Elgin Marbles & Co. - Rückgabe von Kulturgütern?

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21 Nov 2011 11:39 #1 von archaeologieforum.at
Elgin Marbles & Co. - Rückgabe von Kulturgütern? wurde erstellt von archaeologieforum.at
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Geschrieben von: jer Wednesday, 30.04.2003, 16:36
Streit um Sphinx: UNESCO vermittelt in Berlin

Die UNESCO nimmt sich des Konflikts um die Bogazköy Sphinx im Berliner Vorderasiatischen Museum an. Die Bruchstücke der Statue wurden Anfang des 20. Jahrhunderts bei deutschen Ausgrabungen im türkischen Ort Bogasköy entdeckt und nach Berlin gebracht. Dort wurden sie wieder zusammengesetzt und seit 1930 ist die Sphinx im Pergamonmuseum zu sehen. Die Türkei fordert die Rückgabe der Statue. Verhandlungen im letzten Jahr sind gescheitert, die türkische und die deutsche Seite tauschten lediglich ihre unterschiedlichen Rechtsauffassungen aus und gingen ohne Einigung auseinander.

Das Komitee der UNESCO zur Förderung der Rückkehr von kulturellem Besitz in die Ursprungsländer versucht nun vom 25. bis 28. März zwischen den beiden Positionen zu vermitteln. Ein weiteres Thema der UNESCO-Tagung ist unter anderem die Rückgabe der Marmor-Friese und -Statuen des Athener Parthenon-Tempels an Griechenland. Sie befinden sich seit über 150 Jahren im British Museum in London. Das UNESCO-Gremium hat allerdings keine rechtliche Macht, Entscheidungen zu treffen und kann lediglich vermitteln.

Quelle: ART/Anke Dörrzapf



Geschrieben von: lector Wednesday, 30.04.2003, 16:54
Lieber jer, ich habe diesen Beitrag von dir aus den Art-News der Kunstgeschichte herausgenommen, weil er ein gewichtiges Thema mit beträchtlicher Sprengkraft in sich birgt und als eigenes Thema geführt werden soll. Ich denke, das ist in deinem Sinne.

Ich bin überzeugt, damit setzen wir auch hier eine Diskussion in Gang und bin gespannt auf die Meinungen.
Ich persönlich glaube ja nicht so recht an die Verwirklichung solcher Absichten, zumindest, was die "großen" Kunstwerke wie die Parthenonstücke im British Museum ü.Ä. betrifft.
Oder glaubt jemand, dass die berühmten "Marbles" ihre Heimat je wiedersehn werden?

Geschrieben von: RAY Wednesday, 30.04.2003, 17:22
QUOTE
Oder glaubt jemand, dass die berühmten "Marbles" ihre Heimat je wiedersehn werden?


Glaube ich eigentlich nicht. Die Frage muß aber auch sein: Sollten Sie das überhaupt? Ohne jetzt auf die Details der Elgin Marbles und wie sie ins British Museum kamen einzugehen, ist natürlich die Frage, inwieweit ein Kulturgut, daß seit 150 Jahren im British Museum liegt, noch als in erster Linie "griechisches" Kulturerbe gesehen werden kann, und nicht inzwischen viel mehr "britisches" als "griechisches" Kulturerbe ist, meiner Meinung nach die zentrale Frage.
Das hat viel mit generellen Resitutionsfragen und umgekehrt der "Verjährung" von Straftaten bzw. im juristischen Sinn der "Ersitzung" von auch illegal erworbenen Gütern zu tun.
Wollen wir jeglichen Eigentumsanspruch auf alles, was nicht nachweislich neu erzeugt und in Erstbesitz vom nachweislichen Erzeuger selbst legal erworben wurde, stets als von fraglichem Eigentum behandeln? Mein Laptop, auf dem ich jetzt tippe, könnte gestohlen worden sein, ehe er mir verkauft wurde (obwohl ich ihn bei einem registrierten Elektrofachhändler erworben habe). Soll also jetzt jemand daher kommen können, und mir einfach meinen Laptop wieder wegnehmen dürfen (ohne daß ich dafür irgendwie kompensiert würde, also ich das volle Verlustrisiko für frühere Eigentumsdelikte an dem guten Stück tragen)?
Bis wann muß ich zurückgehen und die rechtmäßige Titelübertragung nachweisen können, daß ich wirklich, wirklich sicher sein kann, daß ich nicht irgendwen für irgendwas kompensieren muß, was mein UrhochXGroßvater illegal erworben hat? Darf ich von Italien als geographischer Nachfolger des Imperium Romanum Restitution fordern, weil mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit irgendeiner meiner Römlings-Vorfahren irgendeinen meiner Keltix-Vorfahren illegal von seinem Besitz befreit hat? Oder hat das Imperium Romanum keinen Rechtsnachfolger mehr? Darf ich mich dann an die Franzosen wenden, wegen der Untaten Napoleons gegen meine Vorfahren in der Umgebung von Asparn, die sicher ein Jahr Ernteausfall hatten, weil auf ihren Feldern geschlachtet statt geerntet wurde?
Deto stellt sich die Frage mit den Elgin Marbles - wann wird etwas, was die Briten vor 150 Jahren geraubt haben, britisch? Oder wird nix von den Briten geraubtes jemals britisch? Wenn ja, wann fordern amerikanische Ureinwohner Resitution von der englischen Krone für illegale Kolonisierung? Wann verlangen die Spanier die Resitution der von englischen Piraten mit Kaperbrief der Krone geraubten mittelamerikanischen Edelmetalllieferungen, die sie natürlich umgehend an Mexiko, Panama und so weiter rückztuerstatten hätten, mitsamt der Montezumakrone im Völkerkundemuseum in Wien, die sicher nie Montezuma gehört hat?

Und es stellt sich natürlich auch die Frage, sind die Elgin-Marbles tatsächlich griechisch? Vielleicht gründen die modernen Griechen ihre nationale Identität auf die athenische Demokratie, aber die heutigen Griechen haben die Elgin-Marbles ebensowenig gemacht wie die heutigen Briten, wodurch begründen also die Griechen ihren Anspruch auf die Elgin-Marbles, außer daß sie "ursprünglich" einmal in der Gegend, die heute Griechenland ist, waren? Das damals übrigens türkisch war, wobei die ganze Türkei einmal griechisch war, etc. etc. etc. ad infinitum. Hat die kleine Buddhastatue, die auf einer wikingischen Siedlung in Schweden gefunden wurde, nach Indien zurückerstattet zu werden, weil die Statue ursprünglich indisch war und die bösen Wikinger sie eh sicher geklaut haben oder von wem gekauft, der sie geklaut hat? Muß ich meine Laptop-Bauteile, wenn ich mir einen neuen Laptop kauf, in ihre Ursprungsländer zurückerstatten, weil sie ja ursprünglich aus Taiwan sind und dort ein wesentliches industrielles Kulturerbe?

