Sabine Ladstätter ist "Wissenschafterin des Jahres 2011"

Mehr
09 Jan 2012 13:13 #1 von Muse

09. Jänner 2012 11:51
Leiterin des Österreichischen Archäologischen Instituts: Archäologie ist "kein Orchideenfach und keine Nischenwissenschaft"

Wien - Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten hat die Archäologin Sabine Ladstätter (43) zu Österreichs "Wissenschafterin des Jahres 2011" gewählt. Die Auszeichnung wurde der Leiterin des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) und der österreichischen Grabung in Ephesos (Türkei) heute, Montag, in Wien überreicht.
Mit der Ehrung würdigen die Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten vor allem das Bemühen von Forschern, ihre Arbeit und ihr Fach einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen und damit das Image der österreichischen Forschung zu heben. Ladstätter betonte im Gespräch, sich durch die Auszeichnung in einem ihrer Ziele beim Amtsantritt bestätigt zu sehen: "Unsere Wissenschaft sichtbar zu machen und sie zu kommunizieren".

Großes Interesse

Das Interesse an Archäologie sei groß, wie die zwei Millionen Besucher pro Jahr in der Ausgrabung von Ephesos zeigten. "Das ist kein Orchideenfach und keine Nischenwissenschaft", so Ladstätter. Österreich habe ihr "die Möglichkeit gegeben, einen Kindertraum in Erfüllung gehen zu lassen und die Menschen dieses Landes haben auch dafür bezahlt". Mit ihrer Vermittlungsarbeit will sie "den Menschen etwas zurückgeben und ihnen erzählen, was wir hier machen". In der Archäologie sei dies sicher einfacher als in anderen Wissenschaftssparten, "weil wir eine Bilderwissenschaft sind. Wir produzieren Bilder und Bilder verkaufen sich in unserer visuellen Welt einfach gut".

Auch nach mehr als 100 Jahren österreichischer Grabungen in Ephesos ist die antike Metropole noch immer für Überraschungen gut, wie die Entdeckung eines riesigen antiken Baukomplexes mit mehreren Monumentalbauten im vergangenen Jahr gezeigt hat. "Es sind erst 15 Prozent der Stadt ausgegraben", betont Ladstätter, die auf die lange Siedlungsgeschichte der Stadt verweist. "Es gibt nicht ein Ephesos, wir forschen vom 7. Jahrtausend vor Christus bis zum 17. Jahrhundert nach Christus", so Ladstätter.

Hauptstadt Ephesos

Ephesos war eine der größten Städte der Antike, die Wissenschafter schätzen die Einwohnerzahl auf 200.000 im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. "Es war Hauptstadt der reichsten Provinz des Römischen Reiches, Asia, hatte unheimlich viel Hinterland, landwirtschaftliche Produktion, Handel, Handwerk, war die große Drehscheibe des östlichen Mittelmeerraums und in der Spätantike Bischofssitz und eines der bedeutendsten christlichen Pilgerheiligtümer für den Heiligen Johannes, Maria und letztendlich auch für Paulus", so Ladstätter.

Biografie

Als Sabine Ladstätter, geboren am 22. November 1968 in Klagenfurt, bei einem Volksschul-Ausflug zu den Ausgrabungen auf den Magdalensberg in Kärnten ihre Lehrerin fragte, wer denn hier arbeite, stand ihr Entschluss fest: "Archäologen? Das werde ich auch einmal." Sie verfolgte ihren Weg konsequent, schon als Schülerin nahm sie als Praktikantin an mehreren Grabungen teil. Ladstätter studierte an der Universität Graz Alte Geschichte und Altertumskunde sowie Klassische Archäologie und spezialisierte sich auf Wirtschaftsarchäologie, also die Rekonstruktion von antiker Wirtschaft, Gesellschaft, Handel, Gütertransfer, etc. Bereits ihre Dissertation im Fach Klassische Archäologie an der Uni Wien (1997) hat die Wissenschafterin zum Thema "Von Mediterraneum zur provincia Slaborum" geschrieben.

