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Litauen, Tropenkrankheit im mittelalterlichen Europa

  • Ariadne
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13 Jun 2020 22:49 #1 von Ariadne
Tropenkrankheit im mittelalterlichen Europa

Die Pest erstreckte sich beinahe über ganz Europa, so dass der Fund eines Massengrabes aus dem 15. Jahrhundert in Litauen wenig überraschend war. Überraschend war jedoch die Entdeckung einer Frau, die zusätzlich an Frambösie litt – einer Krankheit, die eng mit der Syphilis verwandt ist und heute nur noch in tropischen Gebieten beobachtet wird.

Massengräber sind keine seltenen Zeugen der verheerenden Wirkung der Pest auf das mittelalterliche Europa. Etliche solcher Gräber sind durch historische Quellen gut dokumentiert, doch ihre genaue Position und die in ihnen beerdigten Menschen sind im Laufe der Zeit oft in Vergessenheit geraten. Wie in den meisten Fällen, stieß man während städtischer Bauarbeiten zufällig auf ein solches Gräberfeld im litauischen Vilnius.

Eine aktuelle, im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Studie berichtet über die Ergebnisse, der an den Toten durchgeführten DNA-Analysen und gelangt dabei zu wichtigen Erkenntnissen über die Geschichte der Syphilis in Europa.

"Historische Informationen zu diesem Grab gibt es keine, doch die Art der Bestattung, zusätzlich mit dem Ort außerhalb der mittelalterlichen Stadtgrenzen von Vilnius, deuteten auf die Pest oder eine ähnlich schwere Infektionskrankheit hin", sagt Rimantas Jankauskas, Professor für Medizin an der Universität Vilnius. „Um Klarheit zu erlangen, benötigten wir jedoch eine Bestätigung mithilfe von DNA-Analysen“.

Kirsten Bos, Gruppenleiterin für molekulare Paläopathologie am Max-Planck-Institut für Menschheitgeschichte (MPI-SHH) in Jena wird häufig für solche Analysen häufig von Archäologen und Archäologinnen kontaktiert. "Die Pest war keine ungewöhnliche Krankheit zu dieser Zeit und die Daten, die wir durch die DNA-Analyse erhalten, können uns helfen, Aussagen über ihre Verbreitung zu treffen", so Bos, Expertin für die Gewinnung von DNA historischer Krankheitserregern und Leiterin der Studie.

Karen Giffin, Doktorandin in Bos‘ Team analysierte die DNA der vermeintlichen Pestopfer und konnte den Erreger in den Zähnen von mehreren Individuen identifizieren. "Es gelang uns zwar, die Toten als Opfer der Pest zu identifizieren", so Giffin, "doch wir wollten prüfen, ob die von uns neu entwickelten Technologien zur molekularen Erkennung von Pathogenen, es uns ermöglichen, mehr über den Gesundheitszustand dieser Menschen zu erfahren."

"Die gängige Methode für die Erkennung von Krankheitserregern in archäologischen Funden setzt voraus, dass man ungefähr weiß, wonach man sucht", erklärt Alexander Herbig, Gruppenleiter für Pathogenom-Bioinformatik am MPI-SHH. "In diesem Fall nutzten wir jedoch einen noch relativ neuen Ansatz für die DNA-Analyse, um so ohne Vorannahme nach weiteren Erregern zu suchen, die wir auf molekularer Ebene möglicherweise feststellen könnten".

Diese Methode enthüllte ein zweites Geheimnis des Friedhofs. Eine der vier untersuchten Pesttoten, eine junge Frau, wies ein schwaches Signal für einen Erreger auf, der anscheinend mit der Syphilis verwandt ist. "Es war beeindruckend, die Spuren einer solchen Krankheit in einem historischen Skelett vorzufinden, da deren molekulare Erhaltung in historischen Knochen als problematisch gilt", fügt Bos hinzu.

Krankheiten aus der Familie der Syphilis, auch bekannt als Treponematosen, gehen vermutlich weit in die Geschichte des Menschen zurück, obwohl ihre Ausbreitung in Europa mit etlichen Fragen behaftet ist. Der vorherrschenden Meinung zufolge, fällt der erste Ausbruch der Syphilis in Europa mit der Belagerung von Neapel durch Karl VIII. 1495 zusammen. Dort brach sie unter dessen Soldaten aus und verbreitete sich rasch über ganz Europa. Da dieser Ausbruch nur kurz nach der Rückkehr Kolumbus‘ und seiner Mannschaft von ihrer ersten transatlantischen Reise auftrat, wird vielfach davon ausgegangen, dass die Syphilis ihre Wurzeln in der Neuen Welt hat. Doch auch für eine weitere Theorie findet sich wachsender Rückhalt. Eine zunehmende Anzahl von Wissenschaftler/-innen vertreten die Ansicht, einen Erreger identifiziert zu haben, welcher noch vor 1493 in Europa auftrat.

Mehr unter:
www.archaeologie-online.de/nachrichten/t...nMuKVcs9j9PAfIsZNp44

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