PRESSESPIEGEL Universität WIEN_Teil_2 | 2008/09 (reload)

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07 Aug 2018 20:15 #1 von archaeologieforum.at
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ArchäologieForum > Universitäres, Studienfragen / Ausbildung / Stipendien | Forschungspolitik > PRESSESPIEGEL Universität WIEN_Teil_2

Geschrieben von: Spider Monday, 28.07.2008, 23:09
"Der Standard" vom 26.7.2008: Die Universität vermittelt nicht nur Fachwissen
Ressort: Bildung & Lehre, Seite K29

Ein Studium sollte nicht nur von Geld und Karriere abhängen, sondern sei auch Persönlichkeitsbildung, meint Thomas Gronegger, Dekan der New Design University

Auch wenn das nachfolgende Masterstudium „unglaublich wichtig" sei, kann sich der Dekan der privaten New Design University (NDU), Thomas Gronegger, sehr für den Bachelor begeistern. Schon aus seiner eigenen Biografie leite er den Bedarf nach einer „Atempause" ab: „Das ist der Vorteil des Bakkalaureats im Vergleich zum Magisterstudium: Man ist nicht durchgehend vier, fünf Jahre im Betrieb, sondern bekommt sein Fachwissen komprimiert vermittelt und hat dann die Möglichkeit, hinauszugehen, sich im Beruf zu orientieren - und wiederzukommen."

Natürlich sei es so - wie Kritiker der neuen Studienarchitektur beklagen -, dass man im Job „eine gewisse Selbstständigkeit erlangt" und der zumindest teilweise Verzicht auf ein fixes Einkommen die Entscheidung für ein weiterführendes Studium nicht fördere. Dennoch: „Wenn jemand mit 18 ein Studium beginnt, folgt der Bachelorabschluss mit 21." Wer sich nach einiger Berufserfahrung, mit Mitte 20, zum Angehen des Masters entschließt, habe zumindest hierzulande oft noch die Möglichkeit der elterlichen Unterstützung, ist Gronegger überzeugt. Abgesehen davon: „Etliche Masterstudierende erhalten sich selbst."
Zentral ist für den Vorsteher der Hochschule mit Sitz in St. Pölten, dass es beim Bakk eben nicht nur um eine Ausbildung, sondern um Bildung an sich gehen sollte. Wichtig sei die Entwicklung „eines Sensoriums, wie an Dinge heranzugehen ist". Exakter: „Man lernt grundsätzliche analytische Denkstrukturen, die sich auf verschiedene Problemstellungen übertragen lassen, mitunter aber auch angepasst werden müssen."

Dass der Stand der Akademiker in der heimischen Bevölkerung besser sein könnte und die Einführung des Bakkalaureats jenen entgegenkommt, für die der „Langzeitstudent" ein rotes Tuch ist, mag der geborene Münchner so nicht stehen lassen. Man könne das „populistisch ganz sicher so formulieren" - doch gehöre es nicht gerade zur Idee der Universität, dass man „nicht nur mitbekommt, was die Lehrenden zu sagen haben"? Gronegger definiert die Hochschule als „Lebensort, an dem Wissen und Lebensweisheiten vermittelt werden, wo man langsam seine Prägung erhält. Das ist für mich eine ganz wichtige Geschichte".
Das Kurzstudium - um wieder zum Lob des Bakkalaureats zu kommen - stelle sich dabei als ein passender erster Schritt dar: „Es gibt den Studierenden ihr Handwerkszeug, sie erlangen gestalte_rische Reife", weiß er in Hinblick auf seine Universität. Auf der nächsten Stufe, „wo das theoretisch abgefangen wird", müsse dann Platz für die Persönlichkeit eingeräumt werden.

Die von der niederösterreichischen Wirtschaftskammer erhaltene künstlerische Privat-Uni ermögliche es ihren Studierenden, „zu den ‚Stammzellen‘ von Gestaltungsprozessen vorzudringen". Denn: „Der Entwurfsprozess ist ja gerade der Weg vom Ideenkeim zur Gestaltwerdung, und ein hervorragender Gestalter wird dabei immer wieder auf Wegegabelungen stoßen, an denen sich weitere Möglichkeiten auftun."

Für die Lehrenden gelte, „die Erfahrung zu vermitteln, wie sich aus einem Ideenkern über Variation und Modifikation - sowie über den Abgleich mit Vorbildern - eine Vielfalt entwerfen lässt, aus der sich dann langsam die eine wirklich tragfähige Idee herauskristallisiert, die als Entwurf oder Werk in die Wirklichkeit dringen darf." Und noch einmal kehrt Gronegger zum „möglichst schnellen Studium" zurück: „Einen so wichtigen, erstmals relativ freien Lebensabschnitt wie die Studienphase nur an marktwirtschaftlichen Para_metern zu orientieren scheint mir lebensfremd. Biografien sind nicht wirklich planbar. Lebensumstände, Lebenserfahrungen, Neigungen, Interessen und Leidenschaft schieben sich zwischen das Planspiel von Angebot und Nachfrage."
So schließt der NDU-Leiter mit der persönlichen Einschätzung: „Die Investition in Bildung nur am beruflichen Profit zu messen ist langfristig gesehen keine gute Rechnung." Und gibt zu bedenken: „Gerade im gestalterischen Bereich, der oft auch in die Selbstständigkeit führt, bedarf es eines langen Atems. Die wirklichen Qualitäten der persönlichen Entwicklung und der Grundimpuls, den die Universität dazu beitragen konnte, lassen sich wahrscheinlich erst nach Jahren wirklich einschätzen." (Bernhard Madlener)

Geschrieben von: Spider Monday, 1.09.2008, 11:30
"Kleinezeitung.at" vom 20.8.2008: Römische Villa geortet

Archäologen stießen auf einem Weiler in Oberlienz mittels Radarmessung auf großen Gutshof.

Archäologen bei den Georadarmessungen Foto: kk/F.M.Müller
Mit einem Georadar und dem Wissen ausgerüstet, dass sich Interessantes unter der Oberfläche des Weilers Lesendorf in Oberlienz befinden muss, "grasten" Innsbrucker und Wiener Archäologen jüngst 14.000 Quadratmeter Acker in der Osttiroler Gemeinde ab.

Mehrere Gebäude entdeckt. Und sie wurden für ihre Mühen - Messungen in genau abgesteckten Bahnen im Abstand von jeweils 25 Zentimeter - belohnt, denn: Es ließen sich eindeutig die Grundrisse von einer Reihe Gebäuden erkennen. "Damit wurde unsere erste Vermutung aus dem Jahr 2007 bestätigt. Bei dem Komplex handelt es sich um eine typische ,villa rustica', wie man im römischen Reich einen landwirtschaftlichen Betrieb, der aus einem Haupt- und mehreren Wirtschafts- und Nebengebäuden bestand, nannte", verkünden Florian Müller vom Institut für Archäologie der Universität Innsbruck und Wolfgang Neubauer von der Universität Wien.

Bürgermeister erfreut. Der Oberlienzer Bürgermeister Martin Huber, der die Forschungen neben Sponsoren finanziell unterstützte, freut sich mit den Spurensuchern über die Erkenntnisse. "Die Wiese wurde von Einheimischen immer als ,Schlossacker' bezeichnet. Die Messungen bestätigen, dass dies nicht von ungefähr kommt und einmal ein prunkvolles Gebäude hier gestanden hat", verrät Huber und deutet auf den Grundrissplan mit Ställen, Scheunen, Lagerbauten, Remisen, Werkstätten sowie einem privaten Badehaus des Gutsbesitzers.

Villa als 3D-Modell. Wie es nun weiter geht? Die gewonnen Daten über den Gutshof gilt es im Zuge einer Interpretation genau zu analysieren. "Dies wird dann die Grundlage für die Rekonstruktion und die Erstellung eines 3D-Modells der gesamten römischen Villenanlage bilden", so die Fachmänner.

Geschrieben von: Spider Tuesday, 2.09.2008, 01:53
"trend.at" vom 23.8.2008: Fachhochschule oder Universität?

trend befragte Jobexperten, zu welcher Ausbildung sie raten würden.

Kunstgeschichte, Archäologie und Ägyptologie – eine für Österreich nicht gerade naheliegende Studienwahl. Trotzdem hat sich Evelin Mayr nach der Matura für genau diese Kombination entschieden. „Ich bin mit sehr viel Idealismus an die Sache herangegangen und habe vielleicht zu wenig den Realitäts¬check gemacht“, sagt sie heute – als Personaldirektorin von Hewlett-Packard (HP) Österreich. Ihre Karriere hat sie bisher über zahlreiche Wege geführt, etwa ein Lehrgang für Öffentlichkeitsarbeit an der Uni Wien und ein Executive-MBA-Studium an der Donau-Universität Krems. Ihre Studienwahl bereut sie aber nicht.

Allein an den öffentlichen Universitäten in Österreich konnte man im Wintersemester 2007 zwischen 145 Diplomstudien, 246 Bachelorstudien und 246 Masterstudien auswählen. Dazu kommen noch zwölf Privatuniversitäten und 240 Studiengänge an 20 Fachhochschulen (FH) in Österreich. Wie sollen sich Studienanfänger bei diesem Angebot entscheiden? Der trend hat sich auf die Suche nach der Ausbildung der Zukunft gemacht und Bildungsexperten und Personalchefs gefragt, welche Jobs gerade besonders gefragt sind.

Klare Sieger sind die Techniker. „Über Jahre hinweg ist schon zu beobachten, dass Absolventen technischer Studienrichtungen vom Arbeitsmarkt fast aufgesaugt werden“, sagt Stefan Humpl, Geschäftsführer der Unternehmensberatung 3s. Von klassischen technischen Studienrichtungen wie Maschinenbau, Elektro- oder Verfahrenstechnik über moderne Studien wie Informatik bis hin zu allen Kombinationsmöglichkeiten von Technik und Wirtschaft, etwa Wirtschaftsingenieurwesen oder Technisches Vertriebsmanagement – jegliche Art von Techniker ist gefragt. In diesem Bereich haben sich in den letzten Jahren auch viele neue Berufe entwickelt. „In der Informatik hat eine sehr starke Differenzierung stattgefunden: IT-Consulter, Systemadministratoren, Datenbankprogrammierer und so weiter“, beschreibt Humpl die neuen Spezialistenjobs. HP-Personalchefin Mayr kann das für das weltweit größte IT-Unternehmen bestätigen. In erster Linie suche sie SAP-Programmierer – allerdings nicht ausschließlich Spezialisten. „Ich suche Leute, die vernetzt denken können, die über den Tellerrand ¬hinausschauen, die neugierig und offen sind“, so Mayr. Auch Martin Lauer, Leiter des Human Resources Kompetenzzentrums der Telekom Austria, beobachtet derzeit einen „Mangel an vernetzten Generalisten“ am Markt. Nach den Nachfragespitzen bei SAP-Programmierern seien diese Spezialisten jetzt ausreichend vorhanden. „Generalisten sind in Mitteleuropa gefragt“, so Lauer.

Eine Zielgruppe ist in technikorientierten Unternehmen nach wie vor extrem unterrepräsentiert und daher besonders gefragt: Frauen. Mayr appelliert an Frauen, sich nicht abschrecken zu lassen. Gerade in Sachen Jobsicherheit und Karrieremöglichkeiten sei IT für junge Frauen attraktiv. Dass Techniker im Karrierewettlauf die Nase vorn haben, ist auch an ihren Gehältern zu erkennen. Conrad Pramböck, Gehaltsexperte von Neumann International, erklärt: „Wenn man sich die Einstiegsgehälter anschaut, profitieren die Techniker derzeit am stärksten, weil sie am meisten gefragt sind.“ An zweiter Stelle folgen die Wirtschaftsabsolventen. Dieses Studium empfiehlt Pramböck daher allen, die mit Technik nichts anfangen können. Die Möglichkeiten sind hier ebenso vielfältig wie im technischen Bereich: „Da kann ich ins Rechnungswesen gehen, um eine Karriere als kaufmännischer Leiter anzustreben; da kann ich ins Controlling oder in Richtung Marketing gehen und so weiter.“ Das traditionell höchste Gehalt könne man im Bereich Vertrieb aufgrund der Bonuszahlungen erwarten, so Pramböck.

Ein weiterer Bereich, der derzeit noch eher ein Geheimtipp ist, sind neue Sparten im Gesundheitswesen. „Dort sind es weniger die Mediziner, aber stärker die Pflegeberufe und dabei auch die mit entsprechenden akademischen Ausbildungen, die sich gerade etablieren“, so Humpl. Die Ausbildungen für Fachkräfte für gehobene medizinisch-technische Dienste – etwa biomedizinische Analytik, Ergotherapie, Physiotherapie oder Radiologietechnologie – sowie für Hebammen wurden auf Fachhochschulniveau gehoben. Außerdem steigt die Anzahl der Studienangebote im Bereich Gesundheitsmanagement.

Geisteswissenschaftliche Studien sind in der Wirtschaft am wenigsten gefragt. Trotzdem wählen in Österreich traditionell viele Studienanfänger ein solches Studium. Die Ausbildung ist breit angelegt und vielfältig. Um erfolgreich am Arbeitsmarkt einzusteigen, rät Humpl, sich abseits des Studiums bestimmte Zusatzqualifikationen anzueignen. Etwa im Bereich Projektmanagement oder Präsentationstechnik – Fähigkeiten, die man zum Beispiel bei Praktika erwerben kann. Außerdem braucht es ein hohes Maß an Eigen¬initiative, um aus der Vielzahl an Abgängern hervorzustechen. Gudrun Biffl, Bildungsexpertin am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo), sieht aber auch einen Nachholbedarf seitens der Wirtschaft beziehungsweise der Institutionen. Viele Jobs, die es in den Geisteswissenschaften geben könnte, seien schlichtweg noch nicht geschaffen. „Einerseits haben wir im internationalen Vergleich in Österreich ein sehr hohes Angebot an unterschiedlichen Geisteswissenschaften. Andererseits gibt es am Arbeitsmarkt nicht die Anzahl an Arbeitsplätzen und die Differenzierung, die es im Ausland gibt.“ Ein Beispiel: In nordischen oder angelsächsischen Ländern sei es im Schulsystem üblich, dass psychologische Berater Schüler und Lehrer unterstützen, etwa bei Problemen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen. In Österreich sei dieser Beruf noch nicht im gleichen Ausmaß institutionalisiert, obwohl es hier ein Übermaß an Psychologiestudenten gibt. „Wir haben am Arbeitsmarkt nicht Vorsorge dafür getroffen, dass die Absolventen auch ausbildungsadäquat beschäftigt werden“, meint Biffl.

Auch im Bereich Gesundheitswesen sieht Unternehmensberater Humpl Potenzial zur Differenzierung und Spezialisierung: „Zum Beispiel Altenbetreuung, Heimhilfe oder Übergangsmanagement, das heißt die Begleitung von Patienten nach ihrer Entlassung in andere Betreuungsformen.“ Es seien aber eher neue Tätigkeiten als neue Berufe, die sich hier entwickeln würden, meint Humpl – auch im akademischen Bereich. „Die klassische Berufsbezogenheit wird eher abnehmen, außer dort, wo die akademische Ausbildung die Grundvoraussetzung für eine Berufstätigkeit ist: das Medizinstudium für Ärzte, das Jusstudium für Rechtsanwälte und Richter, das Lehramtsstudium für Lehrer an höheren Schulen.“

Der Trend geht daher auch im Personalmanagement dahin, dass nicht mehr ausschließlich Absolventen bestimmter Studienrichtungen für einen Job gesucht werden, sondern der passende Bewerber entsprechend seiner Kompetenzen ausgewählt wird. „Ich lege nicht nur auf die Ausbildung Wert, sondern schaue auch sehr stark auf den Typus des Kandidaten, ob er zum Unternehmen passt“, bestätigt Spar-Österreich-Personalchef Marco Cardona. Soft Skills – also Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, ¬Flexibilität und Eigenständigkeit – sind heutzutage ebenso wichtig wie fachliche Kenntnisse. Für Cardona steht die Frage im Vordergrund, ob jemand praktische Lösungen erzielen kann: „Der Bewerber muss vor allem sein theoretisches Wissen sehr rasch in praktische Lösungen umsetzen und dabei einen Blick für das Gesamte wahren können.“

Können Universitäten diese Kompetenz fördern? In Österreich haben derzeit eher die Fachhochschulen den Ruf, praxisorientiert auszubilden. Finden Personalchefs diese Ausbildungsform daher besser als ein universitäres Studium? „Für uns direkt in der Wirtschaft Stehende ist momentan zu erkennen, dass FH-Absolventen leichter zu integrieren sind, weil viel mehr Praxisbezug vorhanden ist“, meint Personalchefin Mayr. Cardona bestätigt: „Die FH-Absolventen finden schneller den Einstieg ins Berufsleben. Wenn es um die praktische Umsetzung geht, haben sie meistens die Nasenspitze vorn.“ Grund dafür sind in erster Linie die verpflichtenden Praktika, die wichtige Einblicke in die Berufswelt ermöglichen.

Doch ganz so düster sieht es für die Jungakademiker doch nicht aus, relativiert Cardona ihre Jobeinstiegschancen: „Bei jemandem, der von einer Universität kommt, ist für Personalchefs klarer erkennbar, was er gemacht hat. Bei den Fachhochschulen gibt es bereits sehr viele, sehr unterschiedliche Programme. Hier ist es für das Unternehmen schwerer evaluierbar, was der Bewerber konkret gelernt hat und wie gut diese Ausbildung ist.“ Fachhochschulen gibt es in Österreich erst seit 1994 – im Vergleich zu manchen Uni-Studien ist das ein sehr kurzer Zeitraum.

Personalentscheidungen werden, so die Erfahrung von Neumann-Experten Pramböck, meis¬tens konservativ getroffen, „das heißt, man entscheidet sich lieber für die sichere Seite“. In puncto Gehalt machen die Unternehmen heutzutage keine großen Unterschiede mehr. „Die Einstiegsgehälter von Uni- und FH-Absolventen sind in ihrem jeweiligen Bereich sehr ähnlich“, sagt Pramböck. In der Gunst der Personalverantwortlichen ist das Match zwischen Universitäten und Fachhochschulen also derzeit unentschieden. Die Entscheidung liegt demnach beim Studierenden selbst. Grundsätzlich sind Uni-Studien breit angelegt, während Fachhochschulen auf Spezialisierung abzielen. „Wenn Sie genau wissen, das möchte ich machen und nichts anderes, machen Sie eine Fachhochschule“, rät Pramböck. „An der Uni sind Sie in vielen Fächern, etwa Wirtschaft, einer von vielen und brauchen ein hohes Maß an Eigeninitiative, um sich durchzukämpfen.“ Als einfache Hilfe, um herauszufinden, ob man eher spezialisiert oder generalistisch arbeiten will, empfiehlt Personalist Lauer von der Telekom folgende Über¬legung: „Haben Sie ein einziges Hobby, bei dem Sie wirklich gut sind – oder sind Sie jemand, der heute surfen, morgen bergsteigen und übermorgen rollerbladen geht?“

Wie aber soll man unter all den Studienanbietern den besten finden? Auch hier hat Lauer einen Tipp: „Wenn man sich für ein Studium entschieden hat, sollte man schauen, wo das überall angeboten wird und wie dort die Erfahrungen von Absolventen sind. Unter welchen Bedingungen haben sie mit dem Studium begonnen, und wie schaut es heute im Berufsumfeld aus?“

Sich bei der Studienwahl aber nur auf Karrieremöglichkeiten, Gehaltstabellen und Absolventenmeinungen zu stützen, davon ¬raten alle Personalexperten ab. Die grundsätzliche Entscheidung sollte von persönlichen Stärken und Interessen abhängen. „Wenn mehrere Interessen da sind – und das ist in der Regel der Fall –, dann erst sollte man sich die Frage stellen, wo es möglicherweise nach dem Studium gute Jobmöglichkeiten gibt“, sagt Humpl. Außerdem gilt es zu bedenken, dass das, was heute am Markt gefragt ist, sich relativ schnell ändern kann. „Ein Studium dauert in der Regel vier bis fünf Jahre, und in dieser Zeitspanne kann sich ein Trend auch umkehren“, meint Cardona. „Ich würde eher auf die eigenen Stärken setzen, das ist der sicherere Weg.“

Von Regula Troxler

Geschrieben von: Spider Tuesday, 2.09.2008, 02:00
"Der Standard" vom 28.8.2008: "Das Fortwirken der ägyptischen Kultur ist unbestritten"
Ressort: Wissenschaft, Seite 32

Peter Jánosi im STANDARD-Interview über den Einfluss altägyptischer Glaubenslehren auf nachfolgende Religionen und Kulturen sowie das Geheimnis der langen Dauer der ägyptischen Kultur

STANDARD: Worin liegen die Ursachen für die starke Jenseits-Ausrichtung der altägyptischen Religion?

Jánosi: Die Ägypter des Altertums betrachteten ihr irdisches Dasein als vorübergehenden Aufenthalt, dem das eigentliche Leben im Jenseits erst folgen sollte. Bereits Herodot aus Halikarnassos, der Mitte des 5. Jhdts. v. Chr. das Land bereiste, war ob des Aufwandes, den die Ägypter für ihr Jenseits trieben, verstört. Es ist eine Frage des Standpunktes: Auf uns, die Tod und Jenseits in unserem täglichen Dasein völlig ausblenden, muss die altägyptische Kultur besonders jenseitsorientiert wirken. Doch darf man daraus nicht schließen, die Ägypter wären vom Tod besessen gewesen. Die kulturellen Leistungen der Bevölkerung des Nillandes zeugen von einer rationalen und durchaus lebensbejahenden Einstellung, die von hohem Ethos geprägt war.


STANDARD: Was machte die Stärke der Kultur aus, dass sie sich so lange halten konnte?

Jánosi: Das Faszinierende der ägyptischen Kultur ist ihre scheinbare Unveränderlichkeit. 3000 Jahre ägyptische Geschichte muss uns in einer schnelllebigen Zeit als Ewigkeit vorkommen. Bei näherem Hinsehen war natürlich auch das Alte Ägypten ständig inneren Veränderungen und Einflüssen von außen ausgesetzt. Die Stärke Ägyptens lag darin, innere und äußere Veränderungen zu absorbieren und in die Kultur und das Geschichtsbewusstsein aufzunehmen. Im Geschichtsdenken der Ägypter galt die Vorstellung, immer wieder an den Anbeginn der Zeit, dem Augenblick des "ersten Males", als sich die Erde aus der Urflut hob, zurückzukehren. Jeder neue Herrscher war verpflichtet, das Land so zu regieren, wie es die Vorväter taten. Diese beständige und Sicherheit garantierende Wiederholung war eng mit den Naturprinzipien des Niltales und seiner zyklisch wiederkehrenden Nilflut oder dem täglichen Auf- und Untergang der Sonne verbunden.


STANDARD: Worin besteht die Leistung der Reformen Echnatons, und was blieb von diesen trotz Tutanchamuns Rückrevolution bestehen?

Jánosi: Echnaton hatte innerhalb kürzester Zeit und gegen den Widerstand einer mächtigen und alten Tradition das religiöse Bild im Niltal nach seinen Vorstellungen umgeformt. Seine religiöse "Revolution", die das Prinzip des Lichts in Gestalt der Sonnenscheibe als einzige Gottheit erhob, hatte einen enormen Impakt auf die geistige, kulturelle und politische Entwicklung Ägyptens am Ende des 14. Jhdts. v. Chr. Die Restauration des Kindkönigs Tutanchamun - die Rückkehr zum alten Vielgötterglauben -, die vom Establishment herbeigeführt wurde, konnte die einmal freigesetzten geistigen Kräfte nicht stoppen. Am einfachsten war es auf politischer Ebene. Wie so oft nach religiösen Umwälzungen in der Geschichte übernahm das Militär in Gestalt der Ramessiden-Herrscher (19. und 20. Dynastie) die Führung. Auf religiöser Ebene ließ sich das Rad der Geschichte aber nicht zurückdrehen. Der unter Echnaton verfolgte Gott Amun gewann trotz Restauration seine alte Macht nur bedingt zurück. Ihm zur Seite wurden nun die Götter Re und Ptah sowie der Unterweltsgott Osiris gestellt. Letzterer eindeutig eine Reaktion auf die vollständige Negation eines Jenseits unter Echnaton. Gerade die Leugnung des Jenseits (Osiris-Religion) führte aber dazu, dass sich die Menschen noch intensiver mit ihrem Dasein und den Grundfragen des Lebens auseinandersetzten. In den Jenseitsbüchern der Ramessidenzeit, zum Beispiel dem "Höhlenbuch" und dem "Buch von der Erde", dominieren das Licht in der Gestalt der Sonnenscheibe und die Götterwelt, denen der Tote nun entgegentritt. Die regenerierende Nachtfahrt der Sonne durch die Unterwelt, an dessen Lauf der Tote Anteil zu nehmen wünschte, wurde zum Symbol der Auferstehung.

Auf praktischer Ebene brachte das sogenannten "Neuägyptisch", das als Umgangssprache unter Echnaton zur Schriftsprache erhoben wurde (bis dahin hatte man sich des veralteten "Mittelägyptisch" bedient), eine überwältigende Blüte an literarischen Werken wie Erzählungen und Liebeslyrik hervor.

STANDARD: Welche Einflüsse haben altägyptische Jenseitsvorstellungen und philosophische Ansätze für nachfolgende Kulturen?

Jánosi: Das Fortwirken der ägyptischen Kultur in die Antike und darüber hinaus in vielfältigen verästelten Erscheinungsformen bis auf den heutigen Tag ist unbestritten, jedoch noch keineswegs vollständig erfasst. Echnatons Eingottglaube wird zwar häufig als Vorläufer des jüdischen Monotheismus genannt, doch sind die Unterschiede zwischen beiden Religionen und der zeitliche Abstand zwischen der Amarnazeit und der späteren schriftlichen Fixierung des alttestamentlichen Monotheismus zu groß, um eine direkte Einflussnahme zu stützen. Dennoch kann man beim Lesen des 104. Psalmes des Alten Testaments sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor dieser großartigen Komposition Echnatons berühmten Sonnengesang kannte. (Michael Vosatka)

Zur Person:
Dr. Peter Jánosi ist Dozent am Institut für Ägyptologie der Universität Wien.

Geschrieben von: Spider Tuesday, 2.09.2008, 11:07
"derStandard.at" vom 1.9.2008: Wiener Mittelalterforscher auf dem Weg nach Princeton
Ressort: Wissenschaft/Welt

Helmut Reimitz übernimmt Assistenzprofessur - Wissenschaftsminister Hahn gratuliert: "Richtige Wahl für Princeton"

Wien- Der Wiener Mittelalterforscher Helmut Reimitz (43) hat einen Ruf an eine der renommiertesten Universitäten der Welt bekommen, an die Princeton University (US-Bundesstaat New Jersey). Reimitz ist Lektor an der Universität Wien und an der Forschungsstelle für Geschichte des Mittelalters der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) über ein Wittgensteinprojekt angestellt. Er tritt am 1. September eine Stelle als Assistenzprofessor in Princeton an.

Reimitz ist ein Mitarbeiter des Wittgensteinpreisträgers von 2004, Walter Pohl. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Frühen Mittelalter, unter anderem mit Themen wie "Grenze und Differenz im frühen Mittelalter" (Forschungsschwerpunkt "Grenzenloses Österreich" des Wissenschaftsministeriums oder "Historische Ethnographie der Franken" (Projekt des Wissenschaftsfonds FWF).

Wissenschaftsminister Johannes Hahn sprach Reimitz in einer Aussendung seine Gratulation aus. "Es tut sich was im Bereich Forschung und Wissenschaft, der internationale Wissensaustausch funktioniert und durch diese Wahl wird einmal mehr bewiesen, dass die österreichische Wissenschaft in der Welt eine wichtige Rolle spielt und Aufmerksamkeit erregt", so Hahn. "Mit seinen umfangreichen Kenntnissen und seiner Erfahrung ist Helmut Reimitz die richtige Wahl für Princeton." (APA/red)

Geschrieben von: Spider Thursday, 4.09.2008, 12:01
"Frankfurter Allgemeine Zeitung" Nr. 207 vom 4.9.2008: Das amerikanische Hochschulsystem taugt nur begrenzt als Vorbild
Ressort: Politik, Seite 8

Professoren müssen sich mit ausgeprägterer Hierarchie auseinandersetzen, und die Lehre spielt keine große Rolle/Schiefe Vergleiche

von Gerhard Georg Paulus

Es ist absurd zu meinen, eine deutsche Universität müsse eine Forschungsleistung bringen wie Harvard.

Die Wissenschaft in Deutschland hat international nicht mehr den Rang, den sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu haben pflegte. Es ist daher weder verwunderlich noch falsch, dass in der jahrzehntealten Diskussion um das deutsche Universitätswesen das nunmehr führende amerikanische System als Maßstab gesehen wird. Allerdings werden dabei stets die führenden Privatuniversitäten und stellvertretend dafür die Harvard University zum Vergleich herangezogen. Tatsächlich sind sie auch in den Vereinigten Staaten selbst das Vorbild, an dem sich alle anderen ambitionierten Forschungsuniversitäten ausrichten.

Genau besehen muss der Anspruch, eine gute deutsche Universität müsse eine ähnliche Forschungsleistung wie Harvard erbringen, als geradezu absurd erscheinen. Die amerikanischen Privatuniversitäten bilden nur einen winzigen Bruchteil handverlesener Studenten aus, und sie tun das mit enorm viel Geld. Dazu braucht man sich nur das Vermögen (Endowment) in Höhe von 36 Milliarden amerikanischer Dollar in Harvard zu betrachten. Dass das System Harvard bei amerikanischen Privatuniversitäten funktioniert, heißt nicht, dass es ohne ähnliche personelle und finanzielle Voraussetzungen andernorts ähnlich funktionieren könnte.

Mit Blick auf die gegenwärtige finanzielle Ausstattung deutscher Universitäten scheint es derzeit nicht mehr als recht und billig, die besten der staatlichen amerikanischen Universitäten, die das Gros der amerikanischen Akademiker ausbilden, mit den hiesigen zu vergleichen. Bei einem solchen Vergleich schneiden, wie wir sehen werden, deutsche Universitäten gut ab. Der Autor hat vier Jahre an einer großen texanischen Universität gelehrt und geforscht und fühlt sich durch den Artikel des Kollegen Münch (F.A.Z., "Bildungswelten" vom 24. Juli 2008) herausgefordert, einen anderen Blick auf Amerika zu werfen. Tatsächlich scheinen das oberflächliche Wissen, das Wunschdenken oder gar die freie Phantasie über die Verhältnisse in den Vereinigten Staaten derart weit verbreitet zu sein, bis in die Spitzen unserer Wissenschaftspolitik, dass zu befürchten ist, dass im andauernden Reformprozess die Nachteile des amerikanischen Systems mit den Nachteilen des deutschen Systems kombiniert werden.

Es gilt, sich die von Münch herausgearbeiteten "wesentlichen Unterschiede zu Amerika" zu vergegenwärtigen: An erster Stelle stand "der völlige Verzicht auf hierarchische Strukturen" jenseits des Atlantiks. Die Wirklichkeit sieht so aus: Die Hierarchie über dem Professor beginnt mit dem Department Head. Mit seiner Machtfülle kann bereits er das Recht auf Freiheit in Forschung und Lehre schwer prüfen. Um viel Geld und damit Einfluss geht es in der nächsten Stufe der Hierarchie, dem Dean, das ist der Chef des Colleges, also mehrerer Departments. Es folgen Vice Presidents für Forschung, Finanzen und viele andere Administrative und schließlich Provost und President. Ein deutscher Professor verhandelt Fragen, bei denen der amerikanische Kollege sich mit drei Hierarchieebenen befassen muss, gleich mit dem Kanzler und/oder Rektor; flacher kann die Hierarchie kaum sein. Unterhalb des Professors sind, zumindest in den Naturwissenschaften und gegen gern gepflegte Vorurteile, die Hierarchien identisch mit denen in den Vereinigten Staaten. Damit hat eine amerikanische Universitätsleitung zumindest im Prinzip weit mehr Möglichkeiten als eine deutsche, in die Freiheit von Forschung und Lehre einzugreifen. Es ist durchaus zu befürchten, dass die Reformen in Deutschland genau diese Möglichkeiten schaffen wollen und der illegitime Wunsch, Forschung zu steuern, eine treibende Kraft ist.

Ein weiteres Vorurteil betrifft die Lehre. Es ist kein Vorteil, wenn die Lehrassistenten irgendwem, nur nicht dem verantwortlichen Hochschullehrer unterstellt sind. Es ist auch kein Vorteil, wenn es keine erfahrenen festangestellten Assistenten in der Lehre gibt. Eine Folge ist etwa, dass es Demonstrationsexperimente, in den Naturwissenschaften von vitaler Bedeutung für den Lehrerfolg, in den Vereinigten Staaten, gemessen am hiesigen Standard, so gut wie nicht gibt. Eine andere ist, dass die Übungsassistenten oft nicht ausreichend qualifiziert sind.

Die angebliche Integration von Forschung und Lehre im Graduiertenstudium ersetzt in den Vereinigten Staaten zum erheblichen Teil die in Deutschland üblichen gründlichen Praktika. So unbeliebt das bei vielen Studenten auch ist, bereiten sie die Studenten weit besser auf das wissenschaftliche Arbeiten vor als die frühzeitige Spezialisierung in einem Forschungslabor. Damit soll der Wert eines zeitigen Kontakts zur Forschung, den es auch hierzulande gibt, nicht in Frage gestellt werden. Es trifft nicht zu, dass "die Organisation der Forschung in flexibel zusammengesetzten Forschungsteams und in interdisziplinären Forschungszentren" ein typisches Merkmal amerikanischer Universitäten wäre. Typischer wären da schon eher Kollegen, die mit weit über 70 noch lange nicht an den Ruhestand denken, obwohl sie seit Jahren keine Doktoranden mehr betreuen. Ein erheblicher Teil der amerikanischen Professoren forscht nicht oder nicht mehr.

Amerikanische Universitäten werden unabhängig und flexibel wie Unternehmen geführt, und sie kennen ihr Geschäft. Folglich haben Gremien auf allen Hierarchieebenen vorwiegend beratende Funktion, Professoren oder gar Studenten sind kein Machtfaktor. Aber auch die Politik hat einen relativ geringen Einfluss. Diese Unabhängigkeit wird naturgemäß durch eigene Geldquellen unterstützt. Neben Kapitaleinkünften aus milliardenschweren Vermögen haben die Universitäten eigene Einnahmen aus Studiengebühren, Drittmitteln (Overhead) und Spenden. Die Spenden kommen zum überwiegenden Teil von Alumni.

Darum kümmern sich amerikanische Universitäten, im Gegensatz zu deutschen, genauso rührend wie um die Schaffung einer eigenen Identität mit liebenswerten bis skurrilen Traditionen. Das sichtbarste Instrument ist das Sportprogramm mit einem in jeder Hinsicht an die Fußball-Bundesliga erinnernden Aufwand. Die Diplome werden selbstverständlich vom Präsidenten persönlich in prächtigen Zeremonien überreicht. Studenten und Alumni sind buchstäblich Fans ihrer Alma Mater. Zu Wohlstand gekommen, spenden sie erhebliche Summen, nicht selten ganze Neubauten.

Ein weiterer Unterschied liegt in den Gehältern: In den meisten amerikanischen Staaten wird ohne Begrenzung nach Marktwert bezahlt. Der Football-Trainer verdient nicht selten ein Vielfaches des Präsidenten. Komplizierte Regelwerke über leistungsgerechte Bezüge erübrigen sich. Berechnet nach Kaufkraft, kann der amerikanische dem deutschen Professor im Gehalt spielend um den Faktor zwei voraus sein. Dabei ist seine Lehrbelastung deutlich niedriger, statt neun Wochenstunden oft nur vier. Einzelne einflussreiche Professoren demonstrieren ihre Bedeutung auch dadurch, dass sie ihrer Lehrverpflichtung nur teilweise oder gar nicht nachkommen. Im Unterschied zu den üblichen Sonntagsreden sind Ansehen, Einfluss und Gehalt eines Professors weitgehend unabhängig von der Leistung in der Lehre, sondern berechnen sich proportional zum eingeworbenen Geld. Davon gelangen in der Regel etwa 45 Prozent als Overhead in die Kassen der Universität. Sie wird sich also hüten, einen nach diesem Maßstab erfolgreichen Professor ausgerechnet wegen mangelhafter Lehre zu verärgern.

Bei seiner Kernaufgabe, der Ausbildung des qualifizierten Nachwuchses, versagt das amerikanische Schul- und Universitätssystem dramatisch. Die amerikanische Volkswirtschaft ist auf den massenhaften Import gut ausgebildeter Fachkräfte angewiesen. Diese eklatante Fehlleistung, die uns als Vorbild vorgehalten wird, schadet den abgebenden Volkswirtschaften genauso, wie sie einen Teil der amerikanischen Jugend ihrer Chancen beraubt. Deutsche Studenten und Postdocs haben einen vorzüglichen Ruf an amerikanischen Universitäten. Der zu Recht beklagte Braindrain muss auch als ein Gütesiegel für die in der Breite hohe Qualität des deutschen universitären Bildungssystems gewertet werden. Es steht zu befürchten, dass sie durch Ignoranz und dem Nacheilen falscher Vorbilder akut bedroht ist. Wahr ist aber auch, dass die deutschen Universitäten in die Lage versetzt werden müssen, sich in Zukunft an Harvard messen zu können, um am Markt zu bestehen. Dabei sollten wir so bescheiden bleiben, nicht zu glauben, das deutsche Universitätssystem sei um so viel besser, dass es das mit einem Bruchteil des Budgets der Harvard University leisten könnte. Im Mangel an Ressourcen liegt das Problem, nicht in der Struktur!

Der Autor ist Direktor des Instituts für Optik und Quantenelektronik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Geschrieben von: Spider Monday, 8.09.2008, 12:24
"Der Standard" vom 6.9.2008: Und sie können es doch
Ressort: Kommentar, Seite 48

Die Studierenden werden nicht schlechter, sie provozieren nur. Gut so.

Wendelin Schmidt-Dengler

Natürlich können Studentinnen und Studenten lesen, die Frage ist nur, was man unter Lesen versteht. Pisa hat da ein großes Unheil angestiftet, indem es den denkbar naivsten Begriff vom Lesen populär gemacht hat. Lesen ist halt mehr, ist eben nicht nur die Fähigkeit, einen Text buchstabengetreu herunterzubeten und dann eine Zusammenfassung zu bieten, Lesen im Vollsinne des Wortes ist vielerlei, vor allem soll es, gleichgültig, wie der gelesene Text nun beschaffen ist, ein Erkenntnisgewinn sein.

Kein Buch ist so schlecht, dass man daraus nicht doch irgendwas lernen könne, sagte schon Plinius der Ältere. Der junge Hofmannsthal, wahrlich ein Champion des Lesens, legt am Ende von Der Tor und der Tod dem Tod Worte in den Mund, aus denen seine Hochachtung für die Menschen spricht, weil sie Leser seien: Lesen reicht weit über das Geschriebene hinaus, doch ist das Lesen der "täglichen Schrift" (Peter Handke) immer noch das Exerzitium, um mit den Tatsachen des Lebens umzugehen.

Wenn Literaturwissenschaft einen Sinn hat, so den, dass sie anhand von Texten der Literatur das Lesen übt, und zwar so, dass auch für andere Disziplinen klar wird, was Lesen bedeutet, so das Lesen naturwissenschaftlicher, juristischer, philosophischer und theologischer Texte.

