater treatment plants will be built for three cities (among them Diyarbakir with a population of around 800,000), the drinking water supply will be enhanced, and bridges and roads will be built. Thus, a total of around 4,000 new jobs will be created.


– End –

www.andritz.com/ANONID28E5EB8659DB8A23/n...htm?id=60007&count=1

Jupiterl, als ehemaliger Teil-Kollege (früher ELIN, dann VA-Tech) hat den Eindruck, daß der Auftrag sehr wichtig war, in letzter Zeit "ging" nicht sehr viel in der Hydro-Sparte.

Geschrieben von: KARL Thursday, 1.07.2010, 16:39
Was indes geopfert wird und in Kauf genommen, nur um einer Firma zu nützen ...


Und jetzt: politischer Gegenwind aus dem arabischen Raum: www.orf.at/ticker/374184.html

Irak protestiert gegen türkisches Ilisu-Staudammprojekt

Die irakische Regierung hat energisch gegen den Bau des umstrittenen Tigris-Staudamms Ilisu in der Türkei protestiert. In einer Botschaft an die arabischen Minister für Bewässerung, die heute am Sitz der Arabischen Liga in Kairo zusammenkamen, hieß es, erst habe die Türkei dem Irak durch den Bau eines großen Staudamms am Euphrat geschadet. Falls die Türkei den Ilisu-Staudamm wie geplant fertigstellen sollte, drohe das Gleiche demnächst am Unterlauf des Tigris.

Die Türkei habe sich mit Syrien über die Verteilung des Tigris-Wassers geeinigt. Die Interessen des Irak seien dabei geflissentlich übersehen worden. Die irakische Regierung bat die arabischen Staaten darum, auf die Türkei einzuwirken. Sie sollten "möglichst schnell eingreifen, damit der Irak seine Wasserrechte nicht verliert".


Geschrieben von: Ariadne Wednesday, 12.01.2011, 23:38
www.dogadernegi.org/

Geschrieben von: Ariadne Friday, 25.03.2011, 20:40
Nach wie vor Proteste:
www.hurriyetdailynews.com/n.php?n=fight-...continues-2011-03-23

archaeologieforum.at war super, aber archäologieforum.org gräbt tiefer!
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26 Jul 2014 18:58 #3 von Carolus
Lange habe ich nichts von dem Ilisu-Projekt gehört, jetzt scheint der Bau bereits voranzuschreiten.



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www.spiegel.de/politik/ausland/ilisu-sta...wemmen-a-953465.html (16.02.2014)


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Nichts Aktuelles auf www.stopilisu.com

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27 Jul 2014 10:14 #4 von Jupiterl
Da gibt's ohnehin einen Ilisu-thread, zuletzt Jan. 2013!
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27 Jul 2014 11:35 #5 von Carolus
Danke Jupiterl - wusste ich eh, hatte aber versehentlich das schon im Thread gewesene Posting wieder bei der Umbenennung "separiert" (und meinen Eingriff anschließend nicht überprüft ...) - shame on the administrator ;)

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21 Feb 2019 10:55 - 21 Feb 2019 11:01 #6 von Jupiterl
Aktivisten gegen Flutung uralter türkischer Stadt

Eine 12.000 Jahre alte Kulturstätte im antiken Mesopotamien soll in einem neuen Stausee versinken. Türkische Aktivisten und Aktivistinnen sowie Intellektuelle wollen das verhindern. Sie hoffen im Fall Hasankeyf auf eine Entscheidung am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) heute in Straßburg.

Die uralte Stadt am Tigris in der osttürkischen Provinz Batman soll überflutet werden, sobald der Ilisu-Damm fertiggestellt ist. Die Kläger argumentieren unter anderem, dass mit dem Verschwinden der Stadt mit ihren Artefakten aus vielen Zivilisationen das Menschenrecht auf Bildung der kommenden Generationen verletzt werde, und fordern den Stopp der Bauarbeiten.