Es ist sehr leicht, hier ein scheinbar moralisches Argument für die Rückerstattung zu führen, aber dazu muß man halt eine ganze Reihe an Aspekten beiseite lassen, die die ganze Sache ganz grauslich verkomplizieren. Und man muß vergessen, daß man im Grunde genommen historizistisch (im Popper'schen Sinn) argumentiert, wenn man behauptet, der "ursprüngliche" Besitzer sei durch historische Präzendenz moralisch berechtigter, Eigentum an etwas zu haben, das schon lange nicht mehr in seinem Besitz ist. Damit wurden und werden dauernd irgendwelche Kriege gerechtfertigt, und was das Resultat davon ist, brauch ich nicht besonders erwähnen.

Also, so schön es klingt zu sagen "gebt alles jemals gestohlene zurück", so problematisch ist es auch.

Liebe Grüße,

RAY

Geschrieben von: lector Wednesday, 30.04.2003, 22:35
RAY, das alles sehe ich in etwa auch genau so. Aus meiner kurzen Anmerkung zu jers Beitrag ist freilich nicht hervorgegangen, wie ich selbst zur Sache stehe, das war schon Absicht, und so habe ich es zunächst beim Vermerk meines Unglaubens an die Verwirklichung solcher Ansinnen belassen .

Eine andere Frage ist die, warum ich denn das Thema in das Forum "Kulturgüterschutz" gegeben habe, und ob es da überhaupt hingehört. Ja und nein, könnte man vielleicht antworten.
Ja deshalb, weil viele der fraglichen Werke ohne ihre Verbringung an "sichere" Stätten heute möglicherweise nicht mehr vorhanden wären. Damit will ich einem Lord Elgin natürlich nicht wesenhaft das Betreiben eines solchen Schutzes zu Gute halten, das nicht
Und nein deshalb, weil zumindest zur Zeit im Hinblick auf die betroffenen Stücke kein Handlungsbedarf, diese zu schützen, besteht.

Eigentlich wollte ich das Thema zu den disputationes tun, und da gehört es unserer derzeit bestehenden Struktur nach auch hin.

Ich will aber nicht nur meine bzw. unsere einmütige Ansicht zur Schau stellen.
So sinniere ich gerade, wie einzelne ÖsterreicherInnen wohl über die Angelegenheit denken würden, hätten vor vielen Jahren Amerikaner, Japaner oder was weiß ich wer in unseren Breiten gegraben, und die schönsten Funde befänden sich heute in Boston, Tokyo oder sonstwo, nur nicht in Wien oder Klagenfurt.
Aber ich denke gleichzeitig an die kahlen Wände des KHM, würden mit einem Schlag alle Gemälde an den Ursprung ihrer Entstehung zurückwandern; oder an das Völkerkunde-Museum; das Ephesos-Museum; und und und ...
Also nein, lieber nicht


Geschrieben von: RAY Thursday, 1.05.2003, 10:28
Hi,

weil dieses Thema ja mitten in das Gebiet meiner momentanen Jobbeschreibung hier in Wales (Heritage) reingehört, und es mich ohnehin interessiert, und ich gestern meinen Kommentar kurzfristig beenden mußte, weil ich zu einem Vortrag mußte, setze ich jetzt noch mit ein paar weiteren Gedanken dazu fort.

Der Vollständigkeit halber muß nämlich im Zusammenhang mit meiner gestrigen Schreibe klar gesagt werden, daß der wesentliche Unterschied zwischen vor hundert Jahren geschehenem Raub von Kulturgut und gerade im Moment passierenden Raub von Kulturgut der ist, daß aus vergangenen illegalen Akten inzwischen andere Ansprüche (wie eben z.B. jene der britischen Öffentlichkeit, in "ihrem" British Museum Stücke zu haben, die für die britische Kunst- und Kulturgeschichte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts von enormer Bedeutung sind?) und Konsequenzen ergeben haben können (wer z.B. zahlt dem British Museum die Unmengen an Geld zurück, die in über 100 Jahre Erhaltung der Elgin Marbles geflossen sind?), die eine "Restitution" nicht mehr einfach möglich machen. Wird hingegen heute ein Kulturgut gestohlen und illegal exportiert, dann kann man es relativ leicht restituieren, weil sich solche Ansprüche und Konsequenzen gewöhnlich noch nicht ergeben haben, und die einzigen, die potentiell geschädigt werden, jene reichen Kunstsammler sind, die sich beim Erwerb von Kulturgütern nicht entsprechend versichern, daß diese eben nicht über den illegalen Kunstmarkt gehandelt wurden - und da als bekannt vorauszusetzen ist, daß es einen solchen illegalen Kunstmarkt gibt (insbesondere unter reichen Sammlern ist dies als bekannt vorauszusetzen, weil auf selbigem Markt werden ja auch massenweise Fälschungen gehandelt, gegen die sich diese reichen Sammler ja sehr wohl zu schützen versuchen, was Wissen über die Existenz des Phänomens voraussetzt), ist dies ein Risiko, das der Käufer selbst trägt (das ist so wie wenn ich meinen Laptop supergünstig unter der Hand in einem dubiosen Second-Hand-Laden kaufe, und nicht bei einem ordentlichen Elektrofachhändler - wenn ich da einfahr, weil der Computer gestohlen ist, ist das auch mein Risiko, weil ich mir vielleicht hätte denken können, daß ein originalverpackter, nagelneuer Spitzenklasse-Laptop nicht in einem Second-Hand-Shop supergünstig zu haben sein kann, wenn er nicht geklaut ist).
Die Konsequenz ist meiner Meinung nach, daß gegen aktuellen illegalen Kulturgüterhandel streng vorgegangen werden sollte (siehe aktuelles Irak-Beispiel, da ist möglichst hartes Durchgreifen nötig), während Restitution nur innerhalb eines gewissen zeitlichen Rahmens sinnvoll ist.
Das Problem wäre übrigens relativ leicht und eindeutig durch die Einführung internationaler Ersitzungsfristen zu lösen. Es kennt ohnehin fast jedes Rechtssystem dieser Welt das Prinzip der Ersitzung (einfach weil konkrete Eigentumsrechte irgendwann sicher sein müssen, um dauernde Rechtsunsicherheit bei Eigentumsfragen zu vermeiden), wenn man sich also hier auf eine allgemeine Frist einigen könnte, könnte man hier eine Menge sinnloser Debatten einsparen. Was weiß ich, es können, wie im österreichischen Recht 30 Jahre sein, oder von mir aus 50, oder auch nur 10, das tut im Endeffekt nix zur Sache. Nach Ablauf dieser Frist geht ein Kulturgut, das von einer juristischen Person, die in gutem Glauben, rechtmäßig zu handeln, ein Kulturgut ersterworben hat, zweifelsfrei in deren Eigentum (bzw. ins Eigentum allfälliger Folgeeigentümer, wenn es innerhalb der Frist legal weiterverkauft wurde) über und kann nicht zurückgefordert werden. Wird vor Ablauf dieser Frist festgestellt, daß es sich dabei um Diebsgut handelt, ist es an den ursprünglichen rechtmäßigen Eigentümer zurückzuerstatten.