Von 1987 bis 1998 hat sie bei den Ausgrabungen am Kärntner Hemmaberg mitgearbeitet, ab 1992 als örtliche Grabungsleiterin. Seit 1995 ist die Mutter einer Tochter in Ephesos tätig und hat dort u.a. Keramikfunde aus dem Hanghaus 2 bearbeitet. Für die Publikation dieser Arbeiten wurde sie am Institut für Kulturgeschichte der Antike der Akademie der Wissenschaften ÖAW angestellt, dessen stellvertretende Direktorin sie ab 2001 war. 2007 habilitierte sich Ladstätter im Fachbereich Klassische Archäologie zum Thema "Studien zur ephesischen Keramik von späthellenistischer bis spätantiker Zeit".

Rekonstruktion von Handelsströmen

Antike Wirtschaft lässt sich laut Ladstätter am besten anhand von Keramik rekonstruieren, etwa Tafelgeschirr, das einer schnellen Mode unterworfen war und sich deshalb gut für Datierungen eignet. Auch der Inhalt von Amphoren, wie Weine oder Öle, dessen Herkunft mittlerweile leicht festgestellt werden kann, eignet sich gut zur Rekonstruktion von Handelsströmen. Wie man anhand von ein paar Keramikscherben Geschichte (um-)schreiben kann, hat Ladstätter bei den berühmten Hanghäusern in Ephesos bewiesen. Die in den 1960er-Jahren entdeckten antiken Luxuswohnungen wurden lange Zeit in die Spätantike (4.-5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung) datiert, erst Ladstätters Untersuchungen der in den Gebäuden gefundenen Keramik haben gezeigt, dass es sich um kaiserzeitliche Bauten aus dem 1. bis 3. Jahrhundert unserer Zeit handelt.

Hindernisse

Ladstätters Aufstieg war nicht frei von Hindernissen. Bereits 2007 wollte der damalige Wissenschaftsminister Johannes Hahn die Archäologin zur Leiterin der seit mehr als 100 Jahren bestehenden, renommierten österreichischen Grabung in Ephesos bestellen, stieß dabei aber auf Widerstand. Die türkische Seite, die regelmäßig die Grabungslizenz für das zuständige ÖAI erteilt, zweifelte an den Management-Fähigkeiten Ladstätters und verweigerte die Zustimmung zur Bestellung. Hintergrund dürften massive interne Kämpfe um die prestigeträchtige Position gewesen sein. Hahn hielt allerdings an Ladstätter fest und setzte auf Überzeugungsarbeit. Ladstätter wurde zunächst stellvertretende Grabungsleiterin, übernahm 2009 die Leitung des ÖAI und 2010 schließlich - mit Zustimmung der Türkei - die Grabungsleitung in Ephesos.

Und dort gelang ihr in der Grabungskampagne 2011 ihr schönster Fund, wie sie selbst sagt: Völlig unerwartet stieß sie 2011 auf dem Areal des Domitianstempels im Zentrum von Ephesos auf ein spätantikes Mosaik. "Erst beim Freiputzen sind dann die figürlichen Darstellungen wie Fische und Fabelwesen aufgetaucht - da schlägt das Herz einfach höher", so Ladstätter.

Hintergrund

Die Auszeichnung "Wissenschafter des Jahres" haben bisher u.a. der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal (2010), der Innsbrucker Experimentalphysiker Rudolf Grimm (2009), die Allergieforscherin Fatima Ferreira (2008), der inzwischen verstorbene Literaturwissenschafter Wendelin Schmidt-Dengler (2007), der Philosoph Konrad Paul Liessmann (2006), die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb (2005), der Mathematiker Rudolf Taschner (2004) und der Immunologe Josef Penninger (2003) erhalten. (APA)


derstandard.at/1325485908386/Auszeichnun...erin-des-Jahres-2011
Es bedanken sich: Teeküchenfee

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
09 Jan 2012 13:16 #2 von Muse

Wissenschaftlerin des Jahres
Eine Archäologin mit Millionen "Studenten"

Sabine Ladstätter wollte schon als Kind Archäologin werden. Seit zwei Jahren ist sie Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts und leitet die Grabungen in Ephesos. Nicht zuletzt weil alljährlich zwei Millionen Touristen in die antike Stadt pilgern und ihr historisches Wissen bereichern, ist sie Österreichs Wissenschaftlerin des Jahres 2011.

Kategorie: Wissenschaftlerin des Jahres Erstellt am 09.01.2012.

