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Publius Ovidius Naso

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07 Mär 2013 10:04 #1 von Aristoteles
Publius Ovidius Naso wurde erstellt von Aristoteles
Genau so. Oder so ähnlich.

01.03.2013 | 18:37 | Von Maria-Christine Leitgeb (Die Presse)

Kaum Lebensdaten, trotzdem eine Biografie: Diane Middlebrooks Annäherung an Ovid. Von Ovid, dem wohl berühmtesten Schriftsteller der augusteischen Epoche, gibt es so gut wie keine gesicherten Lebensdaten.

Von Ovid, dem wohl berühmtesten Schriftsteller der augusteischen Epoche, gibt es so gut wie keine gesicherten Lebensdaten. Eine Biografie über ihn zu verfassen ist insofern ein gewagtes Unternehmen. Wie beschreibt man das Leben eines solchen Menschen, ohne unglaubwürdig zu werden? Im besten Fall geht man vor wie die arrivierte Literaturwissenschaftlerin und Biografin Diane Middlebrook. Sie ergänzt all das, was ihr an konkreten Informationen fehlt, virtuos durch ihr enormes sozialgeschichtliches Hintergrundwissen, ihre genaue Kenntnis von Ovids Werk, ihr hohes Einfühlungsvermögen in die Umstände der Zeit und ihre dichterische Begabung.

Vor unseren Augen entwickelt sie in ihrer letzten und leider unvollendet gebliebenen Biografie in eindrucksvoller Weise das Leben eines jungen Römers in der Umbruchszeit von der römischen Republik zum Kaiserreich. Sie beschreibt das Leben des jungen Ovid, wie es hätte sein können, und am Ende sind wir davon überzeugt, dass es tatsächlich so war. Middlebrook erhebt ausdrücklich keinen Anspruch auf Wahrheit, allerdings hat sie in ihrer vierjährigen Recherche über Ovids Leben und in ihrer langjährigen Auseinandersetzung mit Ovids Werk so viel an Material zusammengetragen und ausgewertet, dass der Annäherungswert an die Wahrheit wohl ein hoher ist.

Zu Hilfe kommt ihr natürlich, dass Ovid ein durchwegs autobiografischer Autor ist. Literatur hat eben immer auch einen „hohen lebensgeschichtlichen Erkenntniswert“, so die These von Middlebrook. Wenn die Ereignisse von Ovids Lebens auch nicht immer explizit dargelegt sind in seinem Werk, schimmern sie doch durch, und so kann es durchaus gelingen, seine Lebensgeschichte mit ein wenig Fantasie aus seinem Werk zu rekonstruieren.

Diane Middlebrook konzentriert sich darauf, signifikante Ereignisse aus Ovids Leben von seiner Geburt bis zu seinem 20. Lebensjahr herauszuarbeiten. Aus den allenthalben bekannten Fakten, die besagen, dass Ovid als Sohn eines kleinen Landadeligen in der römischen Provinzstadt Sulmo geboren wurde, als Teenager in Rom die klassische Sprach- und Rhetorikschule absolvierte und sich dann gegen den Willen seines Vaters nicht für die angestrebte Politikerkarriere entschied, sondern statt dessen im Kreis um den Mäzen Mesalla als Dichter etablierte, gelingt es ihr in anschaulicher und überzeugender Weise, seinen frühen Lebensweg zu entwerfen.

Vorangestellt sind den einzelnen Kapiteln jeweils literarisch durchwegs anspruchsvolle Szenen, die die entsprechenden Episoden veranschaulichen sollen. Sie sind rein fiktiv, hätten sich aber so oder so ähnlich in Ovids Leben zutragen können. Insgesamt hat Middlebrook eine wunderbare und äußerst anregende Form der Darbietung gefunden, und selbst dann, wenn wir ihr, was Ovid betrifft, keinen Glauben schenken wollen, ist ihr Buch mehr als lesenswert, weil es uns das alte Rom in seiner kulturellen Blütezeit auf so intime Art und Weise näherbringt. Wie schade, dass die Autorin dem Vorhaben, ihre Ovid-Biografie abzuschließen, nicht mehr nachkommen konnte.

Diane Middlebrook
Der junge Ovid
Eine unvollendete Biografie. Aus dem Amerikanischen von Barbara von Bechtolsheim. 152S., geb., €19 (Müry Salzmann Verlag, Salzburg)


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