Für uns als Professionisten in der Kulturerbeindustrie - und solche sind wir als ArchäologInnen - sind aber meiner Meinung nach zwei miteinander verknüpfte, mit diesem Resitutionsfragenkomplex in Zusammenhang stehende Fragen von wesentlich größerer Bedeutung als die Frage, wo jetzt ein Kulturgut liegt oder nicht (zumindest solange das in Frage stehende Stück irgendwie der Forschung zugänglich ist, also nicht heimlich in einer Privatsammlung verschwunden ist). Diese beiden sind einerseits die Frage danach, weshalb das "Original" so bedeutend ist (dies ist insbesondere relevant, als moderne Technik es erlaubt, optisch nicht vom Original unterscheidbare Kopien herzustellen, im konkreten Fall der Elgin Marbles würde das erlauben, entweder in Athen Kopien der Originale aufzustellen, oder aber im British Museum Kopien aufzustellen, was beiden beteiligten Seiten "ihre" Elgin Marbles geben würde), und andererseits, warum wir (bzw. Leute, die die von uns als ArchäologInnen "erzeugten" Kulturgüter in ihrer Identitätsbildung benutzen) immer wieder mit historischer Präzedenz argumentieren (also, wieder auf die Elgin Marbles bezogen, weshalb sollten wir überhaupt das Risiko eingehen, diese nach Griechenland zurückzutransportieren - mit aller Gefahr der Beschädigung oder gar des Verlusts während des Transports - bloß weil diese "urspünglich" aus Griechenland stammen?).
Um es bitterböse zu formulieren, ist es nicht im Endeffekt eine extrem nationalistische (im schlechtesten Sinn) Argumentation, zu sagen, daß ein "Original"stück auf alle Zeiten im Eigentum jener (gerade aktuell anerkannten) Nation verbleibt, die ihre nationale Identität auf diesem bestimmten "Originalstück" aufbaut und eine wie auch immer argumentierte historische oder geographische Kontingenz zwischen den "ursprünglichen" Eigentümern eines Stücks Kulturerbe und sich selbst behauptet? Und fördern wir, als Professionisten in der Kulturerbeforschung, nicht ständig solche nationalistischen Gedanken, indem wir fordern, daß "Originalstücke" möglichst dort verbleiben sollten, wo sie zuerst erzeugt/gefunden (je nachdem, was grade paßt) wurden, anstatt einfach wie auch jeder andere (Wert)Gegenstand dem Handel am freien (Welt)Markt zugänglich gemacht zu werden?

Ebenfalls damit in Zusammenhang steht die Frage der rückwirkenden Anwednung moderner Rechts- bzw. "Gerechtigkeits"vorstellungen - helfen wir, die wir als Geschichtsforscher über sich in der zeitlichen Perspektive ändernde Vorstellungen von Recht und Unrecht und Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit eigenlich am besten von allen Bescheid wissen sollten, durch Forderungen, moderne Vorstellungen über Recht und Gerechtigkeit auch auf vergangene Ereignisse anzuwenden, nicht jenen, die Recht und Gerechtigkeit als unveränderlich darstellen wollen, und spielen wir nicht gleichzeitig damit all jenen in die Hände, die "unsere Kultur" (was auch immer das genau sein mag) und die in unserer Kultur politisch korrekten Vorstellungen von "Moral" als die Krone aller möglichen Kulturen und Moralvorstellungen darstellen, deren alle andersartigen Kulturen und Moralvorstellungen inherent alleine dadurch daß sie anders sind zwangsweise unterlegen sein müssen, also jenen, die im Grunde genommen einen "modernen Übermenschen" (= den "westlichen" Menschen) mit seinen überlegenen Eigenschaften (höheres technisches Niveau, höheres "zivilisatorisches" Niveau, höhere Wirtschaftskraft und natürlich höhere Moralität) propagieren und damit eine im Grunde genommen faschistisch-rassistisches Kulturvorstellung weitertradieren?

Gerade in Fällen, wo es um Kulturgüter geht, die vor langer Zeit aus ihren Ursprungsländern irgendwohin verbracht wurden stellt sich da die Frage, inwieweit dies nicht nach den Vorstellungen der damaligen Zeit durchaus vollkommen rechtmäßige und moralisch einwandfreie Geschäfte waren - sei es, daß Stücke als Kriegsbeute einfach mitgenommen wurden, sei es, daß sie durch Kauf von einem lokalen Bauern, dem das Feld gehörte, auf dem sie standen, zu einem nach unserem Verständnis völlig lächerlichen Spottpreis erworben wurden, sei es, daß sie von einer vergangenen Regierung eines lange schon nicht mehr existierenden Staates zu einem ebensolchen Spottpreis oder aber überhöhten Preisen gekauft wurde, sei es, daß dafür Entwicklungsshilfe oder sonst was geleistet wurde, und als "Dankeschön" Antiquitätensammler aus Ländern der ersten Welt halt mitnehmen durften, was nicht niet- und nagelfest war, all dies mag zur jeweiligen Zeit und unter den jeweiligen örtlich geltenden Rechts- und Moralvorstellungen durchaus akzeptabel, ja vielleicht sogar lobenswert gewesen sein. Das mag uns heute nicht mehr so erscheinen, das ändert nichts daran, daß es eben damals anders war, ob uns das jetzt paßt oder nicht. Hier rückwirkend Recht zu ändern ist mehr als bedenklich, weil mit demselben moralisierenden Argument kann ich dann das Kaffeehaus in Wien, daß mein Urgroßvater nach dem ersten Weltkrieg zu einem Spottpreis verkaufen mußte, zurückfordern, und dann sind wir wieder in einem unauflöslichen Restitutionsspielchen gefangen, in dem im Endeffekt wieder nur die gut aussteigen, die wegen jedes Splitters im Auge eines anderen riesigen moralischen Tamtam machen, aber den Balken im eigenen Auge ignorieren. Weil Moral, das wissen wir seit Büchners Woyzeck, das ist, wenn man moralisch ist, und was moralisch ist, sag ich (und es gilt natürlich immer nur für andere, daß sie moralisch zu sein haben, weil ich erfülle meine moralischen Pflichten ja schon dadurch, daß ich das moralische Versagen aller anderen Aufzeige, mein eigenes dabei aber Totschweige).

So gesehen ist die Kulturgüterrestitution ein ganz bedeutendes Problem für die moderne Archäologie, aber weit über diese hinaus auch für die moderne Gesellschaftspolitik.