Schließlich bedarf es in jeder Disziplin einer soliden Hermeneutik, und gerade eine solche lässt sich vortrefflich an literarischen Texten einüben, einfach weil die Mehrdeutigkeit dieser Gebilde eben immer wieder zu kontroversen Deutungen herausfordert.

Natürlich können Studentinnen und Studenten lesen. Es wäre töricht, wenn man sie allesamt zu Opfern einer Fernsehkultur macht, in der das Erkennen größerer Zusammenhänge dem Terror der Videoclips zum Opfer fällt.
In den vierzig Jahren meiner Tätigkeit als Literaturwissenschafter habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Studierenden (und ich rede nur von solchen, die ernsthaft studieren, und nicht von jenen, die irgendeine Fertigkeit erlernen wollen) die Lesevorgänge auch für die Lehrer entscheidend neu prägten. Wenn Texte neu und anders gelesen wurden, vor allem seit den späten Sechzigerjahren, so ist das nicht zuletzt ein Verdienst der Studierenden. Was da durch soziologische, psychoanalytische oder meinetwegen auch postkoloniale Perspektiven hinzukam, sollten wir dankbar registrieren, auch wenn uns manches fragwürdig erscheint.

Wenn ein Student mit einem leicht provozierenden Vergnügen die Verse aus Goethes "Willkommen und Abschied" phallisch deutet, so ist das heute kein Überraschungsmoment mehr, aber das hat doch alles seinen Platz in der lebendigen Diskussion um Texte: "Schon stand im Nebelkleid die Eiche / Ein aufgetürmter Riese, da / Wo Finsternis aus dem Gesträuche / Mit hundert schwarzen Augen sah." Das sei hier nicht betont, um die Eigenständigkeit studentischer Praktiken zu verklären oder einer hermeneutischen Anarchie zu huldigen, die auch nicht weiterführt. Aber ohne solche mitunter provozierende Anlässe würden wir auf der Stelle treten und das wiederholen, was unsere Lehrer gesagt haben.

Wer heute das Lesen lehren oder auch nur üben will, hat es nicht leicht, aber aus meiner Praxis kann ich sagen, dass es immer wieder Überraschungen gegeben hat, wenn sich junge Leser an komplexen Gebilden abarbeiteten. Und die Rede von den Studierenden, die immer schlechter werden, ist schlicht obsolet, auch wenn man sich bei Prüfungen manchmal richtig grün und blau ärgern kann. Aber das ist ein Berufsrisiko.

Geschrieben von: Spider Thursday, 11.09.2008, 12:40
"Die Zeit" Nr. 38 vom 11.09.2008: Viel Arbeit, kaum Geld
Ressort: Chancen, Seite 79

Jan-Martin Wiarda

Das Hochschul-Informations-System (HIS) hat den Berufseinstieg von Geisteswissenschaftlern untersucht. Ein Gespräch mit dem Forscher Kolja Briedis

DIE ZEIT: Kaum ein Klischee hält sich so hartnäckig wie das des promovierten Taxifahrers. Sie haben die Berufsaussichten von Geisteswissenschaftlern untersucht. Wie schlecht sind sie wirklich?

KOLJA BRIEDIS: Das hängt davon ab, welche Erwartungen man hat. Ein BWL-Absolvent wäre angesichts der oft langwierigen Berufseinstiegsphase, der Vielzahl von Zeitverträgen oder der niedrigen Anfangsgehälter wahrscheinlich emotional am Ende. Die meisten Geisteswissenschaftler aber haben nie mit der Motivation studiert, durch ihren Beruf reich zu werden oder gleich eine lebenslange Stellung zu bekommen. Ihnen ist die Möglichkeit zur Selbstentfaltung, zum selbst bestimmten Leben wichtig. Und das ist die gute Nachricht: Fast alle Geisteswissenschaftler können ihren Lebensunterhalt wenige Monate nach ihren Studium selbst bestreiten.

ZEIT: Können Sie ein paar Zahlen nennen?

BRIEDIS: Ein Jahr nach dem Abschluss ist die Arbeitslosigkeit unter Geisteswissenschaftlern auf 5 Prozent gesunken, deutlich unter den bundesweiten Schnitt aller Berufe. Ihr mittleres Einkommen liegt allerdings nur bei 22500 Euro, das ist gerade mal rund die Hälfte vom durchschnittlichen Einstiegsgehalt eines BWL-Absolventen. Zwei Drittel sind angestellt, ein Drittel arbeitet selbstständig oder freiberuflich.

ZEIT: "Freiberuflich" ist das nicht ein anderes Wort für verdeckte Arbeitslosigkeit?

BRIEDIS: Für einen Teil sicherlich. Das sind die Leute, die sich aus der Not heraus selbstständig machen, weil sie nichts anderes finden. Doch es gibt natürlich auch jede Menge Absolventen in Bereichen, in denen sind feste Stellen einfach nicht üblich. Wo gibt es schon angestellte Künstler? Auch bei Journalisten ist es mittlerweile normal, freiberuflich ins Berufsleben zu starten. Ich schätze, dass die Quote der fachbedingten Selbstständigkeit bei etwa 20 Prozent liegt. Beim Rest, derzeit etwa 10 bis 13 Prozent aller Absolventen, ist die Selbstständigkeit ein Ausweg vor der Arbeitslosigkeit. Doch ich würde auch das nicht nur negativ bewerten.

ZEIT: Warum?

BRIEDIS: Eine der Stärken von Geisteswissenschaftlern ist ja, dass sie extrem anpassungsfähig sind, dass viele von ihnen keine festgelegten Berufsfelder haben. Sie haben also zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, weil es immer eine Möglichkeit, eine Nische für sie gibt. Was an sich eine gute Sache ist. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass freiberufliche und selbstständige Geisteswissenschaftler am Anfang ihrer Karriere häufig kaum mehr als den Sozialhilfesatz verdienen. Ihr mittleres Einkommen beträgt zu diesem Zeitpunkt 15000 Euro im Jahr. Das ist erschreckend niedrig.

ZEIT: In welchen Berufen landen Geisteswissenschaftler?

BRIEDIS: Etwa die Hälfte geht in klassische Bereiche, die mit ihrem Studium zu tun haben. Das bedeutet umgekehrt aber auch, dass eine Hälfte in untypischen Bereichen beschäftigt ist. Da ist alles dabei, vom Einzelhandel über die Unternehmenskommunikation bis hin zu Sprachkursen für Migranten. Leider ist diese Arbeit nicht immer anspruchsvoll, und die Leute werden all das Fachwissen, das sie im Studium erworben haben, vielleicht niemals einsetzen können.

ZEIT: Niemals? Geisteswissenschaftler werden doch oft damit vertröstet, diese Phase in ihrem Berufsleben sei nur vorübergehend, irgendwann fänden sie schon etwas Passenderes.

BRIEDIS: Zumindest auf einen Teil von ihnen trifft das aber nicht zu. Etwa ein Fünftel hat auch fünf Jahre nach dem Studium noch keine adäquate Position erreicht, die von den Anforderungen, von der Bezahlung oder auch den Inhalten her ihrem Studium entspricht.

ZEIT: Führt das nicht zu einer riesigen Enttäuschung?

BRIEDIS: Das hätte ich auch erwartet. Natürlich stellt sich vielen die implizite Frage: Hat sich das Studium für mich gelohnt? Die Antworten überraschen. 90 Prozent der befragten Geisteswissenschaftler sagen zwar, sie würden wieder studieren. Doch nur 60 Prozent derjenigen, die noch mal studieren würden, würden wieder das gleiche Fach wählen. Daraus sprechen viele schlechte Erfahrungen, die zum Teil an der Hochschule, zum Teil im Berufsleben gemacht wurden.

ZEIT: Akademiker seien die großen Gewinner in einer globalisierten Wirtschaft, heißt es oft. Trifft das auch auf die Geisteswissenschaftler zu?

BRIEDIS: Es stimmt sicherlich, dass die Akademiker hierzulande diejenige Gruppe unter allen Beschäftigten sind, die am wenigsten Grund zur Klage haben. Gleichzeitig sind aber innerhalb dieser Gruppe die Geisteswissenschaftler diejenigen, denen es gemessen an klassischen Berufserfolgskategorien am schlechtesten geht. Die meisten Geisteswissenschaftler erreichen, wenn sie Glück haben, am Ende ihres Berufslebens das Gehalt von gut bezahlten Facharbeitern. Das ist nicht schlecht. Aber meilenweit von dem entfernt, was Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieure verdienen.

ZEIT: Der Unterschied ist, dass sie dieses Niveau erst viel später erreichen als ehemalige Azubis. Was heißt das für ihren späteren Anspruch auf Rente, für ihre Altersversorgung?

BRIEDIS: Das ist heute noch schwer abzuschätzen. Gut möglich, dass ein größerer Teil es mit Altersarmut zu tun bekommt. Doch gerade weil die Arbeitsbiografien heute so kompliziert sind und selten vorherzusagen, wird man das in vielen Fällen wohl erst genau sagen können, wenn die Betroffenen tatsächlich im Rentenalter sind. Doch eines sollte man nie vergessen: Die Gefahr der Arbeitslosigkeit und Altersarmut bei Unqualifizierten ist immer noch um ein Vielfaches höher.

Das Gespräch führte Jan-Martin Wiarda

Geschrieben von: Spider Monday, 15.09.2008, 13:50
"Kurier" vom 13.9.2008: Studien-Fächer: Studienlandschaft formiert sich neu
Ressort: Karriere, Seite K66

Die bösen Gerüchte nahmen kein Ende. "Das Numismatik-Studium wird bei der Umstellung auf das Bologna-System eingestellt", zitterte man in Studenten-Kreisen an der Uni Wien. Dann kam es nur halb so schlimm: Die Numismatik (Münzkunde), bisher individuelles Diplomstudium, wird es ab dem heurigen Wintersemester zwar als Bachelor nicht geben. Als Master bleibt sie aber erhalten. Ein ähnliches Szenario ereignete sich an der Uni Innsbruck: Das Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft wird dort ab heuer nur noch als Masterstudium gelehrt.

Unis stellen um
Hintergrund dieser Veränderungen: Die Unis stellen sich auf die dreigliedrige Bologna-Architektur (Bachelor-Master-PhD) um. "Ziel der Umstellung war, den Bachelor auf Basiswissen auszurichten. Der anschließende Master soll eine Fokussierung ermöglichen", erläutert Christa Schnabel, Vizerektorin an der Universität Wien. Das bedeutet: Ein allgemeines, wenig ausdifferenziertes Bachelor-Studium soll Basiswissen vermitteln. Danach kann mit einem Masterstudium eine Spezialisierung getroffen werden. Ein Beispiel: An der Uni Graz gab es drei unterschiedliche Biologie-Fächer als Grundstudien: "Biodiversität und Ökologie", "Verhalten" und "Funktionelle Pflanzenbiologie". Diese wurden durch einen gemeinsamen Bachelor ersetzt, die Diversifikation erfolgt erst im Master.

Kriterium Arbeitsmarkt
Jenseits der Umstellung auf das Bologna-System bestimmen gesellschaftliche Veränderungen das Studienangebot. "Mit dem Master ,Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens haben wir auf die Herausforderungen der Globalisierung reagiert", sagt Schnabl. "Das ist eine Reaktion auf den Bedarf am Arbeitsmarkt."
Dieser steht - im Gegensatz zu den Unis, die zugleich Forschungseinrichtungen sind - bei Fachhochschulen im Fokus: FHs sind entstanden, um die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts zu bedienen, und Absolventen einen Arbeitsplatz zu garantieren. So herrscht an den FHs viel stärkere Volatilität: Jedes Jahr laufen Fächer aus. Und neue entstehen.

Geboren & gestorben: Fächer kommen und gehen

Der KURIER hat die Veränderungen im Studienangebot zusammengetragen - hier ein Auszug:
Neu entstanden: Blasorchesterleitung (Master, Mozarteum Salzburg), Maßgeschneiderte Medikamente (Master, TU Graz), Joint-Degree-Masterstudium Sustainable Development (Master, Uni Graz), Europäische Politik und Gesellschaft (Master, Uni Innsbruck), Zahnmedizinische Hypnose (Uni-Lehrgang, MedUni Wien), Eisenbahn-Infrastrukturtechnik (FH St. Pölten), Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement (FH Kapfenberg), Journalismus und Public Relations (FH Graz), Mechatronik mit Schwerpunkt Maschinenbau (FH Innsbruck), Training und Sport (FH Wiener Neustadt), Luftfahrt / Aviation (FH Graz), Militärische Führung (FH Wiener Neustadt).
Umdesignt: Numismatik (Uni Wien), Biologie (Uni Wien), Vergleichende Literaturwissenschaften (Uni Innsbruck), Betriebswirtschaft (Uni Innsbruck).
Ausgedient: Elektronik (FH Wien), Physiotherapie (FH Bad Gleichenberg), Logistik (FH Wiener Neustadt).

Geschrieben von: Spider Monday, 15.09.2008, 13:55
"Die Presse" vom 13.9.2008: „Das ist Wachteleierpolitik!“
Ressort: Inland, Seite 3

Martina Salomon

INTERVIEW. ÖVP-Minister Hahn fragt sich, ob demnächst auch die Noten abgeschafft werden.

Die Presse: Was können Sie tun, außer schreckensstarr zuzusehen, wie das Parlament unter anderem die Studiengebühr gegen Ihren Willen abschafft?

Johannes Hahn: Ich hoffe immer noch, dass Vernunft einkehrt. Alles, was da bisher auf dem Tisch liegt, ist unsinnig. Ausgerechnet die SPÖ verabschiedet sich vom Ziel, mehr Geld für den tertiären Bereich auszugeben. Wenn jetzt den Universitäten Geld entzogen wird und gleichzeitig vollmundig angekündigt wird, dass man das ausgleicht, dann wird man irgendwann draufkommen, dass das Budget auch nicht uferlos ist. Die Abschaffung der Studiengebühr kostet 150 Millionen Euro im Jahr – Tendenz zunehmend, weil die Studentenzahlen ja steigen.


In Diskussion ist auch, dass Bummelstudenten zahlen. Wie kann das administrativ funktionieren?

Hahn: Ein Rektor hat mir erzählt, dass er dafür an seiner Universität 20 Verwaltungsmitarbeiter mehr bräuchte. Schließlich muss ja dann jeder einzelne Student auf seine Lebensgewohnheiten hin überprüft werden: wie intensiv er beruflich arbeitet, ob er hinreichend studiert. Man weiß auch nicht: Muss er die Beiträge vorher zahlen, oder wird er rückwirkend zur Kassa gebeten? Und wird die Universität jetzt zum Inkassobüro? Willkommen in der Wirklichkeit!

Auch die Zugangsbeschränkungen bei Publizistik, Psychologie und Betriebswirtschaft sollen fallen.

Hahn: Das ist der nächste Schwachsinn! Das wird dazu führen, dass jene, die es sich leisten können, ins Ausland gehen, wo die Studienbedingungen besser sind. Wo ist da die soziale Symmetrie? Außerdem werden wir noch attraktiver für Deutsche. Kein Numerus clausus, keine Studiengebühren: Schlaraffenland! Als Nächstes erwarte ich die Abschaffung der Noten und die Befreiung von der Matura als Zugangsvoraussetzung. Man muss schon konsequent sein, wenn man blöd ist!


Was halten Sie von der ebenfalls im Raum stehenden Erhöhung der Zahl der Medizin-Studienplätze?

Hahn: Das ist absurd. Jetzt, wo wir es endlich geschafft haben, die Wartezeit auf Praktikumsplätze zu verkürzen!


Aber der ÖVP sind die Hände gebunden. Sie werden am 24. September überstimmt – und aus.

Hahn: Ich kann nur hoffen, dass es bis zur Abstimmung in den Fraktionen noch ein paar normal Tickende gibt, und dass auch beide Gehirnlappen gleichzeitig zum Einsatz kommen. Auch eine Form der Symmetrie!

Kann gut sein, dass die Gebühren jetzt abgeschafft, aber von der neuen Regierung wieder eingeführt werden, oder?

Hahn: Das ist Wachteleierpolitik! Aber die SPÖ kann das ja alles den Josef Broukal fordern lassen, weil der ist in der nächsten Legislaturperiode eh nicht mehr im Nationalrat. Später können die Sozialdemokraten dann behaupten: „Das war alles der böse Broukal.“

Geschrieben von: Spider Monday, 15.09.2008, 13:55
"Die Presse" vom 13.9.2008: Uni-Paket: Rektorenchef warnt vor den Folgen
Ressort: Inland, Seite 3

Christoph Badelt sorgt sich um die Finanzierung, wenn die Zugangsbeschränkungen fallen sollten.

WIEN (red./APA). Christoph Badelt, Chef der Universitätenkonferenz (uniko) und Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), appelliert „an die Vernunft“ der Politik, „mit solch elementaren Fragen des Ausbildungssystems nicht leichtfertig umzugehen“. Gemeint sind die geplante Abschaffung der Studiengebühren und der Zugangsbeschränkungen. Er sei durchaus bereit, „über vieles nachzudenken“ – wenn das der Start einer neuen bildungspolitischen Debatte sei. Aber man könne „so etwas“ nicht binnen weniger Tage „durch den Nationalrat peitschen“, wenn die Folgen nicht klar seien. Hier trete „Wahlkampfmusik an die Stelle seriöser Bildungspolitik“.

Der uniko-Chef kritisiert vor allem, dass die Möglichkeit für Zugangsbeschränkungen ohne entsprechende Hochschulfinanzierung weitgehend ersatzlos abgeschafft werde: „Solange wir keine Studienplatzfinanzierung haben, ist eine solche Maßnahme für die betroffenen Universitäten eine Katastrophe.“ Die Mediziner etwa sagten, „das geht schlicht und einfach nicht“. Kein Land der Welt habe freien Zugang zum Medizinstudium. Und an der WU gebe es jetzt schon 5000 bis 6000 Anfänger bei Kapazitäten für maximal 1700 Studenten. Das führe zu Wartezeiten in der Studieneingangsphase.

Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) ist hier völlig konträrer Ansicht: Die Abschaffung der Studiengebühren für EU-Bürger sei als Teilerfolg der langjährigen Studentenproteste zu sehen und bedeute eine enorme Erleichterung für viele Studierende, resümierte Marlies Wilhelm vom ÖH-Vorsitzteam. Trotzdem bleibe die Abschaffung der Gebühren für alle Studenten „zwingend notwendig“.

Geschrieben von: Spider Monday, 15.09.2008, 13:56
"Die Presse" vom 13.9.2008: Studieren: Harvard für alle
Ressort: Economist, Seite 23

Franz Schellhorn

78.308 Dollar investieren Österreichs Steuerzahler in einen Hochschüler, bis dieser seinen Abschluss in der Tasche hat. Eine Menge Geld, mit der sich einiges bezahlen ließe. Ein Studium an einer Elite-Uni zum Beispiel.

Wer die aktuelle Bildungsstudie der OECD mit der „österreichischen“ Umverteilungsbrille auf der Nase liest, wird in Windeseile zu folgender Schlussfolgerung kommen: Österreichs Bildungswesen wird systematisch kaputtgespart. Der Staat steckt nämlich nur mehr 5,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in den Bereich Bildung. Das ist zwar deutlich mehr als in anderen Ländern, aber trotzdem weniger als die 6,1 Prozent des Jahres 1995.

Die Republik Österreich lässt sich die Bildung des Nachwuchses immerhin noch knapp 15 Mrd. Euro im Jahr kosten. Ob diese Summe gut oder schlecht angelegt ist, hängt vor allem einmal davon ab, wen man fragt. Lehrer und Eltern bzw. Studenten und Rektoren kommen in dieser Frage zu durchaus unterschiedlichen Einschätzungen.

Unumstritten ist, dass die heimischen Hochschulen weltweit an der Spitze liegen – was die Kosten anlangt. Laut OECD investieren Österreichs Steuerzahler in jeden Hochschüler von Studienbeginn bis zur Sponsion 78.308 Dollar. Dieser Betrag klingt nicht nur nach viel Geld, er ist es auch. Mit 78.308 Dollar könnte sich ein begabter junger Mensch aus Österreich schon eine Menge vernünftiger Dinge leisten. Zweieinhalb Jahre Studium an einer der US-Eliteuniversitäten Harvard, Princeton oder Wharton zum Beispiel.

Wer nun meinen sollte, dass das heimische Hochschulwesen maßlos überteuert ist, wird nicht ganz falsch liegen. Die staatlichen Universitäten Österreichs brauchen zur Ausbildung eines Studenten um 66 Prozent mehr Geld als der Durchschnitt der 30 in der OECD versammelten Industrieländer. Nicht schlecht, Herr Specht.

Was nicht heißt, dass Österreichs Unis auch hinsichtlich der Qualität der Lehre im internationalen Spitzenfeld zu finden wären. Das tun sie nämlich auch nicht, sie sind vielmehr tiefstes Mittelmaß. Das Land steckt eben jede Menge Geld und Energie in die Breite („Orchideen-Studien“), nicht in die Tiefe. Weshalb trotz des hohen Mitteleinsatzes allerorts über verheerende Verhältnisse geklagt wird: Miserable Betreuung und desolate Hörsäle mit einer völlig veralteten technischen Ausstattung (so überhaupt) gehören zum Alltag der Studenten.


Nicht nur teuer, auch schlecht
Während sich attraktive Arbeitgeber um Abgänger amerikanischer Privat-Universitäten geradezu raufen, rennen tausende Absolventen der WU Wien um einen interessanten und einigermaßen gut bezahlten Job. Was sehr viel mit der Qualität der Ausbildung zu tun hat: In Wharton teilen sich 4000 Studenten 250 Professoren, an der Wirtschaftsuniversität Wien „kümmern“ sich 82 Professoren um 20.000 Hochschüler. An der Duke University in North Carolina führen Pulitzer-Preisträger die Studenten in Kleinstgruppen in das Zeitungsgeschäft ein. In derselben Zeit bereiten die staatlichen Publizistik-Institute Österreichs Studenten mit Seminaren der Art „Warum die an sich sehr tolle Idee des Kommunismus halt leider nicht ganz ideal umgesetzt wurde“ auf das Berufsleben in der Medienwelt vor.

Hohe Kosten bei gleichzeitig schlechten Ergebnissen scheinen laut OECD überhaupt die auffälligste Eigenheit des österreichischen Bildungssystems zu sein. Für die zwölf Jahre dauernde Ausbildung eines Maturanten nimmt der Staat 111.167 Dollar in die Hand – das sind um 23.447 Dollar oder 27 Prozent mehr als im Schnitt der industrialisierten Welt. Geld allein bildet nicht: Bereits in der Mittelschule fallen Österreichs Schüler mit bescheidenen Leistungen auf.

Politiker wissen das. Weshalb viele von ihnen ihre Kinder längst in Privatschulen unterrichten lassen. Diese können auch eine ganze Menge. Die Unterrichtszeiten orientieren sich an den Wünschen von Schülern und Eltern, weniger an jenen der Lehrergewerkschaft. Die Möglichkeit einer professionellen Nachmittagsbetreuung ist eine Selbstverständlichkeit und EU-weit schneiden die Schüler aus Privatschulen bei PISA-Tests überwiegend besser ab als jene der staatlichen.

Nicht nur teuer, auch unsozial
Privatschulen sind auch ein gutes Beispiel dafür, wie die Misere am Bildungsmarkt zu lösen wäre. Österreich könnte sich an den Niederlanden orientieren und allen Bildungsinstitutionen – ob staatlich oder privat – dieselbe Menge Geld je Schüler zukommen lassen. Um allen Schülern unabhängig ihrer Herkunft den Zugang zur besten Bildung zu ermöglichen, reicht die Verteilung von Bildungsschecks – einzulösen bei Gymnasien oder Hochschulen nach freier Wahl.

US-Eliteuniversitäten befreien sozial Schwächere zudem nicht nur von den Gebühren, sie reservieren für sie auch zehn Prozent der Studienplätze. Mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Uni-Absolventen aus dem Arbeitermilieu in den USA weit höher ist als im Wohlfahrtsstaat Österreich. Auch, wenn das hierzulande niemand gerne hört.

Infografiken:
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Geschrieben von: Spider Friday, 26.09.2008, 01:17
"diepresse.com" vom 16.9.2008: Billig-Notebook-Aktion der Uni Wien wird ausgeweitet

Vergangenes Semester haben 1740 Studenten die günstigen "u:book"-Laptops gekauft. Angeboten werden Geräte von Apple, Lenovo und HP.

Experten des Zentralen Informatikdienstes (ZID) der Universität Wien nehmen Studenten seit heuer die Qual der Wahl bei der Suche nach einem geeigneten Notebook ab. Die Spezialisten haben Geräte von namhaften Herstellern ausgewählt, die Studierenden können sie über die Uni unter dem Listenpreis und speziell für das universitäre Umfeld adaptiert unter dem Titel "u:book" erwerben.

Nach dem großen Erfolg an der Uni Wien und 1740 verkauften Geräten, wird die Aktion nun auf insgesamt elf Unis in Wien, Innsbruck, Graz und Linz ausgedehnt.

Mit einem u:book erhalten Studierende und Uni-Mitarbeiter ein auf das universitäre Umfeld abgestimmtes Arbeitsgerät. So wurden rund um die u:books verschiedenste IT-Services der Universität gebündelt, um den Benutzern einen optimierten mobilen Arbeitsplatz für die Anforderungen ihres Studiums zur Verfügung zu stellen.

Zum Servicepaket des ZID beim Kauf eines u:books gehört unter anderem vorkonfigurierte Netzwerkeinstellungen. Bei den u:books handelt es sich ausschließlich um hochwertige Businessgeräte verschiedener Hersteller (Lenovo, HP, Apple). Aufgrund der "exklusiven Preise" wurde die Bezugsmenge auf ein Notebook pro Person und Verkaufsfenster beschränkt. Das billigste Notebook ist von HP und um 650 Euro zu haben. Das nächste Verkaufsfenster läuft von 22. September bis 19. Oktober. (Ag./Red.)

Geschrieben von: Spider Friday, 26.09.2008, 23:39
"Die Presse" vom 20.9.2008: Das fünfte Element
Ressort: Spectrum, Seite I

von Konrad Paul Liessmann

Wer über Geld spricht, hat es nicht. Was aber bedeutet es, Geld zu haben – oder Geld zu verlieren? Non olet: eine kleine Philosophie des Geldes.

Wer über Geld spricht, hat es nicht. Und wer dies zudem als Philosoph tut, läuft Gefahr, in eine ähnliche Situation wie der heilige Augustinus zu geraten, als dieser über die Zeit nachdenken wollte: „Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich's, will ich's aber einem Fragenden erklären, weiß ich's nicht.“ Solange wir mit Geld hantieren, es bekommen und wieder ausgeben, davon zu wenig oder doch nicht genug haben – zu viel Geld hat man bekanntlich überhaupt nie –, haben wir damit kein Problem. Universeller und alltäglicher ist kaum eine Erfindung der Menschen geworden. Jeder hat es, und wer es nicht hat, hätte es gerne. Und doch: Die Frage, was Geld nun eigentlich sei, was sein Wesen oder auch Unwesen ausmache, ist, zumindest für den ökonomischen Laien, so leicht nicht zu beantworten.


Schon der Ursprung des Geldes ist umstritten. In der Geschichte der menschlichen Zivilisationen ist Geld eigentlich eine ziemlich späte Erfindung, in der Regel wird zumindest für das Münzgeld das 7. vorchristliche Jahrhundert als Entstehungszeit genannt, Vorformen des Geldes dürften allerdings weiter zurückreichen. Unklar ist, aus welchen sozialen Kontexten sich das Geld entwickelt hat: aus der Sphäre ursprünglicher Tausch- und Handelsbeziehungen oder aus der Sphäre der Religion. Zumindest das deutsche Wort „Geld“ hängt etymologisch nicht mit„Gold“ zusammen, sondern leitet sich von dem althochdeutschen Wort„gelt“ ab, das ursprünglich eine religiöse Opfergabe bezeichnete, so wie auch das Verb „geltan“ sowohl „opfern“ als auch „zurückzahlen“ bedeuten konnte – Geld hat zumindest auf dieser Ebene immer auch mit gelten und vergelten zu tun. Noch unsere umgangssprachliche Bekräftigungsfloskel „gell“ oder „gelt“ leitet sich davon ab und bedeutet ursprünglich: Es möge gelten.

Was aber gilt, wenn das Geld gilt? Schon Aristoteles hat sich über die Frage den Kopf zerbrochen, worin nun die eigentliche Leistung und Funktion des Geldes besteht, und er ist, in der Frühzeit der Geldwirtschaft, schon zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Mit mythologischen Spekulationen hält sich der nüchterne Philosoph nicht lange auf, für ihn ist klar, dass das Geld nur im Zusammenhang mit dem Tausch entstanden sein kann und für den Tausch eine entscheidende Rolle spielt. Allerdings nützt Aristoteles diesen Ansatz, um erst einmal Prinzipielles zum Phänomen des Tausches zu sagen. In der „Nikomachischen Ethik“ können wir dazu folgende Überlegung finden: „Ein Arzt und noch ein Arzt ergeben keine Gemeinschaft des Austausches, aber wohl ein Arzt und ein Landwirt, und überhaupt zwei Personen, die nicht gleich sind; aber zwischen diesen muss dann eine Ausgleichung stattfinden. Darum muss alles, was ausgetauscht werden soll, irgendwie vergleichbar sein. Da- zu nun ist das Geld in die Welt gekommen, und so wird es zu einer Art von Vermittler; denn an ihm wird alles gemessen, also auch das Zuviel und Zuwenig.“

Tauschakte, so Aristoteles, haben immer ein bestimmtes Maß an Ungleichheit zur Voraussetzung. Es ergibt keinen Sinn, etwas gegen dasselbe einzutauschen. Nur dort, wo Unterschiedliches vorhanden und Unterschiedliches begehrt wird, können Tauschprozesse entstehen. Je größer und vielfältiger diese Unterschiede, desto größer die Möglichkeiten des Tausches. Je arbeitsteiliger eine Gesellschaft organisiert ist, desto tauschfreudiger müssen ihre Mitglieder sein. Der autarke Bauer, der für seine Bedürfnisse nahezu allesselbst erzeugen kann, kann auf den Tausch vielleicht verzichten. Der spezialisierte Stadtmensch muss nahezu alles, was er zum Leben benötigt, durch Tausch organisieren. Der Tauschakt selbst lebt von einer Differenz, die ausgeglichen werden will. Werden aber, wie in Urzeiten wohl der Fall, Güter und Dienstleistungen nur gegen Güter und Dienstleistungen getauscht, sind die Möglichkeiten des Tausches äußerst begrenzt. Ein hungriger Arzt, der auf einen gesunden Bauern trifft, wird unter diesen Bedingungen nicht satt werden, außer er hat die Möglichkeit, sich mit Gewalt zu nehmen, was er braucht. Der Raub ist sozusagen der Schatten des Tausches, sein dunkler Begleiter, genauso wie der reine Gütertausch auch in einer Geldgesellschaft als latente Möglichkeit immer vorhanden ist: Die Tauschakte von Kindern sind dadurch ebenso charakterisiert wie die Märkte, die nach Naturkatastrophen oder Kriegen sofort entstehen.

Das Geld, so sinnierte Aristoteles, ermöglicht aber nun auf eine raffinierte Art der Universalisierung des Tausches. Es signalisiert nicht nur die Differenz zwischentauschwilligen Subjekten, sondern stellt ein Mittel dar, mit dem diese Differenz gemessen und ein Ausgleich jenseits konkreter Angebote hergestellt werden kann. Das Geld repräsentiert gleichsam das Universum möglicher Waren; wer etwas gegen Geld tauscht, kann dieses wiederum gegen alles Mögliche tauschen. Nach welchem Kriterium aber kommen die Gegenstände des Tausches zu ihrem Geldwert? Wie wird der Wert der Güter, der sich in einem Geldwert ausdrücken lässt, ermittelt und gemessen? Aristoteles fand darauf eine einfache Antwort: „Es ist aber in Wirklichkeit das Bedürfnis, das alles zusammenhält. Gäbe es keine Bedürfnisse, oder gäbe es darin kein Gleich wider Gleich, so gäbe es keinen Austausch oder doch keinen von der gegebenen Art.“

Schon bei Aristoteles klingt das an, was die moderne Geldtheorie die „Wertmessfunktion“ des Geldes nennt. Das Geld misst aber nicht die Werte, die den Dingen an sich zukommen mögen, sondern die Werte, die die Dinge für den bedürftigen Menschen darstellen. Das Geld gibt an, welchen Wert Menschen unter bestimmten Bedingungen Gütern oder Dienstleistungen beimessen. Im Wert, der durch Geld ausgedrückt wird, werden deshalb immer die subjektiven Bedürfnisse und Präferenzen miteinander vermittelt. Umgekehrt: Erst wenn Menschen bekannt geben, was sie für eine Sache zu zahlen bereit sind, wissen wir, welchen Wert sie dieser Sache wirklich beimessen. Und noch einmal anders formuliert: Tätigkeiten, die schlecht oder gar nicht bezahlt werden, haben unter diesen Bedingungen keinen Wert, auch dann nicht, wenn ihnen viel Idealismus oder eine hohe moralische Qualität zugesprochen wird. – Geld selbst hat allerdings unter dieser Perspektive auch keinen Wert, sondern ist nur der Repräsentant des Wertes, der Maßstab, nicht das Gemessene. Deshalb gilt das Geld auch nicht durch den Wert, den es selbst darstellt, auch wenn in der Ursprungszeit des Geldes wohl Dinge als Geld fungierten, die für die meisten Menschen einen realen Wert hatten, Rinder zum Beispiel. Damit Geld gelten kann, darf es selbst aber kein anderes Bedürfnis als das nach einem Tauschmittel erfüllen. Rinder, die als Geld verwendet werden, sind zumindest dann schlechtes Geld, wenn sein hungriger Besitzer damit nicht tauscht, sondern sie verzehrt. Aristoteles behauptete deshalb, inspiriert durch „nomisma“, das griechische Wort für Geld, dass es kein „natürliches“ Geld gibt, sondern dass das Geld durch „Übereinkunft“ eingeführt worden ist, „dass es nicht der Natur, sondern dem Gesetz (nomos) seine Existenz verdankt und es in unserer Macht steht, es umzuändern und es außer Kurs zu setzen“.

Aristoteles hat, so könnte man sagen, in Bezug auf die von der Geldtheorie so genannte „Wertdarstellungsfunktion“ des Geldes im Prinzip eine „nominalistische“ Position vertreten. Inwiefern Geld einen Wert darstellen kann, ist Resultat einer politischen Festsetzung. Tatsächlich aber ist unsere Vorstellung vom Geld immer auch mit realistischen Aspekten versetzt, der Anteil an Edelmetallen im Münzgeld soll auf einen realen Wert verweisen, und noch die Geldscheine müssen, obwohl Papier, aufwendig hergestellt und ästhetisch gestaltet sein, um diese Funktion erfüllen zu können. Nur das substanzlose Buchgeld muss all dieser realen Wertaspekte entbehren.

Mit wenigen Worten hat Aristoteles eine entscheidende Funktion des Geldes und das damit verbundene zentrale philosophische Problem benannt. Das Geld „ist ein Maß, das alle Güter kommensurabel macht und so die Gleichheit herzustellen ermöglicht. In Wirklichkeit nun ist es allerdings nicht möglich, dass das, was so verschieden ist, kommensurabel werde; aber wohl lässt es sich in einer für das Bedürfnis ausreichenden Weise herstellen.“ Geld ist letztlich Ausdruck einer Unmöglichkeit: dass Unvergleichliches vergleichbar, Unmessbares messbar wird. Spätere Ökonomen, David Ricardo, Adam Smith, auch Karl Marx, haben versucht, den Wert der Waren, der sich im Geld ausdrückt und ihren Austausch ermöglicht, objektiv festzustellen, etwa an das Quantum der Arbeitszeit zu binden, die die Herstellung der Waren erforderte, womit das Verschiedene so verschieden nicht wäre und bei aller Differenz etwas Gleiches getauscht würde. Bis heute allerdings ist dieser Ansatz höchst umstritten, da er tendenziell den Wert oder Preis einer Ware vom Spiel von Angebot und Nachfrage entkoppelt und damit gegen ein Dogma der Marktwirtschaft verstößt.

Was aber bedeutet es, Geld zu haben? Wenn das Geld nur Werte repräsentieren kann, aber selbst keinen Wert hat, warum erscheint uns dann das Geld als das Wichtigste und Wertvollste an sich? Warum streben wir nach Geld, als wäre es selbst der Zweck und nicht ein Mittel? Schon der erste großen neuzeitliche Theoretiker des Geldes, der neapolitanische Abbé Ferdinando Galiani, ein begnadeter Zyniker, von so unterschiedlichen Charakteren wie Marx und Nietzsche deshalb auch gleichermaßen bewundert, warnte in seinem klassischen Buch „Über das Geld“ („Della Moneta“, 1751) dann auch davor, die Anhäufung von Geld mit der Anhäufung von wirklichem Reichtum zu verwechseln. Reichtum, so Galiani, ist nämlich keine absolute Größe, sondern ein soziales Verhältnis: „Ein Mensch ist erst im Verhältnis zu irgendjemand anderem arm oder reich.“ Geld als Geld ist für Galiani kein wirklicher Indikator für diesen Reichtum, den reich ist der derjenige, der nützlichere Dinge besitzt als ein anderer. Für Galiani war diese Sache noch recht einfach, und es ist amüsant, dass der Lebemann, der sich am liebsten mit schönen Frauen in Pariser Salons aufhielt, wie ein Vordenker einer ökologischen Wende argumentierte: „In der Rangfolge der Nützlichkeit der Dinge stehen an erster Stelle die vier Elemente, Erde, Wasser, Luft und Feuer; danach folgt der Mensch, der für alle anderen Menschen das Allernützlichste ist; dann kommen die Nahrung und die Kleidung, danach die Wohnung und an letzter Stelle die weniger großen Bequemlichkeiten und die weiteren Vergnügungen der Menschen.“

Geld kann diese Reichtümer nicht ersetzen, es kann sie wiederum nur symbolisieren. Wer nur Geld hat und sonst nichts, hat solange tatsächlich nichts, bis er das Geld gegen etwas anderes tauscht. Zynisch könnte man auch sage, wer nichts als Geld verliert, hat nichts verloren. Dass es nicht ganz so ist, wird sich zeigen. Galiani zumindest hatte damit jenes Verhältnis von Geld und Wirklichkeit problematisiert, das sich gegenwärtig gerne in der vermeintlichen Indianerweisheit artikuliert, dass man Geld nicht essen kann. – Geld kann man vielleicht nicht essen, dafür aber kann Geld alles andere. Sosah es zumindest – etwas überraschend – der junge Karl Marx. Dieschönste Eloge auf das Geld stammt nämlich von seinem vermeintlich schärfsten Kritiker. Er schrieb: „Was durch das Geld für mich ist, was ich zahlen, d. h. was das Geld kaufen kann, das bin ich, der Besitzer des Geldes selbst. So groß die Kraft des Geldes ist, so groß ist meine Kraft; ich bin ein schlechter, unehrlicher, gewissenloser, geistloser Mensch, aber das Geld ist geehrt, also auch sein Besitzer. Das Geld ist das höchste Gut, also ist sein Besitzer gut; ich bin geistlos, aber das Geld ist der wirkliche Geist aller Dinge, wie sollte sein Besitzer geistlos sein? Zudem kann er sich die geistreichen Leute kaufen, und wer die Macht über die Geistreichen hat, ist der nicht geistreicher als der Geistreiche? Verwandelt also mein Geld nicht alle meine Unvermögen in ihr Gegenteil?“

Was Marx hier – wie ironisch auch immer –andeutet, ist das, was man die egalisierende Funktion des Geldes nennen könnte. Je mehr Waren, Dienstleistungen und Kompetenzen gegen Geld eingetauscht werden können, desto mehr werden diese Dinge und Merkmale von den Parametern von Geburt, Aussehen oder Begabung entbunden. Jenseits einer Geldgesellschaft muss man zumindest einigermaßen sympathisch und verlässlich sein, um Freunde zu gewinnen, die einen auch in schweren Stunden zuhören. In einer Geldgesellschaft kann sich jeder zu diesem Zweck einen Therapeuten mieten. Während der Zugang zu Leistungen und Gütern in nichtmonetären Sozietäten an viele Voraussetzungen gebunden ist, die manchen Menschen prinzipiell verwehrt sind – Vorrechte der Geburt oder des Geschlechts etwa –, stehen dieselben Güter und Leistungen in einer Geldgesellschaft prinzipiell allen offen, allerdings unter der einen Voraussetzung: dass sie Geld haben.
Dadurch spaltet das Geld die Gesellschaft erneut, nun in Habende und Nichthabende. Nirgendwo wird das Problem der Verteilungsgerechtigkeit deshalb so deutlich wahrgenommen wie beim Geld, weil das Geldselbst über seine Verteilungsmöglichkeiten keine Auskunft gibt. – Was aber hat man eigentlich in der Hand, wenn man Geld hat? In seiner konkreten sinnlichen Erscheinungsform ist das Geld selbst eine Abstraktion. Es sieht vonallen sinnlichen Eigenschaften der Dinge ab und reduziert sie auf ihren Tauschwert. Abstrahieren aber ist eine Leistung des menschlichen Geistes. Geld, so könnte man sagen, ist in der Tat geronnener Geist. Dass das Geld – und seine Verwendung – eine entscheidend geistige Dimension hat, ist ein Gedanke, der sich zentral in jenem Buch findet, das als Klassiker unseres Themas gelten kann: in der „Philosophie des Geldes“ von Georg Simmel, wie Sigmund Freuds „Traumdeutung“ im Jahre 1900 erschienen. Simmel spricht darin von einer „steigenden Vergeistigung des Geldes“. Die „geistige“ Leistung des Geldes besteht nach Simmel darin, jeden „Substanzwert“ aufzulösen und als reiner „Funktionswert“ zu fungieren: „Alle anderen Dinge haben einen bestimmten Inhalt und gelten deshalb; das Geld umgekehrt hat seinen Inhalt davon, dass es gilt, es ist das zur Substanz erstarrte Gelten, das Gelten der Dinge ohne die Dinge selbst.“ Das Geld symbolisiert nicht nur die Dinge und ihren Tauschwert, es symbolisiert auch die Idee des reinen Geltens. Geld gilt, und sonst nichts. Umgekehrt: Geld, das nicht gilt, ist kein Geld.

