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Archäologie der Seuche

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15 Nov 2020 00:15 #1 von Ariadne
Archäologie der Seuche wurde erstellt von Ariadne
Archäologie der Seuche

Fieber, Rachenentzündung, Hautausschlag - die sogenannte Antoninische Pest wütete rund 20 Jahre lang im gesamten Römischen Reich. ÖAW-Archäologe Stefan Groh hat anhand eines antiken Krankenhauses untersucht, wie die damaligen Menschen mit der Pandemie umgegangen sind.

„Das Spannende ist, wir haben ursprünglich gar nicht zur Seuche geforscht“, sagt Stefan Groh vomÖsterreichischen Archäologischen Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Der Archäologe untersuchte von 2015 bis 2018 ein römisches Militärlager, das 170 n. Chr. im Zuge des Konflikts mit den germanischen Nachbarn errichtet worden war. Dort stießen die Wissenschaftler/innen auf Spuren rätselhafter Baumaßnahmen. Die wahrscheinliche Erklärung dafür: Die sogenannte Antoninische Pest. Eine Seuche, von der rund 60 Millionen Menschen betroffen waren und die 20 Jahre andauerte. Im Interview erzählt Groh, wie Bau und Pest zusammenhängen und was die Archäologie über die damalige Bekämpfung und die Folgen der Epidemie verraten kann.

Die Antoninische Pest ist eine der ältesten historisch überlieferten Epidemien. Was ist damals passiert?

Stefan Groh: Wahrscheinlich war diese Seuche eine Pocken-Epidemie, die ihren Ursprung im heutigen türkisch-syrischen Grenzgebiet hatte. Aufgrund der hohen Mobilität der römischen Soldaten wurde die Krankheit über den See- und Landweg nach Westen eingeschleppt, wo sie sich rasant verbreitete. Man geht heute davon aus, dass Italien und ca. ein Drittel der römischen Provinzen, also etwa 60 Millionen Menschen, betroffen waren. Die Epidemie begann 165 n. Chr. und dauerte insgesamt 20 Jahre. Das war zu dieser Zeit eine ganze Generation! Eine Generation, die ihr Leben lang mit einer Krankheit zu kämpfen hatte, die nicht therapierbar war und der zwischen 12 und 22 Prozent der Bevölkerung zum Opfer fielen. Es hat vermutlich rund 60 Jahre gedauert, bis die Bevölkerungszahlen wieder den Stand von vor der Epidemie erreichten.

Mehr unter:
www.oeaw.ac.at/detail/news/archaeologie-der-seuche

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