Liebe Grüße,

RAY

Geschrieben von: lector Thursday, 1.05.2003, 10:59
Es wird schlussendlich wohl auf das Festsetzen von international gültigen "Ersitzungsfristen" hinauslaufen. Ich sehe da gar keine andere Möglichkeit.

QUOTE
daß "Originalstücke" möglichst dort verbleiben sollten, wo sie zuerst erzeugt/gefunden (je nachdem, was grade paßt) wurden, anstatt einfach wie auch jeder andere (Wert)Gegenstand dem Handel am freien (Welt)Markt zugänglich gemacht zu werden?



Klingt bestechend der Gedanke, und geradezu revolutionär vor dem Hintergrund der geläufigen Handhabung.
Nur sehe ich diese Variante auch in fernerer Zukunft nicht, weil alle "National"staaten, solange es solche in der gegenwärtigen Form gibt, "ihre Kulturgüter" bei sich behalten wollen, jede Stadt, jede Gemeinde usw. ihr eigenes Museum mit den dortigen Funden füllen möchte, schon allein, um touristische Attraktionen zu haben, die Geld einbringen.
Diese Frage sehe ich also mehr im Zusammenhang mit den jetzt üblichen Eigentumsvorbehalten, als mit uns als "Professionisten in der Kulturerbeforschung", wenngleich wir da unseren Teil mit der fixen Idee des örtlichen Verbleibs beitragen.
Da muss sich gravierend was geändert haben in unserem Bewusstsein, denn das war ja früher überhaupt nicht so, als (und das noch vor nicht allzu langer Zeit) sehr gerne Gegenstände außer Landes geschafft wurden, um in ein Museum in der Heimat des Ausgräbers verbracht zu werden, oder in die private Scherbensammlung eines durchaus honorigen hiesigen Hochschulprofessors Eingang zu finden.
Oder wurde dieser Sinneswandel nur erzwungen, weil die Situation und das "kulturelle Bewusstsein" in den klassischen Herkunftsländern von Funden, die über lange Zeiträume unsere Sammlungen bereichert haben, sich geändert haben ...

Geschrieben von: Majestix Friday, 2.05.2003, 13:55
Es tut gut, hier eine so differenzierte Diskussion dieses oft so hoch emotionalisierenden Themas zu lesen.

Eine Facette, die mir bei der gelegentlichen Beschäftigung mit der Erwerbungsgeschichte von Antiken im (heutigen) Griechenland während des 19. Jhs. schon mehrmals untergekommen ist, ist der Nachsatz "die osmanischen oder auch griechischen Zuständigen konnten sich gegenüber den (politischen) 'Schutzmächten', d.h. England, Frankreich, Rußland etc., nicht durchsetzen".
Natürlich war der Schutz (im Sinne von Behalten) eines der Anliegen der frühen griechischen Altertumsvereine, die bereits im frühen 19. Jh. nach Vorbildern in 'Europa', u.a. England und Bayern, gegründet wurden. Und das - wenn auch sehr individuelle und selektive - Interesse der osmanischen Machthaber an den Antiken in Griechenland reicht noch viel weiter zurück, auch wenn es generell, der Zeit entsprechend, natürlich nicht besonders ausgeprägt war. Aber zumindest gelegentlich hat ganz einfach das außenpolitische Argument den sehr wohl bereits vorhandenen Gedanken des Schutzes der eigenen Vergangenheit 'gestochen'.

Majestix



Geschrieben von: lector Saturday, 18.10.2003, 11:06
Peinlich, peinlich ...

Parthenon-Fries-Rückgabe: "Tony, habe Wahlen"

Ein eingeschaltetes Mikrofon beim Gipfeltreffen der EU in Brüssel hat den griechischen Ministerpräsidenten Kostas Simitis am Freitag in eine peinliche Situation gebracht. Der griechische Sozialist bat seinen britischen Amtskollegen Tony Blair um Hilfe bei der Rückführung der bedeutenden Parthenon-Friese aus England nach Athen:

"Toni, ich möchte über die Elgin Marbles mit dir reden. Wie du weißt, haben wir Wahlen kommendes Jahr ... Es würde nützlich sein, weißt du ... ". Simitis wusste nicht, dass alle griechischen Fernsehzuschauer das von einem griechischen Sender mitgeschnittene Gespräch hören konnten.

Um die archäologisch und künstlerisch wertvollen Parthenon-Friesteile gibt es seit längerem Streit zwischen Großbritannien und Griechenland. Die Anfang des 19. Jahrhunderts von dem britischen Diplomaten Lord Elgin aus dem Parthenon der Akropolis entfernten Marmorteile werden derzeit im Britischen Museum in London ausgestellt.

Griechenland möchte sie für die Olympischen Spiele in Athen im August 2004 zurückhaben. Die Rückgabe gilt in Griechenland als ein "Ziel von nationaler Bedeutung". Blair antwortete: "Ich werde es mir überlegen. Ich habe die Nachricht verstanden."


kultur.orf.at/ticker/127571.html

Geschrieben von: Spider Sunday, 2.05.2004, 20:22
Diese Rückgabe machte offenbar weniger Probleme:

Stolen Peru Artifacts Returned
41 Pre-Columbian Objects Recovered by U.S. Agents

By Jacqueline Trescott
Washington Post Staff Writer

U.S. officials yesterday returned to Peru 41 pre-Columbian artifacts, including a 1,000-year-old mother-of-pearl knife, an elaborately decorated burial shroud and a gold nose ornament more than 1,700 years old. The items were seized during three investigations.

International agreements and U.S. laws prohibit possession of items that are part of a country's archaeological heritage.

The objects were worth more than $1 million, according to Michael J. Garcia, assistant secretary for U.S. Immigration and Customs Enforcement of the Department of Homeland Security, but he stressed the prominent place the items hold in Peruvian culture and their importance as archaeological milestones. "The collection cannot be [fully] valued in dollars," Garcia said.

Most of the loot was discovered after undercover agents last year arrested an Arlington man who was trying to sell artifacts on the black market. The government determined that 21 items in his collection were pre-Columbian, including several textiles. The man was later convicted of violating a federal law that protects national
relics.

In another case, a Colorado man had purchased pre-Columbian materials from a looter in Peru and concealed them in his rock-climbing gear. The government identified 19 of the items as antiquities and seized them.

Agents also seized one piece of pre-Columbian art that was in the collection of a San Jose, Calif., man. The collector is now a fugitive.

Peru has been a mother lode for archaeologists and a target for looters, thanks to the richness of the materials discovered at several sites: the famed Inca city Machu Picchu; Chan Chan, the largest city in the pre-Columbian Americas; the tomb of the Lord of Sipan, the King Tut of the Americas; and sites near the mysterious Nazca Lines, gigantic geometric patterns and miles-long animal figures etched into the desert floor by an ancient culture.