Das reine Gelten bezieht sich aber auf keine bestimmte Gültigkeiten. Das Geld, so Simmel, „hat jene sehr positive Eigenschaft, die man mit dem negativen Begriff der Charakterlosigkeit bezeichnet“. Diese Charakterlosigkeit markiert auch die Freiheit, die mit dem Geld verbunden ist. Geld kann nur dann gelten, wenn nicht vorgeschrieben wird, wofür es ausgegeben wird. Gerade dass man mit Geld machen kann, was man will, ist eine notwendige Bestimmung seiner Funktion. Die Charakterlosigkeit des Geldes entspricht deshalb auch der potenziellen Charakterlosigkeit seiner Eigner. Geld kann nur dann gelten, wenn seine Geltungsfunktion von der moralischen Qualität seiner Akteure unabhängig ist. Die lateinische Wendung, nach der Geld nicht stinkt, erfasst diese Dimension des Geldes. Die Frage, wie man zu Geld kommt und mit dem Geld dann „richtig“ umzugehen hat, ist deshalb oft von einer moralischen Besorgnis umgeben, die gegenüber dem Geld notwendigerweise vergebens sein muss.

Damit Geld seine Funktion erfüllen kann, muss es auf jede Weise erworben und für alles ausgegeben werden können. Auch das geraubte, erpresste, gewonnene oder erschlichene Geld verliert nicht seine Gültigkeit, so wie es auch im Wesen des Geldes liegt, dass dort, wo das Geld eigentlich gebunden erscheint – etwa bei Fixkosten für Wohnung und Nahrung –, das Geld auch für etwas anderes ausgegeben werden kann, für Unterhaltungselektronik oder Alkohol. Natürlich kann man versuchen, sofern man den Menschen diese Freiheit nicht zumutet, die Funktionalität des Geldes einzuschränken: über Gutscheine, lokal begrenzte Währungen, Bezugsmarken. In der Logik des Geldes als universelles Tauschmittel liegt es aber, diese Begrenzungen immer wieder aufzuheben.

Die Charakterlosigkeit des Geldes, dass es sich in jede Gestalt verwandeln kann, weil es selbst keine Gestalt hat, führt nach Simmel allerdings noch zu einer überraschenden Pointe: „Als absolut qualitätloses Ding kann es nicht, was doch sonst das armseligste Objekt kann: Überraschungen oder Enttäuschungen in seinem Schoße bergen. Wer also wirklich und definitiv nur Geld will, ist vor diesen absolut sicher.“ Das bedeutet, dass Geld nie etwas repräsentiert, was da ist –dieses könnte eine Überraschung sein –, sondern immer etwas, gegen das es eingetauscht werden wird und das man noch nicht kennt. Was immer wir uns auch vornehmen mögen, ganz genau wissen wir nie, was wir mit dem Geld, das wir in der Tasche tragen, tatsächlich anfangen werden.

Geld ist, so könnte man im Anschluss an Simmel radikal schlussfolgern, nicht nur erstarrte Substanz, sondern auch erstarrte Zeit. Jeder Geldschein, der nicht in diesem Moment ausgegeben wird, stellt einen Wechsel auf die Zukunft dar. Die sogenannte „Wertaufbewahrungsfunktion“ des Geldesgehört philosophisch gesehen vielleicht zu den interessantesten Aspekten des Geldes überhaupt. Geld funktioniert nur, wenn ich davon ausgehen kann, dass es den Wert, den es heute darstellt, auch in Zukunft darstellen wird. Mit dem Geld regeln wir nicht nur die Befriedigung unserer Bedürfnisse, den Verkehr mit den anderen Menschen, sondern auch unser Verhältnis zur Zeit. Mit Hilfe des Geldes kann ich die Gegenwart zur Zukunft oder die Zukunft zur Gegenwart machen. Im Grunde sind das die uns bekannten Formen des „Sparens“ auf der einen und des „Kredits“ auf der anderen Seite. Wer sein Geld nicht jetzt ausgibt, wird er es in Zukunft gegen etwas eintauschen können. Psychologisch bedeutet das: je mehr Geld, desto mehr Optionen in der Zukunft. Umgekehrt: Wer einen Kredit aufnimmt, kann das zu seiner Gegenwart machen, was er sich erst in einigen Jahren hätte leisten können. In seiner Freiheit ist er damit jedoch eingeschränkt, der Kredit muss zurückgezahlt werden, die Optionen sind reduziert.

Inflation zerstört diese Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes. Wer nur Geld und sonst nichts hat, verliert durch eine Inflation seine Zukunft. Der Satz – und damit schließt sich der Kreis zu Augustinus – „Zeit ist Geld“ lässt sich also auch umdrehen: Geld ist, und vielleicht ist es dies in erster Linie, Zeit.

Geschrieben von: Spider Friday, 26.09.2008, 23:49
"Die Presse, Sonderausgabe UniLive" vom 24.9.2008: Bachelor – ein Titel unter der Wahrnehmungsschwelle
Ressort: Uni-Live, S. XI

In den meisten Studien ist der Bachelor schon eingerichtet. Trotzdem trauen ihm viele Studierende (noch) nicht über den Weg.

Viele Studienanfänger trauen der gar nicht mehr so neuen Dreiteilung des Studiensystems – festgeschrieben im sogenannten Bologna-Prozess – noch nicht so recht über den Weg. Zwar lockt mit dem Bachelor bereits nach drei Jahren ein vollwertiger Hochschulabschluss, so manchem ist das für einen Berufseinstieg jedoch noch zu wenig. Die Mehrzahl der Studenten – das ergab ein „UniLive“-Rundruf – hat zumindest einen weiterführenden Master-Abschluss im Visier.

Die 19-jährige Vera Ulmann etwa ist sich nach einer Podiumsdiskussion an der Universität Wien ziemlich sicher, dass sie selbst gerne einen Master-Studiengang abschließen möchte. Denn wie sie gerade erfahren hat, werden am Arbeitsmarkt vornehmlich Bachelors der Studienrichtungen Wirtschaft oder Technik händeringend gesucht. In einer geisteswissenschaftlichen Studienrichtung hingegen sei mit einem Bachelor nicht sonderlich viel anzufangen, ist Ulmann überzeugt. Um sich am Arbeitsmarkt überhaupt behaupten zu können, sei deshalb eine längere Ausbildung (ein Master-Studium nach dem Bachelor dauert in der Regel vier Semester; Anm.) sinnvoll.

PhD „sicherheitshalber“
Auch Daniel Capek zeigt sich skeptisch, nachdem er mehr als eine Stunde einem Vizedekan und anderen Lehrenden zugehört hat, die versuchten, Vorzüge der neuen Studienarchitektur zu erläutern. Selbst will der Studierende der Biologie und Keltologie nicht vor dem Doktordiplom (PhD) aufgeben. Er glaubt, dass erst die Zeit zeigen werde, was ein Bachelor eigentlich wert sei, und bis dahin mache er „sicherheitshalber“ ein Doktoratsstudium.

Thomas Marchart, 23-jähriger Philosophie-Student, glaubt sogar, dass man überhaupt erst ab dem Master in der Arbeitswelt wahrgenommen wird.

Wozu also ist ein Bachelor dann überhaupt gut? Ist er etwa ein Trostpflaster für Studienabbrecher? Wenn man Vizerektor Arthur Mettinger, an der Universität Wien für Entwicklung der Lehre und Internationalisierung zuständig, zuhört, gewinnt man einen ganz anderen Eindruck. Rund 50 Bachelor und 100 Master-Studiengänge bietet Österreichs größte Uni derzeit an. Und auch wenn Barbara Hamilton, StudienprogrammLeiterin für Molekulare Biologie, einräumt, dass die Studierenden anfangs im neuen System etwas orientierungslos und verloren wirkten, so bestätigt sie doch, dass sich die Möglichkeiten für die Studierenden inzwischen erweitert haben.

„Haben Sie den Mut, nach dem ersten Semester zu gehen.“

Für Barbara Hamilton, Studienprogrammleiterin für Molekulare Biologie, ist der Bachelor keine Alternative zum Abbruch.

Bis auf die Studienrichtungen Psychologie, Pharmazie, Rechtswissenschaften und Teile der Theologie sei die neue Architektur inzwischen flächendeckend eingeführt. Vom neuen System dürften die Studierenden eine bessere Durchlässigkeit zur Arbeitswelt und auch mehr Anreize zur Mobilität erwarten, weil die Abschlüsse im Ausland ja anerkannt würden, zumindest in der Theorie.

Hier hält Vizerektor Arthur Mettinger mehr Toleranz bei der Anrechnung von Abschlüssen für notwendig. Denn nicht nur die Ausbildung der eigenen Uni sei das einzig Seligmachende. Woran sich aber nach wie vor nichts geändert habe, sei der Umstand, dass die Universität Berufsvorbildung und nicht Berufsausbildung anbiete.

Von Vorteil sei aber, dass Studierende nunmehr an der Erstellung der Lehrpläne mitarbeiten könnten und somit auch mehr Mitspracherecht hätten. Dass Bachelors nach ihrem Abschluss kaum Chancen am Arbeitsmarkt hätten, ist laut Mettinger eine unbegründete Sorge.

In der Sinologie etwa verzichten demnach viele Studierende nach ihrem Abschluss auf das weiterführende Masterstudium, weil sie am Arbeitsmarkt bereits so gefragt sind, dass das Weiterstudieren nicht mehr reizvoll erscheint, berichtet Nikolaus Ritt, Vizedekan der Wiener Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät.

Empfehlung: Mut zum Abbruch
Was die Studienabbrecher anbelangt, so hat Studienprogramm-Leiterin Barbara Hamilton den Eindruck, dass viele einen Absprung zu lange vor sich herschieben. „Haben Sie den Mut, nach dem ersten Semester zu gehen“, ermutigt sie Maturanten, für den Fall, dass Sie feststellen sollten, das Uni-Studium sei nicht das Richtige für sie. „Verbummelte erste zwei Jahre sind einfach nicht nötig.“

Geschrieben von: Spider Friday, 26.09.2008, 23:49
"Die Presse, Sonderausgabe UniLive" vom 24.9.2008: Professoren im Test: So wird evaluiert
Ressort: Uni-Live, S.XVI

Fragebogen & Online – die Ergebnisse bleiben geheim.

Die Methoden, mit denen Österreichs Studenten den Spieß umdrehen und ihre Lehrveranstaltungsleiter benoten können, sind vielfältig: Spätestens seit der Autonomie der Unis gibt es viele unterschiedliche Evaluierungsmethoden. Einige Unis setzen nach wie vor auf Fragebogen, andere wiederum bitten die Teilnehmer zum Online-Voting zur Qualität einer Lehrveranstaltung.

Die Uni Wien setzt auf ein gemischtes System: Gemeinsam mit den Studienprogrammleitern entscheidet die „Besondere Einrichtung für Qualitätssicherung“, ob eine Online-Befragung mit individuellem Zugangscode oder ein klassisches Fragebogen-Ausfüllen stattfindet. Letztere Methode hat eine höhere Rücklaufquote: Online beteiligen sich nur rund die Hälfte der Teilnehmer an der Evaluation, mit Pen-and-Paper-Fragebögen im Rahmen der Lehrveranstaltung erreicht man hingegen praktisch alle Teilnehmer.

Die Fragen erarbeitet die Einrichtung für Qualitätssicherung gemeinsam mit den Studienprogramleitern im Rahmen methodischer Vorgaben des „Board of Scientific Evaluation“, dreier Sozialwissenschaftler aus dem Ausland, die die Unabhängigkeit und Objektivität der Befragung gewährleisten sollen. „Wie schätzen Sie die Bedeutung der Lehrveranstaltung für ihren Berufsweg ein?“, ist eine der Fragen, bei der ein Wert von 1 bis 5 anzukreuzen ist.

Verpflichtend muss jede Lehrveranstaltung in jedem dritten Semester evaluiert werden, zusätzlich kann sich jeder LV-Leiter in jedem Semester freiwillig evaluieren lassen. Ein Angebot, das viele nützen: Rund ein Viertel der 3000 Auswertungen, die Semester für Semester durchgeführt werden, sind freiwillige Evaluationen.

Nur Mittelwert veröffentlicht
Eine Woche nach der Befragung stehen die ausgewerteten Daten den Studienprogramm- und Lehrveranstaltungsleitern zur Verfügung. Was sie damit machen, ist aber deren Sache. Veröffentlicht wird nur der – wenig aussagekräftige – Mittelwert der Antworten auf eine Frage aus allen Lehrveranstaltungen des Studiums.

Nicht zuletzt deshalb etabliert sich hier eine Web 2.0-Alternative zur internen Evaluation: Webseiten wie StudiVZ oder MeinProf laden die Studenten ein, ihren Lehrveranstaltungen Noten zu geben. Ein Problem: Die Rücklaufquote ist noch ziemlich gering.
qs.univie.ac.at

Geschrieben von: Spider Friday, 26.09.2008, 23:50
"Die Presse, Sonderausgabe UniLive" vom 24.9.2008: Hierarchie: Standesdünkel und Ständekampf
Ressort: Uni-Live, S. XII

Zwischen ordentlichen und außerordentlichen Professoren kracht es. Es geht um Macht, Ressourcen und Geld.

Der Studentin, dem Studenten ist es ziemlich egal. Ob Vorlesungen, Seminare, Klausuren oder Prüfungen: Wer der Altvordere ist, der Wissen mitteilt und Wissen abruft, tut nichts zur Sache.

Hinter den Kulissen aber brodelt es. „Wir machen keinen Unterschied, wir diskriminieren nicht, wir haben keinen Standesdünkel“, ist auf der Homepage des Universitätslehrerverbandes (ULV) zu lesen. Dann folgt das Motto: „Kooperation statt unsinnigem Ständekampf.“ Standesdünkel und Ständekampf an den Universitäten? Einige oben, die Mehrzahl unten, wie das eben in jedem Ständesystem üblich ist?

„Manchmal muss man klotzen“, sagt Wolfgang Weigel, derzeit Pressesprecher des ULV, in früheren Jahren selbst Vorsitzender der Uni-Lehrer. „Man muss zeigen, dass man sich nicht fürchtet, kantige Aussagen zu treffen.“ Diejenigen, gegen die man „klotzt“, sind die ordentlichen Professoren (o.), die auf einen Lehrstuhl berufen worden sind. Die anderen sind die außerordentlichen Professoren (ao.) und alle anderen, die im wissenschaftlichen Lehrbetrieb eingebunden sind.

Die Professorenkurie umfasst etwa 1600 Personen an den 21 (öffentlichen) Universitäten des Landes, die große Gruppe der Uni-Lehrer – früher als „Mittelbau“ bezeichnet – zählt an die 6500 Köpfe (die Lektoren nicht mitgerechnet, die haben ihre eigenen Verbände). Die o. Professoren haben einige Vorrechte: Nur sie können Dekane sein, im Senat ihrer Universität verfügen sie laut Uni-Gesetz des Jahres 2002 (UG) über die Mehrheit, manche anderen Funktionen sind ihnen ebenfalls vorbehalten. Bei ihren Berufungen können sie ihre Gehälter aushandeln, sie erhalten eigene Ressourcen (Sekretäre, Assistenten) und Zusatzausstattung. Der ao. Professor hat hingegen keinen Anspruch auf besondere Ressourcen, sein Gehalt ist niedriger. Ansonsten hat er im Großen und Ganzen die gleichen Rechte und Pflichten.

„Ich habe Probleme zu verstehen, warum man so argumentiert“, sagt Christiane Spiel, Vizevorsitzende des Universitätsprofessorenverbandes (UPV), zu der Homepage-Aussage über den (angeblichen) Standesdünkel. „Wo liegen denn meine Vorteile?“, fragt sich die Psychologieprofessorin an der Uni Wien; ein ao. Professor könne genauso wie sie, die o. Professorin, Vorlesungen und Seminare halten, forschen und wissenschaftliche Beiträge verfassen, Dissertanten betreuen.

Unterschiede im Uni-Gesetz
Am stärksten werden die unterschiedlichen Positionen in den Stellungnahmen zum Entwurf für die Novelle zum UG 2002 deutlich. Der ULV will eine einheitliche Kurie aller Uni-Lehrer, die als solche auch den Senat beschicken soll. Derzeit können Uni-Lehrer, die nicht der o. Professorenkurie angehören, maximal 20 Prozent der Sitze besetzen. Der ULV läuft gegen die Fixierung Sturm, der UPV nimmt an der seinen Mitgliedern vorbehaltenen Mehrheit keinen Anstoß. Durch die vorverlegte Nationalratswahl ist die Endfassung des Gesetzes ins Stocken geraten.

Christiane Spiel will überhaupt keine weitreichenden Änderungen des seit Anfang 2004 geltenden Gesetzes, da dessen Praxis im universitären Alltag noch nicht wissenschaftlich evaluiert worden ist. „Jetzt geht es darum, Forschung und Leistung zu stärken“, so Spiel, „das hat mit standespolitischen Sachen nichts zu tun.“ Dringend seien neue Perspektiven für hochqualitative junge Leute an der Uni, so sollte der Anstellungsmodus in Richtung Tenure-Track-Modell geändert werden. Das deckt sich übrigens voll und ganz mit der ULV-Meinung.

Und die kollegiale Komponente? „Bei Fakultätsfesten ist die Stimmung gut“, sagt ao. Professor Wolfgang Weigel, „wenn es aber ans Eingemachte geht, etwa die Besetzung von Funktionen, wird es heikel.“ Eine Funktionsgruppe ist übrigens völlig ohne Erfordernis eines Ranges: jene der Rektoren und der Vizerektoren. Ein Rektor kann o. Professor, Assistenzprofessor, überhaupt kein Professor (wie an der Boku, wo Ingela Bruner von „außen“ kam) sein.

Christiane Spiel schiebt Aussagen über eine Konkurrenzsituation beiseite. „Alle Verbände setzen sich für die Gesamtuniversität ein. Wir sollten lieber zusammenhalten und schauen, was wir gemeinsam tun können.“

Geschrieben von: Spider Friday, 26.09.2008, 23:51
"Die Presse, Sonderausgabe UniLive" vom 24.9.2008: Deutschland: Die Professoren rebellieren
Ressort: Masterstudien, S. XXVI

Ob Bachelor oder Master der erste Studienabschluss sein soll, ist umstritten.

Am 4. September ließ der Deutsche Hochschulverband (DHV), die bundesweite Vereinigung der Universitätsprofessoren und jungen Wissenschaftler, die Bombe platzen. "Der Bologna-Prozess in Deutschland ist nur noch zu retten, wenn massiv gegengesteuert wird. Mit einem bloßen Nachsteuern ist es nicht getan", sagte DHV-Präsident Bernhard Kempen. Im Bemühen, sich zu profilieren, hätten die Bildungsstandorte so spezialisierte Studiengänge geschaffen, dass ein Wechsel des Studienortes während des Bachelor-Studiums im In- wie im Ausland "nahezu unmöglich" sei. Die Folgen laut DHV: Weniger Mobilität der Studierenden und mehr Studienabbrecher.

Deshalb forderte der DHV, Bachelor- und Masterabschluss neu zu definieren. Nicht mehr der Bachelor, sondern der Master soll nach Wunsch des DHV der erste Regelabschluss des universitären Studiums sein. "Das schließt nicht aus, dass der Bachelor einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss darstellen kann", sagte Kempen. Es sollten aber 70 bis 80 Prozent, statt wie bisher nur 20 bis 30 Prozent der Studierenden mit einem Master abschließen können und dürfen.

Österreich: Vierjähriger Bachelor
"Diese Forderung des DHV ist absurd", sagt dazu Christoph Badelt, Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko). "Natürlich ist der Bachelor der erste Abschluss, der zur Arbeitsmarktfähigkeit führt, und muss es auch bleiben."

Im aktuellen Entwurf zur Reform des österreichischen Universitätsgesetzes ist jedoch angedacht, die Studiendauer für Bachelor-Studien flexibler zu gestalten. Badelt: "Geistes-, sozial oder rechtswissenschaftliche Bachelor-Absolventen und andere sind nach drei Jahren zweifellos fit für den Arbeitsmarkt. Bei bestimmten naturwissenschaftlich-technischen Studien sind hingegen drei Jahre zu kurz für eine entsprechende Qualifikation." Die uniko fordert daher, für diese Studien auch den vierjährigen Bachelor möglich zu machen. "Darüber war man sich im Grunde einig, die Umsetzung ist lediglich durch die Neuwahlen verzögert worden."

Geschrieben von: Spider Friday, 26.09.2008, 23:56
"Die Presse" vom 25.9.2008: Kommt Pisa an die Unis ...
Ressort: Meinung, S.38

Rudolf Taschner

... bedeutet das den Tod des alten Ideals von Universität.

Kein Klagen, kein Warnen wird helfen. „Pisa für Unis“, wie es in der Beilage der gestrigen „Presse“ übertitelt wurde, droht. Hans Pechar, Soziologe und Hochschulforscher, weiß es: „Durch den globalen Wettbewerb in Wissenschaft, Forschung und Bildung ist eine Vergleichbarkeit nationaler Bildungsniveaus unbedingt gewünscht.“ Und maliziös kritisiert er, dass Kreativität, Individualität, Selbstständigkeit und eine besonders breite Bildung als Stärken der Universitäten jedenfalls von ihnen selbst genannt seien – jedoch: „Beweise dafür gibt es freilich keine.“
Beweise im Sinne eines Messvergleichs kann es nicht geben. Das, was Universitäten – nicht Ausbildungsstätten, FHs, Trainingszentren, Institutionen zur Vervollkommnung von Kompetenzen, sondern Universitäten im ursprünglichen Sinn des Wortes – leisten, ist prinzipiell nicht kalibrierbar. Es ist erlebbar, soll es auch sein, sowohl von den Studentinnen und Studenten wie auch von den Vortragenden selbst. Aber was soll dieser verrückte Ruf nach einer Messung?

Als Professor an der Universität ist man im idealen Fall allein seinem Gewissen verpflichtet, das einem ständig mitteilt, inwieweit es gelungen ist, das eigene Fach in Forschung und Lehre zu vertreten. Eigentlich hält man seine Vorlesung für sich selbst, erläutert im Hörsaal laut seine Gedanken und prüft sich in der Stimmigkeit seiner Schlussfolgerungen. Und lässt – hoffentlich mit Freude und Emphase – andere an diesem Bildungsprozess teilnehmen. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn die Hörerinnen und Hörer die Vorlesung beurteilen und sich nicht nur verpflichtet fühlen, von ihr zu lernen. Manche Vortragende verlangen vielleicht mit Interesse und vom Wunsch beseelt, es beim nächsten Mal besser zu machen, nach solchen Evaluationsbögen. Aber im Grunde sind solche Dinge beiläufig. Es wäre das Allerschlimmste, wenn Vortragende in Schemen gepresst würden, die anonyme Standardanforderungen von ihnen abverlangen. Damit wäre das Wesen von Universität, nämlich ihre Freiheit, gestorben.

Außerdem hat jede Hörerin und jeder Hörer das gute Recht, auf eine Vorlesung zu verzichten. Man wird ja nicht wie in der Schule in eine Klasse gezwungen. Auch die Studentinnen und Studenten sind frei.

Kürzlich erschien in der FAZ ein Artikel, in dem deutsche Professoren monieren, dass die im sogenannten „Bologna-Prozess“ intendierten Ziele der Vergleichbarkeit von Veranstaltungen verschiedener Universitäten und der Erhöhung der Mobilität von Studierenden gründlich verfehlt wurden. Wunder ist das keines.
Ein Beispiel mag die obigen Gedanken illustrieren: Karl Sigmund, Professor der Uni Wien, einer der brillantesten Mathematiker Österreichs und Doyen der mathematischen Fakultät, wird in diesem Studienjahr eine Mathematikvorlesung für angehende Philosophen halten. Sie wird sicher unvergleichbar sein. Es hätte partout keinen Sinn, an sie irgendwelche objektive Maßstäbe anzulegen. Nun kann man entgegenhalten: Philosophen, sie seien „kaum gefragt am Stellenmarkt“ (so ein weiterer Titel der „Presse“-Beilage). Genau gegen dieses Klischee wird diese Vorlesung wirken. Aber nicht, weil sie messbar, evaluierbar, abprüfbar ausbildet, sondern weil sie bildet.

Rudolf Taschner ist Mathematiker und Betreiber des math.space im Wiener Museumsquartier.

Geschrieben von: Spider Saturday, 27.09.2008, 00:03
"Der Standard" vom 26.9.2008: Hochschulpolitik als Kulturkampf
Ressort: Kommentar der Anderen , S.39

Nach der Nachtsitzung im Parlament: warum man den Protagonisten der Abschaffung der Zugangshürden für die heimischen Unis nicht einmal zubilligen kann, aus guter Absicht gehandelt zu haben
Gerechtigkeit an den Universitäten endlich zum Durchbruch verholfen. Österreich wird sich in eine blühende Wissensgesellschaft verwandeln. Nun, da alle Zugangshürden beseitigt sind, werden die Absolventenquoten in die Höhe schnellen, und die soziale Selektion in der Hochschulbildung wird der Vergangenheit angehören. Lassen wir uns die Feierlaune nicht vom kleinlichen Hinweis verderben, dass die Studiengebühren - abgesehen von der statistischen Bereinigung um die Scheininskribenten - am Entwicklungspfad jener Jahre nichts Wesentliches geändert haben, in denen wir mit einem offenen und gebührenfreien Hochschulzugang gesegnet waren. Dass die soziale Selektivität nicht zugenommen hat und die Studierenden- und Absolventenquoten nicht geschrumpft sind. Kopf ausschalten und auf den Bauch hören! Wir wollen fest daran glauben, dass mit der Rückkehr zum Status quo ante alles ganz anders wird.

In Österreich findet Bildungspolitik auch im 21. Jahrhundert in Form eines Kulturkampfs statt. Das ist in der Schulpolitik die Hauptverantwortung der ÖVP, in der Hochschulpolitik zündelt vor allem die SPÖ. Die Rächer der Entrechteten drücken dem universitären Establishment eins aufs Auge.

Seltsame Logik
Ein tiefsitzendes Reflexionsverbot hindert die sozialdemokratischen Bildungsstrategen daran, zwischen den Vor- und Nachteilen unterschiedlicher privater Beiträge zur Bildung abzuwägen. Dass eine ausschließlich öffentliche Finanzierung eines quantitativ ausreichenden und qualitativ hochwertigen Angebots vom Kindergarten bis zum Tertiärbereich den Staatshaushalt sprengen würde, weiß auch Faymann. Daher hält er es in der Fernsehkonfrontation mit Van der Bellen (26.8.) für „natürlich sozial treffsicher", wenn er im Kindergarten für seine Tochter „ein bisschen einen Beitrag" leistet. „Was ist so falsch, wenn vierzig Prozent der Leute im Kindergarten nichts zahlen, weil sie kleinere Einkommen haben, und ich zahle was im Kindergarten?"

Gute Frage - die man natürlich auch auf den Elternbeitrag für die Nachmittagsbetreuung ausweiten kann, den die SP-Unterrichtsministerin voriges Jahr auf 88 Euro pro Monat erhöht hat (das macht bei zehn Unterrichtsmonaten immerhin mehr als die jährlichen Studiengebühren aus, die Gebühren für den Kindergarten liegen noch deutlich darüber). Abgesehen davon, dass Faymann auf die große Zahl von Kindern in privaten Kindergärten vergisst, in denen die Gebühren nicht sozial gestaffelt sind: Was wäre denn so falsch daran, dieselbe Logik auf die Unis anzuwenden?

Keine dummen Fragen stellen. Augen zu und durch. Mit den Studiengebühren werden in einem Aufwaschen auch die Obergrenzen für die Fächer abgeschafft, in denen es in Deutschland einen Numerus clausus gibt. Das österreichische Unikum, offenen und gebührenfreien Zugang zu kombinieren, hat schon vor dem EuGH-Urteil vom Sommer 2005 für Chaos gesorgt. Seit der Ausweitung dieser Rechte auf ganz Europa läuft eine solche Politik darauf hinaus, die heimischen Universitäten bewusst an die Wand zu fahren. Kurt Grünewald verteidigt das mit dem Hinweis, die provisorischen Zugangsbeschränkungen wären im Jahr 2010 ohnehin ausgelaufen. Ja und? Man hätte das Thema - wie schon im Jahr 2007 - eben neu verhandeln müssen.
Der in der „Sternstunde des österreichischen Parlamentarismus" beschlossene Antrag enthält zwei Textsorten. Präzise, gesetzlich einklagbare Formulierungen zur Belastung der Unis (weitgehende Abschaffung der Studiengebühren und der Zugangsbeschränkungen) werden mit einer blumigen Beschwichtigungsprosa garniert, die ihre Existenz nur der Geduld des Papiers verdankt.

Den Universitäten sollen die „festgestellten und nachgewiesenen Mehrkosten" durch die zusätzlichen Studierenden ersetzt werden. Klingt gut, aber weil die österreichischen Universitäten (im Gegensatz zu den Fachhochschulen) eben nicht auf der Basis von Studienplätzen finanziert werden, hat dieser Passus ungefähr so viel Gewicht wie die Formulierung, dass die Schulen dem Wahren, Guten und Schönen verpflichtet sind. Solange es keinen Konsens über ein Preisgerüst für die unterschiedlichen Studienfächer gibt, können die Universitäten solche Mehrkosten in einer rechtlich verbindlichen Form grundsätzlich nicht nachweisen. Sie sind auf das Wohlwollen künftiger Finanzminister angewiesen. Und nachdem in der vergangenen Nacht Wahlgeschenke in der Höhe von etwa zwei Mrd. Euro verteilt wurden, werden die Budgetverhandlungen sicherlich kein Austausch von Nettigkeiten werden. Das hindert Josef Broukal nicht daran, von einem „Einstieg in eine Studienplatzfinanzierung" zu sprechen. Seine großmäuligen Luftschlösser werden uns in Zukunft fehlen.

Gut gemeint?
Die Seriosität dieser parlamentarischen Nacht-und-Nebel-Aktion wird aus dem Zusatzantrag erkennbar, mit dem die Brandstifter beweisen wollen, wie gut sie es mit den österreichischen Universitäten meinen. Neuerlich wird bekräftigt, dass die Hochschulausgaben bis 2020 auf zwei Prozent des BIP steigen sollen. Auch das ist eine unverbindliche Absichtserklärung, aber es ist doch interessant, mit welcher Ernsthaftigkeit die Antragsteller selbst dieses Anliegen vertreten. „Jährlich mindestens 200 Mio. Euro zusätzlich" halten sie für ausreichend, um dieses Budgetziel zu erreichen. Leider hat ihnen niemand verraten, dass bis zum Jahr 2020 auch das BIP steigen wird. Unterstellt man ein ähnliches Wachstum wie im letzten Jahrzehnt, wären anfangs jährlich mindestens 400 Mio. Euro nötig, und dieser Betrag müsste schrittweise auf etwa 600 Mio. Euro anwachsen. Bei Pisa wären sie durchgefallen, stattdessen stellen sie die Weichen für die Universitätsentwicklung.

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Wenn man den handelnden Akteuren wenigstens gute Absichten unterstellen könnte! Aber sie glauben ja selbst nicht an den Unsinn, den sie im Parlament durchpeitschen. Sobald die Mikrofone ausgeschaltet sind, entschlüpft ihnen allerlei Gegrübel, das in schroffem Gegensatz zu ihrem öffentlichen Schwadronieren steht. Sie wissen, dass der österreichische Sonderweg eine Sackgasse ist. Aber! Wie soll man das der eigenen Basis erklären? Stirngerunzel. Und irgendwann werden die Mikrofone wieder eingeschaltet. Und dann hat das parteitaktische Kalkül allemal Vorrang vor einer zukunftsfähigen Hochschulpolitik. (Hans Pechar/DER STANDARD-Printausgabe, 26. September 2008)

Geschrieben von: Spider Wednesday, 1.10.2008, 11:00
Liste und Lebensläufe aller neu berufenen ProfessorInnen, darunter auch Univ.-Prof.Dr. Fritz Mitthof - Professur für Römische Geschichte, Altertumskunde und Epigraphik an der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät:

www.dieuniversitaet-online.at/professure...-september-2008.html
www.dieuniversitaet-online.at/professure...im-oktober-2008.html

Geschrieben von: Spider Wednesday, 1.10.2008, 11:04
"dieUniversitaet-online.at" vom 1.10.2008: Neue DekanInnen und Zentrumsleiter 2008–2010
Personalia, Dekane 2008-2010

(Redaktion)

Mit 1. Oktober 2008 beginnt die neue, zweijährige Funktionsperiode der 15 DekanInnen und drei Zentrumsleiter. An sechs Fakultäten und einem Zentrum kommt es zu einem Wechsel an der Spitze. Die Online-Zeitung der Universität Wien stellt die DekanInnen und Zentrumsleiter kurz vor.
www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/...-2008-2010-1/10.html

www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/...-2008-2010-2/10.html

Geschrieben von: Spider Thursday, 2.10.2008, 17:27
"Kurier" vom 02.10.2008: "Jeder hat Mankos. Aber daran kann man arbeiten"
Ressort: UNI-KURIER, Seite 2

Was macht einen guten Professor aus? Drei Lehrende und ein Studentenvertreter suchen am Round Table des Uni-KURIER nach Antworten auf diese Frage.

KURIER: Welche Eigenschaften haben brillante Professoren?
Prechtl: Wesentlich ist, dass die fachliche Kompetenz vorhanden ist. Dass ein Professor von seinem Fach überzeugt ist und diese Begeisterung an die Studierenden weitergeben kann.

Al-Mobayyed: Fachliche Kompetenz ist ein Punkt. Entscheidend ist aber, wie man diese dann umsetzt in den Vorlesungen, in der Betreuung der Studenten.

Filzmaier: Erstens das Leuchten in den Augen, zweitens Kompetenz, drittens Vermittlungsfähigkeit. Man sollte sich nicht durch Weltfremdheit auszeichnen, fern von ökonomischen und rechtlichen Zusammenhängen agieren und vielleicht noch stolz darauf sein.

Was macht man mit einem guten Forscher, der ein schlechter Vortragender ist?
Prechtl: Ich bin ein großer Verfechter des Prinzips der Einheit von Lehre und Forschung, weil ich glaube, dass das eine gegenseitige Befruchtung ist. Früher hat man sich damit abgefunden, dass manche guten Forscher schlechte Lehrer sind. Vernünftigerweise ist der Druck auf die Qualität in der Lehre größer geworden.

Muss man Professoren stärker kontrollieren?
Gingrich: Wenn wir ehrlich sind, gibt es Lehrende, die über Jahre hinweg bei den Evaluierungen grottenschlecht abschneiden. Darunter sind manche, die enorm viel in Forschung investieren. Es gibt auch andere Extreme: Kollegen, die fast nichts wissenschaftlich publizieren, aber bei den Studenten sehr beliebt sind.

Filzmaier: Die Studenten können dabei aber sehr wohl unterscheiden zwischen Engagement und dem Schielen nach guten Quoten. Sich mit dem Herschenken guter Noten beliebt zu machen, funktioniert auch nicht.

Al-Mobayyed: Ich verstehe das nicht ganz: Entweder man nimmt die Evaluierung nicht ernst - oder die Professoren beschäftigen sich einfach zu viel mit der Forschung.

Filzmaier: Die Frage ist: Wie kann ich die Quadratur des Kreises mit Lehre und Forschung schaffen - und zusätzlich noch Management-Aufgaben übernehmen. Eine Trennung zwischen Lehre und Forschung wäre nicht sinnvoll. Sich aber für Forschungsjahre vorübergehend von der Lehre freizuspielen, ist in Österreich noch nicht ausgereizt, da stößt man auf Tabugrenzen.

Sollte man die Evaluierungs-Prozesse an den Universitäten verändern?
Prechtl: Die Bewertung durch die Studierenden ist eine sehr wichtige Sache - die Evaluation erschöpft sich aber sicher nicht damit. Das kann zur Unterstützung der Qualitätssicherung dienen.

Gingrich: Man könnte sich bei der Evaluierung einer Universität bezüglich der Forschung auch die Dissertationen anschauen. Wurden die publiziert und wenn ja: wie wurden sie rezensiert? Konnten dafür Drittmittel akquiriert werden? Das wird momentan bei der Evaluierung völlig ausgeblendet.

Welche Konsequenzen sollen laufend schlechte Evaluierung-Ergebnisse haben?
Filzmaier: Die formalen Bestimmungen, die es gibt, sind schon ausreichend. Sie müssen nur konsequenter angewandt werden. In Deutschland wird bereits diskutiert, Absolventenquoten als Kriterium zur Finanzierung heranzuziehen. Wenn eine Uni nur 20 Prozent der Studenten zu einem Abschluss bringen kann, hat sie ein Problem.

