Kostbare römische Mosaiken bei Restaurierung verpfuscht

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11 Mai 2015 10:03 #1 von Jupiterl
Kostbare römische Mosaiken bei Restaurierung verpfuscht
ANSICHTSSACHE
11. Mai 2015, 00:51

Die Restaurierung und Umbettung von mindestens zehn römischen und frühchristlichen Mosaiken innerhalb eines der bedeutendsten Mosaik-Museen der Welt in der südtürkischen Stadt Antakya ist auf dramatische Weise daneben gegangen. Vorher (oben)-nachher (unten)-Vergleichsbilder zeigen, dass die kostbaren, teilweise weltberühmten Stücke auf dem Weg in neue Ausstellungsräume richtiggehend ruiniert worden sind: Vor der Versetzung galten die spätrömischen Bodenmosaiken aus dem 2. bis 6. Jahrhundert als außerordentlich farbenprächtig und ausdrucksstark. Nun zeigen sie sich völlig verändert, es wurden teilweise falsche Farben verwendet, an vielen Stellen fehlten überhaupt Steine. Das nunmehrige Erscheinungsbild hat kaum mehr etwas mit den ursprünglichen prachtvollen Kunstwerken gemein, wie der örtliche Mosaik-Experte Mehmet Daskapan kritisiert: "Sie sind Karikaturen ihrer selbst geworden."

Wie zahlreiche türkische Medien in der vergangenen Woche berichteten, soll nun eine Untersuchungskommission zusammentreten, um herauszufinden, was passiert war. Immerhin wurden alle laufenden Restaurierungen augenblicklich gestoppt. Ein Ministeriumssprecher versicherte, für die Arbeiten sei eigentlich eine renommierte Firma beauftragt worden. Ein Mitarbeiter des Unternehmens verteidigte das Ergebnis: Das bisherige Aussehen gehe großteils auf Restaurierungen eines französischen Teams in den 1930er-Jahren zurück, bei denen veraltete Methoden eingesetzt worden waren. Genau genommen sähen die Mosaiken nun den ursprünglichen Originalen viel ähnlicher als zuvor. Der Fall erinnert ein wenig an eine wohlmeinende wie amateurhafte "Restaurierung" einer Jesusdarstellung in der Kirche der spanischen Ortschaft Borja vor drei Jahren durch die 80-jährige Cecilia Giménez. Die Übermalung wurde weltweit bekannt, die Kirche ein Touristenmagnet, was die zunächst reichlich zerknirschte Giménez schließlich dazu veranlasste, eine Beteiligung an den Einnahmen aus den Eintrittsgeldern zu fordern, die die Kirche von Schaulustigen einkassierte.

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