Der Titel wurde der 43-jährigen Kärntnerin am Montagvormittag vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten in Wien verliehen. Mit dem Preis wird das Bemühen von Forschern und Forscherinnen gewürdigt, ihre Arbeit einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen.

Ladstätter gelingt das u. a. damit, dass sie den Reiseführern von Ephesos zweimal im Jahr den aktuellen Stand der Forschung vorträgt, wie sie im Interview erzählt.

science.ORF.at: Sie haben einmal gesagt, dass Sie schon in der Volksschule wussten, was Sie später einmal werden wollen. Stimmt das?

Sabine Ladstätter: Ja. Als ich sieben oder acht Jahre alt war, haben wir mit unserer Klasse die Grabungen auf dem Magdalensberg besucht. Ich wusste damals noch nicht, wie die Leute heißen, die da graben, also habe ich meine Lehrerin danach gefragt. Sie antwortete: "Archäologen", und das wollte ich dann werden.

Was hat Sie als Kind so fasziniert?

Dass sich unter der Erde etwas verbirgt. Ich hatte diese kindliche Neugier, nach etwas zu suchen. In dem Dorf Lassein, in dem ich aufgewachsen bin, habe ich mit meinen Cousins dann auch gleich im Garten gegraben.

Etwas gefunden?

Nein, leider nichts außer Kartoffeln (lacht).

Den Preis als Wissenschaftlerin des Jahres bekommen Sie in erster Linie für die Vermittlung von Wissenschaft. Die Archäologen haben es da im Vergleich zu anderen Disziplinen eher leicht.

Das stimmt. Wir produzieren Bilder und argumentieren auch mit ihnen. In unserer stark visuell geprägten Zeit ist das einfacher als mit Texten. Andererseits ist das in der Archäologie immer so gewesen, und der expliziten Frage nach Wissensvermittlung hat man sich erst seit wenigen Jahren gewidmet. Ich denke: Wir werden von der öffentlichen Hand bezahlt, deshalb ist es richtig und wichtig, unsere Forschungsergebnisse auch einer größeren Öffentlichkeit zu vermitteln.

Was machen Sie da konkret?

Neben aktiver Medienarbeit auch sehr viele populärwissenschaftliche Vorträge: in Österreich und in der Türkei, auf Deutsch, Englisch und Türkisch. 2011 waren es 30 derartige Vorträge, u. a. auch zwei vor Reiseleitern in Ephesos. Jedes Jahr kommen zwei Millionen Touristen, um sich die Ausgrabungen anzusehen. Wir hören natürlich, was die Reiseleiter erzählen. Ihnen fehlt meistens der Wissensstand der letzten Jahre, weil zwischen Entdeckung und Publikation von Ausgrabungen immer Zeit vergeht. Das ist schade, weil meines Erachtens auch die Touristen wissen sollten, was der aktuelle Stand ist. Deshalb halte ich die Vorträge für die Ephesos-Führer ab. Es kommen Hunderte von ihnen und sie geben dann das Wissen an die Touristen weiter.

Sie sind seit 2009 Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts, das von Franz Joseph gegründet wurde. Wie ist es, Leiterin einer Institution zu sein, die seit über 100 Jahren mehr oder minder das Gleiche macht?

Das Schwierige ist, diese Tradition einerseits wertzuschätzen, weil es ohne sie z. B. Archive nicht geben würde, die wirklich einzigartig sind, und andererseits ein modernes Unternehmen daraus zu machen. Sinnvolle Traditionen sollen fortgesetzt werden, wenn sie aber nur der Tradition wegen existieren, muss man auch mit ihnen brechen und Innovationen einführen, etwa was die Digitalisierung unserer Ergebnisse betrifft oder die Evaluation ganzer Forschungsfelder.

Wo hat es z. B. solche Brüche gegeben?

Etwa in Carnuntum, wo das Österreichische Archäologische Institut immer beteiligt war, das Projekt aber in den letzten Jahren vom Land Niederösterreich übernommen wurde und blendend geführt wird. Oder in Ephesos, wo wir die Grabungen umstrukturiert haben. Früher hat man an einzelnen Stellen geforscht: Einige Forscher gruben an dieser Stelle, andere an jener. Ich habe das aufgelöst und übergreifende Fragestellungen als Dach über die Grabung gestellt, z. B. "Kult und Herrschaft". Dem widmen sich heute mehrere Kollegen mit unterschiedlichen Ansätzen. Ich persönlich arbeite am Kaiserkulttempel, eine Kollegin am Artemision usw.