Al-Mobayyed: Ich glaube nicht, dass das eine sinnvolle Konsequenz ist. Wichtiger ist, ein Bewusstsein zu schaffen, dass auch Professoren Menschen sind und Fehler machen. Jeder hat seine Mankos, an denen gearbeitet werden kann. Professoren mit laufend schlechten Evaluierungen muss man Fortbildungen und Verbesserungen aufzwingen. Dann können sie sich nicht mehr über die Ergebnisse lächerlich machen.

Prechtl: Ich glaube nicht, dass sich Professoren damit brüsten, schlecht bewertet zu werden. Es gibt etwa Professoren, die glauben, dass sie in der Vorlesung witzig sind - die Studenten empfinden sie aber als zynisch. Das muss ihnen gesagt werden.

Filzmaier: Wenn jemand mit hohen Durchfallsquoten einen Ruf verteidigt, dann den der eigenen Unfähigkeit. Wenn ein Professor den Stoff nicht so vermitteln kann, dass ihn die Mehrheit versteht, ist das kein Qualitätsnachweis. Dass manche dennoch so ihren "Ruf" verteidigen, ist aber unbestritten. Wir sollten die Diskussion aber nicht anhand der Sanktionen führen, sondern darüber reden, wie man die Qualität sichern kann.

Mit verpflichtender Fortbildung?
Filzmaier: Es wird noch immer weniger geschätzt, einen Kurs zu besuchen, als irgendwo selbst zu referieren. Das Selbstverständnis muss sich ändern: Man läuft stolz mit einem publizierten Artikel oder einem neuen Buch durch die Uni - auf eine Weiterbildung ist niemand stolz.

Wurde die didaktische Ausbildung der Professoren in der Vergangenheit vernachlässigt?
Prechtl: Die didaktische Ausbildung gibt es, aber im Wesentlichen ist das Learning by Doing das Wichtigere.

Filzmaier: Es zählt beides. Die didaktische Fortbildung gibt es immer stärker, die Assistenten unterscheiden sich da oft positiv von den Professoren und nehmen das verstärkt an.

Al-Mobayyed: Viele gute Assistenten verlassen die universitäre Laufbahn leider nach wenigen Jahren, weil sie keine Perspektive haben.

Prechtl: Es kann nicht jeder Professor werden, darauf gibt es kein Recht.

Filzmaier: Es ist auch nicht Aufgabe der Universitäten, jedem die Chance auf eine Professur zu geben. Das endet mit der fairen Chance auf eine Habilitation. Bei den Karriere-Perspektiven geht es teils auch um ganz banale Dinge: Um Geld. Wenn es um 5000 Euro Differenz im Monat geht, werde ich mit inhaltlichen Argumenten an meine Grenzen stoßen.

Muss man sich um den Forscher-Nachwuchs sorgen?
Al-Mobayyed: Man muss talentierte Studenten früher fördern. Die nächste Ebene sind die Assistenten. Sie werden in ihrer Entwicklung frühzeitig gehindert, weil sie viele Aufgaben der Professoren übernehmen müssen.

Gingrich: In den sozialwissenschaftlichen Fächern brennt der Hut im Nachwuchsbereich. Wir brauchen ein Bonus-Malus-System an den Universitäten.

Wie könnte das aussehen?
Gingrich: Es sollte in die Malus-Punkte einer Universität, einer Fakultät einfließen, ob sie in einem bestimmten Zeitraum der Lage war, ihre Drop-out-Rate zu senken. Wir haben in großen Fächern an der Uni Wien noch immer Drop-out-Raten von 60, 70 Prozent.

Prechtl: Dem kann ich mich nur sehr begrenzt anschließen, so lange wir nicht die Möglichkeit haben, eine Vorauswahl bei den Studenten zu treffen. Erst wenn wir festlegen können, was die Anforderungen sind, um ein bestimmtes Fach zu studieren, kann man uns auch für die Drop-out-Raten verantwortlich machen.

Zum Abschluss noch einmal zurück zur Evaluation: Kennen Sie meinprof.at? Was halten Sie von veröffentlichten Rankings?
Gingrich: Meinprof.at (siehe oben rechts) ist ein zusätzlicher Indikator. Beim Veröffentlichen von Evaluierungsergebnissen sehe ich Probleme, weil man leicht in den Nahbereich des Fingerzeigens kommt.

Prechtl: Ich halte nicht viel von meinprof. Die Studenten können sich zusammenrotten und sagen: "Wir hauen einen Professor in die Pfanne." Das ist gefährlich. Rankings haben eine gewissen Unterhaltungswert, und diesem Zirkus muss man sich auch gelegentlich mal stellen. Es darf aber nicht passieren, dass man daraus Entscheidungen ableitet.

Al-Mobayyed: Es hat natürlich Unterhaltungswert, aber ich glaube nicht, dass man aufgrund solcher Rankings Konsequenzen ziehen kann.

Filzmaier: Ich bin ehrlich gespalten. Einerseits habe ich den Wunsch nach klaren Indikatoren - die bestehen eben auch aus Zahlen und Reihungen. Aber die Gefahr bei Rankings dieser Art ist, dass sie oft nur mit mäßiger Seriosität umgesetzt werden. Das zweite Dilemma ist, dass bis hin zu den Konsequenzen alles bloß auf der Interpretation der Zahlen basiert. Und die Frage ist dabei immer, wie kreativ ich diese interpretiere. Das dient dann womöglich nicht mehr der Sache, sondern es geht nur noch darum, die Zahlen gegeneinander auszuspielen.

Zur Person:
Andre Gingrich hat Völkerkunde, Soziologie und Islamwissenschaften an der Universität Wien studiert. Er hat 1990 habilitiert, seit 1998 ist er Universitätsprofessor am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie. Andre Gingrich wurde 1952 in Wien geboren. Seine Forschungen führten ihn auch in den Sudan und nach Jemen. 2000 erhielt er den Wittgensteinpreis.

Adalbert Prechtl hat Elektrotechnik an der ehemaligen Technischen Hochschule Wien studiert. Er habilitierte für das Fach Theoretische Elektrotechnik. Prechtl ist heute Vizerektor für Lehre an der TU Wien und Professor für Elektrotechnik (
Ingenieurwissenschaften). Adalbert Prechtl wurde 1949 in Niederösterreich geboren und ist in Salzburg aufgewachsen.

Peter Filzmaier
Die beruflichen Stationen des Politologen Peter Filzmaier sind vielfältig: Er war an den Universitäten Wien, Innsbruck und Klagenfurt sowie im NGO-Bereich tätig. Seit 2005 ist er an der Donau-Uni Krems. Filzmaier hat ein eigenes Institut für Strategieanalysen und Kommunikationsforschung. Peter Filzmaier wurde 1967 geboren. Er hat eine sechsjährige Tochter.

Samir Al-Mobayyed von der ÖVP-nahen AktionsGemeinschaft (AG) ist seit Juni 2008 Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft. Der Steirer wurde am 26. Jänner 1984 in Fürstenfeld geboren. Er studiert an der Universität Wien Rechtswissenschaften. In die Studentenpolitik kam er über die Mitarbeit in der Fakultätsvertretung Jus.

Geschrieben von: Spider Thursday, 2.10.2008, 17:28
"Kurier" vom 2.10.2008: Exklusive Elfenbeintürme für Studentinnen
Ressort: UNI-KURIER, Seite 6

Vielleicht hätte sich Hillary Clintons Rolle ja auf jene der First Lady begrenzt, hätte sie nicht eine Frauenuniversität besucht. Jedenfalls gelten diese in den USA als ausgewiesene Kaderschmieden. Auch Ex-Außenministerin Madeleine Albright, die ehemalige pakistanische Staatsfrau Benazir Bhutto, die Astronautin Pamela Melroy und eine Handvoll namhafter US-Journalistinnen studierten an einer solchen. Und jede vierte Abgeordnete im US-Kongress war auf einem der 84 in den USA existierenden "Women's Colleges". (An Colleges absolvieren die Amerikaner den ersten, allgemeineren Teil eines Studiums.)
Hillary Clinton heuerte im Wellesley College in Boston an, über das sie rückblickend sagt: "Wellesley förderte, forderte und lenkte mich. Mir wurde nicht nur Wissen eingetrichtert, sondern auch bleibende Werte."


Neue Erkenntnisse

Die rein weiblichen Elfenbeintürme wurden im 19. Jahrhundert aus dem lapidaren Motiv gegründet, weil man Frauen an klassischen Hochschulen nicht zuließ, was bis in die 1960er-Jahre so bleiben sollte. Heute profitieren die Frauenunis nicht nur vom "Clinton-Bonus", sondern auch von einer Studie aus den Neuzigern: Diese kam zum Ergebnis, dass Mädchen im gemischt-geschlechtlichen Schulsystem oft diskriminiert werden. Das Lehrpersonal sei in Geschlechterstereotypen gefangen und würde Schülerinnen von einer politischen Karriere oder einem naturwissenschaftlichen Studium abraten.
An den Women's Colleges können die Frauen sicher sein, umfassend gefördert zu werden. Generell soll sich das "Unter-sich-sein" positiv auf das Selbstbewusstsein und den beruflichen Ehrgeiz der Frauen auswirken. Derlei Förderung ist nicht billig - das gilt allerdings auch für elitäre, gemischte US-Universitäten. Ein Studienjahr am Wellesley College kostet 36.500 Dollar - exklusive Wohnen und Essen. Dafür kommen auf eine Professorin nur neun Studentinnen. Und Stipendien ermöglichen auch ärmeren, aber begabten Töchtern den Besuch.


Deutscher Versuch

Die USA sind nicht das einzige Land mit Frauen-Unis. Eine wichtige Rolle spielen sie aber nur dort. In Deutschland kam die um die Jahrtausendwende geplante "Internationale Frauenuniversität" über die Projektphase nicht hinaus. Geplant war ein fächerübergreifender Vorlesungsbetrieb in Englisch und mit Lehrenden, die spezielle Vermittlungsfähigkeiten mitbringen mussten. Es blieb bei einem hunderttägigen Probebetrieb.

Geschrieben von: Spider Tuesday, 7.10.2008, 13:48
"Der Standard" vom 7.10.2008:Totgesparte Universitäten trotz Gebühren
Ressort: UniStandard, U2

Vom Ziel, 2012 zwei Prozent des BIP in die Unis zu investieren, ist Österreich weit entfernt. Die finanziellen Engpässe ziehen weite Kreise: schlechte Betreuung, hohe Berufstätigkeit und wenige Studierende mit Kind.

Wien - Sieben Jahre Studiengebühren sind vorbei - zumindest vorübergehend. Trotz 363,36 Euro pro Kopf und Semester sind die Bedingungen des Studiums schlecht, die Betreuungsverhältnisse teils katas-trophal (siehe Grafik). Laut der Universitätenkonferenz, zusammengesetzt aus den Rektoren Österreichs, ist in Zukunft eine steile Budget-Kurve notwendig.

So müssten die aufgewendeten Bundesmittel in den nächsten fünf Jahren deutlich steigen, um das beschlossene Ziel, bis zum Jahr 2020 zwei Prozent des BIP für die Universitäten auszugeben, noch zu erreichen. Von 2,25 Milliarden Euro im Jahr 2008 über 2,60 Milliarden 2010, hin zu 3,13 Milliarden Euro im Jahr 2012: So müsste sich das Budget theoretisch entwickeln. Dazu kommen 150 Millionen Euro Ersatz für die Studiengebühren.


- Mehr Studienanfänger gibt es seit Einführung der Studiengebühren, von 34 Prozent eines Altersjahrganges im Jahr 2000 stieg der Anteil auf 40 Prozent im Jahr 2006, stellt die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in der Studie "Bildung auf einen Blick 2008" (mit Daten von 2006) fest. Doch mit dieser Entwicklung liegt Österreich trotzdem hinter dem Durchschnitt, denn OECD-weit stieg die Studienanfängerquote von 47 auf 56 Prozent.


- Mehr Absolventen werden ebenfalls verzeichnet, doch auch hier hinkt Österreich nach: Zwar stieg der Anteil von 20 auf 21 Prozent leicht, aber er ist insgesamt der drittniedrigste der OECD. Ein möglicher Trost sind die vielen Abschlüsse an berufsbildenden Schulen wie HTL.


- Weniger Studierende mit Kind signalisieren die Ergebnisse der Studierenden-Sozialerhebungen. Immer weniger lassen sich auf ein Studium mit Kind ein. Waren es 1998 noch 11,5 Prozent, so sind es 2002 nur noch 10,8 und 2006 nur noch 7,2 Prozent.

24,3 Prozent der Studierenden mit Kind sind alleinerziehende Frauen, nur 1,4 Prozent allein- erziehende Männer. Studierende Väter haben häufiger sehr junge Kinder, Frauen an den Unis häufiger drei- bis sechsjährige. Das deutet auf eine schlechtere Vereinbarkeit von Kleinkindbetreuung und Studium für Frauen hin.


- Mehr arbeiten, weniger studieren Anpacken statt Büffeln ist für viele Studierende Realität, zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie "Eurostudent". Das betrifft allerdings nicht nur Österreich, sondern die meisten der erfassten Länder Europas. Nur in der Türkei stellt die Erwerbstätigkeit von Studierenden weniger als ein Fünftel ihres monatlichen Gesamteinkommens dar.

Die brisante Konsequenz: Wer viel arbeitet, wendet weniger Zeit für das Studium auf - wer elf bis fünfzehn Stunden pro Woche arbeitet, bringt etwa in Deutschland oder Rumänien sieben Stunden weniger Zeit fürs Studium auf.

Dabei hält die Studie für Österreich fest: Die Nebenjobs von Studenten liefern keine Praxiserfahrung. Nur magere zehn Prozent der österreichischen Studierenden gehen einer Arbeit nach, die in einem engen, inhaltlichen Bezug zu ihrem Studienfach steht. (red)

der Standard Webtipp:
ww2.sozialerhebung.at

Geschrieben von: Spider Tuesday, 7.10.2008, 13:49
"Der Standard" vom 7.10.2008: "Der Ruf meiner Verzweiflung"
Ressort: UniStandard, U3

Die beschlossene Kombination aus Abschaffung der Studiengebühren und der Zugangsbeschränkungen ohne Klärung der Finanzen hinterlässt WU-Rektor Christoph Badelt ratlos, sagt er im Gespräch mit Tanja Traxler.

UniStandard: Sie waren über die Abschaffung der Studiengebühren nicht gerade erfreut - wie gehen Sie nun mit der Realität um?

Badelt: Ich halte die Abschaffung der Studiengebühren für einen sozialpolitischen Fehler, aber nicht die gesamte Universitätenkonferenz denkt so. Das, was uns wirklich alle zu wütendem Protest gebracht hat, war die Kombination aus Abschaffung der Studiengebühren mit Abschaffung der Zugangsregelungen, in einer Situation, in der es keine seriöse finanzielle Diskussion gab. Ich kann auch noch nach den Wahlen immer nur sagen: Ich verstehe es einfach nicht, warum man die Studienbeiträge abschafft und damit den Reicheren genauso die Studienbeiträge erlässt, statt mit dem Geld die Studienförderung auszubauen.


UniStandard: Was erhoffen Sie sich nun in diesem Punkt von einer neuen Regierung?

Badelt: Wenn die Studienbeiträge und die Zugangsbeschränkungen wirklich wegfallen, werden wir zu einem derartig hohen Finanzbedarf der Unis kommen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das irgendein Finanzminister bezahlen kann. Dann wird man darüber reden müssen, den Gesetzesinhalt wieder zurückzunehmen, sonst geht es einfach nicht.


UniStandard: Was sind Ihre Vorschläge, um die finanziellen Ausfälle zu kompensieren?

Badelt: Im Herbst 2007 wurde beschlossen, die Uni-Budgets bis 2020 auf zwei Prozent des BIP auszuweiten - das war das erste Mal, an das ich mich erinnern kann, dass die Politik ein klares Zeichen gesetzt hat, massiv in den Universitätssektor zu investieren. Das würde schon ab 2010 im Mehrjahresdurchschnitt rund 650 Millionen Euro kosten, und damals waren auch die Studiengebühren dabei. Ich sage: Das Geld wird es brauchen - wenn wir weniger investieren, wird sich nichts ändern.

Es muss sich etwas ändern in den Massenfächern, damit die Kapazität wieder tragbar wird, und in den Naturwissenschaften, was die Infrastrukturausstattung betrifft, sonst fallen wir zurück. Daher kommt der Ruf meiner Verzweiflung, weil auch ein Finanzminister kein Weihnachtsmann ist - und nach den Wahlen schon gar nicht, ganz egal, woher er kommt.


UniStandard: Was sind die dringendsten Probleme, mit denen die österreichischen Unis zu kämpfen haben?

Badelt: Da muss man Lehre und Forschung auseinanderhalten. In der Forschung sind wir in manchen Bereichen Weltspitze. Die muss man stärker fördern und ausbauen. Was die Lehre betrifft, haben wir jetzt die wirklich katastrophale Situation eines Systems ohne Studienbeiträge und ohne Zugangsregelungen, und das ist in dieser Kombination einmalig und eine echte Gefahr für die Hochschulen. Man muss zumindest auf der Master-Ebene die Frage der quantitativen Zugänge klären, und man muss den Unis auf der Bachelor-Ebene genug Geld geben, dass sie Kapazitäten ausbauen oder seriöse Auswahlverfahren machen.

UniStandard: Wie sehen Sie die Einführung von Bachelor- und Master-Studien?

Badelt: Wenn man den Bachelor einführt, aber die Betreuungsverhältnisse nicht ändert, kommen nach drei Jahren die Abschlüsse nicht von selbst.

Ich halte es für problematisch, mit welcher Leichtfertigkeit öffentliche Stellen sagen, dass der Bachelor nicht arbeitsmarktfähig sein könnte. Ich sehe nicht ein, warum das so sein sollte. Diese Uni wird heuer 110 Jahre alt. In diesen 110 Jahren haben wir etwa 70 Jahre dreijährige Programme mit großem Erfolg produziert, das waren die Diplomkaufleute, die am Arbeitsmarkt sehr gefragt waren.


UniStandard: Welche Hindernisse stellen die Quotenregelungen in den Uni-Gremien dar? Werden Frauen in ihrer wissenschaftlichen Karriere behindert, weil sie Gremien besetzen müssen, um die Quote zu erfüllen?

Badelt: Das ist ein Dilemma. Ich verstehe die Politik, die einen Ausgleich mit Quotenregelungen herbeischaffen will. Aber ich kenne auch viele Professorinnen, die das massiv ablehnen, weil Frauen dadurch in jedes Gremium hineinmüssen, um die Quote zu erfüllen.

Zur Person:
Christoph Badelt (geb. 1951 in Wien) studierte Volkswirtschaft. Seit 2002 ist er Rektor der WU Wien und seit 2005 Vorsitzender der österreichischen Universitäten-Konferenz.

Geschrieben von: Spider Tuesday, 4.11.2008, 12:28
Was auffällt: Dass in letzter Zeit ziemlich viel von Indiana Jones und Indiana Jane die Rede ist ... ;-)

"Die Presse" vom 3.11.2008: Archäologie, oder: Studieren wie Indiana Jones
Ressort: Österreich, S.10

Archäologie ist ein Knochenjob. Nicht wegen der Verfolgungsjagden, sondern weil man sich mit Eigeninitiative Spezialwissen „für eh alles“ aneignen muss und Ausgrabungen kein Bürojob sind.

Dr. Henry Walton Jones. Was hat dieser Mann mit der österreichischen Studienlandschaft zu tun? Herzlich wenig, ist er doch eine fiktive Person, die als Indiana Jones die Kinowelt in Atem hält. Trotzdem gibt es Studenten in Österreich, die sich von „Indy“ Jones, der seit den 1980er-Jahren das Klischee des Archäologen prägt, bei der Auswahl des Studiums inspirieren ließen.

„Ich bin ein ziemlicher Fan von „Indiana Jones“-Filmen, und das war mit ein Grund, das Studienfach zu wählen“, sagt Julius Fischer, der klassische Archäologie an der Uni Wien inskribiert hat: „So spannend wie im Film geht es natürlich nicht zu. Heutzutage kämpft man äußerst selten gegen Nazis oder den KGB.“

Diesen Schluss zieht auch die Leiterin der Stadtarchäologie Wien, Karin Fischer Ausserer: „Mit dem Vorbild von Indiana Jones oder Dr. Fox aus „Relic Hunter“ – und von beiden bin ich ein großer Fan – denkt man, dass Archäologen täglich die Schätze der Welt entdecken. Doch spätestens nach der ersten Vorlesung an der Universität verliert man dieses Bild. Archäologie ist knochenharte Arbeit, kein Abenteuer.“

Römer und Griechen erforschen
Auch Mitmenschen, die einen fragen, ob man sich als Archäologe super mit den Dinosauriern auskenne oder etwas von der Kultur der Inka erzählen könne, sind enttäuscht, wenn man erklärt, worum es beim Studium der klassischen Archäologie wirklich geht. „Unser Zeitrahmen ist das zweite Jahrtausend vor Christus bis zum fünften Jahrhundert nach Christus“, erklärt Fischer Ausserer. Geografisch umfasst das Revier der klassischen Archäologen den Mittelmeerraum und angrenzende Gebiete. „In erster Linie fallen die Römer und die Griechen in das Fach.“

Bisher war das Studium in zwei jeweils vier Semester dauernde Abschnitte gegliedert. Der erste gibt einen Überblick über die Epochen der antiken Kultur- und Kunstgeschichte und vermittelt methodische Ansätze. Im zweiten Abschnitt werden das wissenschaftliche Arbeiten und die praktischen Methoden vertieft.

Seit heuer kann man in Wien auch ein Bachelorstudium wählen, dem dann ein aufbauendes Masterstudium folgt. „Wie dies in der Berufswelt angenommen wird, steht noch in den Sternen“, meint Fischer Ausserer.

Archäologen, die Universalgenies
Normalerweise kommen Archäologen im Bundesdenkmalamt oder in den Stadtarchäologien der Bundesländer unter. Auch das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) und diverse Museen brauchen Archäologen. Ansonsten gibt es auch kuriose Karrieren, die im Endeffekt nichts mit Archäologie zu tun haben, die aber die Fähigkeiten des „Spezialisten für eh alles“ gut einsetzen können.

„Ich sehe den Archäologen als Universalgenie“, sagt Fischer Ausserer. Denn wer auf einer Grabung arbeitet, sollte von Materialwissenschaften ebenso viel Ahnung haben wie von Geologie, Zoologie und Anthropologie. Schließlich muss man wissen, wie man mit dem gefundenen Glas, Metall, der Keramik oder Tier- und Menschenknochen umzugehen hat, was der Fund bedeutet und welche Geschichte die jeweilige geologische Schicht erzählt. Hinzu kommt der Umgang mit Computern.

Was früher mit Bleistift auf Millimeterpapier dokumentiert wurde, wird heute über elektronische Vermessungssysteme erledigt, deren Software man ebenso beherrschen muss wie die Auswertung der Daten und im Weiteren die 3-D-Visualisierung der kostbaren Funde.

Student Markus Jandl betont, dass man auch erst lernen muss, was wirklich ein Fund ist und was nicht: „Anfangs verwechselt man einfache Steine mit wertvollen Scherben.“ Zwar absolviert man im Studium mehrere Bestimmungsübungen, doch dort sind die Gegenstände gesäubert und gut erkennbar. Im „Dreck“ der Grabung sieht es anders aus (siehe Artikel unten). Jandl selbst hat sich nicht von Indiana Jones inspirieren lassen, als er das Studium wählte: „Wenn man wie er arbeiten würde, wäre die Überlebensrate der Archäologen gering.“

Er wusste von klein auf, dass er ausgraben will, und inskribierte Ägyptologie und klassische Archäologie: „Ich dachte, die spannendsten archäologischen Dinge lägen in Ägypten. Aber mit der Zeit bin ich draufgekommen: Warum sollte ich so weit schweifen, wenn das Gute so nah liegt?“

Die Geschichte Österreichs sei nämlich auch nicht zu verachten. Tausende Völker sind hier durchgezogen und hinterließen ihre Spuren. Bei den etwa 20 Grabungen, an denen Jandl bisher beteiligt war, konnte er durch alle Zeiten von der Altsteinzeit bis hin zur Neuzeit graben.

Stammtisch im Wiener Brauhaus
Diese sind übrigens dem Institut für Ur- und Frühgeschichte zugeordnet: „Die Trennung der beiden Institute ist künstlich und geht auf alte monarchische Strukturen zurück.“ Während die griechische und römische Geschichte vom Institut für klassische Archäologie behandelt wird, umfasst die Ur- und Frühgeschichte die europäische Prähistorie sowie die Mittelalterarchäologie. Die Trennung stört kaum einen Studenten.

Davon kann man sich überzeugen, wenn man im Fischerbräu (Wien-Döbling) den Archäologenstammtisch besucht: Dort sitzen Ur- und Frühgeschichtler gemeinsam mit klassischen Archäologen bei hochgeistigen Diskussionen und Getränken.

Geschrieben von: KARL Tuesday, 4.11.2008, 12:49
[Aus dem Presse-Beitrag:]
"Normalerweise kommen Archäologen im Bundesdenkmalamt oder in den Stadtarchäologien der Bundesländer unter."

Wie bitte?

Geschrieben von: RAY Tuesday, 4.11.2008, 12:53
QUOTE
Wie bitte?


Eine sehr gute Frage! Da hat scheinbar irgendwer nicht wirklich eine Ahnung, wovon er oder sie spricht...

Liebe Grüße,

RAY

Geschrieben von: Majestix Tuesday, 4.11.2008, 17:56
Ist doch alles Unsinn!
Selbstverständlich kämpfen wir andauernd gegen Nazis!

Majestix

Geschrieben von: RAY Wednesday, 5.11.2008, 00:49
Nein bitte, es ist jetzt der KGB. Nazis sind out. Total.
RAY

Geschrieben von: Majestix Wednesday, 5.11.2008, 10:22
Blödsinn, Ray!
Der ArchäologIn von heute kämpft gegen Rezession und Nazis!
Hingegen: KGB, Iren, Mujaheddin und Kärntner haben sich als adäquate Feindbilder schon längst überlebt!

Majjy

Geschrieben von: Coach Wednesday, 5.11.2008, 11:29
QUOTE (Majestix @ Wednesday, 5.11.2008, 10:22)
und Kärntner

Kärntner???!!!



Geschrieben von: Majestix Wednesday, 5.11.2008, 11:36
Meinetwegen, Coach, auch Kärntner taugen noch immer als Feindbild.
"Bin schon weg!"

Majjy

Geschrieben von: RAY Wednesday, 5.11.2008, 13:19
Hi,

ach Majjy, du lebst einfach in der Vergangenheit! So wird das nie was.

KGB = Kredit-crunch Gebeutelte Banken.

Fat Cats sind viel gefährlicher als irgendwelche Nazis oder Kärntner. Aber gut, wenigstens hast Du recht damit, daß es der Kampf gegen die Rezession ist!

Liebe Grüße,

RAY

Geschrieben von: Majestix Wednesday, 5.11.2008, 15:03
OK, RAY! FC haben heute auch k.L. mehr!
mfg

M.

Geschrieben von: Spider Tuesday, 2.12.2008, 15:22
"dieUniversitaet-online.at" vom 1.12.2008: Erfolgreiche FWF-Einreichungen der Universität Wien 2008
Ressort: Forschungspolitik, Doktoratsprogramme

Redaktion

Kürzlich bewilligte der Wissenschaftsfonds FWF neben zahlreichen Einzelprojekten auch große Forschungsvorhaben wie Spezialforschungsbereiche (SFBs) und Nationale Forschungsnetzwerke (NFNs). Drei der vier neuen Schwerpunktprogramme werden unter Beteiligung der Universität Wien eingerichtet, ein NFN wird vom Orientalisten Michael Jursa geleitet. Weiters wurden drei neue Doktoratskollegs (DK-plus) bewilligt, zwei davon werden an der Universität Wien eingerichtet.
www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/...at-wien-2008/10.html

Geschrieben von: Spider Wednesday, 3.12.2008, 13:30
Das hat mich schon immer interessiert!

"Tagesspiegel" vom 3.12.2008: Warum machen Böhnchen Tönchen?

In der Wissenschaft kann man sich um keine Frage herumdrücken. Rerum cognoscere causas – wissen, woher der Wind weht. So haben sich Ärzte, Biologen und sogar Philosophen auch der Flatulenz gewidmet. Im Fall der Bohnen lassen sich die Forschungsergebnisse folgendermaßen zusammenfassen:

Bohnen sind Pflanzensamen. Sie können längere Zeit in ausgetrocknetem Zustand überdauern und keimen erst bei Wasserkontakt. Austrocknung und Keimung sind strapaziöse Prozesse. „Spezielle Raffinose-Zucker stabilisieren die Zellen und ihre Membranen während der Austrocknung“, sagt Andreas Richter vom Department für Chemische Ökologie der Uni Wien. „Bei der Keimung können die Zucker dann sehr schnell als Energiequellen mobilisiert werden.“ Die Crux: Für uns sind die Raffinose-Zucker unverdaulich. Dem Menschen, aber auch Tieren wie Hühnern fehlen die Enzyme, um diese Zucker abzubauen.

Die Raffinose-Zucker gelangen also unverdaut in den Dickdarm. Dort machen sich Bakterien über die Süßspeise her. Sie erzeugen dabei Kohlendioxid und andere Gase. Dass bei der Verdauung Gase entstehen, ist völlig normal. Aber der hohe Ballaststoffanteil der Bohnen sorgt für eine sehr ausgeprägte Gasbildung und Darmmotorik.

Die proteinreichen Bohnen spielen vor allem in der Dritten Welt eine wichtige Rolle in der Ernährung. Forscher versuchen, den Gehalt an Raffinose-Zucker durch Züchtung und Gentechnik zu reduzieren. Laut Richter ist aber auch das eine windige Angelegenheit, denn: „Die so erzeugten Samen sind für die weitere Aussaat nicht mehr so gut geeignet.“

Geschrieben von: Spider Thursday, 15.01.2009, 11:32
Sehr schön!

"dieUniversitaet-online.at" vom 14.1.2009: 196.000 Seiten Geschichte: E-Datenbank "Cambridge Histories Online"
Ressort: E-Ressourcen

(Redaktion)

Das neueste Online-Produkt aus dem Verlag Cambridge University Press, die "Cambridge Histories Online", ist seit Jänner 2009 auch über das Datenbankservice der UB Wien zugänglich. Die kürzlich erworbene E-Book-Sammlung enhält über 250 Nachschlagewerke zu historischen Aspekten aus 15 Wissenschaftsdisziplinen.
www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/...ories-online/10.html

Geschrieben von: Spider Monday, 2.02.2009, 11:44
"Kronen Zeitung" vom 31.1.2009: Universitäten im Dienste Österreichs
Ressort: Leserforum, Seite 29

Universitäten zahlen sich aus...

... für die Menschen in Österreich: Bildung und Forschung sind die langfristig bedeutendsten Quellen des materiellen Wohlstands. Sie schaffen nachhaltig Kultur.

Woran werden wir im Ausland gemessen? An den Leistungen der Skifahrer - Österreich als Sportnation -, am Neujahrskonzert natürlich - Österreich als Kulturnation! Mit Recht sind wir alle stolz darauf. Dennoch: Österreich ist auch eine Wissenschaftsnation - diese Reputation muss uns nicht nur aus kulturellen, sondern auch aus wirtschaftlichen Überlegungen immer wichtiger werden. Wir sind ein reiches Land, ein reiches Land auch, was die intellektuelle Leistungsfähigkeit der Bevölkerung betrifft - nicht nur die der wissenschaftlich Tätigen. Werden aber Bildung und Forschung von der neuen Bundesregierung durch Taten, nicht nur durch Rhetorik, nachhaltig gefördert?

Freilich kann man zunächst die Frage stellen, weshalb dieses kleine Land Universitäten und Fachhochschulen mit rund 300.000 MitarbeiterInnen und Studierenden benötigt. Man kann auch fragen, wie man die hohen laufenden Aufwendungen in Zeiten der Krise rechtfertigt und ob nicht andere Ausgaben prioritär wären.

Solche Fragen können nur dann sinnvoll beantwortet werden, wenn man sie mit einer anderen Frage in Zusammenhang bringt: Welche Rahmenbedingungen müssen dauerhaft vorhanden sein, um den Wirtschaftsstandort Österreich zu sichern und vor allem weiterzuentwicklen?

In welchem Maße trägt die Wissenschaft dazu bei, dass Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden können? International gibt es renommierte Studien, die zeigen, wie eng der Zusammenhang zwischen Bildung, Forschung und Wirtschaftswachstum ist. Rund 80% des Wachstums der Industrie, rund 50% des gesamtwirtschaftlichen Wachstums gehen auf Forschung und Entwicklung zurück.

Investitionen in höhere Bildung entfalten dann volle Wirkung, wenn die entsprechenden Bildungsgrundlagen geschaffen werden - darüber endlos zu diskutieren, parteipolitisch ideologisch motivierte Diskussionen zu führen, ist müßig! Freilich, Österreich hat eine gute Grundlage für Bildung geschaffen. Gearbeitet werden muss jetzt in allen Stufen an der Qualitätssicherung. Das Bildungssystem, beginnend im Kindergarten über die Schule bis hin zu den Hohen Schulen, muss sich an höchsten internationalen Qualitätsstandards messen! Europäische Exzellenzkriterien werden immer bedeutsamer.

Im Bereich der Universitäten hat Österreich einen enormen Aufholbedarf. Mit einem in den vergangenen Jahren konstanten Anteil von 18% AkademikerInnen liegt Österreich deutlich unter dem OECD-Schnitt von 27%. Im internationalen Vergleich ist das eine beschämend niedrige Quote. Diese niedrige Quote ist aber eng vernetzt mit ihrer wirtschaftlichen Relevanz, da Wirtschaftswachstum über Technologie und Wissen erzeugt wird. Jedes Investment in die Universitäten - Grundlagenforschung ebenso wie angewandte Forschung - schafft Arbeitsplätze, und jede neue Technologie beruht zunächst auf Grundlagenforschung. Diese Tatsache stellt niemand in Frage. Die Notwendigkeit dieser Kaskade wird von politischer Seite auch immer wieder wortgewaltig unterstützt. Warten lässt die Politik die Studierenden und Wissenschafter allerdings auf Taten. Wenn Österreich im internationalen Konzert der Wissenschaftsnationen gehört werden will, braucht es auch das finanzielle Bekenntnis dazu.

Österreich braucht in Bildung und Forschung mehr Breite und Spitze. 3% des Bruttoinlandsprodukts sollte für Forschung, 2% für den Hochschulsektor ausgegeben werden. Beides sollte bis 2015 erreicht werden, das 2%-Ziel zumindest bis 2020. Dies beschloss der Nationalrat einstimmig, das Programm der neuen Regierung ließ aber die zeitliche Verbindlichkeit wieder fallen und lässt die entscheidene Frage offen: Wie sichern wir nachhaltig die Arbeitsplätze in Österreich? O.Univ.Prof. Dr. Georg Winckler, Rektor der Universität Wien

O.Univ.Prof.Dr. Georg Winckler, Rektor der Universität Wien


Sehr geehrter Herr Dichand, für Ihre Bereitschaft, den Anliegen der Universitäten in der "Kronen Zeitung" ausdrücklich Raum zu verleihen, möchte ich mich bei Ihnen sehr herzlich bedanken. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass ein Land in Bildung und Forschung investiert, weil darin die Zukunft liegt. Zu diesem Zweck ist eine öffentliche Diskussion unentbehrlich. Ihre Initiative ist daher besonders wichtig und ein Zeichen für die Dringlichkeit des Themas. Präs., Univ.Prof. Mag. Dr. Christoph Badelt, Österreichische Universitätenkonferenz

Karrierechancen schaffen! Dass sich die "Krone" als auflagenstärkste Tageszeitung den schweren Problemen der österreichischen Universitätspolitik widmet, ist einzigartig. Der Widerspruch zwischen der von Politikern ausgerufenen "Weltklasse Wissenschaft" nach Muster der USA und dem tatsächlichen Agieren der Politik eher nach dem Muster "Ukraine" (Ankündigen, um es dann doch nicht zu tun) ist zwar himmelschreiend, aber der Bevölkerung kaum bewusst.

Dieses Forum wird helfen, dies dem Steuerzahler deutlicher bewusst zu machen, ebenso wie die Tatsache, dass ein kleines Land wie Österreich nun mal hauptsächlich von seiner kreativen Leistung lebt und nicht von niederqualitativen Massenprodukten. Forschung ist gut für uns alle. Und dazu müssen wir unter anderem ausreichend Karrierechancen für junge WissenschafterInnen über Intensivierung der Grundlagenforschung in Österreich schaffen und nicht erleiden, wie sie nach Ablauf bestehender Forschungsprojekte dorthin abwandern, wo attraktivere Forschungspolitik betrieben wird.

Univ. Prof. Dr. Gerhard Weber, Universität Wien

Geschrieben von: Spider Tuesday, 3.02.2009, 11:11
"Der Standard" vom 3.2.2009: Der Retter der Unis
Ressort: Kommunikation/Wissenschaft, Seite 27

Irgendwo muss der "Krone"-Boss in der letzten Zeit seine Bereitschaft erklärt haben, in seinem Blatt neben der stupid-monotonen Darstellung des entblößten Frauenkörpers gelegentlich auch die Erotik heimischer Universitäten zum Thema zu machen. Am Freitag war's nicht. Da ließ er bei der gewohnt wässrigen Melange mit seiner Dienstnehmerin Nadia Weiss in seinem Magazin "Live" den Unbestechlichen heraushängen, in der Hoffnung, sich damit vorteilhaft von der EU zu unterscheiden. An der hatte er wieder einmal Ungeheuerliches entdeckt. Vor allem gibt es jetzt einige TV-Sender (angeblich sollen es Dutzende sein), die sogenannte Förderbeiträge erhalten, damit aber die Verpflichtung eingehen, die EU "weder direkt noch indirekt zu schädigen".

Die brave Interviewerin wusste natürlich, was sie an dieser Stelle zu sagen hatte: Ich nehme an, Sie würden auf das Geld verzichten? Dass ihre Annahme hinterher mit einem Fragezeichen versehen war, verrät ein Quäntchen Skepsis, dessen Quelle nur im Löwenmut eines total unabhängigen Journalismus liegen kann. Die Antwort war dann auch überraschend eindeutig, hätte man sich doch von jemandem differenzierteren Respons erwartet, der regelmäßig Förderbeiträge der städtischen Bestattung oder eines ehemaligen Infrastrukturministers erhalten hat, woraus sich, fern jeder Verpflichtung die Freiwilligkeit von selbst ergab, die Wiener SPÖ und den nunmehrigen Herrn Bundeskanzler "weder direkt noch indirekt zu schädigen".

Dichand antwortete gerade heraus. Natürlich würde er auf das Geld verzichten. Die Annahme des Geldes heißt mit anderen Worten nichts anderes, als dass die Sender und alle, die da mitmachen, also einen Teil der fünfzig Millionen geschenkt erhalten, die EU künftig nur noch loben dürfen. Damit wird die Einseitigkeit der Beurteilung und der Berichterstattung einfach gekauft. Gibt es in der Publizistik überhaupt etwas Ärgeres als diese Art der Millionen-Bestechung?

