Rohbericht zu Denkmalamt: Viel Kritik und 99 Empfehlungen

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23 Okt 2016 18:58 #1 von Jupiterl
Rohbericht zu Denkmalamt: Viel Kritik und 99 Empfehlungen
OLGA KRONSTEINER 23. Oktober 2016, 17:52

Kritikpunkte reichen von unprofessioneller Projektabwicklung bis zu fehlender Korruptionsprävention

Wien – Von September bis November 2015 nahm der Rechnungshof (RH) die Gebarung des Bundesdenkmalamts (BDA) unter die Lupe. Der Rohbericht – ein vertrauliches Dokument, das die Stellungnahmen der betroffenen Institutionen zu den Kritikpunkten noch nicht inkludiert, liegt dem STANDARD vor. Darin sind 99 Empfehlungen enthalten und die Prüfer kritisieren die teilweise unprofessionelle Projektabwicklung und fehlende Kontrolle bei Ausgaben. Insbesondere sei ein Datenbankprojekt aus dem Ruder gelaufen, die Kosten von zwei auf zehn Millionen Euro explodiert. Allein die für 2013 vorgesehene Fertigstellung dieses Denkmalinformationssystems (Demis) lässt auf sich warten.

"Die Zahlen und die Darstellung" zum Datenbankprojekt stimmen nicht, wehrte sich BDA-Präsidentin Barbara Neubauer im ORF-Gespräch. Auch deshalb, weil das BDA eine Dienststelle des Bundeskanzleramts (BKA) sei und sie hierzu "gar keinen Auftrag vergeben" hätte. Laut Prüfern hätten BDA und BKA in den Jahren 2009 bis 2015 22 Unternehmen beauftragt, wobei größtenteils keine Angebotsvergleiche eingeholt wurden. Ebenso seien keine zugehörigen Pflichtenhefte erarbeitet worden. Den Verzicht darauf "erachtete das BKA als Vorteil, weil dies Arbeitsressourcen spare".

Vereinheitlichung als Ziel
Das aus mehreren IT-Modulen bestehende Demis-Projekt zielt auf die Vereinheitlichung der Datenbestände und die Steigerung der Effizienz bei Arbeitsabläufen ab. Bei der Migration der Daten soll es mehrmals Probleme und Verzögerungen gegeben haben.

Auf STANDARD-Anfrage will Neubauer zu keinem der Kritikpunkte einen Kommentar abgeben. Auch nicht zum deutlichen Anstieg an Leiharbeitskräften und damit verbundener Kosten im Zeitraum von 2011 (vier Leihkräfte, 12.846 Euro) bis 2014 (18 Leihkräfte, 545.032 Euro). Hinzu kamen im Jahresschnitt 62 Werkverträge, die sich mit rund 442.000 Euro zu Buche schlugen. Aus RH-Sicht stelle dies "eine Umgehung der Personalbewirtschaftung über Planstellen" dar.

Weiteres:
derstandard.at/2000046370946/Rohbericht-zu-Denkmalamt-99-Empfehlungen-und-viel-Kritik
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25 Okt 2016 09:38 #2 von Karl
Denkmalinformationssystem DEMIS - an sich gewiss eine gute Sache. Dass so ein Datenbankprojekt leicht "aus dem Ruder laufen" kann, ist gut vorstellbar.

www.efit21.at/handlungsfelder/kunst-kult...rmationssystem-demis

Das neue IT-System erlaubt die semantische Zusammenführung, durchgängige Vernetzung, Erschließung und kontextualisierte Bereitstellung von internen und externen Wissensquellen. Die daraus resultierenden Veränderungen der Arbeitsabläufe schaffen ein neues Bewusstsein bei den MitarbeiterInnen des Bundesdenkmalamtes (BDA) und führen damit zu einer neuen Unternehmens- und Arbeitskultur.


aha.

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25 Okt 2016 14:58 #3 von Jupiterl
Danke, eine Meisterleistung an Selbstbeweihräucherung!

Ein EDV-Projekt ohne Pflichtenheft? Da sind ja die "Flughafenplanungen" a la Skylink / BER Vorbilder an Zielstrebigkeit. War übrigens so, dass infolge EU / Schengenvorschriften der Schwechater Skylink während des Baus um ein Geschoss umgeplant werden musste. Nicht nur auf "Unsere" schimpfen.