Peruvian Ambassador Eduardo Ferrero, who accepted the treasures, said his country's ancient culture is still "alive and has not disappeared," kept intact in festivals and exhibitions.

The looting of archaeological sites is a vast problem, he said, and one that spreads as more ancient settlements are discovered. He said he hoped the public transfer of the objects would discourage "all those who try to loot the patrimony of our past."

Garcia said the Internet was providing another outlet for smugglers. "We are saying, Don't continue doing this. It is illegal," the assistant secretary said.

Abelardo Sandoval, an archaeologist with the Smithsonian's National Museum of Natural History, helped authenticate many of the materials. Identification was made by the common design and the use of symbols, such as snakes, eagles and jaguars.

He said some of the items, such as the mother-of-pearl knife and ornaments from the Huari culture, were particularly significant treasures. A coastal, warrior society, the Huari eventually spread their reach to the highlands.

One of the most disappointing elements of the seizures was a damaged burial shroud, which was made between A.D. 1100 and 1400. "The bodies were covered with cotton, four or five layers of cotton, and then the final cover is this tapestry," Sandoval said. A large square of the shroud was decorated with masks, monkeys and cats. When it was recovered, it was faded, Sandoval said, "but sometime along the way it was also damaged by washing."

Ferrero said all the items, which were displayed on a long table at the Peruvian Embassy, will be enrolled in Peru's antiquities registry upon their return home and then displayed in museums around the country.

"With this symbolic act, part of the legitimate identity, as a multicultural and multiethnic community, is being returned to our nation," said Ferrero.

Washington Post


Geschrieben von: lector Monday, 3.05.2004, 00:54
Wird mit "Parthenon & Co." halt nicht so ablaufen - falls je (ich glaub´s ja nicht, und ich halte es auch nicht für ein echtes Thema).

Die "Marbles" haben inzwischen mehr "britische Identität" als griechische. Und das trifft sinngemäß auf vieles andere genauso zu.
Es geht doch im Grunde darum, das "Weltkulturerbe" zu bewahren.
Wo das geschieht, ist in Zeiten wie diesen doch egal, Hauptsache, es geschieht überhaupt.

Geschrieben von: Majestix Monday, 3.05.2004, 10:23
Natürlich gebe ich Dir recht, lector! Es geht aus archäologischer Sicht einzig und allein um das Bewahren des Kulturerbes!

ABER: Dann sollte im Gegenzug der griechische Staat die antiquierte Krone der Queen 'bewahren'!

Von wegen 'Es geht um das Bewahren des Kulturerbes. Wo das geschieht, ist in Zeiten wie diesen doch egal'!!!
Die Grenzen zwischen 'nationaler Großzügigkeit' und 'Chauvinismus' sind bekanntlich fließend, und wenn man mit Identität argumentiert - ja gerade dann müßte man konsequent sein und die Marbles zurückschicken.

Majestix




Geschrieben von: lector Monday, 3.05.2004, 11:04
Die Krone kann ruhig bis auf weiteres in England bleiben. Aber man könnte eine exakte Kopie auf der Athener Akropolis ausstellen.

Die politischen Veränderungen könnten natürlich auch im Hinblick auf das "kulturelle Erbe" wirken, und kommende Generationen könnten diese Fragen ganz anders sehen, gelassener, als das heute noch vielfach geschieht. Vielleicht werden dereinst im BM Kopien der Marbles stehn, und die Originale in Athen in einem "Palais Eldgin" aufgestellt (EU-Sonderprojekt?). Den von mir benutzten Begriff "Identität" würde ich sehr stark relativieren, denn der sollte an sich keine tragende Rolle in lokalem Sinn mehr spielen, wo es derzeit und hinkünftig um eine gesamteuropäische Identität gehen dürfte, die erst ihrer Herausbildung bedarf.
Vieles ist im Wandel begriffen, und das könnte sich auch auf Fragen des realen Kunsttransfers auswirken.
Ich weiß nur nicht, ob unsere Generationen das noch erleben werden.

lector.

---
Christopher Hitchens/Robert Browning/Graham Binns, The Eldgin Marbles: Should They Be Returned to Greece? (Verso, London/New York, 2nd ed. 1997).
Weitere Literatur zum Thema z.B. in: www.indiana.edu/~origins/teach/p200/ETHICS_bib.pdf

Geschrieben von: Majestix Monday, 3.05.2004, 13:23
Das mit der 'Europa-Identität' würde ich einmal nicht überschätzen! (Oje! gefährlicher Satz fürs Archiv!) Vgl. die gesamte Diskussion hier! Die Zwergen- und Nationalstaaten-Diskussion GIBT es heute und wohl noch mittelfristig, langfristig und möglicherweise noch länger! Und gerade für nationale Identifikation sind Besitzstandsdiskussionen von historischem Gut ja hervorragend geeignet. - Regierungparteien von Einzelstaaten wollen ja Wahlen gewinnen!

Das mit der britischen KönigInnen-Krone müßte man aber folgerichtig so lösen: das Original ins Historische Museum in Athen und die Gipskopie auf den Queens-Kopf in London!

Very amused!
Majestix




Geschrieben von: lector Sunday, 20.06.2004, 19:21
www.guardian.co.uk/arts/news/story/0,11711,1243312,00.html

Marbles expert: Greeks are like abusive parents

Vanessa Thorpe, arts and media correspondent
Sunday June 20, 2004
The Observer

It is Europe's longest-running cultural heritage dispute, yet the row over the rightful home of the Elgin Marbles is still so hotly contested it will almost qualify as an Olympic sport in Athens this summer.
Undiplomatic comments made by a British archaeologist in a new BBC documentary on the subject will now take the temperature of debate still higher. Dr Dorothy King, a supporter of the British Museum's position on the ownership of the marbles, has offended members of the Greek community in the UK by comparing the would-be custodians of the Parthenon frieze to abusive parents.

Speaking in the BBC2 film, to be screened on Saturday, King says: 'If we knew a woman was abusing her child, we wouldn't let her adopt another.' She is suggesting that the Greeks do not look after the marbles they have and so should not be entrusted with precious antiquities. This weekend King confirmed this is her view, although she said she could not remember making the comment used in the film.

'You cannot even begin to discuss the matter until they start looking after what they have,' she said. 'I have a real problem with those campaigners for the return of the marbles who quite happily lie through their teeth and change the facts.'

King, from Kensington, west London, has been at the centre of academic controversy before. News of her strongly expressed opinions in the BBC film has incensed some of those campaigning for the return of themarbles.

'That lady really should restrict herself to talking about things which she knows something about,' said Dr Nicholas Papadakis, of the Greek embassy. 'It takes some cheek on her part to make such an impertinent comment that reverses the facts entirely.'