Gute Retourkutsche zum Thema Quod licet Jovi, non licet bovi. Daraus ergab sich zwanglos die nächste Kaffeesudfrage. In Österreich soll es wieder einen Presserat geben. Sollte er auch in solchen Angelegenheiten aktiv werden? Also dagegen sollte sich doch etwas machen lassen. Ja, wie man hört, soll in Österreich der Presserat wieder auferstehen. Man wird sehen, ob in einem EU-Staat wie Österreich eine unabhängige Institution überhaupt noch möglich ist.

Nach allem, was man vom Bemühen um einen neuen Presserat so hört, sind die Chancen dafür beruhigend gering. Zufall ist das ebenso wenig wie sein vormaliges Ende. Im "Krone"-Land brauchte es keine EU, um eine funktionierende Institution umzubringen, die sich für saubere Berichterstattung im Sinne der davon Betroffenen einsetzte - da genügte letztlich ein Herausgeber. Es jetzt so hinzudrehen, als hintertreibe die böse EU neben all ihren sonstigen Verbrechen auch noch die Neugründung eines Presserates in Österreich, kann man sich auch nur in einem Blatt herausnehmen, das man selbst herausgibt.

Aber zurück zum jüngsten Drang der "Krone" in akademische Gefilde. Es gibt ja Zeitungen, die regelmäßig Probleme der Universitäten thematisieren. Aber das ist nicht dasselbe, wie wenn Hans Dichand zum öffentlichen Seniorenstudium in Universitätskunde aufbricht und sich am Samstag dafür Leserbriefe unter dem Kennwort "Universität" an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellte.

Gewöhnlich folgen habituelle "Krone"-Leser ihrem Herrn aufs Wort. Diesmal: Sonntag kein Leserbrief zu den Unis, Montag desgleichen. Selbst bewährte Beiträger wie die Herren Weinpolter und Abl aus Großgmain hatten nichts auf Lager. Doch am Samstag, gleichzeitig mit ihrer Bestellung, fanden sich gleich drei Leserbriefe, die Dichand als Förderer, wenn nicht Retter heimischer Wissenschaft feierten.

Sehr geehrter Herr Dichand, schrieb "Krone"-Leser Univ.-Prof. mag. Dr. Christoph Badelt, für Ihre Bereitschaft, den Anliegen der Universitäten in der "Kronen Zeitung" ausdrücklich Raum zu verleihen, möchte ich mich bei Ihnen sehr herzlich bedanken. Badelts ausdrückliche Raumverleihung wurde übertroffen von Univ.-Prof. Dr. Gerhard Weber: Dass sich die "Krone" als auflagenstärkste Tageszeitung den schweren Problemen der österreichischen Universitätspolitik widmet, ist einzigartig. (Stimmt!) Eine Huldigungsadresse, die Rektor Univ.-Prof. Dr. Georg Winckler mit dem Essay Universitäten zahlen sich aus ergänzte. Jetzt wird's aber Zeit für Weinpolter und Abl, ehe Faymann und Gusenbauer wieder zuschlagen.

Geschrieben von: Spider Monday, 9.02.2009, 11:01
"Die Presse" vom 9.2.2009: Uni-Rankings: Die Expertisen der Experten
Ressort: Leben Lernen, Seite 21

Erich Witzmann

US-Universitäten liegen stets vor den europäischen Hochschulen: Nun verstärkt sich die Kritik an den Methoden der Bewertungsagenturen.

WIEN. „Experten bewerten Experten, die Experten bewerten. Früher nannte man solches einen Klüngel.“ Konrad Paul Liessmann, Philosophieprofessor an der Uni Wien, macht in seiner Expertise „Theorie der Unbildung“ (2006 bei Zsolnay erschienen) über seine Abneigung gegen Evaluationen und Ranking-Expertisen wie die Pisa-Studie („Der Wahn der Rangliste“) kein Hehl. Wolfgang Weigel, Sprecher des österreichischen UniversitätslehrerInnenverbands fasst es in vier Worten zusammen: „Ein Ranking für die Rankings.“

Weigel, Ökonomieprofessor an der Uni Wien, gesteht freilich ein, dass er die Manie mit den Rankings etwas ironisch kommentiert, das Grundproblem aber vorhanden ist: „Da die verwendeten Kriterien und Verfahren der Rankings ganz unterschiedlich sind, führen sie auch zu unterschiedlichen Ergebnissen.“ Ändert man eine oder zwei Zielvorgaben der Studien auch nur geringfügig, würden andere Wertungen herauskommen.

Vor allem aber stößt sich der Uni-Mann an den verschiedenen Ausgangspositionen. „Bei uns haben wir den freien Hochschulzugang, bei den amerikanischen Spitzenuniversitäten ist davon keine Rede.“ Beide werden aber nach den gleichen Vorgaben bewertet. Die Uni Wien weist darauf hin, dass sie 2008 im „Times“-Ranking zwar im Bereich der Forschung den guten 57. Platz behaupten konnte, im Gesamtrang aber auf dem wenig schmeichelhaften Rang 115 landete. Weil eben die anderen Vorgaben, so das Betreuungsverhältnis Uni-Lehrer zu Studierenden, für das Abrutschen sorgte.

Wie jenes der „Times“ wird das in Österreichs Medien stets groß publizierte weltweite Uni-Ranking der Shanghai Jiao Tong University oft und oft als Maßstab hergenommen. Als beste heimische Hochschule rangiert die Uni Wien in der Gruppe „152 bis 200“, die Spitzenplätze nehmen hingegen Jahr für Jahr die renommierten US-Universitäten ein. Weigel konstatiert ein „weltweites Staunen ebenso wie die weltweite Häme“ nach Erscheinen dieser Rankings. Wobei die Vorgaben des Shanghai-Rankings unter anderem auf historische Meriten Bezug nimmt, wie etwa die Zahl der seit Bestand der jeweiligen Uni hervorgebrachten Nobelpreisträger. Würde man sich daran orientieren – um im internationalen Prestige zu punkten –, dann müssten, so Weigel, die Uni-Verantwortlichen Forschung und Studienangebote in den Nischenfächern einstellen und von anderen Unis die wissenschaftlichen Spitzenleute abwerben. Soweit das bestehende Budget dies zulässt.

Wolfgang Weigel fühlt sich mit seiner Kritik durch Fachstudien bestätigt. So haben zwei Mitarbeiter des Wirtschaftsforschungsinstituts in ihrer Studie „Anmerkungen zur Methodenwahl bei Instituts-Rankings“ festgestellt, dass die Ergebnisse punkto Bewertungsmethoden je nach Ranking-Institution enorme Unterschiede aufweisen. Eine Bewertungsagentur zieht nur wissenschaftliche Publikationen in bestimmten renommierten Fachjournalen heran, die andere alle. Eine berücksichtigt, ob mehrere Autoren oder Institute daran beteiligt waren oder Einzelpersonen die Arbeit verfasst haben; andere sehen darin keinen Unterschied. Auch die Länge der Artikel wird einmal bewertet, dann wieder nicht. Oder ob es sich um ein großes oder kleines Institut handelt.

Als Ergebnis kann jedenfalls, so die Wifo-Autoren, ein ziemlich gravierender Abstand in der Ranking-Reihung herauskommen. Einmal schneidet die bewertete Institution gut, dann schlecht ab.

Zweifel in der EU-Kommission

Die Ranking-Inflation – von Pisa bis zu den Uni-Reihungen – hat auch die EU-Kommission auf den Plan gerufen. „Higher Education Rankings: Robustness Issues and Critical Assessment“ lautet eine Studie, in der auch gleich die Frage gestellt wird, ob man überhaupt noch Vertrauen in Ranking-Ergebnisse haben soll. Anlass für die Untersuchung des Joint Research Centre in Brüssel war eben das Shanghai-Ranking, da dieses für Wissenschaftler, Studierende und auch für Politiker einen bestimmten Stellenwert habe. So wurden 88 Universitäten verglichen, die im Shanghai-Ranking und in jenem der „Times“ (unterschiedlich) bewertet wurden. Auch hier kommt man zum Schluss, dass die internationalen Benchmarks nicht ausreichen, um die europäische Uni-Qualität dramatisch in Frage zu stellen. Beide Rankings bevorzugen oder benachteiligen einzelne Universitäten. Und schließlich: Die durchschnittliche US-Universität ist nicht unbedingt besser als die durchschnittliche europäische Uni. Außerdem zielen die europäischen Unis auf eine höhere Homogenität ab als jene in den USA.

Geschrieben von: Jupiterl Monday, 9.02.2009, 18:33
Erhebt sich die Frage: Was ist die Einheit der Wissenschafts-Qualität. das Kilogramm uder der Quadratmeter (Papier)? Das Kilogramm dürfte zu bevorzugen sein, denn je gewichtiger das Magazin, desto gewichtiger auch das Papier, auf dem gedruckt wird.

Geschrieben von: Spider Monday, 16.02.2009, 13:06
"Kronen Zeitung" vom 14.2.2009: Universitäten im Dienste Österreichs
Ressort: Leserbrief-Forum, Seite 25

Ohne Geld keine Exzellenz! Ist unserer Regierung spät, aber doch bewusst geworden, dass die angedrohte Hungerkur für die Wissenschaft die heimische Forschungslandschaft im internationalen Wettbewerb zurückkatapultiert, statt nach vorne bringt?

Die ersten Ankündigungen von Wissenschaftsminister Hahn, den Universitäten die notwendigen zusätzlichen dreistelligen Millionenbeträge pro Jahr zur Verfügung zu stellen, sind zu begrüßen. Die Universitätenkonferenz wird allerdings das Ergebnis der kommenden Budgetgespräche abwarten, bevor sich alle Beteiligten zufrieden gegenseitig auf die Schulter klopfen. Dazu muss erst ein vernünftiges Gesamtpaket für Universitäten und die übrigen Forschungseinrichtungen geschnürt werden - und dort klaffen nach wie vor tiefe Löcher im Haushalt.

Das Jonglieren mit Millionenbeträgen könnte bei Teilen der Bevölkerung den Eindruck hinterlassen, die heimischen Unis seien unersättlich in ihren Forderungen. Um die berechtigten Anliegen der jahrelang unterfinanzierten Unis zu veranschaulichen, mag ein Beispiel dienen: Allein die US-Universität Harvard - in allen Rankings seit Jahren unangefochten an der Spitze - verfügt über ein ähnliches Budget wie alle 21 österreichischen Unis zusammen (mit einem Bruchteil der Zahl an heimischen Studierenden). Allerdings werden die Bewertungen der besten Universitäten der Welt den Rektoren zwischen Wien und Innsbruck bei jedem Leistungsvergleich gnadenlos um die Ohren geschlagen.

Es wäre also an der Zeit zu erkennen, dass unsere Unis nur dann zur Exzellenz aufschließen können, wenn ihnen die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Das heißt: mehr Geld für die Ausbildung, um die teils katastrophalen Betreuungsverhältnisse in den Hörsälen zu verbessern und mehr junge Menschen zu einem akademischen Abschluss zu bringen; mehr Geld für die Forschung, weil nur diese Investitionen der Jugend Arbeitsplätze verschaffen und so gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt ermöglichen; mehr Geld für die Gebäude und Ausstattung der Universitäten, weil diese über weite Strecken baufällig sind.

Die lebhaften Reaktionen der Öffentlichkeit haben die Universitätenkonferenz in der Überzeugung bestärkt, dass Bildung und Forschung im Interesse aller Staatsbürgerinnen und Staatsbürger liegen. Wenn dieser Bewusstseinsprozess Politik und Bevölkerung gleichermaßen erfasst, sollte uns allen um die Zukunft der heimischen Universitäten nicht bange sein.
Univ.-Prof. Dr. Christoph Badelt, Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien und Präsident der Österreichischen Universitätenkonferenz

Es muss etwas geändert werden! Für mich ist es ein sehr positives Zeichen, dass sich nun auch die "Krone" stark macht, um die Probleme, die im Bildungsbereich durch nicht ausreichende Finanzierung entstehen, zu bekämpfen.

Ich bin selbst Studentin im fünften Semester und ärgere mich immer wieder, dass viele Missstände im alltäglichen Unibetrieb trotz Studiengebühren, die ich bis zu diesem Semester zahlen musste, nicht ausgeräumt werden. So gibt es beispielsweise nie genügend Lehrveranstaltungen für die unteren Semester, sodass die Anmeldung zu den Kursen online immer mehr zu einem Kampf um die beschränkten Teilnehmerplätze wird. Dabei entscheidet oft alleine die bessere Internetverbindung und eine Sekunde Verzögerung beim Klick auf den Knopf "anmelden".

Bei meinem Zweitstudium muss ich mich immer noch persönlich und Stunden vor Öffnen der Türen anstellen, um Plätze in den Kursen zu ergattern. Auch in anderen Studienrichtungen ist die Situation nicht besser, auch dort gibt es zu wenige Vorlesungen. Wenn man dann doch in eine hineinkommt, heißt das aber noch lange nicht, dass dort auch ein produktives Lernen möglich ist. Von Knock-out-Prüfungen, die nur darauf konzipiert sind, die Studienanfänger auf eine bestimmte Anzahl zu reduzieren, möchte ich hier gar nicht zu sprechen beginnen. Fakt ist, dass hier einiges geändert werden muss.

Ich denke schon, dass die Universitäten diese Probleme kennen und dass ihnen eine deftige Finanzspritze dabei helfen würde, die Situation in den Anmeldesystemen, Hörsälen und Prüfungszimmern zu entschärfen.
Anna Berger, Studentin der Germanistik, Wien

Im Dienste der Österreicher! Bankenrettungspaket, Verschrottungsprämie und Co. werden uns nicht aus der derzeitigen Rezession retten: Hier werden Unternehmen, die zu faul waren, sich weiterzuentwickeln, fürs Nichtstun und für ihren luxuriösen Lebenswandel belohnt. Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Österreich liegt in der Hand der Wissenschaft. Nur wenn es uns gelingt, Österreich einen Innovationsvorsprung gegenüber anderen Ländern zu verschaffen, werden unsere Arbeitsplätze auch in Zukunft gesichert sein. Gerade jetzt in der Krise ist es daher notwendig, dass der Staat mehr Geld für die universitäre Forschung ausgibt.
Dominik Erharter, per E-Mail


Enormer Aufholbedarf!

Als einer der Dekane bzw. Zentrumsleiter der Universität Wien möchte ich mich herzlich bedanken, dass den Anliegen der Universitäten mehrfach in der "Kronen Zeitung" Raum verliehen wird.

Österreich muss mehr in Bildung und Forschung investieren, da Österreich einen enormen Aufholbedarf hat. Diese Maßnahmen schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sondern sichern die Zukunft unseres Landes im internationalen Wettbewerb.

Die Initiative der "Kronen Zeitung" ist daher besonders zu begrüßen, da sie die Wichtigkeit und Dringlichkeit dieser Thematik akzentuiert.
Univ.-Prof. Dr. Norbert Bachl, Zentrum für Sportwissenschaft und Universitätssport der Universität Wien
Univ.-Prof. Dr. Christoph Badelt, Rektor der WU Wien

Geschrieben von: Spider Monday, 23.02.2009, 11:39
"Die Krone" vom 21.2.2009: Universitäten im Dienste Österreichs
Ressort: Wi, S. 27

Österreichs Kapital ist Forschung & Ausbildung
Die Wiener Medizinischen Schulen hatten Weltgeltung. Unter Kaiserin Maria Theresia (1. Wiener Medizinische Schule) sowie Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts (2. Wiener Medizinische Schule) setzten österreichische Mediziner Meilensteine: sowohl in der Forschung als auch in der Etablierung eines der ersten sozialmedizinischen Versorgungssysteme überhaupt. Nicht zuletzt der hohen Anzahl von Nobelpreisträgern für Medizin in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist es zu verdanken, dass die medizinischen Universitäten im sogenannten Shanghai-Ranking überhaupt noch unter den ersten 300 aufscheinen, denn die Nobelpreisvergaben werden als Faktoren mitgezählt, allerdings nur für eine bestimmte Zeit.

Vom Ruf der Vergangenheit können wir daher nicht leben, aber wir können ihn als Basis für eine dritte international renommierte Schule der Medizin nutzen und damit die Zukunft des Medizin-/Wissenschaftsstandortes Wien neu begründen. Dafür aber benötigt es Voraussetzungen: ausreichende finanzielle Mittel für die Ausbildung, die Lehre und vor allem die Forschung sowie dementsprechende Infrastruktur. Medizinische Forschung ist zum überwiegenden Teil klinische, das heißt angewandte Forschung. Und damit auch unmittelbar für die Praxis und für die Menschen nutzbar.

An den finanziellen Mitteln fehlt es aber ebenso wie an der notwendigen Infrastruktur: überfüllte Hörsäle, zu wenige Professoren für zu viele Studierende, überlastete Ärztinnen und Ärzte, die ihre Forschungstätigkeiten unter oft widrigen Umständen ausüben müssen, schlecht bezahlte Jungärzte und -forscher.

Die Attraktivität eines Universitätsstandortes hängt stark davon ab, welche international renommierten Forscherinnen und Forscher hier tätig sind, welche Forschungsfelder besonders ausgeprägt und welche Forschungsvoraussetzungen in einem lebendigen Campusumfeld gegeben sind. Wo exzellente Kapazitäten wirken, zieht es auch exzellenten Nachwuchs hin.

Medizinische Forschung ist nicht nur vom wissenschaftlichen Standpunkt her ein bedeutendes Asset für Wien, sie ist wesentlicher Faktor für den Wirtschaftsstandort und dessen Wettbewerbschancen: Kaum eine Branche ist so forschungsintensiv wie die Pharma- und Gesundheitsbranche. Dass Gesundheit und Gesundheitssicherung sowie barrierefreier Zugang zu medizinischer Spitzenleistung kardinale gesellschaftspolitische Herausforderungen sind, ist unbestritten. Deshalb unser Appell an die Regierung: ausreichende Finanzierung der Universitäten, verbunden mit deutlich besseren Arbeits- und Forschungsbedingungen, und ein deutliches Bekenntnis zur Medizinweltstadt Wien. Denn nach derzeitigem Stand ist es unwahrscheinlich, dass Österreich das von der Regierung postulierte Ziel, dass zwei Prozent des BIP in den tertiären Bildungssektor investiert werden, erreicht, außer man geht von einem drastisch sinkenden Wirtschaftswachstum aus.

Unsere Zukunft liegt nicht in niedrig qualifizierter verlängerter Werkbankindustrie oder im Tourismus und den reanimierten Klischees der Vergangenheit, sondern in exzellenter Forschung. Denn in Europa hat sich überwiegend eine hochwertige Dienstleistungs- und Wissenschaftsgesellschaft etabliert, und alle Eltern werden ihre Kinder an dieser Gesellschaft erfolgreich teilhaben lassen wollen.

Die Gefahr besteht, dass die "hellen Köpfe" uns den Rücken zuwenden und ihre Karriere im Ausland begründen. Mit medizinischen Kongressen alleine, die zugegebenermaßen ein wirtschaftlicher Erfolg in Wien sind, lässt sich Forschungsakzeptanz nicht erreichen.
O.Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schütz,
Rektor der Medizinischen Universität Wien


" . . . durch massive Investitionen in die Bildung, Wissenschaft und Forschung wollen wir die Grundlagen . . . für zukünftigen Wohlstand unseres Landes absichern . . .", heißt es im Regierungsprogramm, und weiter, "Österreich soll von der Gruppe der Followers zur Gruppe der Innovation Leaders aufsteigen und damit zu einem der innovativsten Länder der EU werden". Unschwer kann der Leser erkennen, in welchem Kontrast diese Aussagen zum tatsächlichen Handeln unserer Politik stehen. Wird Österreich jetzt nach einem erfolgreichen Aufholprozess wieder Schlusslicht der EU?

Während des Weltwirtschaftsforums in Davos wurden wir als negatives Beispiel zitiert: " . . .In dieser Situation beginnen die Staaten an der falschen Stelle zu sparen. Österreich möchte sogar seine Forschungsausgaben signifikant reduzieren . . ."

Die 400 Mio. Euro, die den Universitäten zusätzlich zur Verfügung stehen, könnten zunächst zu vorsichtigem Optimismus Anlass geben, aber dahinter verbirgt sich weniger eine Steigerung des Forschungsbudgets, sondern z. B. Ausgaben für längst notwendige Renovierungen und Neubauten. Noch besteht Hoffnung, dass durch ausreichende Dotierung der Forschungsförderung hier Abhilfe geschaffen wird. Die Aussendung des Forschungs-Fonds lässt aber nichts Gutes ahnen: In der Jännersitzung des Kuratoriums konnten keine neuen Bewilligungen für Forschungsprojekte erteilt werden, so Präsident Kratky, ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der österreichischen Forschungsförderung. In den vergangenen Jahren hat man sich auf einen allgemein akzeptierten Neun-Prozent-Wachstumspfad geeinigt, jetzt fehlen im Budget mehr als 70 Mio. Euro zur Förderung exzellenter Wissenschaft, von der wir alle profitieren. Bisher war es in ähnlichen Situationen möglich, dem Fonds ein Volumen zu signalisieren, das zumindest Kontinuität gewährleistete.

Konstruktive Wissenschafts- und Forschungspolitik trägt auch dazu bei, die wirtschaftliche Zukunft Österreichs zu sichern. Dessen sollte sich die Bundesregierung bewusst sein, wenn nun der angekündigte Forschungspfad verlassen, die Grundsicherung der Forschung aufgegeben und stattdessen die Forschungsförderung ausgehungert wird.
O. Univ.-Prof. DDr. Bernhard Keppler, Universität Wien,
Präsident des Verbandes der UniversitätsprofessorInnen

Geschrieben von: Spider Monday, 2.03.2009, 16:08
"Ö1" vom 2.3.2009: Spartacus
Sendung: Betrifft: Geschichte, 2. - 6.3.2009, jeweils 17.55 Uhr

mit Wolfgang Hameter, Institut für Alte Geschichte, Universität Wien

Spartacus erzielte als Anführer der aufständischen Sklaven zahlreiche militärische Erfolge gegen die römischen Legionen. Er wurde zu einer Symbolfigur gegen Unterdrückung und Knechtschaft.

Geschrieben von: Spider Tuesday, 31.03.2009, 13:49
"Der Standard" vom 31.03.2009: Unis bekommen ersten Kollektivvertrag
Ressort: Innenpolitik, S.6

Neue Vereinbarung bringt Pensionskassen und höhere Einstiegsgehälter

Wien - Seit 2007 ist das Werk ausverhandelt. Doch erst jetzt, nach langwierigen Diskussionen, rangen sich die Rektoren zu einer Unterschrift durch. Das Personal an Österreichs Universitäten wird damit erstmals einen eigenen Kollektivvertrag (KV) bekommen.

Inkrafttreten soll der neue Vertrag ab kommendem Oktober. Vorgesehen sind ein neues Laufbahnmodell für Wissenschafter, höhere Anfangsgehälter und eine Pensionskassenregelung. Befürworter erhoffen sich davon bessere Zukunftsperspektiven vor allem für junge Bedienstete.

Dennoch hatten die Rektoren unter ihrem Vorsitzenden Christoph Badelt lange die Zustimmung verweigert, weil sie sich über die finanzielle Ausstattung der Unis in den Jahren 2010 bis 2012 schlecht informiert fühlten: Von Wissenschaftsministerium verlangten sie "Präzisierungen" über das zur Verfügung stehende Globalbudget.

Hausherr Johannes Hahn (ÖVP) reagierte schließlich mit einem Ultimatum - und drohte, das für den Kollektivvertrag veranschlagte Geld anderwertig auszugeben, sollte bis Anfang April keine Einigung zustandekommen. Dem Worst Case kamen die Rektoren nun zuvor, indem sie die neue Regelung akzeptieren, aber Übergangsbestimmungen durchsetzten.

Hahn hat zugesagt, heuer 50 Milionen Euro und für die Jahre 2010 bis 2012 jährlich 30 Millionen Euro für den Kollektivvertrag zur Verfügung zu stellen. Statt der ursprünglich geplanten fünf Prozent des Uni-Globalbudgets, die Hahn einbehalten wollte, will der Minister nun nur maximal drei Prozent abzwacken. Von 2010 bis 2012 sollen die Unis jährlich zusätzlich 400 Millionen zu den üblichen Budgets erhalten. (APA, red)

Geschrieben von: Spider Tuesday, 31.03.2009, 13:49
"derStandard.at" vom 30.3.2009: Der neue Uni-KV soll berechenbare Karrieren bringen

Eckpunkte sind ein neues Laufbahnmodell für Wissenschafter, höhere Anfangsgehälter und eine Pensionskassenregelung

Wien - Der geplante neue Kollektivvertrag (KV) für das wissenschaftliche und künstlerische Personal und die allgemeinen Bediensteten an den Universitäten - insgesamt rund 30.000 - soll für alle seit dem 1. Jänner 2004 neu eingetretenen Mitarbeiter gelten. Ab diesem Zeitpunkt (Vollrechtsfähigkeit der Unis) wurde Personal nur mehr nach dem Angestelltenrecht aufgenommen, für einen Teil der Wissenschafter gilt noch immer das Übergangsdienstrecht von 2001 mit ausnahmslos befristeten Stellen. Für die Hochschullehrer-Gewerkschaft wird die Laufbahn durch den neuen KV für den Arbeitnehmer "berechenbar". Montagnachmittag geben die Rektoren bekannt, ob sie der Finanzierung des KV zustimmen.

Eine typische wissenschaftliche Uni-Laufbahn soll künftig so aussehen: Die erste Sprosse der Karriereleiter nach dem Master bzw. Diplom ist eine auf vier bis sechs Jahre befristete Stelle als Uni-Assistent. In dieser Zeit sollte Doktorat bzw. PhD absolviert werden. Noch bevor dieser Vertrag ausläuft, sollte in einem Gespräch zwischen Arbeitgeber und -nehmer klar werden, ob man Chancen für eine weitere wissenschaftliche Karriere an der jeweiligen Uni hat. Wenn ja, kann man sich auf eine sogenannte "Laufbahnstelle" bewerben, also eine maximal sechsjährige Post-Doc-Stelle mit dem Titel "Assistenzprofessor" ("Assistant Professor").
Für diese Stelle muss mit der Uni-Leitung eine "Qualifikationsvereinbarung" abgeschlossen werden. Darin wird festgelegt, was der Kandidat in einem Zeitraum von bis zu sechs Jahren erreichen muss - etwa eine Habilitation und eine Lehrqualifikation oder eine bestimmte Publikationsleistung. Ob diese Ziele erreicht werden wird am Ende der Frist überprüft.

Qualifikationsvereinbarung
Erfüllt man die Qualifikationsvereinbarung, wird man automatisch "Assoziierter Professor" ("Associate Professor") und damit unbefristet angestellt. Dieser Schritt soll früher erfolgen als derzeit Nachwuchswissenschafter die Habilitation erwerben. Will man die Karriereleiter noch weiter hinaufklettern, muss man sich auf die Stelle eines "Universitätsprofessors" bewerben und sich dabei - wie bisher - in einem Berufungsverfahren bewähren. Aufgrund der Aufrechterhaltung dieses Berufungsverfahrens ist das neue Karrieremodell nach Ansicht der Gewerkschaft auch nicht mit dem amerikanischen "tenure track" vergleichbar.
Daneben soll es noch eine Schiene für "Systemerhalter", sogenannte "Senior Scientists" oder "Senior Artists" geben. Das kommt etwa für Sprachlehrer, Musiklehrer, Laborbetreuer bzw. einen Oberarzt infrage, der keine wissenschaftliche Karriere macht, aber als Spitals-Oberarzt gebraucht wird. Für alle Stufen der Karriereleiter gilt, dass eine zweimalige negative Evaluierung einen Kündigungsgrund darstellt.
Profitieren vom KV sollen junge Wissenschafter auch durch höhere Anfangsgehälter: Derzeit verdient man als Jung-Forscher am Beginn der Uni-Karriere 1.400 bis 1.900 Euro brutto monatlich, künftig liegt das Mindestgehalt für Uni-Assistenten am Beginn bei 2.398 Euro (inklusive zwei bis vier Semesterwochenstunden Lehre). Für einen "Assistenzprofessor" beträgt das Mindestgehalt 3.270 Euro, für einen "Assoziierten Professor" 4.142 Euro und für einen berufenen Uni-Professor 4.360 Euro.

Mehr Rechte für Lektoren
Im KV enthalten ist auch eine Pensionskassenregelung für die Uni-Bediensteten sowie eine Lösung für die sogenannten Existenz-Lektoren. In der Vergangenheit waren Hunderte davon bei ihrer Lehrtätigkeit von Jahresverträgen abhängig. Sie sollen künftig in das wissenschaftliche Personal integriert werden. Bis zu sechs - bei Teilzeitbeschäftigung bis zu acht - Jahre ist weiterhin eine befristete Anstellung möglich, danach nur noch unbefristet.
Auch der von der Gewerkschaft geforderte bis zu sechsmonatige Studienurlaub wurde in den KV aufgenommen und kann etwa für einen Forschungsaufenthalt im Ausland oder praxisnahe Forschung in der Wirtschaft genutzt werden. Im KV wurde ein Recht auf diese Auszeit verankert, die konkreten Bedingungen dafür können die einzelnen Unis in Betriebsvereinbarungen festlegen.
Den 12.000 nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern soll der KV laut Alfred Müller, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft für das allgemeine Uni-Personal, vor allem soziale Absicherung bringen: ein Mindestgehalt, stärkere Leistungsbezogenheit der Löhne, Qualifizierungsmöglichkeiten und Planbarkeit der Karriere. Seit 2004 habe es eine signifikante Zunahme an atypischen Arbeitsverhältnissen gegeben, die in Einzelverträgen vereinbarten Einkommen wiesen erhebliche Unterschiede auf. Mit dem KV solle nun ein "Regelsystem für die Entlohnung und Verwendung von Personal" geschaffen werden, so Müller. Dazu werden laut Entwurf auch die 30 "Verwendungsbilder" des Beamtendienstrechts auf acht flexiblere Postenbeschreibungen reduziert. (APA)

Geschrieben von: Spider Wednesday, 15.04.2009, 19:37
Der Standard:
Interview mit Rektor Winckler und Artikel zur Lage des FWF

"Exzellenz kommt nur von unten"
derstandard.at/?url=/?id=1237229927486

Wir wandern halt aus
derstandard.at/?url=/?id=1237229894379

Geschrieben von: Spider Monday, 20.04.2009, 09:18
"faz-net.de" (Frankfurter Allgemeine Zeitung) vom 17.4.2009: Hochschulreform: Humboldt: Falscher Mann am falschen Ort

von Uwe Schimank

Lernen im Zeichen Alexander von Humboldts: Studierende in der Bibliothek der Humboldt-Universität in Berlin
17. April 2009 Wilhelm von Humboldt: Diese Person ist unser Kürzel für die Anfang des neunzehnten Jahrhunderts geprägte klassische deutsche Universitätsidee im Allgemeinen und ihr Verständnis universitärer Bildung im Besonderen. Bologna demgegenüber ist bekanntlich der Ort, wo vor zehn Jahren die europäischen Bildungsminister ihren politischen Willen zu einer radikalen Veränderung der Studiengangsstrukturen an den Hochschulen ihrer Länder bekundeten.

Diese Veränderung umfasst nicht nur die Umstellung auf Bachelor/Master, sondern auch studienbegleitende Prüfungen mit der Vergabe von „credit points“, eine Konzeption der Studiengänge vom „work load“ der Studierenden her, die Ausrichtung der Bildungsinhalte auf „employability“ einschließlich einer Vermittlung von Schlüsselqualifikationen und schließlich eine dauerhafte Qualitätssicherung der Studiengänge durch Akkreditierungen.

Vier mögliche Verhältnisbestimmungen

Logisch gäbe es vier mögliche Verhältnisbestimmungen von Humboldt und Bologna.

Alexander Freiherr von Humboldt: Falscher Mann am falschen Ort
Erstens: Humboldt ist der richtige Mann am richtigen Ort: Das hieße, dass die neuen Studiengangsstrukturen das Gebot der Stunde sind, um das nach wie vor gültige klassische universitäre Bildungsverständnis unter veränderten heutigen Bedingungen fortzuführen. Dies ist die Kontinuitätsthese: Das Alte muss und kann erneuert werden.

Zweitens: Humboldt ist der falsche Mann am richtigen Ort: Das bedeutete, dass die neuen Studiengangsstrukturen sachlich geboten sind und das klassische universitäre Bildungsverständnis ablösen müssen. Dies ist die Diskontinuitätsthese in funktionaler Lesart: Das Neue muss her, das Alte muss verschwinden.

Drittens: Humboldt ist der richtige Mann am falschen Ort: Das klassische universitäre Bildungsverständnis wäre, so verstanden, nach wie vor sachgerecht, kann aber in den neuen Studiengangsstrukturen unglücklicherweise nicht mehr zur Geltung gebracht werden. Dies ist die Diskontinuitätsthese in dysfunktionaler Lesart, also die Krisenthese: Das falsche Neue verdrängt das richtige Alte.

Viertens: Schließlich, gegen diese drei Lesarten von Bologna, die meines Titels: Humboldt ist der falsche Mann am falschen Ort. Weder können wir heute das klassische universitäre Bildungsverständnis fortführen, noch sind stattdessen die neuen Studiengangsstrukturen die Lösung. Dies ist die zugespitzte Krisenthese: Das Alte und das Neue prallen aufeinander, aber beide taugen nichts.

Ein Kampf verschiedener Arten von gesellschaftlichen Akteuren

Ich werde im Weiteren den Bologna-Prozess soziologisch als Kampf verschiedener Arten von gesellschaftlichen Akteuren um die Leistungen des Hochschulsystems in der Lehre verstehen: Wer hat Zugang zu diesen Leistungen? Und wie sehen diese Leistungen aus? Die heutige Gesellschaft sehe ich dabei als ein Ensemble von Teilsystemen an: Wirtschaft, Politik, Sport, Bildung etc. Die Hochschulen sind, sofern sie sowohl Forschung als auch Lehre betreiben, ein organisatorisches Nebeneinander von Wissenschafts- und Bildungssystem. In jedem dieser Teilsysteme huldigen die Akteure, Individuen wie Organisationen, einem nur dort als höchstem Wert verabsolutierten Eigen-Sinn wie Wahrheit in der Wissenschaft, Bildung im Bildungssystem, Zahlungsfähigkeit in der Wirtschaft oder Macht in der Politik. Huldigen ist durchaus wörtlich gemeint: Der Wissenschaftler kann sich ebenso wenig vorstellen, dass es etwas Wichtigeres geben könnte als den Erkenntnisfortschritt und dass dieser jemals aufhören könnte, wie es einem Unternehmer undenkbar erscheint, jemals genug Gewinne gemacht zu haben. Das heißt auch: Nur im Bildungssystem wird Bildung als Selbstzweck hochgehalten.

Jedes Teilsystem erbringt Leistungen, die anderswo benötigt werden - nicht nur die Wirtschaft, auch die Politik, das Recht, der Journalismus brauchen in bestimmten Hinsichten gebildete Menschen. Umgekehrt ist das Bildungssystem Nutznießer anderer Teilsysteme: Es erhält etwa Finanzmittel vom Staat und profitiert von rechtlichen Regelungen oder von den Erziehungsleistungen der Familien. Allerdings handelt es sich um eine sozusagen höchst widerwillige Arbeitsteilung, die sich aus der Sicht der Akteure eines bestimmten Teilsystems so darstellt: Am liebsten wäre ihnen, wenn die jeweils von ihnen benötigten Leistungen von den Akteuren der anderen Teilsysteme zuverlässig erbracht würden, man selbst aber völlig rücksichtslos gegenüber Leistungserwartungen der anderen den jeweiligen Eigen-Sinn kultivieren könnte.

Der Bologna-Prozess differenzierungstheoretisch

Schaut man sich nun den Bologna-Prozess an, lässt er sich differenzierungstheoretisch wie folgt zusammenfassen: Wir erleben seit den sechziger Jahren einen Massenzugang zur höheren Bildung. Es gilt, den Anteil der Hochschulzugangsberechtigten und Hochschulabsolventen an einem Altersjahrgang zu steigern und so den tertiären Bildungssektor von Eliteausbildung, also einer weitgehenden Exklusion der Bevölkerung, in Richtung einer zunehmenden Inklusion umzusteuern. Dies wird darauf zurückgeführt, dass wir mehr und mehr in einer „Wissensgesellschaft“ leben. Nicht nur in der Wirtschaft ist Wissen zum kritischen Produktionsfaktor geworden. Über die Wirtschaft hinaus wird argumentiert: In allen Gesellschaftsbereichen werde wissenschaftlich fundiertes und an Hochschulen vermitteltes Wissen eine immer unentbehrlichere Orientierungsgrundlage. Nur kurze Zeit allerdings ging diese Inklusionspolitik mit einer entsprechenden Ausweitung der staatlichen Finanzierung der Hochschulen einher. Seit Mitte der siebziger Jahre wird die Inklusion von immer mehr Studierenden mehr oder weniger zum politischen Nulltarif erwartet.

Zum einen bedeutet Inklusion dabei, dass zunehmend Angehörige der sogenannten „bildungsfernen“ gesellschaftlichen Gruppen an die Hochschulen kommen. Vorgelagert müssen bereits die Gymnasien auch solche Schüler verkraften und zum Abitur bringen, die von Hause aus nicht mit Goethe und Newton vertraut sind; das Abitur als Ausweis der Studierfähigkeit leidet. Zum anderen wird von Seiten der Arbeitgeber zunehmend die bereits erwähnte „employability“ der Hochschulabsolventen eingefordert: statt berufsferner Bildungserlebnisse „praxisnahe“ Kompetenzen.

Wer hat eigentlich Humboldt hochgehalten?

Das gleiche Geschehen lässt sich aber auch in ganz anderer Lesart präsentieren. Sie stellt die Frage: Wer hat eigentlich Humboldt hochgehalten und tut dies weiterhin? Und dann: Wer treibt uns nun weg von Humboldt und hin nach Bologna?

Die Einsortierung der Protagonisten beider Lager in der derzeitigen Auseinandersetzung fällt erst einmal nicht schwer. Die „Bologneser“ sind: die Ministerien auf Bundes- und Länderebene, die Mehrheit der Parteipolitiker in allen Parteien; der Wissenschaftsrat und die Hochschulrektorenkonferenz; der Akkreditierungsrat und die Akkreditierungsagenturen; der Stifterverband und das CHE; Teile der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände; Teile der Studierendenschaft. Hinzu kommen die einschlägigen Akteure auf der europäischen Ebene. Man sieht, dass es Akteure gibt, die ab einem gewissen Zeitpunkt geschlossen hinter Bologna standen, und andere, die wie die Hochschulleitungen und Studierenden in sich gespalten sind. Letztere Akteure werden, analog zu Wechselwählern, von beiden Seiten für sich zu gewinnen versucht - womit ich bei den „Humboldtianern“ bin. Hier gibt es hauptsächlich einen, allerdings sehr schlagkräftigen Akteur: das Gros der Professorenschaft, insbesondere an den Universitäten, und wohl auch ein Großteil des derzeitigen wissenschaftlichen Nachwuchses.

Progressiv im positiven Sinne

Die Bologneser sehen sich selbst als progressiv im positiven Sinne an: Sie erkennen die Zeichen der Zeit. Von den Humboldtianern werden sie hingegen als mutwillige Zerstörer einer gesunden Tradition eingestuft. Sich selbst attestieren die Humboldtianer demgegenüber, konservative Wahrer ebendieser kerngesunden Tradition zu sein; und die Bologneser verpassen ihnen den Titel der ewiggestrigen „letzten Krieger Humboldts“ - so eine polemische Charakterisierung des Deutschen Hochschulverbands, der Standesorganisation der Universitätsprofessoren. Dass der DHV dies sogleich als Ehrentitel übernahm, demonstriert die konträren Wertungen.

