Steinzeit-Fernhandel am Ende der Welt

  • Jupiterl
  • Jupiterls Avatar Autor
  • Offline
  • Platinum Boarder
Mehr
11 Mai 2019 11:43 #1 von Jupiterl
Steinzeit-Fernhandel am Ende der Welt wurde erstellt von Jupiterl
SIBIRISCHES NEOLITHIKUM
:
Steinzeit-Fernhandel am Ende der Welt

Aus 1500 Kilometer Entfernung erreichte vor 8000 Jahren wertvoller Obsidian die Jäger und Sammler an der arktischen Küste Sibiriens.
10.05.2019 von Roland Knauer

Wenn mitten im Juli bei hochsommerlichen Temperaturen von kaum drei Grad Celsius wieder einmal ein eisiger Wind zwischen Eishügeln durch sumpfige Senken über Grasstoppel, Moose und Flechten fegt, dann kann man sich nicht so recht vorstellen, dass hier auf der kleinen Schochow-Insel rund 600 Kilometer nördlich der sibirischen Küste einst auch einmal Menschen lebten. Selbst im Sommer ist die Ostsibirische See normalerweise von Eis bedeckt, nirgends findet man Holz, mit dem man ein wärmendes Feuer schüren könnte, um die Kälte ein wenig zu mildern. Zwischen Dezember und März pendelt die Temperatur normalerweise zwischen minus 25 und minus 32 Grad – und manchmal sinkt sie bis auf minus 48 Grad.

Da war die Witterung vor 8000 Jahren schon angenehmer. Damals waren die Winter auf der Schochow-Insel 1,3 bis 4,3 Grad wärmer: Auch im Juli lag die Temperatur drei oder vier Grad höher, zeigen Sauerstoff-18-Isotopen-Analysen von Eis, das im Untergrund aus jener Zeit überdauert hat. Und es fiel deutlich mehr Niederschlag als die kümmerlichen 478 Liter, die heutzutage in einem Jahr auf jedem Quadratmeter der Insel zusammenkommen. »Natürlich war das immer noch eisig kalt«, meint Wladimir Pitulko von der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Doch es war immerhin so warm, dass auf der Tundra Seggengräser, Zwergsträucher und Zwergbirken wuchsen. »Das allenfalls zwei Finger breite Holz taugte zwar nicht zum Bauen, war aber immerhin ein brauchbares Brennholz«, erklärt der Archäologe weiter. Die vielleicht 25 oder 30 Menschen, die damals in der kleinen Siedlung an der Küste der Ostsibirischen See lebten, dürften also genug Holz zum Kochen und Heizen gehabt haben. Und sie lebten hier, am Ende der Welt, allerdings keineswegs völlig isoliert: So verwendeten sie zum Beispiel einige wertvolle Klingen aus Obsidian. Der wurde jedoch am Krasnoje-See abgebaut, der in Luftlinie rund 1500 Kilometer südöstlich liegt.

Weiteres:
www.spektrum.de/news/steinzeit-fernhande...nde-der-welt/1643568
Powered by Forum