Das Wissen um Ephesos wird laufend erweitert. Was ist der Letztstand, speziell was das Ende der antiken Stadt betrifft?

In Ephesos war die Forschung stark auf die klassische griechisch-römische Antike konzentriert, was mit dem Monumentenbestand zu erklären ist, der hauptsächlich aus dieser Zeit stammt. Ich wollte aber speziell die Spätzeit nach der großen Blüte im fünften und sechsten Jahrhundert untersuchen, habe deshalb gezielte Grabungen gemacht und Quellen ausgewertet.

Wir wissen heute, dass die Stadt im Gegensatz zu früheren Ansichten nicht im siebenten Jahrhundert abgesiedelt wurde, sondern bis ins 14. Jahrhundert besiedelt blieb, wenn auch viel geringer und auf andere Weise. Die Stadt wurde verländlicht, es gab plötzlich Häuser mit großen Gärten und Weiden. Die Gesellschaftsstruktur der griechischsprachigen Byzantiner mit christlichem Glauben hat sich stark gewandelt.

Nur zwei Kilometer von Ephesos entfernt entwickelte sich ab dem zehnten Jahrhundert die türkische Stadt Ayasoluk mit einer großen Blüte im 14. Jahrhundert. Diese beiden Ansiedlungen, die eine christlich, die andere muslimisch, verbindet eine starke handelstechnische Anbindung: Viele Straßen mündeten hier aus dem Hinterland, dazu kam der Hafen, mit dem man die Waren verschiffen konnte. Der Handel blieb bis in die frühe Neuzeit die zentrale Lebensader der beiden Städte.

Wie kam es dann zum Ende?

Ab dem 14. Jahrhundert wurde Ephesos abgesiedelt, vermutlich wegen der Malaria, die das Sumpfgebiet immer unbewohnbarer gemacht hat. Die Einwohner zogen sich in die Berge zurück. Auch die Türken verließen Ayasoluk im 17. Jahrhundert wegen der immer unwirtlicher werdenden Umgebung. Als Österreich dort 1895 zu graben begonnen hat, war der Ort praktisch abgesiedelt. Die gesamte Infrastruktur der Region resultiert aus dem Grabungsunternehmen Ephesos und dem sich daraus entwickelnden Tourismus.

Warum führt die Türkei heute die Ausgrabungen nicht selber durch?

Zum einen sind das historisch gewachsene Strukturen. Als die Archäologie in Mitteleuropa als Wissenschaft entwickelt wurde, war sie das im Osmanischen Reich noch nicht. Die Situation hat sich stark geändert, die Türkei hat heute ein gutes Universitäts- und Ausbildungssystem und dementsprechend auch eine entwickelte archäologische Wissenschaft. Wir versuchen jetzt in Form von Kooperationen die Grabungsprojekte weiterlaufen zu lassen. Ephesos ist eine österreichische Lizenz, aber ein hoch internationales Unternehmen. Der Hauptanteil der Mitarbeiter stammt aus Österreich, Deutschland, der Türkei und Italien, dazu kommen aber noch 17 weitere Nationen. Die Türkei ist so reich an Funden und an Fundplätzen, dass Türken und Ausländer hier sehr gut miteinander arbeiten können.

Und das wird so bleiben?

Ich denke schon.

Bei Ihrer Bestellung zur Grabungsleiterin in Ephesos vor zwei Jahren ist es zu Unstimmigkeiten gekommen. Das hatte mit Ihrem Vater zu tun, der bis heute Obmann des Kärntner Abwehrbundes ist und dem von der türkischen Seite "antitürkische Einstellungen" vorgeworfen wurden. Ist das korrekt?

Ja, das stimmt.

Sie sollen sich mit ihm über seine Ansichten gestritten haben. Worum ging es da konkret?