Meine These ist nun: Man muss noch eine Ebene tiefer steigen, um den Bologna-Prozess in seiner Konflikthaftigkeit zu begreifen. Man muss die größeren gesellschaftlichen Interessenlagen und -koalitionen erkennen, die den angesprochenen politischen Standpunkten und Wertungen zugrunde liegen. Holzschnittartig schematisiert: Im Bologna-Prozess geht es in Wirklichkeit um einen Kampf zwischen dem sich als Bildungsbürgertum verstehenden Teil der oberen Mittelschichten und den aufstrebenden unteren und mittleren Mittelschichten - einen Kampf über die Teilhabe an akademischer Bildung und deren Ausgestaltung. Der Gegenstand dieses Kampfs lässt sich als Grenzstreitigkeit zwischen einem sich am Wissenschaftssystem verankernden Bildungssystem auf der einen und den die Hochschulabsolventen in Berufe abnehmenden anderen gesellschaftlichen Teilsystemen - allen voran das Wirtschaftssystem - auf der anderen Seite fassen.

Unterricht ist nicht Forschung

Eine Besonderheit des Bildungssystems besteht darin, dass es sich zur Konstitution seines Eigen-Sinns eng an ein anderes gesellschaftliches Teilsystem, die Wissenschaft, bindet. Von der Wissenschaft übernimmt das Bildungssystem große Teile dessen, was es als Wissensstoff in Bildungserfahrungen vermittelt. Dies ist umso mehr der Fall, je weiter fortgeschritten die Bildungskarriere ist. In der Grundschule werden noch so gut wie ausschließlich Inhalte und Fertigkeiten angesprochen, die zum Allgemeinwissen zählen; aber spätestens in der gymnasialen Oberstufe und erst recht in der Hochschule ist die Verwissenschaftlichung des Bildungsangebots nahezu durchgängig. Dementsprechend tobt bei der Ausbildung der Gymnasiallehrer seit eh und je der Kampf zwischen Fachlichkeit und Didaktik, der sich nicht zufällig im Zeichen von Bologna zuspitzt.
Einerseits ist Unterricht nicht Forschung: keine Suche nach neuen Erkenntnissen, sondern dezidiert Vermittlung des Forschungsstands von gestern, weil nur der gesichert und damit alltags- und berufstauglich ist. Darin besteht ja die gesellschaftliche Leistungserwartung an das Bildungssystem: gesamtgesellschaftlich taugliches Personal zu erziehen, was nicht der Fall wäre, wenn Bildung auf eine Verschickung an die Forschungsfront hinausliefe. Andererseits legitimiert der Nimbus der Wissenschaftlichkeit erstens das hohe Berufsprestige und zweitens das hohe Gehalt der Gymnasiallehrer. Und Wissenschaftlichkeit sorgt drittens dafür, andere - etwa politische oder wirtschaftliche - Einflüsse aus dem Unterricht rauszuhalten. Die Eigeninteressen der Berufsrollen des Bildungssystems legen also nahe, den Eigen-Sinn des eigenen Teilsystems ganz stark im Fremdbezug zur Wissenschaft zu begründen.

Der Universitätsprofessor ist in einer insofern komfortableren Lage, als er dauerhaft zugleich Forschender und Lehrender ist. Was der Gymnasiallehrer nur zaghaft für sich beanspruchen kann, fordert der Universitätsprofessor machtvoll für sich ein: als Mitglied der Elite der Forschenden weit über einem bloßen Lehrenden zu stehen. Der Entdecker neuen Wissens galt schon lange vor der Wissensgesellschaft mehr als der Vermittler bekannten Wissens - und zwar deshalb, weil Ersterer seltener vorkommt als Letzterer und vor allem nicht so planmäßig, gleichsam in Serienproduktion ausgebildet werden kann.

Lange Zeit nicht um die Qualität der Lehre gekümmert

Was hat das mit den Kämpfen um Bologna zu tun? Ganz einfach: Als Professor definiert man den eigenen Wert über die knapper zugeschriebene persönliche Eigenschaft, versteht sich also in erster Linie als Forscher und erst nachrangig als Lehrender. Diese Selbstdefinition hat lange Zeit dafür gesorgt, dass Professoren sich um die Qualität ihrer Lehre nicht gekümmert haben. Das ist die Interessenlage, für die Humboldts Formel von der „Einheit von Forschung und Lehre“ einen bis heute extrem wirkmächtigen Euphemismus geliefert hat. Diese Lebenslüge der Professorenschaft bedurfte freilich einer Unterstützung durch das Gegenüber: die Studierenden und deren Eltern. Und diese Unterstützung war so lange gegeben, wie in der Studierendenschaft die Abkömmlinge des Bildungsbürgertums den Ton angaben.

Das war bis in die 1960er Jahre der Fall. Zwar gab es vereinzelt Studierende, deren Eltern der mittleren und unteren Mittelschicht oder gar der Arbeiterschaft angehörten; und natürlich genossen wie eh und je die Abkömmlinge der Oberschicht das Privileg eines faktisch garantierten Zugangs zum Universitätsstudium. Doch die Studierenden mit bildungsbürgerlichem Hintergrund gaben mit ihrer Hochachtung der Wissenschaft den Ton an. Bei den eher wenigen Studierenden aus darunter liegenden sozialen Lagen herrschte Überanpassung an dieses Vorbild vor; und die Studierenden aus der Oberschicht brauchten das alles, einschließlich der Prüfungen, nicht sonderlich ernst zu nehmen, schlimmstenfalls halfen Beziehungen.

Diese kulturelle Hegemonie des Bildungsbürgertums hieß: An Qualität der universitären Lehre war niemand ernsthaft interessiert, weder auf Anbieter- noch auf Abnehmerseite. Dieses Desinteresse war geradezu integraler Bestandteil der stabilen wechselseitigen Anerkennung zwischen Professorenschaft und den dem Bildungsbürgertum entstammenden Studierenden. Überspitzt formuliert: Je weniger didaktisch bemüht eine Vorlesung war, je weniger daher ein Student ohne großes eigenes Bemühen verstand, desto mehr fühlte er sich in der Wissenschaft; und dieses Gefühl war das eigentliche universitäre Bildungserlebnis.

Es sollte endlich anders werden

Ich erinnere mich an meinen eigenen Studienbeginn 1974, und ich stamme nicht aus dem Bildungsbürgertum, sondern war einer der überangepassten Aufsteiger: Das Wichtigste war mir, dass es endlich anders wurde als in der Schule; und ich verachtete geradezu diejenigen wenigen Lehrenden, die sich im Sinne der eben erst aufgekommenen Hochschuldidaktik bemühten, uns den Weg in das Fach einfacher zu machen. Ich wollte es schwierig haben, weil das das untrügliche Zeichen dafür war, in der Wissenschaft angekommen zu sein. Und deshalb tolerierte ich nicht nur nach heutigen Maßstäben schlechte Lehre, sondern wollte diese genau so haben.

Viel später habe ich das dann auch bei Wilhelm von Humboldt gelesen, der den Unterschied von Schule und Universität so beschreibt: „Es ist ferner eine Eigenthümlichkeit der höheren wissenschaftlichen Anstalten, dass sie die Wissenschaft immer als ein noch nicht ganz aufgelöstes Problem behandeln und daher immer im Forschen bleiben, da die Schule es nur mit fertigen und abgemachten Kenntnissen zu thun hat und lernt. Das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler wird daher durchaus ein anderes als vorher. Der erstere ist nicht für die letzteren, Beide sind für die Wissenschaft da.“ Akademische Bildung begreift er also als Nebenprodukt gemeinsamen Wissenschaft-Treibens von Professoren und Studierenden, nicht als etwas, was intentional anstrebbar und gestaltbar wäre. Damit hatte Humboldt bekanntlich spezifische Lehrsituationen vor Auge, die er als paradigmatisch für Universitätslehre überhaupt postulierte. Dass schon zu seiner Zeit, etwa in der Juristenausbildung oder in größeren Teilen der naturwissenschaftlichen Lehre, ganz anderes gefragt war und praktiziert wurde, überging er großzügig.

Gesellschaftliche Akteure mit „niedrigen Beweggründen

Dass diese beiden Seiten nützende Interessenkoalition von Professorenschaft und Bildungsbürgertum ihre unangefochtene Deutungshoheit in Sachen universitärer Lehre verlor, nahm in den 1960er Jahren seinen - keineswegs unaufhaltsamen - Lauf. Die Humboldtianer sprechen unterdessen mit Blick auf die aktuelle Lage von „Humboldts Albtraum“, gestehen also ein, in die Defensive gedrängt worden zu sein. Damit haben sie zweifellos insofern recht, als der Bologna-Prozess mit dem Schluss machen will, was sich unter der Humboldt-Formel der „Einheit von Forschung und Lehre“ faktisch abspielte: die Dominanz der Forschung und die Vernachlässigung der Lehre im Selbstverständnis der Professoren.

Wenn hingegen nun mit Bologna der „employability“ gehuldigt wird, ist klar: Hier verschaffen sich gesellschaftliche Akteure mit „niedrigen Beweggründen“ an den Hochschulen Einfluss, die nicht an Bildung durch Wissenschaft, sondern an Ausbildung für Berufe in Unternehmen aller Branchen, in der Verwaltung, in den Krankenhäusern, Schulen, Gerichten, Fernsehsendern und Zeitungen oder gar Fitness-Studios und Werbeagenturen interessiert sind. Etwas plakativ könnte man sagen: Das Bildungsbürgertum heißt deshalb so, weil es sich nichts sehnlicher wünscht, als seine Berufskarriere möglichst im Bildungssystem zu absolvieren. Traumberufe: Oberstudienrat und natürlich Professor. Mit dem massenhaften Einzug von Studierenden aus der mittleren und unteren Mittelschicht in die Universitäten gewannen dann aber dort die „bildungsfernen“ Ambitionen die Oberhand.

Ein Konflikt zwischen gesellschaftlichen Gruppen

Zusammengefasst: Humboldt lieferte die Ideologie derer, die ihren gesellschaftlichen Statuserhalt als relativ privilegierte Gruppe sichern wollten; Bologna hingegen ist die Ideologie derer, die sozialen Aufstieg durch akademische Bildung bewerkstelligen wollen. Doch dieser Konflikt ist bis heute von den ihn austragenden gesellschaftlichen Gruppen ebenso wie von den sie repräsentierenden politischen Kräften weitgehend unthematisiert geblieben. Man hat von Anfang an so getan, als gebe es ihn gar nicht. Wir brauchen doch schließlich - Stichwort: Mobilisierung der Begabungsreserven - immer mehr akademisch ausgebildetes Personal in allen Berufsfeldern, so dass es gar nicht darum geht, dass aufstrebende Abkömmlinge der unteren und mittleren Mittelschicht durch akademische Qualifikationen den Kindern des Bildungsbürgertums deren quasi vorreservierte Stammplätze in den oberen Etagen des Gefüges beruflicher Positionen streitig machen müssten! Auch wenn diese Sicht natürlich nicht völlig abwegig ist: So harmonisch löst sich der Konflikt eben keineswegs auf. An der Spitze bleibt es definitionsgemäß eng; und auch viele der bescheidener angelegten Aufstiegsaspirationen treffen auf Konkurrenz um knappe Positionen und Karrierechancen. Bei Humboldt vs. Bologna geht es also, recht besehen, um die Frage: Wer bestimmt die Spielregeln, unter denen mittels akademischer Bildung Karriere gemacht wird?

Vor diesem Hintergrund erscheint eine Zusammenführung der beiden Leitideen längst überfällig und klingt ja auch erst einmal gar nicht schlecht: „Bildung durch Wissenschaft“ plus „Ausbildung für Berufe“ ist gleich „Berufsausbildung durch Wissenschaft“! Gegenseitige Friedensangebote auf dieser Linie gibt es längst:

Auf der einen Seite versuchen Humboldtianer zu retten, was zu retten ist, und ihre Bildungserlebnisse als überlegene Art der Berufsausbildung zu deklarieren. Also: Von Humboldt lernen kann auch der Maschinenbauerin oder dem Absolventen der Pflegewissenschaften nicht schaden - insbesondere, wenn sich Erstere angesichts der Erratik des Arbeitsmarkts am Ende in einem Pflegeberuf wiederfindet. Eigentlich schade, dass die Humboldtianer diese ihre Berufung, uns das lebenslange Lernen außerhalb der Wissenschaft schmackhaft zu machen, erst dann entdecken, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen!

Durchsichtiges Manöver

Auf der anderen Seite bemühen sich Bologneser, ihre Anliegen den Professoren so zu verkaufen, dass Beschäftigungsfähigkeit in Wirklichkeit gar nicht in einem Konflikt mit Wissenschaftsorientierung stehe. Allerdings liefern sie, wenn es um die wissenschaftliche Bildung der Studierenden geht, dann nur noch hilflose Sprechblasen. Um den Universitätsprofessoren die Angst davor zu nehmen, sich unversehens faktisch an der Fachhochschule wiederzufinden, wird erklärt, ein universitäres Studium solle die Studierenden darauf vorbereiten, Innovation leisten zu können, unabhängig von den konkreten Tätigkeitsfeldern. Und dazu sei neben der fachlichen Ausbildung vieles Weitere wichtig, was die universitäre Bildung gegenüber der fachhochschulischen Ausbildung ausmache: Kreativität und Methodik zur Erschließung des Neuen, „Systemverständnis zur Verortung von Erkenntnis“ oder, meine Lieblingsformulierung, „Prämissenbewusstsein hinsichtlich des Wissens um Gestaltungsgrenzen und als Voraussetzung für die Möglichkeit oder Notwendigkeit der Systemüberschreitung“ (Christoph Anz). Man wird den Verdacht nicht los, dass man hier mit hochtrabenden Leerformeln die Humboldtianer zu überbieten versucht - wobei der technokratische Jargon leider nicht so wohltönend wie das philosophische Geraune klingt.

Mir erscheint das, was beide Seiten hier treiben, als durchsichtiges Manöver. So einfach lässt sich Humboldt nicht nach Bologna versetzen. Schlimmer noch: Beide Seiten erkennen den Opportunismus der jeweils anderen Seite, was nicht gerade dialogfreudiger stimmt. Der seit über hundert Jahren schwelende Konflikt ist nicht mit Formelkompromissen aus der Welt zu schaffen.

Was könnte herauskommen?

Was könnte herauskommen, wenn man die Konfliktleugnung aufgäbe? Erst einmal ist klar: Nur wenn man einander zugesteht, einen Konflikt miteinander zu haben, kann man überhaupt im nächsten Schritt aufeinander zugehen und nach Tauschgeschäften suchen. Das ist schon mehr als Konfrontation. Wäre es nicht bereits ein Fortschritt, wenn die Bologneser und die Humboldtianer, ganz schematisch als Waffenstillstandslinie gedacht, jeweils die Hälfte der Module eines Studiengangs festlegen könnten? Dann würden Letztere ihre Module mit fachlichen „essentials“ ohne alle Rücksicht auf Praxisbezüge füllen; und Erstere würden nur auf die Belange der Praxis schauen. Beide Seiten täten dies in wechselseitiger Erwartung des Tuns des anderen, und einander verfluchend, weil der jeweils andere einem ja den Platz für die eigenen Belange stiehlt. Trotzdem wäre das Gesamtprodukt selbst in seiner vorerst unvermittelten Kombination von Theorie- und Praxisorientierung besser als jede der beiden Einseitigkeiten.

Und es könnte ja weitergehen. Man könnte, den Rücken gestärkt durch die „eigenen“ Module, nach weitergehenden Kompromissen Ausschau halten und dabei dann sogar, wider ursprüngliches Erwarten, fündig werden. Das könnte vertrauensbildend wirken; und man könnte sich vor diesem Hintergrund und mit der sicheren Rückfallposition des ursprünglichen Waffenstillstands lernbereit auf ein ergebnisoffenes und respektvolles wechselseitiges Verstehen einlassen. Von diesem Punkt an ist alles möglich, nicht garantiert, aber zumindest möglich. Ich will hier keine haltlosen Hoffnungen schüren - aber bodenlosen Pessimismus zurückweisen.

Uwe Schimank lehrt Soziologie an der Fernuniversität Hagen.

Geschrieben von: Majestix Monday, 20.04.2009, 12:10
Hochinteressanter, lesenswerter Beitrag, auch wenn manche Dinge (notgedrungen) zu vereinfacht gesehen werden.

Majestix

Geschrieben von: Spider Tuesday, 19.05.2009, 12:41
"dieUniversitaet-online.at" vom 19.5.2009: Zwei neue Springer E-Book-Sammlungen
Ressort: E-Ressourcen

Die Universitätsbibliothek hat über 800 deutschsprachige E-Books aus dem Springer Verlag angekauft, und erweitert dieses Angebot laufend um alle deutschsprachigen Neuerscheinungen aus den Bereichen Geistes-, Sozialwissenschaften und Recht, sowie Naturwissenschaften ab dem Jahr 2008.

Durch den Ankauf der beiden Springer E-Book-Sammlungen "Geistes- und Sozialwissenschaften, Recht" und "Naturwissenschaften" sind ab sofort Monographien, Handbücher, Werke zur Berufspraxis und Lehrbücher als elektronische Ressourcen verfügbar. Alle E-Books sind auf der Plattform "SpringerLink" im Volltext verfügbar. Das Angebot wird laufend erweitert.

Die Sammlung "Geistes- und Sozialwissenschaften, Recht" beinhaltet über 700 E-Books aus den geisteswissenschaftlichen Disziplinen wie beispielsweise Pädagogik, Psychologie, Philosophie und Soziologie. Die Sammlung "Naturwissenschaften" umfasst über 170 E-Books aus den Disziplinen Biomedizin und Life Sciences, Chemie und Materialwissenschaften, Geo- und Umweltwissenschaften, Mathematik und Physik sowie Astronomie. Alle E-Books sind über die Plattform "SpringerLink" einsehbar. Der elektronische Zugang aus dem Datennetz der Universität Wien bietet einen orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf die wissenschaftliche Lektüre.
www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/...k-sammlungen/10.html

Geschrieben von: Spider Monday, 25.05.2009, 13:59
"Presseaussendung der Universität Wien" vom 25.05.2009: "Sensationelle Ausgrabung: Ältestes ägyptisches Keilschriftdokument gefunden"

Ägyptologe der Universität Wien erforscht asiatische Herrschaft im Pharaonenland

Im 17. Jahrhundert v. Chr. geriet Ägypten in die Abhängigkeit einer fremden Dynastie aus Vorderasien: Die Hyksos eroberten vom nordöstlichen Nildelta aus ganz Ägypten. Die Hauptstadt dieser Fremddynastie wurde von Manfred Bietak, Ägyptologe an der Universität Wien, bereits 1966 auf einem Ruinenhügel namens Tell el-Dab'a im Nordosten Ägyptens entdeckt. 2005 fanden Bietak und sein Team schließlich einen ausgedehnten Palastbezirk der Hyksos-Zeit. Heuer im Frühjahr stießen sie auf sensationelle Funde: Das älteste ägyptische Keilschriftdokument und eine im Palast bestattete Pferdestute.

Bisher ist nicht viel über Herkunft, Kultur- und Ereignisgeschichte der Hyksos in Ägypten bekannt. Sie regierten zwischen 1640 und 1530 v. Chr. von ihrer Hauptstadt Auaris im östlichen Nildelta aus Ägypten, bis die Pharaonen der 17./18. Dynastie die Hyksos besiegten und die Hauptstadt eroberten.

Univ.-Prof. Dr. Manfred Bietak, Vorstand des Instituts für Ägyptologie der Universität Wien und Gründer des Österreichischen Archäologischen Instituts in Kairo, arbeitet gemeinsam mit Dr. Irene Forstner-Müller und einem großen Team seit 2005 an der Freilegung dieses vorderasiatischen Herrschersitzes der Hyksos.

Bei den diesjährigen Untersuchungen konnte ein weitreichendes Areal der ca. 10.000 Quadratmeter großen Palastanlage freigelegt werden. Zur Überraschung der ForscherInnen entspricht der Palast nicht dem Plan eines ägyptischen Palastes, sondern reiht sich architektonisch unter die Königspaläste aus Syrien ein – dem Ursprungsland der Hyksos.

Eine Tontafel, ein Pferd und ein Palast

Im Zuge der Freilegung des Hyksos-Palastes machten die ForscherInnen Sensationsfunde:
In der Füllung des Palastbrunnens der mittleren bis späten Hyksoszeit fanden sie das Fragment einer babylonischen Keilschrifttafel aus den letzten Dezennien des Altbabylonischen Reiches (1600 – 1550 v. Chr.). "Es handelt sich dabei um das bisher älteste Keilschriftdokument in Ägypten und belegt die unerwartet weit reichenden diplomatischen Beziehungen der Dynastie der Hyksos", erklärt Manfred Bietak. Der Fund ist die "Krönung" für den soeben sehr positiv vom FWF evaluierten und von Manfred Bietak geleiteten Spezialforschungsbereich "SCIEM 2000", der die Synchronisierung der Hochkulturen zum Thema hat.

Eine weitere Überraschung war der Fund einer im Palast bestatteten Pferdestute, möglicherweise das Lieblingstier des Hyksos Chayan. Dabei handelt es sich um die bisher älteste entdeckte Pferdebestattung in Ägypten.

Geschrieben von: Jupiterl Monday, 25.05.2009, 18:39
Wie sich die Bilder gleichen: Müßt nicht alles lesen, meist steht das gleiche drinnen (wie schön, daß es APA gibt)

In der "Presse" gibt's das auch bebildert:

diepresse.com/home/science/481920/index....ome/science/index.do

ebenso im "Standard":

derstandard.at/?id=1242316596257

und der ORF:

science.orf.at/science/news/155828

Geschrieben von: Spider Tuesday, 26.05.2009, 13:29
Ja, Jupiterl, das ist wieder mal was für die Presse! Und für all jene, die gerne sowas archivieren bzw. für jene, die Textkritik studieren wollen, anbei noch mehr:

"Krone" vom 26.5.2009: Die älteste Tontafel Ägyptens entdeckt!
Ressort: Wissen, S. 18

Erfolgreicher Ägyptologe aus Wien: Universitätsprofessor Dr. Bietak. Der Wissenschafter entdeckte in einem Palast unter anderem das bisher älteste Keilschriftdoku- ment in Ägypten.

Eine Tontafel, ein Pferd und ein Palast - die Sensationsfunde eines Forscherteams der Wiener Universität am Nil. Vor allem Erstere sorgt in der Wissenschaft für helle Aufregung: Denn es handelt sich um das älteste Keilschriftdokument in Ägypten. "Die Krönung meiner Arbeit", schwärmt Grabungsleiter Bietak.

Bereits 1966 war Professor Manfred Bietak im Nordosten Ägyptens auf einem Ruinenhügel namens Tell el-Dabaa auf die Hauptstadt der Hyksos gestoßen. "Eine fremde Dynastie aus Vorderasien hatte Anfang des 17. Jahrhunderts Ägypten unter ihre Gewalt gebracht", schildert Bietak, der mit Forscherkollegin Dr. Irene Forstner-Müller zu Werke ging.

Jetzt die Krönung ihrer Arbeit: In der Füllung des Brunnens des ebenfalls ergrabenen Palasts (auch das eine Sensation) wurde das Fragment einer babylonischen Keilschrifttafel entdeckt. Manfred Bietak, Vorstand des Instituts für Ägyptologie: "Das bisher älteste derartige Dokument in Ägypten. Es stammt aus der Zeit zwischen 1600 und 1550 vor Christus." Eine weitere Überraschung: der Fund einer im Palast bestatteten Stute. Es handelt sich um das bisher älteste Pferdegrab im Land am Nil."

*****

"Der Standard" vom 26.7.2009: Palast-Geheimnisse der Hyksos
Ressort: NetBusiness/Wissenschaft, S.14
Österreichische Ägyptologen machen bei Grabungen spektakuläre Funde

Wien/Kairo - In ägyptischer Keilschrift heißen sie "Herrscher der Fremdländer". Gekommen waren die sagenumwobenen Hyksos aus der Gegend des heutigen Syrien. Im Jahr 1640 vor unserer Zeitrechnung eroberten sie in Ägypten mit Pferd, Streitwagen und Bogen für mehr als ein Jahrhundert die Herrschaft von den Pharaonen.

Lange galten die Hyksos als sagenumwobenen Reiterhorden - ehe der Wiener Ägyptologe Manfred Bietak vor mehr als vierzig Jahren auf einem Ruinenhügel namens Tell el-Dab'a im Nordosten Ägyptens die ehemalige Hyksos-Hauptstadt Auaris entdeckte. Seitdem bringt er immer mehr Licht ins Dunkel der Geschichte der Hyksos, die ursprünglich "Gastarbeiter" gewesen sein dürften.

2005 entdeckte der renommierte Forscher, der dem Institut für Ägyptologie an der Uni Wien vorsteht, mit seinem Team in Tell el-Dab'a einen ausgedehnten Palastbezirk. Bei dessen stufenweiser Freilegung machten die Forscher vor wenigen Wochen spektakuläre Entdeckungen, die sie nun der Öffentlichkeit präsentierten.

"Es handelt sich dabei um das bisher älteste Keilschriftdokument in Ägypten und belegt die unerwartet weitreichenden diplomatischen Beziehungen der Dynastie der Hyksos", sagt Bietak über den gerade einmal zwei Zentimeter großen Hauptfund, die Krönung des aktuellen Forschungsprojekts. Eine weitere Überraschung war die Entdeckung einer im Palast bestatteten Pferdestute, womöglich das Lieblingstier des Hyksos Chayan.

Was die Forscher aber auch erstaunte, war der Palast selbst: Er entspricht nämlich nicht ägyptischen Palästen, sondern ähnelt architektonisch den damaligen Königspalästen Syriens. (tasch)

Ähnliche Meldungen erschienen in folgenden Online-Medien:

www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/1984695/index.do
www.nachrichten.at/nachrichten/ticker/art449,185741
www.aegypten-tour-guide.de/aegypten-them...-entdeckt-00173.html
www.liferadio.at/news/view/article/14/ae...-aegyptens-entdeckt/
www.zukunftwissen.apa.at/
www.scienzz.de/ticker/art10710.html

Artikel in "dieUniversitaet-online.at" vom 25.5.2009: Sensationelle Ausgrabung: Ältestes ägyptisches Keilschriftdokument gefunden
www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/...ent-gefunden/10.html

Geschrieben von: Jupiterl Tuesday, 26.05.2009, 19:26
Womit bewiesen ist: Journalisten sind dazu da, originale Umbrüche zu machen (in Zeiten von Copy & Paste tut man nicht mehr abschreiben, das war einmal).

Geschrieben von: JPontormo Wednesday, 27.05.2009, 01:27
Wo ist der berühmt-berüchtigte Plagiats-Jäger? Selbst bereits aufgrund von Plagiats-Verdachts abgesetzt?

Geschrieben von: Spider Wednesday, 27.05.2009, 17:37
"Der Standard" vom 27.5.2009: "Geistiger Guerillakrieg gegen Rassismus"
Ressort; Wissenschaft/ Forschung Spezial, S. 14

Geisteswissenschaften sind auch ökonomisch sinnvoll, sagt der Romanist Michael Rössner

Was sie von Quantenphysik lernen können und warum Lateinamerika Vorbild für Europa sein sollte, erfuhr Karin Krichmayr.

Standard: Die Mission des Instituts für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte, das Sie seit kurzem leiten, besteht laut Homepage darin, sich den gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart zu stellen. Was können die Kulturwissenschaften in Krisenzeiten für die Gesellschaft tun?

Rössner: Einiges. Wir beschäftigen uns mit dem Thema Krisenbewusstsein zum Beispiel im Rahmen des nächsten "ernst mach forums" im Herbst, wo es um die Frage gehen wird, was Krisenprozesse bedeuten, sowohl in der Psychologie und Literatur als auch in der Physik, Chemie, Medizin, Wirtschaft.

Standard: Trifft die Krise auch die Kulturwissenschaften selbst?

Rössner: Es besteht natürlich eine Gefahr, dass man meint, wir könnten uns in Zeiten wie diesen nur Wissenschaften leisten, die unmittelbar ökonomische Resultate liefern. Das richtet sich aber generell gegen Grundlagenforschung, auch in den Naturwissenschaften, und ist sehr kurzsichtig. Man sollte außerdem nicht unterschätzen, was Kultur im weitesten Sinne auch ökonomisch für eine Rolle spielt, wie viel vom BIP direkt oder indirekt kulturell bedingt ist - insbesondere im IT-Zeitalter. Das Atout der Kulturwissenschaften besteht darin, dass sie transdisziplinär arbeiten und damit, ökonomisch gesprochen, einen Synergieeffekt auslösen und daher auch besser kommunizieren können.

Standard: Haben die Geisteswissenschaften immer noch einen Rechtfertigungsbedarf gegenüber den Naturwissenschaften?

Rössner: Es steht heute außer Zweifel, dass die Geisteswissenschaften eine gewisse gesellschaftliche Relevanz haben. Trotzdem sind wir oft in der Situation der "Quotenfrau", das heißt, oft werden kulturwissenschaftliche Projekte nur als Alibi unterstützt, damit es nicht so ausschaut, als würde man die gar nicht fördern. Wir haben den Nachteil gegenüber den Naturwissenschaften, dass diese, auch wenn sie Grundlagenforschung betreiben, sagen können: Wir haben eine Umwegrentabilität, irgendwann kommt auch eine technische Erfindung heraus. Die Geisteswissenschaften haben auch eine Umwegrentabilität, aber die lässt sich nicht materiell in dem Sinn definieren, dass wir einen besseren Kugelschreiber ermöglichen, weil wir diese und jene Überlegungen anstellen. Das ist aber auch ein Vorteil, denn es zwingt uns zu Kommunikation, die nicht nur eine Marketingstrategie, sondern unser Produkt selbst ist.

Standard: Wo gibt es Anknüpfungspunkte zu den Naturwissenschaften?

Rössner: Ein Beispiel: Zu den meistzitierten Autoren in meinen eigenen Artikeln gehört der Quantenphysiker Anton Zeilinger. Weil er eine Wahrheit der Quantenphysik verständlich für die Allgemeinbevölkerung vermittelt hat: Dass es nicht eine rein binäre Logik gibt, also 1 oder 0 bzw. ja oder nein, sondern dazwischen auch unentschieden. So wie beim Toto: 1, 2, X. Das ist eine in der Physik längst anerkannte Wahrheit, die in den Geisteswissenschaften erst ganz allmählich Platz greift und mit einem kulturwissenschaftlichen Standpunkt eher erfassbar wird. Auch in der Kommunikation können wir von den Naturwissenschaftern lernen. Wenn Zeilinger nur seine Formeln aufschreibt, kann damit kein Mensch was anfangen. Er muss sie übersetzen, in eine Erzählung umwandeln. Das haben wir Geisteswissenschafter, obwohl wir uns mit Erzählung und Übersetzung beschäftigen, lange Zeit nicht gemacht.

Standard: Wo werden die künftigen Forschungsschwerpunkte des Instituts liegen?

Rössner: Ich möchte auf den bisherigen Ausrichtungen - Gedächtnisforschung, Theatergeschichte und Wissenskulturen - aufbauen. Was ich neu einzubringen versuche, sind die Ausführungsschritte dazu: Erzählen, Inszenieren und Übersetzen. Das Erzählen als Narrativ einer Gemeinschaft fasst das kollektive Gedächtnis zusammen und schneidert daraus eine Art Kleid, eine Identität. Dieser Begriff von Erzählen beinhaltet die Literatur, das Geschichtsnarrativ und darüber hinaus das Narrativ, das im Film, in Bildern, in Denkmälern aufgebaut werden kann. Inszenierungen, ob im Theater, Film oder im öffentlichen Raum, setzen das Narrativ um. Und ein solches Umsetzen bedeutet zugleich Übersetzung in andere Text- oder Denkformen. Sehr interessant ist etwa die Frage der interreligiösen Übersetzung: Wie werden bestimmte Werte zwischen religiösen Gemeinschaften übersetzt? Auch die Übersetzung im ursprünglichen Sinn wird unser Gegenstand sein, aber im Zusammenhang der Kultur: Also für wen wird übersetzt, in welcher Art und Weise, was ist der Zweck, was ist der Kontext?

Standard: Einer der wesentlichen Schwerpunkte des Instituts ist Erinnerungskultur. Kürzlich haben junge Burschen in Ebensee gezeigt, dass Gedenken an die Vergangenheit auch heute noch provozieren kann. Was läuft falsch?

Rössner: Diese Aktionen sind ja nichts absolut Neues. Auch Hakenkreuzschmierereien hat es immer wieder gegeben. Das Problem ist, dass eine dominante kulturelle Erinnerungskultur immer zu einem gewissen Widerspruch verlockt, das hat auch mit dem Generationenproblem zu tun. Beispielsweise wird den Kindern in der Schule heute gesagt, welche rassistischen und sexistischen Bezeichnungen man nicht verwenden darf, mit dem Ergebnis, dass sie irgendwann absichtlich diese Ausdrücke benutzen. Das ist tatsächlich ein Problem der Erinnerungskultur. Das heißt, man muss überlegen, wie man antirassistisches und Shoah-Gedächtnis so transportieren und übersetzen kann, damit es nicht totalitär vereinnahmend wirkt und damit bei einer anderen Generation genau die Reaktion hervorruft, die man nicht haben will.

Standard: Wie kann man das erreichen?

Rössner: Wir hatten zum Beispiel ein Shoah-Projekt, bei dem man versuchte, zu verfolgen, was aus arisierten Alltagsgegenständen geworden ist. Oder Grätzelinitiativen, die sich fragen, wer aus ihren Wohnungen vertrieben wurde. Ich glaube nicht, dass wir die Problematik, dass rechte Netze heute viel einfacher aufgebaut werden können als früher und mittlerweile Sympathisanten dieser Bewegung in politischen Gremien sehr gut vertreten sind, mit einer verordneten Erinnerungskultur in den Griff kriegen können. Eher schon mit einer Art geistigem Guerillakrieg, mit kleinen Aktionen, mit Dingen, die in den Nahebereich gehen, die menschlich individuell identifizierbar sind und in einem konkreten Kontext stehen.

Standard: Sie beschäftigen sich als Romanist intensiv mit Lateinamerika. Was kann Europa von Lateinamerika lernen?

Rössner: Lateinamerikanische Gesellschaften sind hybrid in dem Sinn, dass sich verschiedene Kulturen - indigene, europäische und mittlerweile asiatische - überlagern und eben nicht verschmelzen, wie es lange behauptet wurde. Es ist ein konfliktives Aushandeln untereinander, das gerade jetzt vergleichbar mit dem zentraleuropäischen Raum ist. Trotz verschiedener Genozide, ethnischer Säuberungen, Umsiedelungen etc. hat Europa immer noch ein relativ großes Potenzial an kultureller Hybridität. Lateinamerika ist ein bisschen wie ein Laboratorium für Europa. Weil eine solche Art von hybrider Kultur mit starken und heterogenen europäischen Wurzeln letztlich auch in der Europäischen Union entstehen wird. Man wird mit diesem Überlappen und Aushandeln leben lernen müssen, und da kann man einiges von Lateinamerika lernen.

Zur Person
Der Romanist und Literaturwissenschafter Michael Rössner, geb. 1953 in Wien, leitet seit 1. März das Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zudem lehrt er an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie an den Unis Wien und Innsbruck. Der Übersetzer, Autor und Herausgeber ist Vater dreier Kinder und hat Gastprofessuren an zahlreichen lateinamerikanischen Universitäten innegehabt.

Geschrieben von: Jupiterl Wednesday, 27.05.2009, 23:22
Da findet sich wieder die unbedarfte Übernahme englischer Fremdwörter ins Deutsche:

Mission war bei uns bisher etwas, was die Kirche etwa in Afrika betrieb. Im Englischen wurde "mission" auch für Unternehmen der Weltraumfahrt oder für die Ausrichtung einer Einrichtung verwendet, aber nicht im Deutschen.

Als ich alter Depp noch ein junger war, mußte man zum Pfarrer gehen, wenn man kommunizieren wollte. Damals gab es auch noch das Studium der Theaterwissenschaften. Heute rennen jede Menge Kommunikationswissenschaftler herum, die kaum mehr wissen, was eine Kirche ist.

Vor vierzig jahren gab es auf der "Technik" zwei Institute für Chemische Technologie und zwei für Mechanische Technologie. Der Rest befaßte sich mit Technik. Damals hatte die "Welthandel" auch noch dort Platz, wo heute die Archäologen sind. Da aber in der englischen Literatur fast alles als "technology" bezeichnet wurde, und kaum etwas als "technique", und die Wirtschaftswissenschaftler sich naturgemäß very international ausdrücken müssen, ist heutzutage alles "Technologie".

Daher wünsche ich dem Herrn Romanisten viel Glück bei seiner Mission (Glaubensverbreitung) und auch das dazu angemessene Einkommen (den Lohn im Himmel) und danke für die Bereicherung der deutschen Sprache.

('tschuldugung, manchmal kann ich nicht anders)

Geschrieben von: Spider Thursday, 28.05.2009, 11:20
"dieUniversitaet-online.at" vom 27.5.2009: Von Bilderrätseln und Bilderschriften: Ausstellung zur Verschränkung von Bild und Text
Ressort: Veranstaltungen

(Redaktion)

"Mit Worten malen. Mit Bildern schreiben" lautet der vielversprechende Titel einer Ausstellung über die Verschränkung von Bild und Text, die von Donnerstag, 4. Juni, bis Freitag, 31. Juli 2009 im Foyer der Universitätsbibliothek (UB) zu sehen sein wird. Die Ausstellung wird am Mittwoch, 3. Juni, um 18.30 Uhr im Kleinen Lesesaal eröffnet und von einem wissenschaftlich-künstlerischen Rahmenprogramm aus Vorträgen, einem internationalen Workshop zum Thema sowie einer Exkursion ins Museum für Angewandte Kunst eingeleitet.
www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/...ild-und-text/10.html

Geschrieben von: Spider Sunday, 14.06.2009, 14:53
"Presseaussendung der Universität Wien" vom 10.6.2009: Helmut Fuchs neuer Senatsvorsitzender der Universität Wien

Der Senat der Universität Wien hat in seiner Sitzung vom 8. Juni 2009 Helmut Fuchs zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Stellvertretende Vorsitzende sind Gabriele Kucsko-Stadlmayer und Sieglinde Rosenberger.

Fuchs ist seit 1986 Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht sowie Vorstand des Instituts für Strafrecht und Kriminologie. Er ist u.a. Mitglied der Österreichischen Bioethikkommission und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Strafrecht und Kriminologie.

Der neue Vorsitzende betont, dass der Senat das einzige, autonom gewählte Kollegialorgan der Gesamtuniversität ist und in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung eine weitgehende Repräsentation aller Fakultäten und Zentren ermöglicht. "Jede Beschneidung der Kompetenzen des Senats ist ein Griff nach der Autonomie der Universität", meinte Fuchs unter Bezug auf aktuelle Gesetzesvorhaben.