The programme, presented by art expert Andrew Graham Dixon, is an assessment of the arguments in the run-up to the cultural events surrounding the Athens Olympics. The Greek government has requested the loan of the marbles, hacked from the city's ancient Acropolis by Lord Elgin in 1801, as a gesture of good will and the UK culture secretary Tessa Jowell will be meeting her Greek opposite number at the games to discuss the issue.

The Greek government is building a £55million state-of-the-art showcase for the 79 marble panels it still has and plans to leave gaps where the British Museum's pieces should go. 'If the British Museum want to improve relations it would be a good first step if they were to distance themselves completely from such offensive remarks,' said Papadakis.

A spokeswoman for the British Museum said that King's comments were her own and were not part of the museum's own argument. The loan of the marbles, however, was not up for negotiation, she said, adding that in this case 'loan' meant a permanent arrangement. The museum is already lending £2m worth of antiquities to Athens in the preparations for this summer's Olympic Games.


Naja, manchmal ist ein Satz weniger mehr ...

Geschrieben von: lector Sunday, 20.06.2004, 19:29
Und gleich noch zum selben Thema:


observer.guardian.co.uk/review/story/0,6903,1242758,00.html



End the exile
For 300 years we have had the Elgin Marbles, but the case for their return is now unanswerable

Neal Ascherson
Sunday June 20, 2004

The Observer

In August, the Olympic Games begin in Athens. The world will converge on the city crowned by the Parthenon. But the Greeks, hoping against hope, have invited a very special group of guests who will not be coming. The sacred figures of the Elgin Marbles, sawn off the temple by a Scottish nobleman almost 200 years ago, will be staying in the British Museum.
This week, a fair-minded BBC film will examine Lord Elgin and what he did. It will also set out the arguments, some respectable, some disgraceful, which have kept the marbles here in the teeth of generations of Greek - and British - protest. At the Games, Culture Secretary Tessa Jowell will meet her opposite number, Costas Karamanlis, who is both minister of culture and the new Prime Minister. It is obvious what he will say to her. It is far from obvious that they will agree.

Where are they going, those grave maidens carrying wreaths, those bareback horsemen brooding as they ride? I'm one of those who hope that they are going back to Greece. Not just because Lord Elgin took them wrongfully, and not just because the Greeks need them more than we do. But because it's time they left England. They have been here too long for England's good.

The marbles in the British Museum are performers, trained as actors in a ceremony. But this is not the Panathenaic Procession. It is a Great British ceremony, about an imperial splendour which thought of itself as universal rather than merely national. In the Duveen Gallery, within the British Museum, these figures no longer deliver Athens any more than the bagpipers who tramp round banquets at Windsor Castle deliver Scotland. They are guests from Greece who became so well known during the 19th century that they were adopted into the family.

Some Victorians took that literally. They looked at the broad-chested, muscular bodies and announced that the Greeks of the 5th century BC could not have been the ancestors of the puny modern inhabitants of Attica or the Peloponnese. No, the Parthenon must have been built by a Teutonic race, in other words, by the proto-English.

Robert Knox, the anatomist who made his name with corpses snatched or murdered by Burke and Hare, claimed to recognise on the streets of 1850s London the 'large-limbed, athletal' males and 'full-bosomed, fleshy and large-limbed' women of the Parthenon marbles. What a pity that the complete figure of Poseidon from the west pediment was not around to back his case. Poseidon has a terrific six-pack of abdominals, but London possesses only his shoulders and torso. Lord Elgin failed to grab the stomach, which remains on show in Athens.

Two years ago, the Greek ministry of culture featured Poseidon in a clever picture book, The Reunification of the Parthenon Sculptures . This shows what the separated fragments in Athens and London would look like if they were joined together again. Apart from sculptures from the pediments, Elgin took 56 of the surviving frieze panels and 15 of the external metope panels. Forty of the former and 39 of the latter remain in Athens.

The story of these important guests is in three chapters. At first, they were greeted as sexy but illegal immigrants. Elgin, who started hacking them off the Parthenon in 1801 and finally sold them to the nation in 1816, was regarded by many as a racketeer who had kidnapped these Greek natives and wangled asylum for them in Britain.

When he defended his actions before a parliamentary inquiry in 1815, he made the 'refugee from persecution' argument: he had rescued the statuary because the Turkish authorities in Athens were about to grind them up for limestone mortar. But this was not what he had said at the time. His rationale changed frequently. At first, he proposed merely to measure the marbles and have them drawn. Then he had the notion of shipping the best of them back to adorn his new country house in Scotland.

Later, as his men sawed off one relief after another (the marbles were an integral part of the temple, not separate decoration), Elgin simply instructed them to take everything good, and postponed plans about what to do with it. At one point, he even thought of dismantling and removing the nearby Erechtheum and its caryatids. 'Bonaparte has not got such a thing from all his thefts in Italy!'

The plea that he was rescuing the marbles from destruction was an afterthought. But it wasn't untrue. The Turks did smash up some sculptures, and today, after 200 years of weathering and pollution, the marbles in the British Museum are in better shape than the metopes and frieze panels which stayed in the Parthenon.

After the protests, the public calmed down and grew to love the marbles. The Victorians were moved by the fancy that the English were the new Greeks - rulers of an empire maintained not by brute force but by moral and intellectual grandeur. Those who taught in the public schools were also interested in the marbles because of all that male nakedness. Clearly, these were 'healthy minds in healthy bodies'.

Pagan Greeks were appointed as the ancestors of English muscular Christianity. The icon of the naked man on a horse came to stand for Britishness - physical power and grace plus incorruptible virtue. The horseman found his way on to the gold sovereign, where the image of St George is one of the Parthenon riders with an added dragon.

In the mid-20th century, British opinion began to swing. Greece and Britain fought together for survival against Hitler, and in 1941 the Foreign Office accepted in principle that the Elgin Marbles could be returned to Greece after the war. The British Museum objected, but feebly.

Nothing happened, but postwar Greece kept up the pressure. In the 1980s, actress Melina Mercouri became minister of culture, using her fame and charisma in a worldwide campaign for the return of the marbles. Work began on a new Acropolis Museum, which will display the marbles remaining in Athens in a replica of their original positions, leaving gaps for the London marbles.

Under attack, official British attitudes stiffened. The British Museum stonewalled behind the argument that its constitution forbade the trustees to give up its possessions. Within hours of Tony Blair's election victory in 1997, Chris Smith, the first New Labour Culture Secretary, dashed Greek hopes by stating that the return of the marbles was out of the question.

But, offstage, there has been a long series of discreet contacts, especially in the run-up to this summer's Olympics. The British worry that this dispute could poison not only their relations with Greece but their search for allies within the EU. Neil MacGregor, the new director of the British Museum, still rejects all Greece's cultural and legal arguments for return, but he is clearly anxious to find a way out of the impasse. A poll commissioned by the British Committee for the Restitution of the Parthenon Marbles found that 80 per cent of the sample now favours return, a view shared by an overwhelming majority of Labour MPs.