Weiteres:
orf.at/#/stories/3112311/

Jupiterl kann sich einer Kritik nicht enthalten: Warum übersteigt die Arbeitsgeschwindigkeit bei technischen Großprojekten jene der Juristen mitunter um Zehnerpotenzen? In Ö haben sie auch 20 Jahre gestritten und 2 Jahre gebaut.
Letzte Änderung: 21 Feb 2019 11:01 von Jupiterl.
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21 Feb 2019 13:14 #7 von Jupiterl
EGMR lässt Flutung von türkischer Kulturstätte zu

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) stellt sich der Überflutung der 12.000 Jahre alten Kulturstätte Hasankeyf in der Türkei nicht in den Weg. Die Straßburger Richter wiesen heute eine Beschwerde von Vorkämpfern der Rettung der Stätte im antiken Mesopotamien als unzulässig zurück.

Die Kläger und Klägerinnen hatten die Einstellung des Baus des Ilisu-Staudamms in der osttürkischen Provinz Batman gefordert. Sobald der Damm am Tigris fertig ist, soll die Kulturstätte Hasankeyf geflutet werden. Dagegen führten die Beschwerdeführer unter anderem ins Feld, dass mit dem Verschwinden der Stadt und ihren Artefakten das Menschenrecht auf Bildung der kommenden Generationen verletzt werde.

Das Straßburger Gericht folgte der Argumentation der Aktivisten und Aktivistinnen nicht. Aus den Bestimmungen der Europäischen Menschenrechtskonvention lasse sich kein individuelles Recht auf Schutz einzelner Kulturdenkmäler ableiten, heißt es in der Entscheidung.

orf.at/#/stories/3112341/
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24 Feb 2019 12:11 #8 von Jupiterl
Im Sommer flutet die Türkei eine antike Stadtfestung
PHILIPP MATTHEIS AUS ISTANBUL
24. Februar 2019, 10:00

Umsiedlung tausender Menschen und Flutung historischer Stadt sind genehmigt.

Ein österreichischer Konzern profitiert Die Bilder der kleinen Stadt Hasankeyf mit dem filigranen Minarett, der antiken Festung und zwei aus dem zwölften Jahrhundert stammenden Brückenpfeilern sind mittlerweile weltbekannt. Auch das ist eine Folge des jahrzehntelangen Kampfs um das Staudammprojekt llisu im Südosten der Türkei. Nun hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Klage von Architekten und Umweltschützern abgewiesen.

Die Kläger hatten als Begründung angeführt, dass durch die Flutung das Menschenrecht kommender Generationen auf Bildung verletzt werde. Die Straßburger Richter entgegneten, dass sich daraus kein Recht Einzelner auf Schutz bestimmter Kulturdenkmäler ableiten lasse. -

Weiteres:
derstandard.at/2000098469717/Im-Sommer-flutet-die-Tuerkei-eine-antike-Stadtfestung
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25 Feb 2019 14:15 #9 von Karl
Es ist ein Jammer ...

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20 Okt 2019 10:20 #10 von Jupiterl
Ilisu-Staudamm: Ein Welterbe versinkt im Wasser
Ulrich Eichelmann 20. Oktober 2019, 09:00

Jahrzehntelang kämpften Naturschützer gegen den türkischen Ilisu-Staudamm am Tigris. Der Ökologe Ulrich Eichelmann war an vorderster Front. Protokoll eines Abschieds

Am 13. September war ich zum letzten Mal in Hasankeyf am Tigris, in Ilisu. Ich habe mich verabschiedet, von den Bewohnern, vom Fluss, von der Landschaft. Eines der bedeutendsten Gebiete der Menschheit wird untergehen, im Stausee des Ilisu-Staudamms.

Drei Wochen später kann ich all das kaum beschreiben. Es ist unfassbar, dass so etwas im 21. Jahrhundert passiert, mit all unserem Wissen, den internationalen Verbindungen, der globalen Sicht und Aufmerksamkeit. Ich engagiere mich seit 30 Jahren im Naturschutz, habe viel Zerstörung gesehen, aber das hier in Mesopotamien geht mir näher als alles davor.

Weiteres:
www.derstandard.at/story/2000110050915/i...e-versinkt-im-wasser
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