Ein wichtiges Augenmerk des neuen Senatsvorsitzenden gilt den Arbeitsbedingungen aller Universitätsangehörigen: "Wir müssen erreichen, dass Lehrende, Forschende und Studierende optimale Bedingungen vorfinden, um hervorragende Leistungen zu erbringen." Das setze eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Universitäten voraus. Helmut Fuchs weiter: "Entgegen allen Versprechungen wurden die Einnahmenausfälle, die durch die politisch motivierte Abschaffung der Studiengebühren entstanden sind, bisher nur unvollständig ersetzt. Gerade in Krisenzeiten sollte jedoch vermehrt in Ausbildung und Forschung investiert werden."

Als weitere Ziele seiner Arbeit nannte Fuchs die enge Zusammenarbeit mit dem Rektorat und dem Universitätsrat sowie den Ausbau der internen Kommunikation: "Für jede Fakultät und jedes Forschungszentrum wird es im Senat eine Kontaktperson geben, die laufend über die Ziele und Pläne informiert sowie Rückmeldungen aus den Fakultäten und Instituten an den Senat weiterleitet. Dadurch sollen Missverständnisse und Fehlentwicklungen verhindert und die Effizienz der Arbeit gesteigert werden."


Rückfragehinweis:
O. Univ.-Prof. Dr. Helmut Fuchs
Vorsitzender des Senats
der Universität Wien
T +43-1-4277-346 41
M +43-664-602 77-346 41
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Artikel in "dieUniversitaet-online.at" vom 10.6.2009: Helmut Fuchs neuer Senatsvorsitzender der Universität Wien
www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/...rsitaet-wien/10.html

Diese Aussendung wurde von folgenden (Online-)Medien übernommen:
www.vienna.at/news/wien/artikel/neuer-se...ws-20090610-01210199

Geschrieben von: Spider Monday, 15.06.2009, 10:39
"Der Standard" vom 13.6.2009: Was die Qualitätssicherung braucht
Ressort: Bildung & Karriere, Seite K17

Eine neue Behörde soll schon bald die Zulassung von Privatunis, FH- und Universitäts-studien managen. FH-Rat, Akkreditierungsrat und die Qualitätssicherungsagentur Aqua sollen unter einem Dach vereint werden.

Bernhard Madlener

Grundlage der kommenden Qualitätssicherungsbehörde werde "ein gemeinsames Rahmengesetz" für die Institutionen des tertiären Bildungssektors sein. So ist es im aktuellen Regierungsübereinkommen vorgesehen, weiß Kurt Sohm, Geschäftsführer des Fachhoch-schulrats (FHR). Der Rat stehe dieser Zielsetzung positiv gegenüber, wobei "die europäischen Standards zu berücksichtigen" seien.

Entscheidend ist für ihn die Frage, welche Verfahren der Qualitätssicherung angewendet werden sollen - es gelte, "die Rahmenbedingungen der verschiedenen Institutionen" sinnvoll unter ein Dach zu bringen. Die geplante Reformierung des Marktzugangs sei "eine Chance", denn "auch auf dem FH-Sektor ist die Qualitätssicherung verbesserungswürdig".

Der Österreichische Akkreditierungsrat (ÖAR) begrüßt die "grundlegende Neugestaltung der Qualitätssicherung", sagt ÖAR-Präsidentin Hannelore Weck-Hannemann. "Das Ziel einer gemeinsamen Qualitätssicherungseinrichtung sollte sein, die gewachsenen Strukturen des Hochschulbereichs in ein sektorenübergreifendes Gesamtsystem zu integrieren. Nur so können einheitliche und vergleichbare Maßstäbe und Verfahren der Qualitätssicherung für alle Hochschulsektoren erreicht werden." Das System könne damit transparenter werden.

"Im Interesse der Rechtssicherheit und im Hinblick auf die Rechtswirkungen von Entscheidungen sollte die neue Qualitäts-sicherungseinrichtung Behördenstatus haben", fordert Weck-Hannemann. "Ihre Unabhängigkeit und Weisungsfreiheit muss gesetzlich gesichert sein." Bei der Zusammensetzung der Mitglieder solle der ÖAR Vorbild sein: "Ein Gremium mit ausgewiesenen Experten, das mindestens zu 50 Prozent aus internationalen Mitgliedern besteht. Die internationale Ausrichtung in Bezug auf die Arbeitsweise und Qualitätsstandards ist Garantie für eine nachhaltige Förderung der Qualitätsentwicklung des Hochschulsektors."

Vorbildliches Privatunisystem
Die ÖAR-Präsidentin schlägt eine Wahlfreiheit der Hochschulen vor: Sie sollten "auch ausländische Agenturen mit der Durchführung der Verfahren beauftragen" dürfen. Unabhängig davon solle die neue österreichische Einrichtung aber "die nationale Entscheidungskompetenz haben, um sicherzustellen, dass die verfassungsmäßig verankerte staatliche Verantwortung für die Qualität des Bildungssystems" gewahrt bleibe.

Das "in Europa als vorbildlich angesehene österreichische System" der Privatuni-Akkreditierung solle "nicht über Bord geworfen werden": Die Kombination, dass einerseits Institutionen, andererseits deren Programme akkreditiert werden, "hat sich bewährt, aber man könnte sich durchaus schlankere Verfahren für bereits gut aufgestellte Privatuniversitäten vorstellen", sagt Weck-Hannemann.

Für Heribert Wulz, Generalsekretär der Österreichischen Universitätenkonferenz, ist "zentral, dass wir kein nationales Monopol bekommen". Wie Weck-Hannemann findet er, die Unis sollten jedenfalls die Möglichkeit haben, "für die externe Qualitätssicherung auch eine Agentur aus dem internationalen Raum" zu wählen.

Geschrieben von: Spider Monday, 15.06.2009, 10:45
"Die Presse" vom 13.6.2009: Zerstörung der Universitäten
Ressort: Feuilleton/Meinung, Seite 31

Gastkommentar von Thomas Schmidinger

Die Universität als Ort der Lehre, Forschung und kritischen Reflexion ist am Ende. Die neuen „Senior Lecturers“ beschleunigen diesen Prozess.

Der Anfang Mai beschlossene Kollektivvertrag der Universitäten benachteiligt nicht nur Nachwuchswissenschaftler auf sogenannten S1-Stellen, die wie die Lektoren auf Übergangsregelungen warten müssen, sondern verstärkt auch die bereits in der Einführung des Bachelors angelegte Tendenz, Lehre und Forschung zu trennen und damit den Kern der Universität zu zerstören.

An der Universität Wien wird der Großteil der Lehre, somit eines der beiden Kerngeschäfte des Betriebs, von Lektoren gehalten, die semesterweise angestellt, schlecht bezahlt und ohne jede Infrastruktur zur Vor- und Nachbereitung arbeiten müssen.

Bei allen Nachteilen, die dieses System für die Betroffenen bietet, konnte die Universität damit jedoch ein breites, vielfältiges Lehrangebot liefern, für das sie von ausländischen Unis durchaus bewundert wurde. Die Lehrenden sind einerseits junge Wissenschaftler am Beginn ihre Karriere, die ihre Forschungsarbeiten in die Lehre einbrachten, andererseits Menschen aus der Praxis oder aus außeruniversitären Forschungszusammenhängen, die der Universität halfen, ihren Bezug zur „realen“ Welt nicht ganz zu verlieren.

Anstatt nach Wegen zu suchen, die Situation der Lektoren zu verbessern und dabei die Vielfalt zu bewahren, soll nun ein Kahlschlag erfolgen, der mit dem Wort „Senior Lecturer“ verkauft wird.

Besserer Lehrer, aber kein Wissenschaftler

Senior Lecturers sollen im Unterschied zu den jetzigen Lektoren 13 bis 16 Wochenstunden unterrichten. Mit Vor- und Nachbereitung bleibt da keine Zeit für Forschung. Zudem sind diese Stellen (noch) schlechter bezahlt, als es die Summe der Lehraufträge wäre. Davon, dass die Universitäten diesen Leuten ihre Infrastruktur zur Verfügung stellt, beispielsweise so aufwendige Dinge wie ein Büro, war bislang keine Rede, und angesichts der Raumnot an Österreichs Universitäten ist zu erwarten, dass sich die Senior Lecturers darum wohl selbst kümmern müssen. Im Zweifel halt auf eigene Kosten.

Die englische Bezeichnung soll vertuschen, dass es sich bei der Stelle um einen besseren Lehrer, aber um keinen Wissenschaftler handelt. Sind im englischsprachigen Raum Senior Lecturers angesehene Mitarbeiter eines Instituts, die in der akademischen Hierarchie nur knapp unter den Professoren angesiedelt sind, Zeit für Forschung haben und entsprechend entlohnt werden, soll in Österreich einmal mehr ein klingender Titel den bescheidenen Inhalt überdecken. Die formalen Ansprüche an die „Seniorenlektoren“ sind unklar, eine weitere akademische Laufbahn offenbar nicht vorgesehen und aufgrund der Verunmöglichung der Forschung auch nicht verfolgbar. Das Betreuungsverhältnis Lehrende/Studierende ist so katastrophal schlecht, dass man in den diversen Hochschulrankings so weit runterrasselt wie sonst nur die Fußballnationalmannschaft in der Rangliste der Fifa. Wer nun aber dachte, die Senior Lecturers werden daran etwas ändern, der irrt. Ihnen soll zwar die Betreuung von Bakkalaureatsarbeiten, nicht jedoch von Masterthesen – den bisherigen Diplomarbeiten – erlaubt sein. Dies mag in den Statistiken als verbessertes Betreuungsverhältnis aufscheinen, die tatsächliche Betreuung von Abschlussarbeiten bleibt weiterhin problematisch.

Die Senioren sollen die jetzigen Lektoren nicht ergänzen, was an einigen Instituten, etwa an sprachwissenschaftlichen, durchaus sinnvoll wäre, sondern ersetzen. Was bleibt, ist ein Kahlschlag, der keine Verbesserung der dringend reformbedürftigen Situation darstellt, sondern ein Zweiklassensystem von Hochschullehrern installiert: jene, die lehren und forschen, und jene, die nur unterrichten. Bei der fehlenden Anerkennung der Lehre im österreichischen Hochschulsystem kann man sich ausrechnen, welchen Stellenwert jene, die nur lehren, darin einnehmen werden.

Trennung von Forschung und Lehre

Diese Tendenz setzt sich auch bei den S1-Stellen fort, die künftig zwar mehr verdienen werden, aber nach den Vorstellungen des Rektorats der Uni Wien ihre Forschungen nicht mehr während der Arbeitszeit durchführen dürfen und – damit sie trotzdem noch ihre Dissertationen schreiben können – dafür nur noch Halbtagsstellen erhalten werden. Forschung wird so nur noch durch – ebenfalls stark prekarisierte – „Drittmittelstellen“ möglich. Am Ende steht immer die Trennung von Forschung und Lehre und damit das Ende einer Universität, wie wir sie bisher als Ort der Lehre, Forschung und kritischen Reflexion kannten.

Geschrieben von: Spider Wednesday, 17.06.2009, 14:04
"Der Standard" vom 17.6.2009: Der gezähmte Freigeist
Ressort: Kommentar, Seite 36

Universitäten 2009: Von Quasi-Aufsichtsräten und akademischer Systemgastronomie

Lisa Nimmervoll

Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei." Dieser Satz aus Artikel 17 des Staatsgrundgesetzes von 1867 war dem Gesetzgeber so wichtig, dass er ihn im Verfassungsrang abgesichert hat. Aber wie frei sind die Universitäten denn wirklich noch?

Angesichts der politischen Änderungen - nicht nur der nationalen - wirkt ihre Freiheit substanziell gefährdet. Dabei hat sich Österreich mit dem Universitätsgesetz (UG) 2002, das international sogar zum Vorreiter mutierte, vermeintlich ganz dem Freiheitsgedanken verschrieben - und den Unis die Gnade der Autonomie als Umschreibung für größtmögliche Freiheit von der Ministerialdirektive zuteil werden lassen. Was sicher richtig war.

Nur begreift das Freiheitsparadigma des UG und der ersten Novelle die Unis im Kern als unternehmensähnliche Gebilde - trotz rhetorischer Distanzierungen. Die hohen Schulen gelten als betriebswirtschaftlich zu führende Gebilde, in denen es Wissens- und Absolventenproduktion autonom zu managen gilt - allerdings unter Rahmenbedingungen, die das Management eines "normalen" Unternehmens nie und nimmer akzeptieren würde. Es ist Mangelwirtschaft, die in keiner Relation zum Kundenpotenzial steht.

Dem Zugewinn an Freiheit für die unternehmerische Universität steht ein paradoxer Verlust an Freiheit für die Universität im Humboldt'schen Sinn gegenüber. Auch exekutiert durch die UG-Novelle 2009, mit der etwa der Senat, das einzige der drei Leitungsgremien (neben Rektorat und Uni-Rat), das rein mit Uni-Angehörigen besetzt ist, weiter marginalisiert bleibt.

Der extern besetzte Uni-Rat dagegen, der Quasi-Aufsichtsrat der Unis - ohnehin schon mit übergroßer Machtfülle -, wird weiter gemästet mit Einflussmöglichkeiten. Damit geraten die Unis nach und nach unter externe Kuratel und verlieren zwangsläufig etwas von dem akademisch-anarchischen Freigeist, der sie idealiter zum Nukleus intellektueller Inspiration und Auseinandersetzung macht. Denn Wissenschaft und Studium brauchen Freiräume - die aber werden immer kleiner (gemacht).

Vor allem auch durch die von der EU forcierte "Bologna-Architektur", die im Kern eine großangelegte Freiheitsberaubung der Unis und der Studierenden ist. Der politische Plan für ein europaweit vereinheitlichtes Studiensystem im Dreischritt von Bachelor-Master-PhD hat etwas in Bewegung gesetzt, das dem Urgedanken universitärer Bildung unwiederbringlichen Schaden zufügt. Es ist eine Bildungsverhinderung, die ihresgleichen sucht. Denn überspitzt formuliert bedeutet das System "Bologna" universitäre Systemgastronomie: Ein Modul von dem, bitte, und eins von dem dazu, es muss schnell gehen, schaut überall gleich aus, schmeckt gleich. Aber schmeckt's auch gut?

Der Kalorienwert, im Bologna-Sprech "Workload", meint den Arbeitsaufwand, um ein Modul zu verdauen. Runterschlingen trifft's eher, denn für den Bachelor - von der Politik als neuer Normabschluss gewünscht - sind in der Regel nur drei Jahre vorgesehen. Kommt dem Staat billiger und soll die Akademikerquote schneller auffetten.

Freiheit für intellektuelle Streunereien, für Texte, die kein Muss im Lehrplan sind, oder Vorlesungen, die reiner Hirnluxus sind, bleibt da kaum noch. Vier Bachelor-Jahre akademisches Milieu bis zum Abschluss sind schon genehmigungsbedürftig - wegen Überlänge. Zudem wird der Massen-Bachelor rigide verschult zum Zwecke der "Beschäftigungsfähigkeit" - aber ist das nicht der Job der Fachhochschulen?
Es ist auch eine Form geistiger Enteignung der Universitäten, wenn sie neuerdings in erster Linie Schnellsiede-Akademiker ohne Anbindung an die Forschung durchschleusen sollen.

Und die Idee von der Einheit von Forschung und Lehre? Kein Thema mehr.

Geschrieben von: Spider Thursday, 18.06.2009, 11:28
"lesben.org" vom 17.6.2009: Wien: Homosexualität in der Welt der Wissenschaft

Erstmalig soll nun die Universität Wien seine Türen für TeilnehmerInnen sowie FreundInnen der Regenbogenparade öffnen und Einblicke unter dem Motto Homosexualität in der Welt der Wissenschaft gewähren – immerhin liegt die Universität Wien direkt auf der Strecke und hat darüber hinaus viele passende, interessante Themen zu bieten.

Die Universität Wien setzt dadurch ein Zeichen der Toleranz und Akzeptanz nach Außen und trägt zur Aufklärung zum Thema bei.
Die Universität Wien nimmt Diversity Management ernst und hat die Dimension „Sexuelle Orientierung“ auch als Vielfaltsdimension in seinen Entwicklungsplan aufgenommen. In den letzten Jahren war die Universität Wien bei der Regenbogenparade mit der Regenbogenfahne beflaggt als Zeichen für Toleranz. Diese Symbol wurde nicht zuletzt in den Medien äußerst positiv bewertet.

Seit ihrer ersten Durchführung im Jahr 1996 hat sich die Regenbogenparade zu einem bedeutenden Symbol für eine Kultur der Solidarität, Toleranz und Gleichberechtigung mit dem Fokus Sexuelle Orientierung entwickelt. Die Parade findet in Erinnerung an das erste Aufbegehren von Lesben und Schwulen gegen polizeiliche Willkür im Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street statt – weshalb in vielen Ländern ähnliche Veranstaltungen auch CSD (Christopher Street Day) genannt werden.

Bei der 14. Regenbogenparade am Samstag, den 4. Juli 2009, wird sich der bunte Demonstrationszug wieder vom Stadtpark aus gegen die Fahrtrichtung – andersrum – über die Ringstraße, vorbei an Urania, Schwedenplatz, Ringturm, Börse, Universität Wien, Rathausplatz, Parlament und Oper bis zum Schwarzenbergplatz bewegen, wo bei freiem Zutritt die große Open-Air-Schlussveranstaltung gefeiert wird.

Kosten:
€ 3,00 pro Person

Dauer:
ca. 60 Minuten

Termine:
Dienstag, 30. Juni 2009, 18.30 (Deutsch)
Freitag, 3. Juli 2009, 11.00 (Deutsch)
Freitag, 3. Juli 2009, 17.00 (Deutsch)
Samstag, 4. Juli 2009, 11.00 (Deutsch)
Samstag, 4. Juli 2009, 11.00 (Englisch)

Geschrieben von: Spider Thursday, 17.09.2009, 10:55
"zeit.de" vom 16.9.2009: Geisteswissenschaften: Grund zum Heulen?
Ressort: Uni-Leben

Germanisten und Philosophen haben es heute in der Arbeitswelt schwerer als andere Akademiker.
Wie Geisteswissenschaftler trotzdem glücklich werden können.

Ein Witz geht so: Zwei Männer sitzen an einer Kreuzung. Da kommt ein Reisender des Weges. Er spricht sie freundlich auf Englisch an: Wo bitte der Weg in die nächste Stadt sei? Die Männer verstehen nicht. Da versucht es der Fremde auf Italienisch und Französisch, auf Russisch, Slowakisch und Chinesisch, schließlich auf Hochbalinesisch. Kopfschütteln. Enttäuscht kehrt der Fremde um. "Der konnte aber viele Sprachen", sagt schließlich einer der Männer. "Na und – hat’s ihm was genützt?", sagt der andere und zuckt mit den Schultern.

Es könnte auch ein Witz über Geisteswissenschaftler sein, die ins Berufsleben starten. Ihr fachliches Wissen interessiert in der Wirtschaftswelt oft keinen. Darauf, argumentieren Optimisten, komme es ja auch gar nicht an; vielmehr hätten Geisteswissenschaftler die viel gerühmten "Schlüsselqualifikationen". Sie können sich schnell neues Wissen erschließen, können kommunizieren, organisieren und analysieren. Damit bringen sie genau das mit, was in der globalen Wissensgesellschaft gefragt ist, die den klugen Umgang mit immer neuen Fragen verlangt und nicht das Abrufen fester Wissensbestände.

Geisteswissenschaftler sind in dieser Perspektive die Avantgarde am Arbeitsmarkt der Wissensgesellschaft; die Unternehmen müssten sie demzufolge eigentlich umwerben und bestens entlohnen. Tun sie aber nicht, im Gegenteil. Geisteswissenschaftler haben es bei Berufsstart und Karriere viel schwerer als zum Beispiel Betriebswirte und Ingenieure. Das ist nicht nur eine Sorge von Eltern und Großeltern, die zu viel über taxifahrende Germanisten gelesen haben. Es ist die Realität.

Als das Hochschul-Informations-System in Hannover Absolventen aller Fachrichtungen zehn Jahre nach Studienende befragte, wie es ihnen ergangen sei, zeigte sich: Die Geisteswissenschaftler verdienten ein Viertel weniger als der Schnitt der Absolventen und weniger als die Hälfte von dem, was der durchschnittliche Wirtschaftsingenieur aufs Konto bekommt. Ein Viertel der befragten Geisteswissenschaftler arbeitete in einem Job, in dem ein Hochschulabschluss nicht die Regel ist, und empfand die berufliche Position als nicht angemessen.

Eine andere Untersuchung zeigt, dass Geisteswissenschaftler deutlich länger bis zur ersten regulären Stelle brauchen als andere Absolventen. Beispiel Absolventenjahrgang 2005: Nach einem Jahr hatten etwa 90 Prozent der Informatiker und Maschinenbauer und 70 Prozent der Ökonomen, aber nur rund 40 Prozent der Geisteswissenschaftler einen regulären Job. Geisteswissenschaftler fühlen sich zudem überdurchschnittlich häufig unterfordert und verdienen auch schon zu Beginn weniger als ihre ehemaligen Kommilitonen.

Zum Jahr der Geisteswissenschaften 2007 wurde das Thema "Geisteswissenschaftler und Beruf" von verschiedenen Forschern untersucht, die Ergebnisse wurden in zwei schönen Sammelbänden zusammengetragen. Im Grußwort preist die Bundesbildungsministerin Annette Schavan den "Mut und Einfallsreichtum" der Geisteswissenschaftler. Im Inneren ist vieles zu finden, was nicht recht in ein Jubeljahr passen will. Dass die hochwertige Ausbildung "keinen hinreichenden Schutz vor Prekariat" biete, dass hinter dem hohen Anteil von Selbstständigen (16 Prozent) auch Notgründungen vermutet würden und dass Geisteswissenschaftler, um nicht arbeitslos zu werden, "häufig erhebliche Flexibilität und Konzessionsbereitschaft" aufbringen müssten. "Unabhängig vom Geschlecht verspricht ein Studium der Geisteswissenschaften den geringsten beruflichen Erfolg", stellt eine der Studien ernüchternd fest.

Das ist bitter. Was ist mit all jenen, die zurzeit für Romanistik oder Geschichte, Literaturwissenschaften oder Kulturwissenschaften eingeschrieben sind? Müssen sie schnell noch umsatteln auf BWL, um sich nicht unglücklich zu machen?

Klara Sendler, 32, hat Geschichte, Literaturwissenschaften und Französisch studiert. Am Monatsende weiß sie manchmal nicht, wie sie das Mittagessen zahlen soll; bei jedem T-Shirt, das sie kauft, überlegt sie genau, ob sie es wirklich braucht. Sie würde gerne einmal durch die USA reisen, aber das ist "nicht drin". Knapp tausend Euro bleiben ihr im Monat zum Leben.

Dass sie so wenig verdient, ist ihr ein bisschen unangenehm, ihren richtigen Namen möchte sie deshalb auch nicht in der Zeitung lesen. Hätte sie sich am Ende des Studiums vorstellen können, dass es einmal so kommen würde mit dem Start ins Arbeitsleben? "Nein", sagt sie. "Es ist besser gelaufen, als ich dachte." Besser? Ja, besser. Von einem "Traumjob" spricht Klara Sendler. Sie arbeitet als selbstständige Journalistin bei einer großen Tageszeitung. Wenn sie auf Partys erzählt, was sie macht, wird sie beneidet. Sie tut das, was sie schon immer tun wollte. Und das Geld? "Es ist nicht gerade toll, aber es reicht", sagt sie. Auf keinen Fall würde sie mit einem Betriebswirt oder Ingenieur tauschen wollen.

Klara Sendlers Haltung ist typisch für viele Geisteswissenschaftler. "Ich will etwas tun, was mir Spaß macht", lautet das Motto – auch wenn es nicht so gut bezahlt ist. Abiturienten, die Geisteswissenschaften studieren wollen, geben viel häufiger als andere an, die "persönliche Entfaltung" sei für sie ein wichtiger Grund, um zu studieren. Die Aussicht auf einen sicheren Job und das Gehalt sind ihnen dagegen nicht so wichtig.

Allerdings drückt diese Einstellung, wenn viele sie haben, die Preise. Und sie stößt an Grenzen. Marita Kräuter berät in Nürnberg Geisteswissenschaftler, die sich selbstständig machen wollen. Zu ihr kommen nicht nur Hochschulabsolventen, sondern auch Menschen, die das studentisch-bescheidene Leben immer weiter verlängerten, einer schlecht bezahlten, aber spannenden Arbeit zuliebe. "Bis 40 geht das ganz gut, das hat dann noch so einen leichten Bohemiencharakter", sagt sie. "Aber irgendwann ist es nicht mehr so toll." Irgendwann kommen Kinder. Irgendwann muss man fürs Alter vorsorgen. Irgendwann will mancher nicht mehr mit der Unsicherheit leben.

Die entscheidende Frage aber lautet: Sind Geisteswissenschaftler normalerweise glücklich mit ihrem Job? Denn nur, weil sie mehr Wert auf einen spannenden Beruf und weniger Wert aufs Geld legen, heißt das ja nicht automatisch, dass ihre Arbeit auch tatsächlich erfüllend ist. Die Zehnjahresstudie des Hochschul-Informations-Systems gibt auch hier eine Antwort. Egal, ob es um die Arbeitsinhalte, das Arbeitsklima oder die Ausstattung des Arbeitsplatzes geht: Immer liegen die Geisteswissenschaftler bei der Frage nach der Zufriedenheit unter dem Schnitt aller Absolventen. Sie sind nicht zufriedener, sie sind unzufriedener als die anderen!

Doch bevor man diesen Umstand betrauert, sollte man lieber noch mal genau auf die Zahlen schauen. Denn erstens handelt es sich bei der Abweichung nach unten oft nur um ein paar Prozentpunkte. Und zweitens sind, absolut betrachtet, 78 Prozent der Geisteswissenschaftler mit den "Tätigkeitsinhalten" ihrer Arbeit zufrieden. Vier von fünfen machen also das, was sie täglich tun, gerne. Lässt man einmal das Vergleichen mit anderen Fachrichtungen, stehen sie auch beim Einkommen nicht gar so schlecht da. Nach zehn Jahren verdienen sie durchschnittlich immerhin 49500 Euro. Die Zahlen zeigen: Für den Großteil ist es ganz gut gelaufen.

"Geisteswissenschaftler zu sein ist ja auch eine Haltung", sagt Jennifer McNeil, 29. "Ich glaube, wir haben höhere inhaltliche Ansprüche an unsere Jobs und auch höhere Ansprüche an uns selbst, an unsere kritische Reflexion." Die Deutsche mit dem amerikanischen Nachnamen hat den direkten Vergleich. Jennifer studierte in Lüneburg Angewandte Kulturwissenschaften und gleichzeitig BWL auf Diplom. Sie arbeitet jetzt als Assistentin des Geschäftsführers des Wellnessanbieters Meridian Spa. "Ich würde den Job anders machen, wenn ich nur BWL studiert hätte, und das fände ich schade", sagt sie.

In ihrem Studium besuchten auch die Kulturwissenschaftler, die nicht wie Jennifer parallel für BWL eingeschrieben waren, zusammen mit den Betriebswirten einige Veranstaltungen. Es seien in diesen Wirtschaftsvorlesungen immer die Kulturwissenschaftler gewesen, die die kritischen Fragen gestellt hätten: "Warum ist das so? Sind diese Annahmen realistisch?" Den Betriebswirten sei das egal gewesen, "sie lernten das einfach". Jennifer dagegen findet es wichtig, die Dinge zu hinterfragen. Sie will später nicht mal jemand sein, der "ein Renditeziel von 25 Prozent einfach so als gegeben hinnimmt". Sicher hätten es Leute ohne geisteswissenschaftlichen Hintergrund manchmal leichter, "auch weil sie sich nicht so viele Gedanken machen", sagt sie. Aber tauschen – nein! "So möchte ich einfach nicht sein."

Was aber können Geisteswissenschaftler tun, damit der Berufsstart nicht zu hart wird? Praktika während des Studiums, klar! "Halt", sagt Uta Glaubitz, wenn sie das hört. Uta Glaubitz ist Philosophin, sie ist eine von Deutschlands bekanntesten Berufsberaterinnen – eine "Berufsfinderin", wie sie sich werbewirksam nennt. Und sie ist radikal. "Gehen Sie in keine Vorlesung, machen Sie kein Praktikum, ehe Sie Ihr Berufsziel definiert haben", sagt sie. Aber muss man nicht Verschiedenes ausprobieren, um zu wissen…? "Nein", unterbricht Uta Glaubitz. "Der Weg ist nicht das Ausprobieren. Der Weg ist die Selbstreflexion."

Ein Praktikum im wissenschaftlichen Verlag, eines in der Eventagentur, eines im Abgeordnetenbüro, diese Vorstellung beschleunigt den ohnehin schon schnellen Redefluss der Beraterin. "Das führt zu nichts. Am Arbeitsmarkt müssen Sie für etwas stehen, und wenn es so etwas Spezielles wie Apotheken-PR ist", sagt sie. Praktikanten, die mal hier, mal da reinschauten, wollten "nur spielen, und das ist ihr Problem. So erreicht man beruflich nichts." Habe man dagegen einmal ernsthaft entschieden, in welche Richtung es gehen solle, könne man alles darauf zuschneiden. Nach und nach immer höherwertige Praktika machen und seine Seminararbeitsthemen entsprechend danach auswählen.

Da ist sie mit einem Mal wieder, die leidige Frage: Was will ich einmal werden? Sie stellte sich ja schon mal. Nach dem Abi. Und für manchen war ein geisteswissenschaftliches Studium eine willkommene Möglichkeit, diese Entscheidung hinauszuzögern. Es ist paradox: Die Geisteswissenschaften ziehen Unentschlossene an, gerade weil sie keine frühe berufliche Festlegung erzwingen. Aber gerade Geisteswissenschaftler brauchen besonders viel Entschlusskraft, einen funktionierenden inneren Kompass – wiederum, weil das Fach nicht auf einen bestimmten Beruf vorbereitet. Die stille Hoffnung, ein Entschluss werde schon irgendwie während des Studiums reifen, hält Uta Glaubitz für eine Illusion. "Da kommt nichts. Da warten Sie dann noch mit 40 drauf."

Das ist die eine Sicht der Dinge, und sie macht Stress. Marcellus Menke vertritt eine entspannendere Perspektive. Menke ist der Vorsitzende des Dachverbandes der Career Center an den deutschen Hochschulen, jener Einrichtungen, die Absolventen beim Start in den Beruf helfen. Er ermutigt Studenten, verschiedene Berufswelten kennenzulernen. "Wenn Sie immer nur Kartoffeln essen, wissen Sie nicht, wie andere Sachen schmecken", sagt er. Ein "Mythos" seien all die Erfolgsbiografien, die einen glauben machten, alles sei einem stringenten Plan gefolgt.

Aber auch Menke erzählt, wie er mit den ratsuchenden Studenten an den Anfang zurückgeht. "Ich versuche, den Prozess der Entscheidung für den Studiengang bewusst zu machen. Da werden Motivationen sichtbar, an die man dann anknüpfen kann." Dass die Ratsuchenden immer wieder auf sich selbst verwiesen werden, ist kein Zufall. Es gibt einfach keine andere Antwort. Symptomatisch dafür ist die Entwicklung in den Berufsratgebern für Geisteswissenschaftler. Die Literaturwissenschaftlerin Gunhild Berg, die dieses Genre untersucht hat, stellte fest, dass die Bücher in den letzten Jahren zunehmend individuelle Erfolgsgeschichten erzählen, dafür immer weniger typische Einstiegswege beschreiben. "Ratgeber können heute offenbar keine Karrierewege mehr anbieten, die verallgemeinerbar wären oder zur Nachahmung anleiteten", folgert sie.

Jeder muss deshalb bereits im Studium ein persönliches Forschungsprojekt starten, ein Forschungsprojekt mit der Fragestellung: Wo will ich hin? Der Student ähnele dabei einem Bildhauer, der aus einem Holzklotz eine Figur herausarbeite, sagt die Existenzgründungsberaterin Maria Kräuter. Im Holz sind Möglichkeiten angelegt; welche Skulptur entsteht, ist aber offen. Die ebenso lästige wie regelmäßig gestellte Frage "Was willst du damit mal werden?" kann man dabei für sich nutzen wie das Erinnerungsklingeln des Handys; als einen Anlass, kurz zu formulieren (und später aufzuschreiben), welche Schritte man bisher unternommen hat, um der Antwort nahe zu kommen.

Mehr als bei anderen entscheidet bei Geisteswissenschaftlern die Persönlichkeit über den Erfolg und die simple Frage, ob man ihnen zutraut, Dinge hinzubekommen. Der "gesunde Menschenverstand" wird auf einmal wichtig. "Damit komme ich oft weit", erzählt Bettina Voigt. Sie hat Spanisch studiert und in ihrer Magisterarbeit Novellen von Cervantes analysiert. Heute arbeitet sie in einer Firma, die Unternehmen bei der Auswahl von Software berät. Das Studium nützt ihr dabei, indirekt. "Ich muss zum Beispiel schnell herausbekommen, was für einen neuen Kunden oder in einer Branche besonders wichtig ist. Da hilft es mir, dass ich gelernt habe, mich rasch in neue Themen einzuarbeiten." Und mit welcher ausgefeilten Überzeugungsstrategie hat sie, eine Hispanistin, es geschafft, eine Softwarefirma dazu zu bringen, sie einzustellen? Bettina Voigt lacht.

"Da steckte keine echte Strategie dahinter. Ich jobbte bei einer anderen Firma, in demselben Büro, wo auch wir sitzen. Die sahen, dass ich den Laden in Abwesenheit meines damaligen Chefs gut im Griff hatte und ein umgänglicher Mensch bin – und boten mir die Stelle an."

Geschrieben von: Spider Tuesday, 29.09.2009, 10:08
"DiePresse.com" vom 28.9.2009: Studienanfänger: Uni Wien wird zur Messehalle
Ressort: Bildung/ Hochschule

Die Uni Wien nimmt sich ein Beispiel an englischen Hochschulen und US-Unis: Am 7. und 8. Oktober findet erstmals eine Willkommens-Messe statt. Ein Service für Anfänger.

Viel Aufregung herrscht jedes Jahr an der Uni Wien, wenn im Oktober die "Anfänger" ihr Studium beginnen. Mussten sie bisher alle Informationen zum Studentenalltag in mühsamer Laufarbeit zusammentragen, bietet nun die Uni Wien ein neues Service. Eine Messe eigens für Studienanfänger soll ihnen nun helfen, ihren Alltag neu zu organisieren.

Unter dem Titel UniLeben werden am 7. und 8. Oktober im Hauptgebäude diverse Dienste angeboten. UniLeben versteht sich als eine Art One-Stop-Shop: Neben ganz alltäglichen Informationen von Dienstleistern wie Versicherungen, Banken, Bibliotheken, Reiseanbietern und Printmedien werden auch Services der Wiener Kulturlandschaft angeboten. Der Festsaal wird für zwei Tage zur Messehalle.

Neben Gutscheinheften mit Ermäßigungen werden auf der Messe auch Gutscheine für die Mensa ausgegeben. Darüber hinaus bieten Kulturbetriebe vergünstige Tickets an. Zusätzlich zum Messeangebot gibt es Workshops zu Themen rund ums Studium. Programm und Anmeldung unter: www.univie.ac.at/unileben

An Universitäten im englischsprachigen Ausland haben sich Messen wie diese schon lange etabliert. Dort buhlen oft auch Sportvereine, Nachtclubs und Studentenverbindungen um das Interesse der Erstsemestrigen.

Geschrieben von: Spider Wednesday, 30.09.2009, 13:46
Ich vermisse dabei die Wiener Würstchen usw. ...

"Der Standard" vom 29.9.2009: Der Trottel ist die Nummer eins
Ressort: Forschung Spezial, Seite F1

Von der "Sachschelte" bis zur "Ahnenschmähung": Schimpfwörter sagen viel über eine Gesellschaft und ihre sensiblen Stellen aus. Nun liegt erstmals eine fundierte Untersuchung über die vielfältigen Aspekte des Wiener Schimpfwortschatzes vor.

Die Beleidigung des Adressaten, so der Tenor von Sprachwissenschaftern, das ist das vordergründige Ziel einer Beschimpfung. Aber wie sieht es aus, wenn der Adressat ein Ding ist? Wenn jemand seinen PC einen blöden Krempel schimpft, geht es dann um die Demütigung des arbeitsunwilligen Gerätes? Oder gehört eine solche emotionsgeladene Äußerung gar nicht zum Sprechakt "Beschimpfung" - was aber ist sie dann?

Die an der Nationalen Ivan Franko Universität im ukrainischen Lviv (dem ehemaligen Lemberg) lehrende Germanistin Oksana Havryliv hat sich in ihrer vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Studie mit diesen Fragen auseinandergesetzt: Sie hat das Phänomen der verbalen Aggression, vor allem im Alltagsleben der Wiener und Wienerinnen, untersucht.

Ziel ihrer Forschungsarbeit ist eine umfassende Klassifikation aggressiver Sprechakte, von der Beschimpfung über die brutale Aufforderung bis zu Drohungen, Flüchen und Verwünschungen. Dank eines Lise-Meitner-Stipendiums für Forscher aus dem Ausland konnte die Wissenschafterin zwei Jahre lang den Wienern beim Schimpfen und Fluchen zuhören und deren verbale Aggression am Institut für Germanistik der Uni Wien aus semantischer, sozio- und pragmalinguistischer Perspektive analysieren.

Dabei ist sie Fragen nach den Ursachen, Funktionen und Formen aggressiver Sprechakte ebenso nachgegangen wie etwa jenen nach der Rolle individueller und gruppenspezifischer Faktoren beim Äußern und Wahrnehmen verbaler Aggression. Das pikante Forschungsmaterial, das Oksana Havryliv in Wien gesammelt hat, bildet die Basis für die jüngste Publikation der Schimpfsprachwissenschafterin - eine ebenso differenzierte wie unterhaltsame Monografie.

Beleidigen und abreagieren

Eine der zahlreichen Erkenntnisse aus 36 Intensivinterviews und einer schriftlichen Umfrage unter 314 Personen unterschiedlicher Alters- und Bildungsgruppen: "Entgegen der vorherrschenden Meinung, dass eine Beschimpfung immer auf eine Beleidigung abzielt, gaben in meiner Untersuchung nur elf Prozent der Befragten diese Intention an", erklärt Havryliv. "In 64 Prozent der Fälle reagierten sie nach eigener Meinung vor allem negative Emotionen ab, ein Viertel meinte das Gesagte eher scherzhaft." Bei der eingangs erwähnten PC-Beschimpfung handle es sich übrigens um eine sogenannte "Sachschelte" - die Beleidigung des Zielobjekts tritt dabei üblicherweise hinter das spontane Bedürfnis nach Emotionsentladung zurück.

Verbale Aggression kann offen, aber auch in verdeckter Form erfolgen - also nur in Gedanken des Sprechers oder in Abwesenheit des Adressaten. In ihren Untersuchungen fand Havryliv heraus, dass die verdeckte verbale Aggression sogar häufiger zum Einsatz kommt als die offene und dass sie erwartungsgemäß mit dem sozialen Status wächst: So tritt verbale Aggression bei Probanden ohne Matura in 56 Prozent der Fälle in verdeckter Form auf, bei Maturanten in 67 Prozent der Fälle. Akademiker ließen gleich drei Viertel ihrer aggressiven Sprechakte nur in Gedanken, oder ohne sich auch nur in der Nähe des Adressaten zu befinden, freien Lauf.
"Generell aber", stellt die Germanistin fest, "erscheint das Schimpf- und Fluchvokabular sowohl geschlechts- als auch schichtspezifisch homogener als angenommen. - ebenso die Intensität und Häufigkeit der Verwendung von aggressiven Sprechakten."