Aber Softwaredesign mit allen künstlerischen Freiheiten ist schon eine feine Sache. Keiner weiß was rauskommt!
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31 Okt 2016 08:16 #4 von Ray
Naja, das mag schon alles stimmen, aber ich halte es für bedenklich, dass hier der Rohbericht den Medien zugespielt und medial so diskutiert wird, als ob das schon alles fix und erwiesen wäre; ohne dass das BDA auch nur die Möglichkeit hatte, diesen Rohbericht zu kommentieren.
Ich bin bei Gott keiner, der das BDA um jeden Preis verteidigt, sondern (bekanntermaßen) einer der schärfsten inner- und außerfachlichen Kritiker des BDA. Aber ehe man hier das BDA eines Fehlverhaltens beschuldigt sollte man erst einmal abwarten, bis alle Fakten auf dem Tisch liegen. Dann kann man das kritisieren, was falsch gelaufen ist, und auch die Stelle kritisieren, an der es falsch gelaufen ist. Ob diese Stelle das BDA war, muss man aber erst einmal sehen.
Und inwieweit man Neubauer bzw. dem BDA einen Vorwurf daraus machen kann, dass es eventuell mit Leiharbeitskräften und Werkverträgen die "Personalbewirtschaftung über Planstellen" zu umgehen versucht, lässt sich schwer diskutieren: so personell unterversorgt wie das BDA ist, um seinen dauernd steigenden Pflichten nachzukommen, verstehe ich vollkommen, wenn das Amt hier versuchen muss, die bestehenden Lücken auf anderen Wegen als durch Planstellen, die es nicht bekommt, zu füllen. Schaut man sich z.B. an, wievele Arbeiten die Abteilung für Archäologie mit wie wenig Personal zu erfüllen hat, wundert man sich, wie das überhaupt noch funktionieren kann. Ob da die Kritik des Rechnungshofs beim BDA ansetzen sollte, das versucht das zur Erfüllung seiner Aufgaben notwendige Personal durch Leiharbeitskräfte und Werkverträge zu bekommen, oder nicht vielmehr bei jenem dem BDA übergeordneten Dienststellen, die nicht genug Planstellen schaffen, lässt sich wenigstens meiner Meinung nach stark diskutieren.

Liebe Grüße,

Ray

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31 Okt 2016 09:46 #5 von Jupiterl
Hast recht, Ray. Dass die untertägigen Denkmalpfleger krass unterbesetzt sind ist nicht wegzuleugnen. Und eine namhafte Paläolithikerin schilderte auch, wie schwer es war, eine ebenso namhafte Fundstelle unter Denkmalschutz zu bekommen, weil namhafte Exponenten des BDA der Ansicht waren, die Funde seien so tief, dass die Häuselbauer das eh nicht gefährden. Zeugt von wahnsinnigem Verständnis der obertägigen Denkmalschützer.

Auffällig war auch, dass die Meldung zunächst im ORF verbreitet wurde einschließlich Diskussion über personelle Konsequenzen und einige Tage brauchte, bis sie den Weg in die Printmedien fand. Hat da wer vielleich ein (persönliches) Interesse?

Und das ein Haufen Kunsthistoriker nicht unbedingt weiß, wie man EDV-Projekte abwickelt ist verständlich. Aber da sollte man halt von höherer Stelle entsprechende Experten bereitstellen. Die haben dann natürlich das Problem herauzufinden, was wirklich gebraucht ist. Gar nicht einfach, glaube mir. Auffällig auch, das an dem Projekt offenbar immer noch das Unterrichtsministerium federführend ist, wo doch das BDA seit "Gusi" nicht mehr dazugehört.
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31 Okt 2016 10:10 #6 von Ray
Ja eh, auffällig ist, wie das die Runde macht(e). Da gibt es definitiv bestimmte Interessengruppen, die etwas erreichen wollen. Die ganze Geschichte erscheint mir daher doch einigermaßen dubios; und inwieweit sich da jetzt eine ganze Reihe höherrangiger EntscheidungsträgerInnen an den Untersten in der Hackordnung "abzuputzen" versuchen auch wenigstens fragwürdig. Darum muss man meiner Meinung nach erstens auf den Endbericht warten und den dann zweitens auch mit der gebotenen Vorsicht lesen und auch entsprechend kritisch betrachten.
Das soll nicht heißen, dass, wenn das BDA in dem Fall tatsächlich vermeidbare Fehler gemacht hat, nicht durchaus Kritik angebracht ist. Dass dem BDA hin und wieder der eine oder andere "Fehler" unterläuft ist ja durchaus auch etwas, was auch ich immer wieder einmal kritisiere. Bedenkt man jedoch, wie überarbeitet die Leute im BDA sind, dann sind Fehler vorprogrammiert; und die Schuld ist nicht unbedingt bei den derzeitigen EntscheidungsträgerInnen im BDA zu suchen, sondern weit wahrscheinlicher bei jenen weit höherrangigen EntscheidungsträhgerInnen, die seit Jahrzehnten den Denkmalschutz finanziell aushungern und keine adäquaten Strukturen und Rahmenbedingungen dafür zur Verfügung stellen.

Liebe Grüße,

Ray

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