In unserer Familie wurde sehr viel diskutiert, wobei ich keine antitürkischen Aussagen von ihm kenne. Sehr wohl aber haben wir viel über die Slowenenfrage in Kärnten gesprochen. Er kennt meinen Standpunkt und ich seinen, aber das sind Diskussionen, die wir vor 20 Jahren geführt haben. Wir sind draufgekommen, dass wir da keinen gemeinsamen Nenner finden und dennoch ein zufriedenes Familienleben führen können.

Wie ist da Ihr Standpunkt?

Nur so viel: Ich habe mich im Sommer 2011 sehr gefreut, als es endlich eine Lösung für die Ortstafelfrage in Kärnten gegeben hat. Ich habe die slowenische Minderheit immer als ganz große Bereicherung empfunden und auch sehr viele slowenische Freunde. Und ich habe über den Hemmaberg bei Globasnitz dissertiert, wo ich auch einige Zeit gewohnt habe.

Apropos Zweisprachigkeit: Sie haben eine heute siebenjährige Tochter, die auch Türkisch spricht ...

Sie ist in Ephesos aufgewachsen, Türkisch ist nicht nur ihre Sprache, sondern auch Teil ihrer Kultur und Identität. Mein Lebensgefährte und ich legen großen Wert darauf, dass sie sich diesen Schatz der Zweisprachigkeit erhält. In Wien hat sie deshalb ein sehr nettes türkisches Kindermädchen, das auf sie aufpasst. Ich selbst spreche nicht so gut Türkisch, aber wenn türkische Freunde kommen, sagen sie, dass unsere Tochter das sogar akzentfrei tut.

Interview: Lukas Wieselberg, science.ORF.at


science.orf.at/stories/1692789/
Es bedanken sich: Karl, Teeküchenfee

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Jahelle
  • Jahelles Avatar
  • Offline
  • Platinum Boarder
  • Für die Königin! Für Rondra!
Mehr
09 Jan 2012 14:13 - 09 Jan 2012 14:39 #3 von Jahelle

Where is the horse and the rider? Where is the horn that was blowing?
They have passed like rain on the mountain, like wind in the meadow.
The days have gone down in the West behind the hills into shadow.
How did it come to this?
Letzte Änderung: 09 Jan 2012 14:39 von Jahelle. Begründung: änderungs des links
Es bedanken sich: Carolus

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
09 Jan 2012 14:25 #4 von Muse

Sabine Ladstätter ist Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts und Grabungsleiterin in Ephesos.

Auszeichnung seit 1994

Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten Österreichs vergibt seit 1994 jährlich den Titel des Wissenschaftlers bzw. der Wissenschaftlerin des Jahres. Er zeichnet damit nicht die wissenschaftliche Qualität der Preisträger aus, sondern ihre Fähigkeit, ihre Arbeit einer breiten Öffentlichkeit verständlich vermitteln zu können.


science.orf.at/stories/1692789/

Dieser Beitrag enthält einen Bildanhang.
Bitte anmelden (oder registrieren) um ihn zu sehen.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Karl
  • Karls Avatar
  • Offline
  • Platinum Boarder
  • Ich will kein "Gold Boarder" sein!
Mehr
09 Jan 2012 19:27 #5 von Karl
Gratulation!


Ich darf einen weiteren Link hinzufügen, nämlich studi.kurier.at/news/2358-archaeologin-w...terin-des-jahres.php


Übrigens - sehr erfreulich die allermeisten Leserreaktionen im Standard-Forum.

Dem IÖAF beitreten!

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Jahelle
  • Jahelles Avatar
  • Offline
  • Platinum Boarder
  • Für die Königin! Für Rondra!
Mehr
13 Jan 2012 12:27 #6 von Jahelle
ein interview aus der heutigen "kleinen zeitung": www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/...pser-gibt-mmer.story

Where is the horse and the rider? Where is the horn that was blowing?
They have passed like rain on the mountain, like wind in the meadow.
The days have gone down in the West behind the hills into shadow.
How did it come to this?
Es bedanken sich: Teeküchenfee

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
17 Jan 2012 19:10 #7 von Teeküchenfee

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Karl
  • Karls Avatar
  • Offline
  • Platinum Boarder
  • Ich will kein "Gold Boarder" sein!
Mehr
30 Jan 2012 22:15 #8 von Karl
www.falter.at/web/print/detail.php?id=1548&sub_id=928

Nein, mit Harrison Ford, der um die Welt fliegt, verborgene Schätze ausgräbt und nebenbei die Welt rettet, habe ihr Fach nichts gemein. Das stellte Sabine Ladstätter gleich in ihren Dankesworten klar.