Auffällige geschlechtsspezifische Unterschiede lassen sich nur bei sehr jungen Menschen ausmachen: "Während die Burschen sehr viele, möglichst brutale Sprechakte aufzählten, fielen die Fragebögen der Mädchen in der Regel eher bescheiden aus. Es gab sogar Behauptungen wie 'Ich schimpfe selten oder nie'." Typisch für den Schimpfwortschatz vor allem der männlichen Jugend ist der häufige Gebrauch von abwertenden Begriffen und Wendungen aus der sexuellen Sphäre wie "Hure", "Beidl", "Wichser", "Schwuchtel" usw. sowie abschätzige Wörter, die körperliche oder geistige Gebrechen beschreiben: "Spasti", "Behinderter", "Alzheimer" etc.

Auch rassistische Beschimpfungen in allen Variationen sind bei Wiener Schülern häufig. Immer öfter finden sich im Schimpfvokabular auch aggressive Formeln, die eigentlich für das Deutsche untypisch sind, da sie gegen in unserem Kulturkreis wenig verbreitete Tabus verstoßen: "Deine Mutter ist eine Hure!", "Fick deine Mutter!" - sogenannte Ahnenschmähungen. "Hier spielt der Einfluss von Mitschülern aus anderen Kulturen, in denen der familiären Gemeinschaft noch eine größere Bedeutung zukommt, sicher eine große Rolle", begründet Havryliv.

Welche Schimpfwörter kommen nun den Wienern und Wienerinnen im Affekt am häufigsten über die Lippen? "Am beliebtesten ist der ,Trottel', knapp gefolgt vom ,Arschloch' bzw. ,Oaschloch', dem ,Idioten' sowie der ,Sau' bzw. ,Drecksau'."

Beschönigen und verhüllen

Um sich mit Schimpftiraden, Fluchen und Drohen nicht gänzlich in Teufels Küche zu manövrieren, greifen die Wiener dabei gerne auf euphemistische, also beschönigende, verhüllende Formen zurück. Insbesondere beim Fluchen ist Vorsicht angesagt: So wird aus "Sakrament!" "Sapperment!", aus "Mein Gott!" ein schlichtes "Mei!" und von "Gott bewahre!" bleibt oft nur noch das unschuldige "Bewahre!" übrig. Aus "Herr Jesus!" wird "Herrje!", und das brave "Oje!" ist eigentlich ein ängstlich verstümmeltes "O Jesus!"

Euphemistische Aufforderungen betreffen vor allem das bekannte Zitat aus Goethes Götz von Berlichingen ("Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsche lecken!"): Das wird meist zu "Hob mi gern!", "Du kannst mich (mal)!" oder "Leck doch die Tant' am Ohr!".

Oksana Havrylivs Lieblingsschimpfwort ist übrigens das gute alte "Scheiße". (Doris Griesser)

Buchtipp:
Oksana Havryliv, "Verbale Aggression. Formen und Funktionen am Beispiel des Wienerischen", 44 Euro, Peter Lang 2009

Geschrieben von: Spider Wednesday, 30.09.2009, 13:50
"Die Presse" vom 30.9.2009: Insignien: Als die Rektoren noch Recht sprechen durften
Ressort: Uni-Live, Seite X

GEORG RENNER

Fast alle österreichischen Universitäten besitzen historische Schätze, in denen sich ihre wechselvolle Geschichte zwischen Kirche, Kaiser und Wissenschaft spiegelt. Ein Ausflug in den Pomp vergangener Jahrhunderte.

Wer heute an einer der altehrwürdigen österreichischen Universitäten sein Studium abschließt, darf zum Abschied bei der akademischen Sponsionsfeier noch einen schnellen Blick in eine glorreiche Vergangenheit wagen: Da erscheinen Würdenträger mit wallenden Talaren, mit Nerzkragen, goldenen Halsketten und reichlich verzierten Szeptern. Da wird schon einmal das Banner der Universität gehisst, und die Absolventen schwören mit ihrem „Spondeo“, der Hochschule keine Schande zu machen, auf das Szepter ihrer Fakultät.

Abhängig von Klerus und Adel

Diese Zeremonien und Gegenstände sind Überbleibsel einer (in den meisten Fällen) jahrhundertelangen Geschichte der österreichischen Universitäten, Ausdruck eines früheren akademischen Selbstbewusstseins, das heute nur noch in düsteren Festsälen Platz hat. Mit Ausnahme der ganz neuen Hochschulen – wie der 1966 gegründeten Linzer Universität – bewahren aber alle ihr historisches Erbe auf, restaurieren es und bringen, wenn sich die Gelegenheit bietet, etwas Licht in den „Staub von tausend Jahren“, den die 68er-Rebellen während der Studentenproteste vor 41 Jahren „unter den Talaren“ der Rektoren und Dekane diagnostizierten.

Dabei zeigen die Insignien der Universitäten vor allem eines: dass die Unabhängigkeit der Lehre, der Forschung und der Universitäten immer eine Tochter der Zeit war. In ihrer Symbolik und Ikonografie geben Szepter, Ketten und die Motive darauf recht unverhohlen Aufschluss darüber, an wessen Gängelband die Hochschulen gerade hingen.

Am besten lässt sich das an den Insignien illustrieren, die die Universität Innsbruck in ihrer 340 Jahre langen Geschichte angesammelt hat. Entstanden ist die Universität 1669 auf Basis einer Jesuitenschule. Dementsprechend ist die ursprüngliche Symbolik im Siegel der Universität wie auch auf dem Szepter des Rektors – beide stammen aus dem Jahr 1673 – eine geistliche: Sie zeigen den Landespatron der österreichischen Länder, den heiligen Leopold – ein Bekenntnis zur Geistlichkeit.

Weitere Siegel aus der Urzeit der Innsbrucker Uni demonstrieren, dass damals noch das Bild der Wissenschaften, die dem Glauben entspringen, vorherrschte. So stehen Heilige und biblische Figuren für die einzelnen Fakultäten: Der Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, symbolisiert hier etwa die philosophische Fakultät, König Salomon, der das Urteil im Streit der Mütter um das Kind fällt, die juristische Fakultät.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Bild von der Universität gewandelt. Während die Kirche nach und nach an Macht verlor, gewannen die Hochschulen an Autonomie – um schon bald vom erstarkenden Staat als Bildungsanstalten vereinnahmt zu werden.

Das äußert sich in den akademischen Insignien der Innsbrucker Universität in der Rektorskette: Die stammt aus dem Jahr 1826 und zeigt (von geistlicher Symbolik ist da keine Spur mehr) das Antlitz des ersten Kaisers von Österreich, Franz I. (II.). „Solche Ketten – die Universität Wien hat auch eine mit dem Bild von Kaiser Franz – sollten klar verdeutlichen, dass die Rektoren und ihre Universitäten jetzt dem Staat untergeordnet sind“, sagt Kurt Mühlberger, oberster Archivar und wissenschaftlicher Betreuer der Insignien an der Universität Wien.

Dort, an der zweitältesten deutschsprachigen Universität, verhält es sich ganz ähnlich. Das älteste erhaltene Szepter, jenes des Rektors, stammt aus dem Jahr 1558 – aus einer Zeit, in der sich die akademischen Strukturen gerade selbstständig machten und neben geistlichen und weltlichen Autoritäten eine dritte Herrschaftsebene darstellten.

„Innerhalb der Universitäten gab es damals eine klare Hierarchie – oben der Rektor, darunter die Dekane an der Spitze ihrer Fakultäten“, erläutert Mühlberger. In dieser Zeit oblag dem Rektor sogar die Rechtsprechung über die Mitglieder seiner Universität, er stand an der Spitze seines eigenen kleinen Reiches. Was sich auch in den Insignien widerspiegelt.

„Vorbild waren eindeutig die Symbole kirchlicher und weltlicher Macht. Die Stäbe des Klerus und die Szepter der Landesherren“, so Mühlberger. Nach diesem Vorbild stifteten betuchte Adelige und Gönner später auch Szepter für die einzelnen Fakultäten, zuletzt kam 1892 das prächtige Banner der Universität dazu. Und wie gesagt: Es ist bis heute in Verwendung.

Wenn man nach dem Wert all dieser Schätze fragt, erntet man bei Historikern nur Unverständnis. Natürlich, einen gewissen Materialwert gebe es – die Szepter sind meist aus Silber und vergoldet –, aber mangels eines entsprechenden Marktes könne man den tatsächlichen Wert nicht beziffern. Über Versicherungssummen schweigt man sich aus.

Generell verhalten sich die Universitäten recht heimlichtuerisch, wenn es um ihre Schätze geht. Aus Sicherheitsgründen, wie man betont – „Schatzkammern“ gibt es etwa nicht, nicht selten lagern die Szepter in einfachen Metallkästen im Universitätsgebäude.

Sogar die Wiener Wirtschaftsuniversität, verglichen mit den bisher genannten Instituten eine sehr junge Hochschule – sie wurde 1889 als k. u. k. Exportakademie gegründet –, verfügt über eine Amtskette für ihren Rektor und ein Szepter. Sie hat ihre Insignien erst in der Zwischenkriegszeit erhalten, als sie zur Hochschule für Welthandel erhoben wurde.

Zu bunt für Habsburg

Aus dieser Zeit stammt übrigens auch der Großteil der historischen Talare, die sich heute im Bestand der österreichischen Universitäten befinden. Dass sich die Herren im Reich der Wissenschaft im Laufe der Jahrhunderte immer mehr mit Prunk und Pomp ausstatteten, ihre Talare bunt und reich verziert zur Schau trugen und sich generell mehr als Fürsten denn als Lehrer und Forscher gerierten, behagte einem Habsburgerkaiser nämlich gar nicht: Joseph II., als beinharter Reformer gefürchtet, ließ sie als „unvernünftig“ verbieten, zahlreiche Schmuckstücke einschmelzen und reich verzierte Kleidungsstücke „zur Altkleidersammlung geben“, wie es Peter Goller von der Innsbrucker Universität kommentiert.

Um wieder auf die WU zurückzukommen: Wo sie ihre Insignien lagert, wie viel sie wert oder wie sie versichert sind, darüber wird auch hier geschwiegen. Und im Übrigen lege man nicht viel Wert auf den Pomp – den Rektor in Talar und Kette zu sehen, sei in erster Linie Wunsch der Auszuzeichnenden und ihrer Angehörigen.

Geschrieben von: Spider Tuesday, 6.10.2009, 12:44
"profil" Nr. 41/09-Extra vom 5.10.2009: Interview: „Dann haben wir nur noch Fachidioten“
Ressort: Extra, Seite 24

Johanna Rachinger, Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, glaubt fest an die Notwendigkeit humanistischer Bildung, kann sich Aufnahmeprüfungen an den Unis vorstellen, attestiert vielen Politikern mangelndes Denken in Zusammenhängen – und sieht gefährliche Verbindungen zwischen dürftiger Bildung und dem Drang zu rechtsextremen Parteien.

profil: Tausende junge Menschen beginnen derzeit ihr Studium und damit einen neuen Lebensabschnitt. Was haben eigentlich Sie persönlich der Universität zu verdanken?

Rachinger: Ich habe der Universität sehr viel zu verdanken. Für mich war es ganz wichtig, dass ich studieren kann. Zwar konnte ich mir nie so richtig vorstellen, was mich da erwarten würde, weil es in meinem Umfeld kaum Akademiker gab. Aber ich habe schon erkannt, dass eine gute Ausbildung etwas Wichtiges ist und dass ich noch etwas lernen und erfahren wollte.

profil: In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“ haben Sie gesagt, Bildung sei für Sie der wesentliche Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Das klingt fast so, als würden Sie Bildung nur noch unter dem Verwertungsaspekt sehen.

Rachinger: Nein, ganz und gar nicht. Für mich hat Bildung, wenn man sie im humanistischen Sinne versteht, nicht nur mit Ausbildung zu tun, sondern mit Menschenbildung ganz allgemein. Da geht es auch um die Schulung des Charakters, um das Lernen von Denken insgesamt. Und zwar Denken in verschiedenste Richtungen: das logische Denken, das abstrakte Denken und, ganz wichtig, das Denken in Zusammenhängen.

profil: In der modernen Arbeitswelt wird immer mehr spezialisiertes Fachwissen nachgefragt. Ist da eine umfassende humanistische Bildung tatsächlich noch notwendig und zeitgemäß?

Rachinger: Ich denke, sie ist wichtiger denn je. Natürlich braucht die Wirtschaft Menschen, die spezialisiert ausgebildet sind. Das bedeutet, dass wir auch eine nutzungsorientierte Ausbildung brauchen. Das ist an sich nichts Verwerfliches. Im Gegenteil, es ist ein Anrecht der Wirtschaft zu sagen: Die Leute müssen so aus der Ausbildung kommen, dass wir sie auch gut einsetzen können. Für die ökonomische Entwicklung eines Landes ist das notwendig. Aber junge Menschen nur noch in diesem Sinne auszubilden, dass ihr Wissen unmittelbar wirtschaftlich verwertbar ist, ist falsch. Dann haben wir nur noch Fachidioten. Sinnvoll ist eine Synthese aus beidem: aus einer humanistischen Bildung und einer zweckorientierten Ausbildung.

profil: Die Notwendigkeit einer humanistischen Bildung im engeren Sinne, mit Latein- und Altgriechischunterricht, wird heute aber immer mehr infrage gestellt.

Rachinger: Wir reden davon, dass wir ein gemeinsames Europa wollen und dass wir Europäer und Europäerinnen sein wollen. Wenn dem so ist, dann müssen wir auch begreifen und wissen, woher wir kommen. Mit einer humanistischen Bildung kann man die geistigen, die kulturellen, die religiösen Grundlagen Europas begreifen und erkennen. Es ist doch so: Wenn wir unsere Gegenwart verstehen und unsere Zukunft gestalten wollen, müssen wir unsere Vergangenheit kennen. Davon bin ich überzeugt, und deshalb meine ich, dass die humanistische Bildung Wichtigkeit hat.

profil: Sie selbst haben sich mit Theaterwissenschaft und Germanistik eher traditionell als brotlos geltende Fächer ausgesucht.
Rachinger: Es stimmt, ich habe kein so spezialisiertes Studium absolviert, bei dem die berufliche Laufbahn schon vorgezeichnet ist. Mit einem geisteswissenschaftlichen Studium hat man entweder alle Möglichkeiten oder überhaupt keine, je nachdem, wie man das sehen will. Was ich wirklich auf der Uni gelernt habe, und ich habe davor eine berufsorientierte Schule, eine Handelsakademie, besucht, ist dieses Denken in Zusammenhängen. Wenn ich jetzt herausgreifen möchte, was ich von der Uni mitgenommen habe, ist das neben der inhaltlichen Kompetenz eigentlich das Wesentlichste.

profil: Genau das scheint aber durch die zunehmende Verschulung der Universitäten, die nicht zuletzt eine Folge der wachsenden Konkurrenz durch die Fachhochschulen (FH) ist, gefährdet. Was halten Sie vom dualen System in der akademischen Ausbildung?

Rachinger: Die Fachhochschulen sind hervorragende Einrichtungen zur berufsbezogenen tertiären Ausbildung. Leider zeigt die Tendenz, dass aufgrund der beschränkten Studienplätze an Fachhochschulen, die sich ihre Studierenden im Gegensatz zu den Universitäten aussuchen können, die Universitäten eher die FHs entlasten und nicht umgekehrt, wie es eigentlich sein sollte und intendiert war. Das heißt, man muss den Fachhochschulsektor stärken, um die Universitäten zu entlasten. Diese wiederum sollten sich wieder mehr auf ihre originäre Aufgabe, die Pflege der Disziplinen und die grundlagenorientierte Ausbildung, konzentrieren können.

profil: Das heißt, Sie könnten sich durchaus einen beschränkten Hochschulzugang vorstellen, etwa in Form von Aufnahmeprüfungen?

Rachinger: Wenn wir möchten, dass die Universitäten den Studierenden bestmögliche Bedingungen bieten, muss man sie auch ermächtigen, in allen Studienrichtungen eignungsorientierte Zu-lassungsverfahren einzuführen. Solche Aufnahmeverfahren müssen aber mit einer intensiven Studienberatung einhergehen. Die autonomen Universitäten sollten für sich selbst entscheiden können, ob und wie sie ihren Zugang beschränken. Allerdings erachte ich es als wichtig, dass auch ein Qualitätssicherungssystem für Zulassungsverfahren eingeführt wird.

profil: Die geplante Zentralmatura erscheint Ihnen nicht als geeignetes Mittel für eine bundesweit einheitliche Qualifikation zum Studium?

Rachinger: Das Niveau und die Qualität aller höheren Schulen in Österreich durch ein System wie das der Zentralmatura zu verbessern und zu vereinheitlichen, halte ich für erstrebenswert. Das hat auch nichts mit Einschränkung der Kompetenzen der einzelnen Schulen zu tun, sondern zeigt die Bemühungen, in Österreich flächendeckend ein gutes und vergleichbares Bildungsniveau zu etablieren.

profil: Zuletzt wurde heftig über Bildungspolitik in Zeiten der Krise debattiert: Wo darf, kann oder soll man bei der Bildung sparen?

Rachinger: Bei der Bildung soll man überhaupt nicht sparen. Das heißt jedoch nicht, dass man das Geld mit vollen Händen hinausschmeißen muss. Einsparungspotenzial gibt es sicher im organisatorischen Bereich. Ministerin Schmied versucht ja jetzt auch, die Schulverwaltung zu entrümpeln und sie zentraler zu gestalten. Wenn ich mir vorstelle, dass wir in jedem Bundesland eigene Aufsichtsorgane für die Schulen haben, dann sagt mir schon der Hausverstand, dass das teurer ist, als wenn das von einer Stelle zentral gesteuert wird. Hier gilt es anzusetzen. Aber bei der Ausbildung und der Bildung per se müssen wir sogar noch mehr ausgeben, weil es hier noch große Defizite gibt.

profil: Wo sollte man Ihrer Meinung nach investieren?

Rachinger: Wenn die Ganztagsschule kommen soll, müssen die Schulgebäude adaptiert werden. Lehrer benötigen geeignete Arbeitsplätze, wenn sie ganztags in der Schule sind. Für Kinder mit Migrationshintergrund, die kaum Deutsch sprechen, brauchen wir Zusatzlehrer. Auch die Schulstunden, die damals unter Ministerin Gehrer gestrichen wurden, sind nie ersetzt worden. In vielen Schulen gibt es kaum noch einen Turnunterricht, und auf der anderen Seite haben wir viele übergewichtige Kinder. Wir müssen uns fragen: Was ist uns die Bildung wert, und was brauchen wir noch dafür? Da kann man nicht von Sparen sprechen.

profil: Wenn man die derzeitige Wirtschaftskrise betrachtet, die wir ja nicht zuletzt Personen zu verdanken haben, die offenbar nicht sehr weit über den eigenen Tellerrand geblickt haben, gewinnt man den Eindruck, dass das von Ihnen erwähnte Denken in größeren Zusammenhängen immer mehr verloren geht.

Rachinger: Das ist ja nicht nur in der Wirtschaft so. Schauen Sie sich die Politik an: Wenn unsere Politiker und Politikerinnen das große Ganze nicht mehr sehen, was leider oft der Fall ist, dann passiert eben keine Verwaltungsreform, keine umfassende Gesundheitsreform. Weil man nicht bereit ist, nachhaltig zu agieren, und weil immer nur bis zur nächsten Wahl gedacht wird. Wenn Menschen jedoch in einem umfassenden Bildungssystem lernen, die richtigen Fragen zu stellen, zu hinterfragen und Wissen nicht nur als Fakten aufnehmen, dann ist das ganz wesentlich. Für die Entwicklung eines demokratischen Verständnisses ist das ungemein wichtig. Wir sehen ja, dass Menschen, wenn sie nicht diese Chancen der Bildung haben, auf sehr einfache Parolen reagieren und, ich würde fast sagen, hineinfallen. Diese zornigen jungen Männer, die auf der Straße stehen, schlecht ausgebildet sind und keine Arbeit haben, wir wissen, dass das die Wähler der rechtsextremen Parteien sind.

profil: Wenn wir uns an die Vorfälle im KZ Auschwitz und in Ebensee erinnern, wo im heurigen Frühjahr Schüler und Jugendliche durch antisemitische Äußerungen und Aktionen auffällig wurden: Denken Sie, dass durch eine umfassendere Bildung oder Aufklärung diese Geschehnisse hätten verhindert werden können?

Rachinger: Man kann es sich vielleicht nicht so leicht machen. Ich habe immer die Partei der Lehrer ergriffen, die mit ihren Schülern überhaupt nach Auschwitz fahren. Das empfinde ich als sehr engagiert. Offensichtlich, so wurde mir gesagt, sind die Schülerinnen und Schüler aber nicht richtig darauf vorbereitet worden. Das war wahrscheinlich ein Defizit.

profil: Sie sehen das Versagen bei den Lehrern?

Rachinger: Wir sind heute sehr schnell bereit, wenn uns etwas bei den Jugendlichen nicht gefällt, es auf die Schule zu schieben. Die Schule wird heute immer mehr als Reparaturwerkstätte gesehen, die alles, was das Elternhaus verabsäumt hat, in Ordnung bringen soll. Wenn die Eltern diese Erziehung und Charakterbildung nicht mehr leisten können, aus welchen Gründen auch immer, und die Schule auch wirklich all diese zivilisatorischen Aufgaben übernehmen soll, dann muss man ihr auch andere Möglichkeiten geben.

profil: Die da wären?

Rachinger: Wir müssen ganz konkret über die Ganztagsschule nachdenken. Es gibt ja im Bildungsbereich noch keine Chancengleichheit. Wir wissen, das sagen uns die Zahlen, dass Kinder aus bildungsfernen Schichten wesentlich seltener ins Gymnasium gehen und studieren als Kinder, deren Eltern selbst einen höheren Schulabschluss oder ein Studium haben. Und jetzt wissen wir natürlich auch, dass Kinder aus bildungsfernen oder sozial schwachen Familien nicht diese Förderung bekommen, wie andere sie bekommen. Die werden nicht nach der Schule in den Musikunterricht, ins Ballett oder zum Sport gefahren. Eine gute Ganztagsschule könnte das leisten. Wo Kinder nicht nur verwahrt und beaufsichtigt werden, sondern wo sie auch gefordert und gefördert werden, wo all diese zuvor erwähnten Aktivitäten angeboten werden und wo auch der musische Aspekt eine große Bedeutung hat. Wir können es uns doch auf die Dauer aus wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Sicht nicht leisten, dass wir Talente und Potenziale von vielen jungen Menschen verkümmern lassen. Wenn 20 Prozent der Pflichtschulabgänger nicht sinnzusammenhängend lesen können, ist das eine Einbahnstraße in die Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite sehe ich auch eine große soziale Problematik, die uns durch die Geschehnisse in Paris und Athen vor Augen geführt wurde. Das sind jene Jugendlichen, die ihre Aggressionen durch Gewalt zum Ausdruck bringen. Denen muss man eine Chance geben. Es ist ja nicht so, dass die keine Talente hätten, da geht es einfach um Förderung.

profil: Immer wieder wird beklagt, dass die heutige Generation keine Allgemeinbildung hat. Waren die früheren Generationen tatsächlich besser gebildet?

Rachinger: Wir wissen beide, dass dieses „früher war alles besser“ nicht stimmt. Früher gab es eine bestimmte Elite beziehungsweise einen ausgesuchten Kreis von Menschen, der die Möglichkeit hatte, eine höhere Schule zu besuchen und ein Studium zu absolvieren. Das hat sich geändert. Heute reden wir von der so genannten Internetgeneration, die mit einer Fülle an Informationen und Inhalten aufwächst. Vieles davon ist jedoch Schrott. Trotzdem sprechen wir von einer Demokratisierung des Wissens. Da müssen wir in der Lage sein, ein Qualitätsbewusstsein zu schaffen. Wie geht man mit Medien um, wie differenziert man, wie erkennt man Qualität? Gerade im Internet, wo sich so viele Amateure tummeln. Was ja auch in Ordnung ist. Immerhin kann heute jeder sagen, was er denkt. Auch das war früher einer bestimmten Elite vorbehalten.

profil: Führt dieser schnelle und einfache Zugang zu einem völlig unselektierten Wust an Informationen tatsächlich zu einer Demokratisierung des Wissens, oder werden relevante Inhalte unter diesen Bergen unnützen Wissens erst recht unauffindbar?

Rachinger: Ich würde sagen, ja, wir können derzeit eine Demokratisierung des Wissens beobachten. Es ist unter anderem die Aufgabe von Bibliotheken, Inhalte übersichtlich aufzubereiten und mit ihrem Fachwissen Besucher zu eigenständiger Recherchekompetenz zu verhelfen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben an der Österreichischen Nationalbibliothek ein großes Massendigitalisierungsverfahren, das Austrian Newspapers Online, kurz ANNO, im Rahmen dessen historische österreichische Zeitungen digitalisiert werden. Wenn Sie heute die „Wiener Zeitung“ von 1703 lesen wollen, brauchen Sie nicht mehr in die Nationalbibliothek gehen, sondern können sie von jedem Ort der Welt abrufen. Das ist Demokratisierung des Wissens: Zugänge schaffen für Inhalte, die vorher in dieser Form nicht oder nur erschwert zugänglich waren. Heute kann man sich ganz anders informieren. Das ist überhaupt nicht vergleichbar mit früher, wo es in Orten oft keine Buchhandlung oder Bücherei gegeben hat. Als ich aufgewachsen bin, habe ich mich auf den Donauland-Katalog und die Pfarrbücherei gefreut.

profil: Diese Verfügbarkeit scheint aber auch zu größerer Bequemlichkeit zu führen. Angefangen von Copy-and-paste-Journalismus über wissenschaftliche Arbeiten, die nur noch Quellen verwenden, welche einfach zugänglich sind. Es wird in diesen Fällen nur noch am Schreibtisch recherchiert, und was nicht über das Netz zu bekommen ist, ist einfach nicht existent.

Rachinger: Diese Gefahr gibt es natürlich immer. Nur: Früher hat halt einer nur eine bestimmte Zeitung gelesen, von der er all sein Wissen und seine Informationen bezogen hat. Die war vielleicht parteipolitisch, die war vielleicht sehr konservativ oder auch linksliberal, wie auch immer. Betrachten Sie heute beispielsweise Wikipedia: Wenn Sie dort eine falsche Information veröffentlichen, kommen sofort hundert andere und stellen das richtig. Dadurch entsteht ein unglaublicher Diskurs.

Interview: Christina Hiptmayr

Johanna Rachinger, 49, studierte Theaterwissenschaft und Germanistik an der Universität Wien. Danach arbeitete sie unter anderem als Lektorin beim Wiener Frauenverlag, bis sie zum Ueberreuter Verlag wechselte, wo sie 1995 die Geschäftsführung übernahm. 2001 wurde die gebürtige Mühlviertlerin auf Vorschlag der damaligen Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek.

Geschrieben von: Spider Tuesday, 6.10.2009, 12:46
"Ö1" vom 4.10.2009: Welche Rolle spielt das Volk im Staat?: Demokratie einst und jetzt
Sendung: Ö1 Kinderuni, 17.15 Uhr

Die Geschichte des antiken Griechenlands hat die Kultur und Gesellschaft des Abendlandes geprägt. Die Rede ist vom Griechenland vom 8. Jahrhundert vor Christus bis 150 Jahre vor Christus.

Damals gab es wichtige Philosophen, Naturwissenschaftler und Geschichtsschreiber, die bis heute zitiert werden. Außerdem wurde der Grundstein zu heutigen Demokratie gelegt. Was ist darunter zu verstehen, möchten die Ö1 Kinderuni-Reporterinnen und-Reporter Nikolaus, Anna, Kira, Florian und Oskar wissen. Der Professor für Alte Geschichte an der Universität Wien, Wolfgang Hameter, versucht ihnen dieses schwierige Thema näher zu bringen.

Die ganze Ö1 Kinderuni mit Wolfgang Hameter
oe1.orf.at/highlights/144384.html
Länge: 14:59 min

Geschrieben von: Spider Tuesday, 6.10.2009, 13:26
"Presseaussendung der Universität Wien" vom 5.10.2009: Universität Wien zum Anziehen: Online-Shop mit neuer Textilkollektion

Heute, 5. Oktober 2009, eröffnet der neue Online-Shop der Universität Wien – www.unistore.at – mit einem umfangreichen Textilsortiment mit Shirts, Pulllovern oder Sporttaschen. Studierende, MitarbeiterInnen, und AbsolventInnen haben ab jetzt damit die Möglichkeit, "ihre Universität nach außen zu tragen" – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Universität Wien, die Kreativagentur FabLab und Studierende der Abteilung Grafik Design der kunstschule.at haben gemeinsam eine eigene Basis- und Designkollektionen entworfen. Die modischen Kleidungsstücke rücken die Marke Universität Wien in den Vordergrund

Die neue Textilkollektion spricht Studierende, AbsolventInnen, MitarbeiterInnen und BesucherInnen mit den vielfältigen Produkten und Designs gleichermaßen an. Das Sortiment umfasst T-Shirts, Langarmshirts, Pullover, Poloshirts, Jacken, Caps und Sporttaschen. Besonderer Wert wird auf modische Schnitte, trendige Farben und hohe Qualität gelegt.

Alle Produkte der Textilkollektion können ganz einfach im Online-Shop der Universität Wien bestellt werden. Shirts, Pullover und Jacken gibt es jeweils im Herren- und Damenschnitt. Die Artikel mit klassischen Designs sind in unterschiedlichen Farben und Größen lagernd. Die Preise sind je nach Produkt unterschiedlich. T-Shirts kosten zum Beispiel 12 bis 20 Euro, Kapuzenjacken 30 bis 35 Euro.

Designwettbewerb unter dem Motto "designbystudents"

Zeitgleich startet heute, 5. Oktober 2009, ein Designwettbewerb für neue originelle Motive für die designbystudents-Kollektion. Der Wettbewerb richtet sich besonders an Studierende. Es kann aber jede/r Interessierte bis 15. November Entwürfe einreichen. Gesucht werden Grafiken und Sprüche zu den Themen "Universität Wien", "Leben und Studieren" und "Wien/Österreich/Europa". Die besten Designs werden mithilfe von Jury und Online-Voting ermittelt. Belohnt wird die Kreativität mit Geld- und Sachpreisen im Wert von insgesamt 3.000 Euro. Ab Frühjahr 2010 kann man die Kollektion mit den prämierten Motiven im Online-Shop der Universität Wien erwerben.

Universität Wien zum Anziehen: www.unistore.at

Wettbewerbshomepage: www.designbystudents.net

Rückfragehinweis:
Mag. Christine Cimzar-Egger
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 10
M +43-664-602 77-175 10
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Geschrieben von: Spider Wednesday, 7.10.2009, 09:44
"Der Standard" vom 7.10.2009: Bilder der Wissenschaft
Ressort: Forschung Spezial, Seite F3

Kunst und Forschung trafen sich bei der Science Lounge

Als David Hilbert einmal gefragt wurde, was aus einem seiner Assistenten geworden ist, hatte er eine knappe Antwort parat: "Der ist Schriftsteller geworden." Nachsatz des mathematischen Jahrhundertgenies: "Für die Mathematik fehlte ihm die Fantasie."

Stehen sich Kunst und Wissenschaft einander womöglich näher, als man gemeinhin annimmt? Früher einmal jedenfalls war alles ganz anders: Da arbeitete einer wie Leonardo da Vinci selbstverständlich als Künstler und Wissenschafter. Und selbst Goethe hatte Fantasie genug, sich auch als Naturforscher zu bezeichnen.

Am Beginn des 21. Jahrhunderts scheinen sich die zwei getrennten Kulturen in Österreich wieder ihrer Wahlverwandtschaften zu besinnen. So wurden zuletzt neue Förderungsschienen sowohl vom Wissenschaftsfonds FWF wie vom Wiener WWTF eingerichtet, die zur Kooperation zwischen Kunst und Wissenschaft motivieren sollen. Jüngste Beispiele dafür, dass es die beiden wieder miteinander versuchen sollten, waren bei der European Researchers Night in den Rinderhallen Simmerings zu sehen und zu hören. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Vienna Biocenter malten da etwa Molekularbiologen Bilder ihrer Forschung. Und in der Science Lounge diskutierten die Lebenswissenschafterinnen Lucia Aronica und Marianne Popp mit der Architektin Silja Tillner und Gerald Bast, dem Rektor der Uni für Angewandte Kunst.

Bilder waren dann auch so etwas wie der rote Faden des grenzüberschreitenden Gesprächs: So erinnerte Silja Tillner etwa an Motive aus Cyberpunk-Romanen, die Entwicklungen der Informationstechnologien vorweggenommen hätten. Rektor Bast berichtete unter anderem von einem neuen Masterstudium an seiner Universität unter dem Titel Art & Science Visualization, an dem auch Imba-Chef Josef Penninger mitmache.

Imba-Forscherin Lucia Aronica, Gewinnerin des "Famelab", betonte die Rolle von Bildern bei der Vermittlung von Wissenschaft. Und Marianne Popp, Leiterin des Vienna Ecology Centre an der Uni Wien, zitierte einen Spruch des Nobelpreisträgers Albert Szent-Györgyi: "Forschung bedeutet zu sehen, was alle anderen auch sehen, und zu denken, was noch niemand gedacht hat." Was wohl auch auf die Kunst zutrifft. (Klaus Taschwer

Infolinks:
www.sciencelounge.at/
www.fwf.ac.at/
www.wwtf.at/

Geschrieben von: Spider Monday, 12.10.2009, 14:04
"Die Presse" vom 12.10.2009: Budget: Rektoren im Kampf um die Millionen
Ressort: Forum Bildung, Seite 25

Uni-Chefs kritisieren Stil des Ministeriums – und fordern mehr Geld. Für 2010 gibt es für die Unis 2,75 Milliarden Euro. Rektoren kämpfen nicht nur gegen das Ministerium, sondern auch gegeneinander.

Wien. Der Ton ist rau geworden in den vergangenen Wochen. Seit die Verhandlungen um die Leistungsvereinbarungen zwischen Universitäten und Wissenschaftsministerium anstehen, haben die Rektoren verbal aufmunitioniert – und lassen kein gutes Haar an Minister Johannes Hahn (ÖVP). Die Rede ist von „apodiktischen Forderungen“, einer „Vergewaltigung der Unis“ und Eingriffen in die Hochschulautonomie.

Die scharfen Angriffe der Rektoren lassen sich leicht erklären: Für sie geht es in den nächsten Wochen um viel. Bis Jahresende entscheidet sich, welche Uni wie viel Geld vom Bund bekommt. Und da ist Taktieren angesagt – denn die budgetären Spielräume sind eng.

Da die Höhe des Gesamtbudgets, das die Unis in den nächsten Jahren erhalten, ohnehin feststeht, kämpfen die Rektoren nicht nur gegen das Ministerium, sondern indirekt auch gegeneinander: Das größte Stück des Kuchens kann schließlich nur einer bekommen.

Über die Gespräche, zu denen die Rektoren und ihre Teams einzeln ins Ministerium gebeten werden, hüllen beide Seiten grundsätzlich den Mantel des Schweigens. Fix ist eines: Für 2010 gibt es für die Unis 2,75 Milliarden Euro. Im vollen Leistungszeitraum 2010 bis 2012, der jetzt ausverhandelt wird, geht es um ein Globalbudget von acht Milliarden Euro. Über die Leistungsvereinbarungen werden rund zwei Drittel der Summe, also fünf Milliarden Euro, ausgeschüttet. Der Rest des Geldes wird über das Formelbudget verteilt oder ist unter anderem für den Ersatz der Studiengebühr und Gestaltungsvereinbarungen verplant.

Nur ein „Missverständnis“?

Was aber hat die Rektoren dazu bewogen, den Minister bereits vor den entscheidenden Runden medial anzugreifen? Grund für erste Verstimmungen gab es schon vor dem Sommer: Bis dahin waren die Unis angehalten, erste Entwürfe zu ihren inhaltlichen und finanziellen Plänen zu übersenden. Dabei kam es zum „Missverständnis“, sagt Friedrich Faulhammer, Generalsekretär im Wissenschaftsministerium und Leiter des Verhandlungsteams. Das Ministerium hatte bei der Gelegenheit seinerseits „Vorschläge übermittelt, was wir in den Entwürfen gerne lesen würden“ – was einige Rektoren als „Diktat“ und Einschnitt in die Autonomie werteten.

Es sei das verbriefte Recht jeder Uni, Vorschläge für eigene Schwerpunkte zu machen, kritisiert etwa Wolfhard Wegscheider, Rektor der Montan-Uni Leoben. Das Ministerium gebe jedoch Projekte vor, einzelne Vorschläge seien ident für mehrere Unis. Auch Christoph Badelt, Rektor der WU Wien und Präsident der Universitätenkonferenz, spricht von „inakzeptablem Stil“.

Es würden „im Tonfall Diktate vorgegeben, was nicht einem partnerschaftlichen Verhandlungsprozess entspricht“. Es gebe Detailinterventionen in interne Abläufe, „die nichts mit Leistungsvereinbarungen zu tun haben“, etwa dass Unis vorgeschrieben werde, jedem neu berufenen Professor ein Didaktiktraining zu verpassen.

Auch finanziell liegen die ersten Angebote des Ministeriums weit unter dem, was die Unis verlangen. Sie seien „in einem Ausmaß niedrig, das uns sehr verwundert“, so Badelt. Mit der gebotenen Summe könne man „den Betrieb aufrechterhalten“, sagt auch Georg Winckler, Rektor der Uni Wien. Nicht aber den Ansturm an Studenten, den die Quasiabschaffung der Studiengebühr bewirkt hat, bewältigen.

Im Ministerium nimmt man die Kritik gelassen: Jede Seite versuche, ihre Verhandlungsposition zu stärken. Das gehöre einfach dazu, sagt Faulhammer. „Schlussendlich werden wir schon zusammenfinden.“

Mit vier Unis hat es bereits eine Einigung gegeben – der Uni Graz, der Kunst-Uni Graz, der TU Wien und der Donau-Uni Krems. Dass es bis Jahresende auch mit allen anderen Unis zum Abschluss kommen wird, davon gibt sich Faulhammer überzeugt: „Das ist das Ziel.“ Gibt es bis dahin keine Einigung, „werden wir ein Schlichtungsverfahren einleiten“.

Auf einen Blick
In Leistungsvereinbarungeneinigen sich Unis und Ministerium auf die Höhe des Budgets und den Einsatz der Mittel. Derzeit wird der Zeitraum 2010 bis 2012 verhandelt.

Geschrieben von: Spider Monday, 12.10.2009, 14:11
In der Tat großartig - wie haben das die Studierenden früher überhaupt auf die Reihe gekriegt ... ? Für mich gänzlich unvorstellbar!

Na jedenfalls haben alle ein Sackerl für ihr ... bekommen.

"dieUniversitaet-online.at" vom 9.10.2009: UniLeben: Großer Andrang auf der Messe für StudienanfängerInnen
Ressort: Studium/Lehre

Am 7. und 8. Oktober 2009 fand im Hauptgebäude der Universität Wien erstmals die Messe "UniLeben "statt. Ziel der Willkommensveranstaltung war es, den StudienanfängerInnen den Einstieg in ihren universitären Alltag zu erleichtern. Diese nutzten die Möglichkeit zur kostenlosen Information und kamen zahlreich.
www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/...faengerinnen/10.html

archaeologieforum.at war super, aber archäologieforum.org gräbt tiefer!
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