The row has been running for two centuries. The arguments for keeping the marbles in London change all the time, but the arguments for returning them stay much the same. In 1828, a Polish visitor to London, Krystyn Lach-Szyrma, wrote: 'There [in Athens] everything had its reason for existence and meaning and formed one whole; here everything is in pieces, almost in ruins, without any sense or order. In a word, these remains brought to England are no longer what they were in Greece... where the common people, even through looking at them, developed their taste and perception.'

That remains the core of the returners' case. The marbles only make sense when they are together in the context of the great building of which they were an integral part, and they are the central symbol of the Greek nation's identity. The retentionists, on the other hand, have hopped from slogan to slogan. The British Museum's mission was to keep what it legally held. The Greeks were impostors, barbarian late comers who had nothing to do with the builders of the Parthenon. The Greeks were incapable of looking after their treasures, whereas the museum had cared for them properly. Neither side scores brilliantly on that last one. In 1938, the Elgin Marbles were disastrously scoured with copper tools, while in Greece the early 20th-century restoration of the Parthenon did such appalling damage to the fabric that a 30-year rescue programme is not finished.

What about the fear of many big museums that returning the marbles would unleash a flood of demands for other treasures to be repatriated - London's Benin bronzes back to West Africa, or Berlin's Pergamon altar back to Turkey, or Napoleon's loot in the Louvre back to Venice and Egypt? Richard Allan MP, like the Greeks, insists that the Parthenon is a special case which sets no precedent. The marbles, he says, are not isolated objects, but part of a monument which still exists. It's as if one of the Stonehenge trilithons had been uprooted and carted off to Paris.

Today, Neil MacGregor mounts two sophisticated defences. One is that the British Museum is a 'universal' museum of human civilisation, and that in Greece, the marbles would be reduced to a 'merely' national display. The other is that in the British Museum the marbles form part of a total 'narrative' of world cultural history, revealing to visitors the connections leading from Mesopotamia and Egypt through Greece to Rome and the Renaissance. MacGregor's approach is old-fashioned, but serious. It contrasts with that of Dr Dorothy King (who defends the Museum but is not on the staff). With inimitable English rudeness, she told the BBC film-makers that Greeks weren't fit to be trusted with antiquities. 'If we knew a woman was abusing her child, we wouldn't let her adopt another!'

But the current of opinion is still moving against the museum. Among many curators around the world, repatriation is in vogue. The Greeks no longer insist on property rights to the London marbles and suggest that they could be loaned to a part of the Acropolis Museum under British Museum authority. Maybe they could even commute - 10 years in Athens alternating with 10 in London?

When the 'virtual Parthenon' museum on the Acropolis is complete, a new situation will exist in which Greece and Britain could invent a solution which humiliates neither side. After all, England has had its turn and sucked its own bizarre identity-juice from these stones. That was long ago, and they do not matter to this culture as they once did. Greece has been very patient, but should now welcome its exiles home.

· The Elgin Marbles is on BBC2 on 26 June
Guardian Unlimited © Guardian Newspapers Limited 2004

Geschrieben von: Spider Tuesday, 29.06.2004, 22:39
Wieder mal 'Altbekanntes':

"Kurier" vom 28.06.2004
Ressort: Weltchronik, Seite: 8
Ausgabe: Wi, Abend, Wi, Morgen

Nofretete-Büste soll zurück nach Ägypten

Das Ägyptische Museum in Kairo will die mehr als 3300 Jahre alte Büste der Nofretete aus Berlin zurückholen. Die neue Direktorin des Kairoer Museums, Wafaa El-Saddik, erklärte, die weltberühmte Büste der ägyptischen Königin sei nach den Ausgrabungen 1912 nicht legal nach Deutschland gekommen. Der deutsche Forscher Ludwig Borchardt habe ihren wahren Wert gegenüber offiziellen Stellen heruntergespielt, um die Büste nach Berlin mitnehmen zu können. Als Entschädigung will El-Saddik die Kalksteinskulptur zunächst für eine zweimonatige Ausstellung aus dem Berliner Ägyptischen Museum zurück nach Kairo holen.

Ägypten hat die bei Grabungen in Amarna gefundene Büste schon nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgefordert.

Copyrighthinweis: © Kurier - Wien, 2004.

s. auch archaeologieforum.at/forum/index.php?showtopic=2268

Geschrieben von: lector Tuesday, 19.04.2005, 12:24
Anm. lector:

Die den Obelisk von Axum betreffenden, ursprünglich hier erschienenen Beiträge findet man jetzt in einem eigenen Thread unter archaeologieforum.at/forum/index.php?sho...025&st=0&#entry10961 ff.

Geschrieben von: archaeodingsda Thursday, 18.05.2006, 16:00
derstandard.at/?url=/?id=2450436

Ägyptens Altertümerverwaltung will Nofretete zurück
Berliner Museumssprecher: Rückgabe ausgeschlossen

Berlin - Der Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung, Sahi Hawas, hat nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" die Rückführung der Nofretete-Büste von Berlin nach Kairo gefordert. Damit habe der Antikenchef vergangene Woche in Berlin den deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler und den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak während der feierlichen Eröffnung der Ausstellung "Ägyptens versunkene Schätze"" überrascht.

Die Bemerkungen zu Nofretete hatten bei den Festgästen zum Teil Gelächter und Schmunzeln ausgelöst. Unter Hinweis auf die 100-Jahr-Feier des Deutschen Archäologischen Institutes in Kairo im nächsten Jahr hatte Hawas gesagt, er hoffe auch gerne "auf den Besuch einer Königin Nofretete". Berliner Regierungskreise sehen diesen neuerlichen Vorstoß gelassen, zumal er nicht der offiziellen Haltung Ägyptens entspreche. Es gebe keinen Grund, über die rechtliche Position in diesem Fall neu zu diskutieren. "Die Sachlage ist eindeutig."

"Nicht mehr reisewillig"
Auch ein Sprecher der Staatlichen Museen in Berlin hält eine Rückgabe für ausgeschlossen und sagte, die Heimat der Kalksteinbüste der ägyptischen Königin Nofretete bleibe Berlin. "Die Dame ist nach 3.000 Jahren nicht mehr reisewillig." Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, verwies auf die "eindeutigen und völkerrechtlich klaren, von allen Seiten offiziell anerkannten Verträge" über den deutschen Besitz der Büste. Lehmann erinnerte an eine kürzliche Aussage des ägyptischen Botschafters in Berlin, der Nofretete "die beste Botschafterin Ägyptens in Deutschland" genannt hatte.