Und was da sonst noch zur Sprache kam, kann man a.a.O. nachlesen.
Va bene? B)

Dem IÖAF beitreten!

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Karl
  • Karls Avatar
  • Offline
  • Platinum Boarder
  • Ich will kein "Gold Boarder" sein!
Mehr
02 Feb 2012 17:40 #9 von Karl
Ein Programmhinweis:

KULTUR
VERSUNKENE GESCHICHTE
Zu Gast bei Oliver Baier ist Sabine Ladstätter, Archäologin und Direktorin
des Österreichischen Archäologischen Instituts und Wissenschafterin des
Jahres 2011.
CAFE SONNTAG, Sonntag, 5. Februar 2012, 9:05 Uhr.
Lesen Sie mehr:
oe1.orf.at/programm/294785

Dem IÖAF beitreten!

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
21 Mär 2015 17:54 #10 von Aristoteles
Artemis, der Behüterin der Frauen, auf der Spur
Gregor Auenhammer
9. März 2015, 13:50

Als erste Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts eroberte die Archäologin Sabine Ladstätter, 2011 Wissenschafterin des Jahres, eine der letzten Männerdomänen. Ein Porträt zum Weltfrauentag.

"Menschen wollen ihre Wurzeln kennen: Sie brauchen dieses Wissen, um ihre Identität überhaupt erst ausbilden zu können", begründet Sabine Ladstätter die gesellschaftliche Relevanz ihres Berufs, der Archäologie. Seit 2010 ist die Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts, des ÖAI, die Kärntnerin Sabine Ladstätter, für die Grabungsleitung verantwortlich.

Die antike Metropole Ephesos ist mit Sicherheit die österreichischste aller Ausgrabungsstätten weltweit: Seit bald 120 Jahren ist das Österreichische Archäologische Institut in Ionien tätig. Die intensive Forschung hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Heimatstadt des Artemis-Tempels - eines der sieben Weltwunder der Antike - eines der meistbesuchten Tourismusziele in der Türkei ist. Jährlich besuchen zwei Millionen Menschen diese Ausgrabungsstätte. Zahlreiche wiedererrichtete Gebäude lassen die Atmosphäre einer griechisch-römischen Großstadt erlebbar werden wie an kaum einem anderen Ort, sei es an der hochaufragenden Fassade der Celsus-Bibliothek, in den reich verzierten Hanghäusern der Oberschicht oder im Amphitheater.

Raus aus dem Elfenbeinturm

Ladstätter, die 2011 nicht umsonst die Auszeichnung "Wissenschafterin des Jahres" erhalten hat - eine Würdigung, die an Forscher verliehen wird, die sich um die leicht verständliche Vermittlung ihrer wissenschaftlichen Arbeit verdient gemacht haben -, ist es ein Anliegen, Archäologie den Menschen klar und detailliert, vor allem verständlich nahezubringen. Ihrem Ethos und Selbstverständnis nach ist das Kennen der Vergangenheit die Basis des Heute und der Schlüssel für die Zukunft des Menschen. Ihre Schilderungen sind von der Begeisterung für ihren Beruf getragen, detailliert beschreibt sie Lebensumstände und den Alltag der Menschen in der Antike und spannt den Bogen von Krisen der Vergangenheit zu solchen unserer Zeit. Strukturiert und geordnet nach verschiedenen Themenbereichen von Natur und Umwelt bis zu Religion und Tod. Ladstätter richtet sich in ihren Ausführungen immer an interessierte Laien. Die Forscherin erklärt, warum archäologische Datierungsmethoden oft Labortechniken wie der Radiokarbonmethode überlegen sind und warum die Ephesier sich durch selbst herbeigeführte Umweltzerstörung ihrer wirtschaftlichen Grundlage durch die Versandung ihres Hafens beraubten.

Die 1968 in Klagenfurt Geborene absolvierte von 1986 bis 1992 ein Diplomstudium der Klassischen Archäologie und der Alten Geschichte und Altertumskunde an der Universität Graz. 1992 erlangte sie ihr Diplom mit der Arbeit Die griechische Münzsammlung des Instituts für Alte Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz und übernahm von 1992 bis 1998 die örtliche Grabungsleitung der Universität Wien auf dem Hemmaberg. Ihr Doktoratsstudium absolvierte Ladstätter von 1993 bis 1997 in Wien mit Studienaufenthalten in Athen und Ljubljana. Zusätzlich belegte sie ein Studium der Ur- und Frühgeschichte.

Der Weg an die Spitze

1993 leitete Ladstätter eine Notgrabung in Feldkirchen. Von 1995 bis 1997 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ephesos-Projekts und bearbeitete die Keramikfunde. 1997 promovierte sie mit der Arbeit Von Mediterraneum zur Provincia Slaborum. Seit 1996 nahm sie jährlich an den Grabungen in Ephesos teil, 1996 bis 2002 sowie 2004 leitete sie auch die archäologische Grabung.

Von 1997 bis 2007 war Ladstätter wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstelle Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, des Instituts für Kulturgeschichte der Antike der ÖAW, und bearbeitete die spätantiken Funde aus dem Legionslager von Carnuntum.

Von 2001 bis 2007 war Ladstätter stellvertretende geschäftsführende Direktorin des Instituts für Kulturgeschichte der Antike. Seit 2007 war sie zudem als wissenschaftliche Angestellte des ÖAI zunächst stellvertretende Leiterin und seit April 2010 alleinverantwortliche Leiterin der Grabungsstätte in Ephesos. 2009 wurde Ladstätter zur neuen Direktorin des 1898 gegründeten Österreichischen Archäologischen Instituts ernannt. Erstmals übernahm eine Frau das Ruder jener Institution.

Ausgehend von der tagtäglichen Erkundung archaischer Lebensformen und der Erforschung antiker Gesellschaftsstrukturen mündet Ladstätters Arbeit naturgemäß auch in der Auseinandersetzung mit aktuellen patriarchalischen Strukturen an den Ausgrabungsstätten sowie dem Aufbrechen tradierter Positionen im universitären und im global vernetzten wissenschaftlichen Sektor. Unaufgeregt, sachlich, unbeirrbar, strebsam und kritisch.

Blicke auf ihre Position in einer männlich dominierten Branche und die Herausforderungen, denen sich die Feldarchäologie im Kommunikationszeitalter gegenübersieht, kommen dabei nicht zu kurz. Zu ihrem Bedauern wird die Öffentlichkeitsarbeit in der Wissenschaft oft noch mit Argwohn betrachtet. "Der Weg aus dem Elfenbeinturm", meint Ladstätter, "lohnt sich auch für die Wissenschafter." In diesem Turm sitzt sie nicht fest, sondern versucht vielmehr mit Vorträgen in Schulen und Führungen aktuelle Forschungsergebnisse weiterzugeben. In puncto Öffentlichkeitsarbeit, wissend um Wert und Wertschätzung des an der Antike, an den Wurzeln der Geschichte interessierten, ins Boot geholten Publikums, geht sie neue Wege.

Publizistische Arbeiten

Zusammen mit Maître Lois Lammerhuber hat sie jüngst zwei opulente Bildbände publiziert, die die Faszination zwischen Wissenschaft und Kunst, zwischen Pragmatismus und Forschung, zwischen Fotografie und Forensik perfekt zu einem regelrechten puristischen Augenschmaus vereinen.

Detailverliebte Fotografien von Wandmalereien und Mosaiken lassen die einstige Pracht der Villengebäude erahnen. Begleittexte erzählen die Geschichte der Stadt, von Bewohnern, vom Untergang und Wiedererwachen. Die breite Öffentlichkeit ist auch fernab von epochal-martialischen TV-Spektakeln wie Spartacus und Troja interessiert an der Antike, an Mythen, Epen, Dramen, an den kulturhistorischen, philosophischen, ethischen und gesellschaftlichen und politischen Wurzeln unseres Daseins. Passend der Titel: Der Reiz der Zerstörung. Derart betrachtet können Aufstieg und Zerfall der antiken Hochkultur als mahnendes Pendant zu unserer zunehmend aus den Fugen geratenden Welt interpretiert werden. (DER STANDARD, 07./08.2015)

derstandard.at/2000012573176

Meum est propositum in taberna mori

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Powered by Forum