Nofretete war 1913 vom Osmanischen Reich dem Berliner Kunstmäzen, Ausgräber und Finanzier James Simon überlassen worden. Die Kalksteinbüste befindet sich seit über 90 Jahren in Berlin und ist gegenwärtig im Alten Museum zu sehen. Ihren endgültigen Standort wird sie 2009 als ein Höhepunkt der ägyptischen Sammlung in dem dann wiederaufgebauten Neuen Museum auf der Museumsinsel haben. (APA/dpa)

Geschrieben von: archaeodingsda Friday, 26.05.2006, 10:30
www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,418060,00.html

Ägypten erhält antike Schätze aus Deutschland zurück

Nach einem Bericht der ägyptischen Behörden will die Universität Tübingen fünf Fragmente eines antiken Pharaonen-Reliefs an Ägypten zurückgeben.

Kairo - Nach Angaben von Ägyptens Kulturminister Farouk Hosni sollen die Reliefstücke im kommenden Monat zurückgegeben werden. Es handelt sich nach Angaben der Altertümerverwaltung um fünf Reliefs aus dem Grab von Pharao Sethos I. im Tal der Könige. Direktor der Behörde, Zahi Hawas, sagte, die Teilstücke sollten bei der Restaurierung des derzeit für die Öffentlichkeit geschlossenen Grabes in Theben wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren.

Hawas sprach der Universität Tübingen seinen Dank aus und lobte ihre Bereitschaft, Fundstücke zurückzugeben, die "von den ersten Reisenden in Ägypten aus den Wänden gehackt wurden und die sich heute in Sammlungen überall auf der Welt befinden".

Das Grab Sethos I. (um 1290-1279 v. Chr.) ist 100 Meter lang und mit besonders schönen farbigen Reliefs dekoriert. Seit 1978 ist das Grab allerdings für Touristen geschlossen. Sethos I. war der Vater von Ramses II., einem der bedeutendsten Herrscher im Alten Ägypten.

chs/dpa/AP

Geschrieben von: lector Friday, 2.06.2006, 21:52
Nofretete bleibt in Berlin.



QUOTE
Aegypten will sich Nofretete nur ausleihen

Kairos Direktor fuer Altertuemer fordert nicht laenger die Rueckgabe der
Nofretete. Stattdessen solle die Bueste als Leihgabe nach Aegypten
kommen. «Ich werde vorschlagen, dass wir die Nofretete fuer drei
Monate ausleihen und den Deutschen im Gegenzug fuer diesen Zeitraum
ein noch wertvolleres Stueck aus unserem Aegyptischen Museum
ueberlassen», sagte er. Artikel aus der NETZEITUNG vom 16.5.2006.
www.archaeologie-online.de/links/detail/9244.php



direkt: www.netzeitung.de/kultur/398851.html

Archaeologie Online Newsletter

Geschrieben von: Ariadne Wednesday, 24.09.2008, 22:01
Wo sich überall Stückchen vom Parthenon finden:

Italy returns piece of Parthenon Marbles to Greece By NICHOLAS PAPHITIS,

ATHENS, Greece - Greece has finally taken possession of a chunk of the Elgin Marbles, and now holds renewed hopes of regaining the rest.

Italian President Giorgio Napolitano on Tuesday presented Greek authorities with a small piece of sculpture from the Parthenon kept in a museum in Palermo, Sicily, for the past 200 years.

The 2,500-year-old marble fragment was one of the works Scottish diplomat Lord Elgin removed from the ancient Acropolis in the early 19th century.

Elgin gave it to a friend in Sicily during a stop on his trip back to London, where the rest of his collection is still displayed in the British Museum — despite repeated Greek requests for its return.

Greek President Karolos Papoulias thanked Napolitano for the return of the fragment, which will stay in Athens on permanent loan from the Antonio Salinas Museum.

"As you know, Greece is seeking the return of the Parthenon Marbles (from the British Museum), so you are aware of the importance and the symbolism of this gesture," Papoulias said after talks with Napolitano Tuesday. "This gesture is especially appreciated."

The 14-by-13-inch artifact is a foot from a sculpture of Artemis, ancient goddess of the hunt, and originally stood above the entrance to the Parthenon as part of a 520-foot frieze that ran round the temple.

"When we opened the crate, the marble just shone ... like a gem," said Vivi Vassilopoulou, a senior Culture Ministry archaeologist.

It comes from a broken block, larger pieces of which survive in Athens and London, and will be displayed at a new museum designed to host all the Acropolis finds — including the Elgin Marbles.

An Italian official said a museum in The Vatican has agreed to follow up the gesture next month by returning two pieces of the Parthenon sculptures in its collections.

"I hope this will at least open the way (for the return of the Elgin Marbles)," said archaeologist Louis Godart, Napolitano's cultural adviser.

Culture Minister Michalis Liapis said the loan from Palermo was a boost to Greece's campaign to reunite all the Parthenon works at the new museum at the foot of the Acropolis.

"The positive responses we received in our international efforts encourage us to continue until we have achieved our target," he said.

The British Museum argues it legally acquired the Elgin Marbles, which form an integral part of its collections and are easily accessible to visitors from all over the world

The Palermo piece is the second fragment of the Parthenon marbles returned to Greece: The University of Heidelberg in Germany sent back a tiny fragment of the frieze two years ago.

The Parthenon was built between 447 and 432 B.C. in honor of Athena, ancient Athens' patron goddess, and was decorated with hundreds of sculpted figures of gods and participants in a religious procession. The marble temple survived virtually intact until 1687, during the Ottoman occupation of Greece, when a Venetian army besieging the Acropolis blew it up with cannon fire.

The Venetians started the plunder that was continued by later Western visitors, culminating in Elgin's visit.

About half of the surviving works are now in London, while museums in France, Germany, Austria and Denmark also own small fragments.

The $190 million Acropolis Museum is set to open early next year.

Designed by U.S.-based architect Bernard Tschumi in collaboration with Greece's Michalis Photiadis, the glass and concrete building will contain more than 4,000 ancient works.

news.yahoo.com/s/ap/20080923/ap_on_re_eu...hRklA5RvWLXBhl9vieAA

Geschrieben von: Solon Wednesday, 20.05.2009, 07:50
Zur Diskussion:

www.radiolarium.net/archaeologie/archives/194

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21 Nov 2011 11:42 - 21 Nov 2011 11:46 #2 von Karl
Letzte Änderung: 21 Nov 2011 11:46 von Carolus.

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13 Jun 2012 10:54 #3 von Carolus
Wieder ein Diskussionsbeitrag:

www.bbc.co.uk/news/uk-18373312

Stephen Fry's Parthenon Marbles plea backed in debate vote

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22 Jan 2015 18:13 #4 von Carolus

Repatriation Reinforces International Collaboration

Zoë Kontes
Zoë Kontes is an archaeologist and an associate professor of classics at Kenyon College.

UPDATED JANUARY 22, 2015, 11:21 AM


www.nytimes.com/roomfordebate/2015/01/21...tional-collaboration

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